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Magazin Forsttechnik

Hafo Hilfswinde :

Beschwerliches Seilschleppen am Hang adé!

Das Ziehen des Stahlseils einer Forstwinde ist besonders am Hang anstrengend. Die Firma Hafo aus Österreich hat eine praktische Hilfswinde entwickelt, die diese Tätigkeit übernimmt. Wir haben das Gerät in einem Praxiseinsatz mit zum Holzrücken genommen.

Hafo Hilfswinde: Beschwerliches Seilschleppen am Hang adé!

Statt dem schweren Drahtseil muss der Forstarbeiter nur noch ein dünnes Kunststoffseil händisch in den Wald ziehen, den Rest erledigt die Hilfswinde.

Die Hafo Hilfswinde hier in der Variante rechts, mit Seil und Karabiner-Schlaufe.

Die Hafo Hilfswinde hier in der Variante rechts, mit Seil und Karabiner-Schlaufe.

Die Forstarbeit gehört nach wie vor zu den körperlich stark fordernden Tätigkeiten, trotz vielseitiger technischer Unterstützung. Es kommen aber immer wieder neue Geräte auf den Markt, die den Arbeitsalltag im Wald erleichtern. Dazu gehört beispielsweise die Hilfswinde von Hafo aus Österreich. Gegründet wurde die Firma von den vier Brüdern der Familie Haselsteiner (Hafo = Haselsteiner Forsttechnik). Sie gehen in der dritten Generation professionell ins Holz und haben daher einen reichen Erfahrungsschatz, welche Arbeitsschritte besonders anstrengend sind. Dazu gehört etwa das Ziehen des Stahlseils einer Forstseilwinde, vor allem, wenn es bergauf geht: Trotz hydraulischem Seilausstoß gerät dann so mancher Forstarbeiter ins Schwitzen, denn das Eigengewicht des Seils muss er mit reiner Muskelkraft den Hang hochschaffen. Je weiter er läuft, desto mehr Gewicht kommt dabei zusammen. Die Tüftler von Hafo haben daher eine zweite kleine Winde entwickelt, die das schwere Seil hydraulisch in den Wald zieht. Durch die geschickte Konstruktion muss kaum zusätzliches Material mitgeführt werden, die Hilfswinde selbst bleibt fest auf der eigentlichen Forstwinde am Traktor montiert. Wir haben den praktischen Helfer in der kleineren Variante „Easy“ ausprobiert.

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Die Funktionsweise ist denkbar einfach: Der Bediener koppelt das Stahlseil an das leichte 4,3 Millimeter-Kunststoffseil der Hilfswinde, eine Choker-Kette kann dabei ebenfalls direkt mit eingehängt werden. In das dünne Seil wird dann eine kleine Umlenkrolle eingehängt, an der eine Schlinge befestigt ist. Diese hängt sich der Forstarbeiter über die Schulter und läuft in den Wald, während die Hilfswinde ihr Seil abspult. Ist er an der gewünschten Position, wird die Schlinge via Karabiner-Haken an einem Baum angeschlagen. Nun kann das schwere Stahlseil ausgestoßen und von der kleinen Winde über die Umlenkrolle bergauf gezogen werden. Das spart viel Kraft und kann im Zwei-Mann-Betrieb auch lange Fußstrecken kompensieren.

Die Bandschlinge wird an einem Baum eingehängt und hält so die Umlenkrolle.

Die Bandschlinge wird an einem Baum eingehängt und hält so die Umlenkrolle.

Beide Winden werden über die Fernbedienung der Forstwinde gesteuert.

Beide Winden werden über die Fernbedienung der Forstwinde gesteuert.

