Magazin Wirtschaft

Im Blickpunkt :

Ein Jahr mit vollem Wind in den Segeln

Ein Rück- und Ausblick zur Jahreswende

Im Blickpunkt: Ein Jahr mit vollem Wind in den Segeln


Deutschland insgesamt hat ein für westeuropäische Verhältnisse herausragendes Wirtschaftsjahr hinter sich: Wirtschaftsforscher schätzen das Wachstum des realen deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) gegenüber dem Vorjahr auf 2.9 Prozent ein, im Vergleich zu einem mit 2.8 Prozent gleichfalls starkem Wachstum im gesamten Euro-Raum. Das ist dann auch - nach Einschätzung des Ifo-Institutes für Wirtschaftsforschung – das vorläufige Spitzenjahr. Für 2008 wird ein etwas abgeschwächtes Wachstum von 2.6 Prozent bis 2.5 Prozent auf einem allerdings immer noch hohen Niveau erwartet. Für die Landmaschinen-Industrie der EU erwartet die CEMA als Interessenverband der Landtechnikwirtschaft in 2007 sogar ein Allzeithoch von 8 Prozent Wachstum gegenüber dem Vorjahr, auf dann 20.2 Mrd. Euro Gesamtproduktion! Für die deutsche Landtechnikproduktion 2007 schätzt der VdMA ein immer noch sehr hohes Wachstum von 7 Prozent, nach dem überaus starken Anstieg von 10 Prozent in 2006. Wir erinnern uns, dass am 1. Januar 2007 die Mehrwertsteuer-Erhöhung von 15 Prozent auf 19 Prozent in Kraft trat, und dass es noch im vierten Quartal 2006 bis hin zum 29. Dezember 2006 jede Menge vorgezogene Verkäufe gab. Die Traktorenzulassungen liefen zu einem Höchsstand von 29.000 Traktoren auf!

Gestärkte Europäische Union – Flaggschiff für Wohlstand und Wirtschaftswachstum

Das Jahr 2007 begann gleich mit dem Beitritt von Bulgarien und Rumänien in die Europäische Union, so dass wir jetzt von der „EU der 27“ sprechen, in der insgesamt zehn mittelosteuropäische Länder ihren Platz gefunden haben (eilbote 3/2007). Der Anstieg des mittelosteuropäischen Traktorenmarktes um 36 Prozent in den ersten neun Monaten dieses Jahres ist ein kleines Beispiel dafür, wie diese Märkte in der Bugwelle der EU am Wachstum teilhaben können! Dass noch im Dezember dieses Jahres der EU-Reformvertrag – der den im Vorfeld gescheiterten EU-Verfassungsvertrag ersetzen soll – in Lissabon von den 27 Regierungschefs unterzeichnet wurde, ist eine der besten und weitest reichenden Nachrichten dieses Jahres. Die EU soll damit bis 2009 eine neue rechtliche Grundlage erhalten, als Basis für weiteres nachhaltiges Wachstum! Für die europäische Landtechnik hat sich die EU-Osterweiterung als eine solide Brücke hin zu den großen Märkten in den GUS-Staaten erwiesen.

Starke Landwirtschaft – Rückgrat für den weltweiten Aufschwung der Landtechnik

Wie der Phoenix aus der Asche, so ist die Landwirtschaft als vermeintliches Aschenputtel verdächtig nahe zu neuer Hochform und zu bester Stimmung aufgelaufen: „Eine deutlich steigende Nachfrage sorgt für geräumte Märkte“, sagte der sonst eher zurückhaltende Bauernpräsident Gerd Sonnleitner kürzlich und er erklärt die günstige Entwicklung vor allem mit den Weltmärkten. Der steigende Hunger der Welt nach besserer und vielfältigerer Ernährung treibt die Nachfrage an und sorgt für bessere Preise. Für eine Dezitonne Weizen konnten die Landwirte noch vor zwei Jahren 10 Euro erzielen, während jetzt Preise von 25 Euro eher die Regel sind. Auch die Milchpreise in den früher bedrängten Grünlandregionen zeigen nach oben. Eine landwirtschaftliche Vollzeitarbeitskraft kann jetzt 24.000 Euro erwirtschaften, wo vor wenigen Jahren je nach Betriebsstruktur nur 18.000 Euro erzielbar waren. Die Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen zur Energieerzeugung verstärkt die Aufwärtsbewegung, in Deutschland vor allem angetrieben durch stark gestiegene Flächennutzung für Rapsanbau zur Erzeugung von Biodiesel sowie dem Maisanbau zur Substrat-Gewinnung für die Beschickung von Biogasanlagen.

