Ideen aus der Praxis - Drescher-Tuning gegen „Ziehharmonikaeffekt“

Schwankungen beim Einzug des Erntegutes in den Mähdrescher kosten Kraft, erhöhen den Verschleiß und schmälern die Ernteleistung. Landwirt Zang hat einen Nachrüstbausatz entwickelt, der das Problem löst.

Ideen aus der Praxis: Drescher-Tuning gegen „Ziehharmonikaeffekt“

Der betriebseigene New Holland CR 8080 mit 9,15 m breitem Schneidwerk erreichte im Weizen dank Nachrüstung mit dem „Wirtschaftswunder“ einen Korndurchsatz von bis zu 70 t pro Stunde bei lediglich 70 Prozent Motorauslastung.

Seit fast einem halben Jahrhundert ist Günter Zang während der Erntekampagne mit dem Mähdrescher unterwegs, „und das mit Leidenschaft“, wie der 66-jährige betont. Innerhalb der Betriebsgemeinschaft Acker GbR mit Sitz im nordbayerischen Schöllkrippen, in der fünf Landwirte zusammen rund 600 ha bewirtschaften, gehört das Dreschen von Getreide und Mais zu seinem Aufgabenfeld. Den Pflanzenbau hat er mittlerweile an seinen Sohn Michael übergeben. Zang konzentriert sich seither auf den Mähdrusch.

Dadurch fand der Seniorchef die Zeit, sich mit einem Problem zu befassen, das ihn schon seit längerem beschäftigt. „Trotz aller Bemühungen um optimale Einstellungen des Mähdreschers war ich mit dem Druschergebnis oft unzufrieden. Insbesondere bei der Gerste gab es eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Ergebnis, unter anderem durch die nicht vollständige Entgrannung“, so Zang. Eine Begründung sieht er darin, dass die Rotortechnik wegen des möglichen Einsatzes zur Saatgutgewinnung eher auf einen schonenden Drusch des geschnittenen Erntegutes ausgelegt ist. Als weitere Ursache verortete er den Bereich der Zuführung am Mähdrescher. „Der Weg zwischen Klinge und Trommel ist entscheidend“, hat der Landwirt festgestellt. Komme es bei der Übergabe an den Schrägförderer zu einem Wechsel von Strohwülsten und Ausdünnungen im Gutstrom, dem sogenannten Ziehharmonikaeffekt, wie er insbesondere bei schwierigen Ernteverhältnissen zu beobachten ist, könnten die nachfolgenden hocheffizienten Aggregate – egal ob in Rotor- oder Schüttlermaschinen – ihr Potenzial nicht ausschöpfen. Die einhergehenden Leistungsspitzen wiederum führten zu erhöhtem Verschleiß und Spritverbrauch.

Ideen aus der Praxis: Drescher-Tuning gegen „Ziehharmonikaeffekt“

Der Nachrüstsatz für Mähdrescher zur Gewährleistung einer gleichmäßigen Zuführung des Getreides besteht aus den Komponenten Zwangsführungsleiste (r.), Ährenauflöseplatte (l.) und Grippleiste (M.).

Ideen aus der Praxis: Drescher-Tuning gegen „Ziehharmonikaeffekt“

Die Entwicklung des Nachrüstsatzes zur Mähdrescheroptimierung basiert auf Teamarbeit (v. l.): Mitarbeiter Florian Schreiber, Günter Zang und Michael Zang.

Sauber Dreschen durch gleichmäßigen Gutfluss

Aufbauend auf seine langjährigen praktischen Erfahrungen und Gespräche mit Fachleuten auf der Agritechnica entwickelte Zang mit Unterstützung seines Sohnes, der die CAD-Zeichnungen erstellte und die komplette Fertigung übernahm, sowie Jörg Wollesen vom Hersteller Agri-Broker den für jeden Mähdreschertyp anpassbaren Bausatz „Wirtschaftswunder“. „Einen guten Zustand des Schneidwerkes vorausgesetzt, sorgen die drei Zusatzteile Zwangsführungsleiste, Ährenauflöseplatte und Grippleiste für gleichmäßige Zuführung des Getreides und dadurch trotz hohen Durchsatzes für eine nahezu vollständige Kornabscheidung“, versichert der Landwirt. Zudem würden Siebkasten und Reinigung von übermäßigem Kurzstroh entlastet und durch die kontinuierliche Beschickung des Häckslers auf ganzer Breite die Häckselqualität gesteigert.