Die Bedienung erfolgt dabei im besten Fall über die bereits vorhandene Funksteuerung der Forstwinde, welche in den meisten Profi-Betrieben zum Standard gehört. Rein mechanische Winden sind heute zwar ebenfalls noch keine Seltenheit, sie sind aber eher auf Betrieben zuhause, die nur sporadisch ein paar Bäume aus dem Wald ziehen, etwa für das eigene Brennholz. Für diese Nutzer ist aber auch das weniger häufige Ziehen des Stahlseils verkraftbar, da diese Tätigkeit bei ihnen nicht dauernd vorkommt, weshalb sie nicht zu den potentiellen Käufern einer Hilfswinde gehören dürften. Trotzdem gibt es auch für die eine Lösung in Form einer hauseigenen Hafo Funkbox. Wir würden aber durchaus davon ausgehen, dass sich eher Forstspezialisten für Geräte wie die Hilfswinde interessieren, welche bereits über eine Funkfernbedienung an ihrer Forstseilwinde verfügen. An diesen ist meist neben den Knöpfen für Ein/Aus und Abrollen/Aufrollen noch ein weiterer Schalter vorhanden, über den etwa das Traktor-Gas reguliert werden kann. Dieser kann auch für die Hilfswinde genutzt werden. Sind bereits alle Funktionen der Fernbedienung vergeben, kann eine davon mit einer Switch-Box von Hafo doppelt belegt werden: Am Traktor kann man dann zwischen diesen beiden Funktionen einfach per Kippschalter wechseln. Wir hatten einen freien Schalter zur Verfügung, angeschlossen werden mussten dafür lediglich zwei Drähte am entsprechenden Relais im Funkempfänger der Forstwinde sowie der Minus-Pol. Das entsprechende Kabel wurde bereits von Hafo an deren Hilfswinde vorinstalliert. So kann unsere Bedieneinheit gleichzeitig die Forstwinde abrollen und die Hilfswinde einziehen.

Der Turm mit Seileinlauf und Wippe kann durch einen Streckbolzen auf die nötige Höhe ausgefahren werden.

Der Turm mit Seileinlauf und Wippe kann durch einen Streckbolzen auf die nötige Höhe ausgefahren werden.

In Transportstellung ist der Turm nicht höher als die Winde selbst.

In Transportstellung ist der Turm nicht höher als die Winde selbst.

Das Stahlseil wandert so ohne Kraftaufwand direkt zum Forstarbeiter. Dort angekommen, kann dieser den zu rückenden Stamm anschlagen und aus dem Bestand ziehen. Wird zu zweit gearbeitet, kann eine Person auch am Traktor bleiben und dort dann den Stamm aus der Kette lösen. Wurde das Kunststoffteil ebenfalls wieder über die Umlenkrolle mit nach unten gezogen, kann es nun wieder am Stahlseil angehängt werden, wonach dieses wieder zum Mann im Bestand wandert. So muss niemand mehrmals die Strecke vom Traktor zum Holz laufen, die beiden Arbeiter können jeweils an ihrer Position bleiben. Voraussetzung ist natürlich, dass die Rückestrecke gut einsehbar ist, beide Partner miteinander kommunizieren können und sich das Holz unterwegs nirgends verkeilen kann.

Das 4,3 Millimeter-Seil der Hilfswinde zieht das schwere Drahtseil problemlos bis zu 175 Meter weit in steiles Gelände.

Das 4,3 Millimeter-Seil der Hilfswinde zieht das schwere Drahtseil problemlos bis zu 175 Meter weit in steiles Gelände.

Technische Details

Auf unserem Testgerät ist Platz für 250 Meter Kunstsoffseil (spezielles Dynema Seil CAT 2 mit eigenem Durchmesser, speziell für Hafo entwickelt). Da dieses über die Umlenkrolle doppelt in den Wald gezogen wird, können so Entfernungen von bis zu 125 Metern überbrückt werden. Der große Bruder – die „Pro“-Version – hat 350 Meter Seil an Bord und kommt so auf 175 Meter Reichweite. Unsere Hilfswinde hat mit 500 kg Zugkraft zudem ordentlich Dampf und zieht laut Hafo auch sehr starke Seile problemlos auf steile Berghänge. Das konnten wir in der Praxis etwas schmerzlich bestätigen: Unser Stahlseil verhakte sich während des Bergaufziehens kurz an einer Wurzel, wodurch die Hilfswinde voll auf Spannung ging und innerhalb von Sekunden das Gitter unserer Forstwinde verbog. Geschuldet ist das jedoch unserem Testaufbau, für den wir das Gerät der Einfachheit halber hinter das dünne Gitter geschraubt haben. Für den dauerhaften Einsatz empfehlen wir daher dringend, die Hilfswinde an den massiven, tragfähigen Baugruppen der Forstwinde zu installieren. In manchen Fällen müssten dafür eventuell Träger angeschweißt werden, an denen die Schnellwechselkonsole der Hilfswinde angebracht ist.

