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Solides Auftragspolster

Gülletechnik: Solides Auftragspolster

Ab Februar 2025 wird auch auf Grünland die bodennahe Gülleausbringung Pflicht. Im Bild ein Tandem- Pumpwagen von Oehler mit Schleppschuhverteiler.

Von Annette Schulze Ising

Aktualisiert am

Hersteller berichten von gedämpfter Marktlage – Düngeverordnung und Witterungsverhältnisse fördern gezielte Investitionen – Ab Februar 2025 nur noch bodennahe Gülleausbringung auf Grünland – Bodenschonung und Gülleseparation weiter im Trend

Gülletechnik: Solides Auftragspolster

Der Landtechnikmarkt in Deutschland steht vor Herausforderungen. Zinserhöhungen und politische Unsicherheiten dämpfen die Investitionsbereitschaft der Landwirte. Zusätzlich haben feuchte Witterungsbedingungen die Ernteerträge schrumpfen lassen, was ebenfalls auf die Kauflaune drückt. Auch die Hersteller von Gülletechnik spüren die Auswirkungen der veränderten Marktbedingungen. Ab Februar 2025 kommt für sie eine wichtige Neuerung hinzu: Flüssige Wirtschaftsdünger dürfen dann nur noch streifenförmig und bodennah im Grünland und im mehrschnittigen Feldfutterbau ausgebracht werden.

Verhaltene Kauflust

Die Hersteller von Gülletechnik beschreiben die aktuelle Marktlage eher als gedämpft. Spuren hat auch die sogenannte „Bauernmilliarde“, also das Investitionsprogramm Landwirtschaft, hinterlassen. „Aufgrund der Förderung in den vergangenen Jahren hat sich der Markt verschoben“, erklärt Henrik Ströer von Briri. Vorgezogene Investitionen führten zusammen mit Zinserhöhungen und politischer Unsicherheit zu einem zurückhaltenden Kaufverhalten bei Landwirten und Lohnunternehmern. Zudem habe die feuchte Witterung der letzten Monate für Ertragseinbußen in der Getreideernte gesorgt und lasse eine eher durchschnittliche Maisernte erwarten, was die Kauflust weiter bremse, ergänzt Ströer.

Diese Einschätzung teilt auch Henning Ahlers. Auch der Vertriebsleiter von Vogelsang beobachtet derzeit eine eher zögerliche Auftragsvergabe: „Die Entscheidungen zum Kauf sind aktuell sehr verhalten.“ Dennoch kann Ahlers von einer guten Nachfrage bei bodennaher Ausbringtechnik, insbesondere im Nachrüstgeschäft, berichten.

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Henrik Ströer, Briri: „Bodenschonung wird relevanter.“

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Yvonne Oehler, Oehler Maschinen: „Bodennahe Ausbringung ist gefragt.“

Gut informierte Kunden

Dr. Thomas Fössl von Perwolf Gülletechnik, einem österreichischen Marktführer für Gülleverschlauchungssysteme, hat hingegen auf den letzten Fachmessen eine deutlich höhere Nachfrage bei Verschlauchung und bodennaher Gülleausbringung festgestellt – verstärkt durch die feuchte Witterung im Frühjahr 2024. „Kunden sind bei Gesprächen mit den Vertriebsmitarbeitern bereits im Vorfeld sehr gut informiert und kennen die Vorteile der Gülleverschlauchung gegenüber der herkömmlichen Fassausbringung, berichtet Dr. Fössl. „Im Hinblick auf Bodenschonung und die generelle Befahrbarkeit von Flächen zählen mittlerweile nicht mehr nur die Größe des Fasses, sondern vor allem die Machbarkeit der Gülleausbringung in der ohnehin sehr kurzen Saison.“ Zahlreiche Landwirte und Lohnunternehmen hätten sich in diesem Jahr eine Verschlauchung zugelegt, um in der nächsten Saison einfach „Gülle fahren“ zu können.

Besonders gefragt sei bei den Perwolf Kunden derzeit eine „Aktionsverschlauchung“ mit neun Meter breiter Ausbringtechnik, einer Schlauchhaspel mit 600-Meter-Schlauch und einer einfachen Pumpstation. „Diese Lösung ist für kleine und mittlere Betriebe in Eigenmechanisierung hochinteressant“, so Dr. Fössl.

Den Boden schonen

Auch nach Aussage von Yvonne Oehler spielt das Thema Bodenschonung eine zunehmend größere Rolle bei den Kunden. „Es werden verstärkt breite Reifen nachgefragt“, berichtet die Geschäftsführerin von Oehler Maschinen Fahrzeugbau. Ansonsten habe die feuchte Witterung der letzten Monate jedoch keine größeren Effekte auf das Geschäft in ihrem Hause gehabt. Auch beim oldenburgischen Spezialisten für Gülleausbring- und Pumptechnik Vogelsang spürt man wenig Auswirkungen durch das häufig von Regen getrübte Wetter. „Seitens der Ausbringgestänge können wir hier zwar nur bedingt einwirken. Unsere Gestängebaureihen sind aber auf maximale Effizienz bei geringen Gewichten ausgelegt.“ Für die Vogelsang Mitarbeiter sei das Thema Bodenschonung ein ständiger Begleiter in den Gesprächen mit Kunden, sagt Ahlers, der zudem eine stärkere Nachfrage bei Schleppschlauchverteilern feststellt. „Sie punkten bei Preis und Gewicht und entsprechen allen gesetzlichen Vorgaben.“

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Große Räder und Reifendruckregelanlagen schonen die Bodenstruktur.