Globale Märkte mit neuen Chancen und Risiken

Die altbekannten zyklischen Auf- und Abwärtsbewegungen der einzelnen landwirtschaftlichen Produktionssparten blieben uns natürlich auch in 2007 erhalten – beispielsweise der Schweinezyklus mit Niedrigpreisen bei tendenziell steigenden Futterkosten. Neue Energieknappheit lässt die Preise für Energie ansteigen, und damit rückt beispielsweise sparsame Landtechnik mit niedrigem Kraftstoffverbrauch und präziser Ausbringung von Saatgut, Düngemitteln und Pflanzenschutzapplikation noch weiter in den Vordergrund. Das wachsende Segment der Energie vom Acker bringt Risiken mit sich, die auch von politischen Entscheidungen abhängen: Die geplante Steueranhebung für alternative Kraftstoffe kann die Rapsanbauflächen auch wieder zum Schrumpfen bringen, obwohl die gesetzlich verordnete Aufstockung der Beimischung alternativer Kraftstoffe diesen Rückgang wieder abbremsen kann. Bei Biogas schießen die Spekulationen in’s Kraut: In 2006 gab es schon 3.500 Biogasanlagen in Deutschland. Einschätzungen des Fachverbandes für Biogas zufolge sollen daraus 8.000 Anlagen in 2010 werden. Verknappung der Anbauflächen und unrentable Produktion durch steigende Rohstoffpreise werden bereits aktuell diskutiert.

Auf der ganzen Linie bringen also globale Verknüpfungen der Agrarwirtschaft neue Anfälligkeiten mit sich, die dem landwirtschaftlichen Erzeuger verstärkte Hinwendung zum Geschehen auf den Agrarmärkten und weitsichtige strategische Planung abverlangen! Gleiches gilt für die Landtechnik!

Die „Mehrmarkenstrategie“ eines Landwirtes – Krone, John Deere und Krampe bilden hier in friedlichem Nebeneinander
eine Verfahrenskette.

Die „Mehrmarkenstrategie“ eines Landwirtes – Krone, John Deere und Krampe bilden hier in friedlichem Nebeneinander eine Verfahrenskette.

Ein starkes Jahr 2007 für die Landtechnikhersteller – und gute Prognosen für 2008

Die Agritechnica 2007 hat vor allem gezeigt, dass die Landtechnik viele neue Lösungen für die angekündigte „Produktivitätsoffensive“ einer modernen Landwirtschaft bereit hält! „Schneller, größer, stärker“ als Landtechnik-Trend der letzten Jahre wird zunehmend ergänzt und bereichert durch intelligente Technologien, die pro Tonne Eisen (oder Einsatzgewicht) mehr Leistung, bessere Arbeitspräzision und somit weniger Kraftstoffverbrauch, weniger Arbeitskosten und weniger Beanspruchung von Boden, Luft und Wasser erbringen. Welche Technik dabei heraus kommt und wie die einzelnen Hersteller in den verschiedenen Landtechniksparten das anpacken, darüber haben wir im eilbote auch im Jahr 2007 laufend berichtet – beispielsweise in Marktberichten über Traktoren, Grünfuttererntetechnik, Feldspritzen, Teleskop- und Hoflader und zuletzt über Marktentwicklung, Technik und Unternehmen im Bereich der Feldhäcksler.