Im einzelnen erfüllen die Komponenten des Zusatz-Trios für den Mähdrescher nach Aussage des Schöllkrippener Entwicklers folgende Funktionen:

Die Zwangsführungsleiste sitzt auf der Einzugstrommel, an der die seitlichen Einzugsfinger entfernt werden. „An der richtigen Stelle platziert, vergrößert sie die Angriffsfläche zum Weitertransport der Erntegutmatte im Vergleich zu den flexiblen Fingern um das 20-fache“, sagt Zang. Durch die zweifache Abwinkelung der Leiste erhalte der Teppich aus Stroh und Ährenteilen den notwendigen Schub, aber es werde beim Weiterdrehen der Trommel und dem dadurch bewirkten Ausheben der Leisten-zähne kein Material mitgerissen. Somit bestehe nicht die Gefahr des Umwickelns.

Die gemäß Einschätzung des Entwicklers zentrale Komponente des Nachrüstsatzes sei die durch abgerundete Ausbuchtungen speziell geformte 5 mm starke Ährenauflöseplatte. Sie ist im unteren Teil des Schrägförderers montiert, löse bereits viele Körner heraus und entzerre den Gutstrom. Die Grippleiste schließlich diene dazu, den erhöhten Widerstand, den der Erntegutteppich beim Passieren der Ährenauflöseplatte überwinden muss, auszugleichen. Dieses dritte Teil des Bausatzes wird über den Einzugsleisten des Schrägförderers befestigt.

Ideen aus der Praxis: Drescher-Tuning gegen „Ziehharmonikaeffekt“

Die Ährenauflöseplatte mit ihren Ausbuchtungen löst bereits viele Körner heraus und entzerrt den Gutstrom.

Ideen aus der Praxis: Drescher-Tuning gegen „Ziehharmonikaeffekt“

Durch die zweifach abgewinkelte Zwangsführungsleiste auf der Einzugstrommel erhält die Matte aus Stroh und Ährenteilen den notwendigen Schub, ohne dass die Gefahr des Umwickelns besteht.

Lagergetreide verliert seinen Schrecken

„Seit den ersten Entwürfen im vergangenen Jahr haben wir die Komponenten des Bausatzes und deren Zusammenspiel in vielen Tests nachjustiert. Der jetzt vorliegende Entwicklungsstand zeigt an unserer Erntemaschine sehr gute Ergebnisse. Aber es funktioniert garantiert auch an allen anderen Mähdreschertypen“, sagt Zang.

Der im eigenen Betrieb und für den Lohndrusch eingesetzte New Holland CR 8080 mit 9,15 m breitem Schneidwerk, habe im Weizen dank Nachrüstung mit dem „Wirtschaftswunder“ einen Korndurchsatz von bis zu 70 t pro Stunde bei lediglich 70 % Motorauslastung erreicht. Das bedeute, dass pro Sekunde 40 kg Erntegut den 1 m breiten Förderkanal passieren. Dennoch komme Stau praktisch nicht mehr vor. Auch gebe es keine ruckartigen Spitzenlasten, etwa bei Unkrautnestern. In diesen Fällen steige die Motorlast lediglich um etwa 10 %. Überhaupt erledige sich der Mähdrusch viel entspannter. Schwierige Situationen wie Lagergetreide oder starke Verungrasung würden ihren Schrecken verlieren.

„Die Investition rechnet sich schnell, allein durch die Spriteinsparung und den geringeren Verschleiß, besonders, wenn man berücksichtigt, dass die gewonnene Leistungsreserve die Rettung für so manche kritische Partie vor einem Wetterwechsel ist“, argumentiert Zang für den Nachrüstsatz, der bei ihm selbst als auch bei Agribroker zum Preis von 2.500 Euro erworben werden kann. Bei erschwerten Erntebedingungen amortisiere sich die Anschaffung durch die erzielbare höhere Schlagkraft sowie die Vermeidung von Trocknungskosten und Qualitätsverlusten dann sogar in wenigen Tagen.

Ein Film zur Funktion und Wirkung des von Landwirt Günter Zang und seinem Sohn Michael entwickelten Nachrüstsatzes für Mähdrescher ist auf der Webseite www.agribroker.de zu sehen. Günter Zang ist unter 0170 8909243 und keilrainhof@t-online.de erreichbar.

Weitere Artikel zum Thema

weitere aktuelle Meldungen lesen