Denn diese kann durch wenige Handgriffe auch schnell von einem Gerät auf ein anderes umgesetzt werden, etwa wenn sich mehrere Nutzer die Hilfswinde teilen. Schließlich hat man ja nicht nur Rückearbeiten in sehr steilem, weitläufigem Gelände und ist dann froh über einen weiteren Investor beziehungsweise Mitnutzer. Eine etwas niedrigere Einbauposition empfiehlt sich dann ebenfalls, da die Winde mit 33 kg (Pro-Version 39 kg) gerade so noch händisch zu wuchten ist. In unserem Fall war aufgrund der höheren Einbaulage dann der Frontlader beim Einhängen doch gerne gesehen.

Vor dem Kauf muss zudem fest beschlossen werden, an welcher Seite die Winde montiert wird, denn es gibt eine linke und eine rechte Version. So ragt der 360 Grad drehbare Seileinlauf an der richtigen Stelle über die Winde hinaus. Der dafür nötige Turm der Winde ist zudem per Steckbolzen auf verschiedene Höhen einstellbar: Im Einsatz ragt er über unser Schutzgitter, während des Transports ist er eingefahren und sorgt so dafür, dass wir ohne Schäden in die Garage kommen.

Inzwischen finden sich die Hafo Hilfswinden nicht mehr nur an klassischen Anbau-Forstwinden, sondern auch auf Profimaschinen wie Skidder oder Spezialschlepper. Denn natürlich sind deren festverbaute Winden und ihre Bediener von der gleichen Problematik betroffen: ein schweres Stahlseil, das oft unter großer Anstrengung in den Wald gezogen werden muss. Dass das Hilfsseil dabei aus Kunststoff gefertigt ist, hat neben dem geringen Gewicht einen weiteren Grund: Es kann gespleißt, sprich auch unterwegs direkt im Wald repariert werden. Theoretisch wäre auf der Hilfswinde auch ein dünnes Stahlseil einsetzbar, Kunden fragen vor allem im Hinblick auf felsigen Bergwald immer wieder nach dieser Option. Hafo empfiehlt jedoch die Kunststoffvariante, da die Enden im Fall eines Risses problemlos vor Ort in wenigen Minuten wieder haltbar verbunden werden können – ohne klassischen Knoten. Eine Anleitung dafür stellt man in Form eines Videos bereit. Die Hilfswinde ist zudem seit 2019 durch das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e. V. (KWF) geprüft und somit deutschlandweit zum professionellen Einsatz für Wald- und Forstarbeiten zugelassen.

Die kräftige Winde konnte sogar das Gitter der Testwinde verbiegen.

Die kräftige Winde konnte sogar das Gitter der Testwinde verbiegen.

Die Installation ist einfach zu erledigen: Zwei Hydraulikleitungen und ein Kabel sind anzuschließen, zudem braucht es einen stabilen Platz für die tragende Wechselkonsole.

Die Installation ist einfach zu erledigen: Zwei Hydraulikleitungen und ein Kabel sind anzuschließen, zudem braucht es einen stabilen Platz für die tragende Wechselkonsole.

Fazit

Wir können nach dem Praxiseinsatz ebenfalls bestätigen, dass die Hafo Hilfswinde sehr praktisch ist und die körperliche Arbeit im Wald erleichtert. Vor allem in bergigen Regionen und für Forstprofis, die häufig mit der Seilwinde rücken, empfiehlt sich das Gerät. Das verbogene Gitter an unserer Winde haben wir bereits wieder gerichtet – solche Dinge gehören bei einem Praxiseinsatz eben auch dazu. Wir freuen uns bereits auf den nächsten!

Hafo – Sapi-Winde zieht schwächere Sortimente

Ausgelegt und vom Hersteller zugelassen ist die Hilfswinde alleinig für das Ziehen des Seils einer Forstwinde. Wer eine kleine Winde sucht, die direkt für das Beiziehen schwächerer Sortimente, großer Äste oder auch Nadelholzspitzen geeignet ist, sollte sich die Sapi-Winde – ebenfalls von Hafo – näher ansehen. Sie zieht in drei Versionen zwischen 850 und 1.450 kg. Wir haben die kleinste davon ebenfalls bereits im Praxiseinsatz dabei gehabt (Eilbote 39/2020) und damit problemlos 20 - 25 Zentimeter starke 4 Meter-Nadelholz-Fixlängen 50 Meter weit aus dem Bestand gezogen.


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