Dass die Agrartechnikindustrie mit ihren Entwicklungen weitgehend richtig liegt, das zeigen viele überaus positive Unternehmensergebnisse, die bei einigen Unternehmen für das Geschäftsjahr 2007 bereits vorliegen und bei anderen Unternehmen eingeschätzt werden: Der Landtechnikbereich von Deere hat ein Umsatzplus von 18 Prozent, und von Claas plus 14 Prozent erbracht. CNH und Agco lagen in den ersten neuen Monaten des Jahres jeweils bei 22 Prozent Umsatzplus. Die Spezialisten Grimme, Pöttinger, Krone und Strautmann konnten jeweils mit einem Umsatzplus von 22 Prozent, 16 Prozent, 15 Prozent und 13 Prozent in 2007 abschließen, nach bedeutenden Umsatzsteigerungen auch in den Vorjahren und bei gesundem Zuwachs der Nettorenditen. Bergmann, Mengele, Lemken und Amazone werden mit 20 Prozent und zum Teil deutlich mehr Umsatzzuwachs abschliessen. Diese Entwicklung zeigt aber auch, dass die Branchenkonsolidierung weltweit und in Europa weiter fortschreitet, denn die hier nur beispielsweise genannten Unternehmen liegen deutlich über dem durchschnittlichen Wachstumsraten der Branche insgesamt – das für die EU auf 8 Prozent eingeschätzt wird.

„Mergers & Akquisitons“

Nicht wenige strategische Allianzen, Übernahmen und neue Beteiligungen haben in 2007 die Grundlage für weiterhin geplantes Unternehmenswachstum gestärkt. Die bedeutendste strategische Allianz ergab sich aus der 50prozentigen Beteiligung von Agco an der Argo/Laverda Erntemaschinensparte, eingeschlossen die Beteiligung am italienischen Pressenhersteller Gallignani und am deutschen Grünfutterernte-Gerätehersteller Fella. Die auffallendste Übernahme in diesem Jahr war die kürzliche Akquisition des führenden Pflanzenschutzgeräte-Herstellers Hardi durch den gleichbedeutenden Feldspritzen-Marktführer Exel. Die letzte veröffentlichte, neue Unternehmensbeteilung war die der GCI Management AG in München an der Mengele Agrartechnik in Waldstetten.

Die wachsende Bedeutung des Landmaschinenfachbetriebes

Das auffallend starke Wachstum der europäischen und der deutschen Landmaschinenindustrie stützt sich weitgehend auf lebhafte Inlandsmärkte, aber auch auf Expansion in den Entwicklungsmärkten dieser Welt, mit besonderes starker Bedeutung der osteuropäischen Märkte. Von diesem Trend kann auch der Landmaschinenhandel in Deutschland marginal profitieren: Erstens öffnet sich ein weites Feld für den Export von Gebrauchttechnik. Zweitens eröffnet der zügige Abverkauf von Gebrauchttechnik dem Inlandshandel die Möglichkeit, die verstärkte Nachfrage der Landwirte und Lohnunternehmen im eigenen Absatzgebiet nach neuer und innovativer Landtechnik nach zu kommen. Hier zeichnet sich an ein Wandel ab: Elektronik, Sensorik aller Art und die gesamte intelligente, GPS-gestützte Technologie fordern dem Handel und der Werkstatt neue Kompetenzen ab, die er sich durch noch mehr Investition in die Werkstatt und in die Schulung aneignen muss. Um die Spezialisten hierfür auszubilden und um die Ausrüstung dafür zu unterhalten, ist eine entsprechende Einzugsgröße des Vertragsgebietes erforderlich. Entsprechend sind auch in 2007 eine Anzahl Filialbetriebe der Stützpunkthändler hinzu gekommen. Die Umsatzgröße des Landmaschinenhandels in 2007 pendelt sich in Deutschland voraussichtlich auf das gute Niveau des Vorjahres ein. Die Umsatzrendite der unterschiedlichen Landmaschinenfachbetriebe wird allerdings auch weiterhin weit auseinander klaffen - von „sehr gut“ bei den Vortrekkern, bis zu „mangelhaft“ bei den Nachzüglern. Bleiben Sie am Ball, und genießen Sie die Feiertage – nach einem aufregenden Jahr 2007!


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