Beim niedersächsischen Spezialisten für Gülle-, Dung- und Transporttechnik Briri aus Bawinkel sind Reifendruckregelanlagen und Triebachsen aktuell besonders gefragt. Zudem sei die Nachfrage nach Bereifungen, die größer als 1,80 Meter sind, gestiegen, berichtet Henrik Ströer. „Bodenschonung wird relevanter, nicht nur wegen der Wetterverhältnisse. Je bodenschonender die Flächen bewirtschaftet werden, desto höher der Ertrag“, betont er, sieht hier aber noch ungenutztes Potenzial.

Bodennah auf Grünland

Ab Februar 2025 ist auch in der Grünlanddüngung bekanntlich Schluss mit Pralltellern und Schwenkverteilern. Gemäß Düngeverordnung müssen Gülle und Gärprodukte dann auch auf Wiesen und Flächen mit mehrschnittigem Feldfutter streifenförmig ausgebracht oder direkt in den Boden eingearbeitet werden.

Yvonne Oehler erwartet durch den Zwang zur Umstellung auf bodennahe Gülleausbringtechnik keine wesentliche kurzfristige Marktbelebung, „auch wenn diese für alle Landwirte gelte, egal ob ökologisch oder konventionell wirtschaftend.“ Viele Landwirte hätten bereits entsprechende Vorbereitungen getroffen und in den vergangenen Monaten bodennahe Ausbringtechnik wie Schleppschuhe und -schläuche verstärkt nachgefragt.

Während auf deutschem Grünland die bodennahe Gülleausbringung ab 2025 zur Pflicht wird, bleibt sie in der Alpenrepublik vorerst freiwillig. Dennoch bietet der österreichische Hersteller Perwolf seit einigen Jahren fast ausschließlich bodennahe Ausbringlösungen für seine Kunden an. Ausnahmen stellen lediglich die steilen Berggebiete in Österreich, Schweiz und Südtirol dar. Laut Dr. Fössl hätten verschiedene Fördermaßnahmen den Umstieg bereits begünstigt. Daher erwartet der Perwolf Geschäftsführer durch die Auflagen in der Düngeverordnung höchstens eine moderate Marktbelebung.

Nachrüstung möglich

Henrik Ströer von Briri sieht dagegen für eine Marktbelebung die Zeit zu weit fortgeschritten. Die Investitionen seien bereits zum großen Teil auf den Weg gebracht worden, damit sie auch ab Februar 2025 gesetzeskonform zum Einsatz kommen können. „Seit Jahren schon werden Neumaschinen im Regelfall mit Anbaugeräten wie Schleppschuh- oder Schleppschlauchverteilern, Kurzscheibeneggen oder Schlitzgeräten ausgestattet, die Briri ab drei Metern Arbeitsbreite anbietet und dazu unter anderem mit den Partnern Bomech, Vogelsang, Evers und Meyer kooperiert“, berichtet Henrik Ströer. Dennoch stünden aufgrund der neuen Verpflichtungen viele Landwirte vor der Entscheidung, ob sie ihre vorhandenen Fahrzeuge nachrüsten oder in neue investieren sollen. Je nach Alter und Ausstattung des Fahrzeugs könne eine Nachrüstung möglich sein. Dies müsse allerdings im Einzelfall geprüft und mit dem Güllewagenhersteller abgestimmt werden. „Daher ist eine technische Freigabe zwingend erforderlich“, rät Ströer und fügt hinzu: „Angesichts der mitunter hohen Kosten für Umrüstung oder Neutechnik stellt sich für manche Landwirte auch die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, die Gülleausbringung von einem Lohnbetrieb erledigen zu lassen.“

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Henning Ahlers, Vogelsang: „Der Schleppschlauch ist wieder mehr gefragt.“

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Dr. Thomas Fössl, Perwolf Gülletechnik: „Wir bauen unser Händlernetz weiter aus.“

Henning Ahlers erwartet, dass die neuen Vorschriften besonders zum Jahresende den Auftragseingang weiter begünstigen werden. Häufig könnten auch die Bestandsfahrzeuge nachgerüstet werden.

Yvonne Oehler erläutert: „Wenn das Fahrzeug bereits über eine entsprechende Aufnahme verfügt und die technischen Voraussetzungen, zum Beispiel bezüglich der Stützlast, erfüllt, kann die Applikationstechnik zu einem späteren Zeitpunkt nachgerüstet werden.“

Großtechnik zieht

Das Unternehmen Oehler aus Windschläg, das sich auf die Herstellung von Fahrzeug-, Gülle- und Forsttechnik spezialisiert hat, bietet ein breites Fassprogramm an: Die Range reicht von 3.000 bis 24.000 Litern Fassungsvermögen. Und auch im Bereich der Applikationstechnik bietet das Unternehmen aus Baden-Württemberg eine breite Auswahl an. Yvonne Oehler kann aber einen fortschreitenden Trend hin zu leistungsstärkerer Großtechnik erkennen. Damit einher geht ein Wandel weg von der Eigenmechanisierung hin zur überbetrieblichen Nutzung. „In Zukunft wird der Lohnunternehmer häufiger angefragt werden“, glaubt sie.

Auch Henning Ahlers meint, dass Landwirte in Zukunft den Lohnunternehmer oder Maschinenring in Sachen Gülleausbringung wieder stärker in den Fokus nehmen werden. Seiner Ansicht nach hatte das Investitionsprogramm Landwirtschaft zwar einen deutlichen Trend hin zur Eigenmechanisierung ausgelöst – „nach dem Auslaufen des Förderprogramms scheint sich das Blatt aber wieder zu wenden.“

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Gülleverschlauchung ermöglicht hohe Ausbringleistungen bei geringem Bodendruck.

„Insbesondere klein strukturierte Betriebe werden, wirtschaftlich gesehen, sicherlich eher einen Lohnbetrieb bestellen können“, glaubt Henrik Ströer, der aber die daraus resultierende Abhängigkeit von externen Dienstleistern als großen Nachteil ansieht. Durch immer kleiner werdende Zeitfenster und mitunter schwierige Witterungsverhältnisse, wie wir sie in diesem Jahr erlebt haben, verlieren Landwirte an Flexibilität. Daher setzen Großbetriebe auf Eigenmechanisierung.“ Um die Nährstoffausnutzung weiter zu verbessern, sei die teilflächenspezifische Gülleausbringung weiter auf dem Vormarsch. Dies führe zu einer steigenden Nachfrage nach N-Sensoren und vollwertigen Isobus-Steuerungen auf Güllewagen, ist Ströer überzeugt. Überdies gewinne auch die Separation von Rindergülle und Gärresten in der Praxis weiter an Bedeutung.

Separation im Trend

Im Bereich der Gülleverschlauchung sieht Dr. Fössl von Perwolf Gülletechnik dagegen weiterhin eine Tendenz zur Eigenmechanisierung, besonders in Regionen mit kurzen Ausbringzeitfenstern. „Der Zusammenschluss benachbarter Betriebe – meist Milchviehbetriebe mit arrondierten Flächen sowie 100 bis 200 Tieren – zu kleinen regionalen Maschinengemeinschaften vereinfacht die Nutzung der Gülleverschlauchung und reduziert die Anschaffungskosten erheblich. Die benötigten Schlepper für den stationären Pumpenantrieb an der Güllegrube sowie das Fahren mit dem Ausbringsystem werden von den teilnehmenden Betrieben gestellt.“ Dr. Fössl betont: „Bei der Entwicklung neuer Techniken sollte stets der Kundennutzen im Vordergrund stehen. Es ist wichtig, den Landwirten Techniken anzubieten, die sowohl bezahlbar als auch praktikabel sind.“ Einen weiteren vielsprechenden Trend sieht der Perwolf-Geschäftsführer in der Gülleseparation. Bei diesem Verfahren werden flüssige und feste Bestandteile der Gülle getrennt, was Lagerkapazitäten spart, die Transportfähigkeit erhöht und einen Nährstoffexport ermöglicht. Auf Grünland dringt die dünnflüssige Gülle zudem besser in den Boden ein und hinterlässt auch bei bodennaher, streifenförmiger Ablage kaum TS-bedingte „Güllewürste“ auf der Grasnarbe. Angesichts dieser Pluspunkte verzeichnet auch die Firma Vogelsang eine zunehmende Nachfrage nach Separationstechnik. „Vorteile sind eine geringere Pflanzenverschmutzung und eine leichtere Ausbringung bei reduziertem Volumen im Güllelager“, bringt es Henning Ahlers auf den Punkt. Für Betriebe, die die Effizienz der Nährstoffausnutzung zusätzlich steigern wollen, habe Vogelsang mit „SyreN“ zudem ein spezielles System zur Gülleansäuerung im Programm, das mit bodennahen Ausbringtechniktechniken kombiniert werden kann.

Moderate Lieferzeiten

Unterm Strich bewerten die Gülletechnikhersteller ihre aktuelle Auftragslage als stabil bis leicht rückläufig. Ihre Auftragsbestände reichen teilweise noch bis ins Frühjahr 2025, sodass Kurzarbeit derzeit nicht zur Diskussion steht.

Die Lieferzeiten variieren stark je nach Art und Komplexität der Produkte. Für einfachere Gülletechnik können die Kunden mit Lieferzeiten von wenigen Wochen rechnen, während komplexere Maschinen und Fahrzeuge, insbesondere solche mit kundenspezifischen Lösungen, deutlich längere Wartezeiten von bis zu acht Monaten haben können.


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