Magazin Gülletechnik

Gülletechnik :

Jeder Fünfte stockt auf

Rund um Wirtschaftsdünger hat die Politik die Rahmenbedingungen verschärft. Wie reagieren die Lohnunternehmer, vor allem bei Gülle und Gärresten? Die Umfrage der Zeitschrift Lohnunternehmen ergab: Mehr als ein Drittel der befragten 100 Betriebsleiter will in den kommenden 18 Monaten in Technik investieren, knapp ein Fünftel wird sogar aufstocken.

Gülletechnik: Jeder Fünfte stockt auf

Lohnunternehmer-Rechnungen für Gülleausbringung weisen eine extreme Spannweite aus.

Bei der Auswahl der Befragten hat sich die Redaktion Lohnunternehmen ausschließlich auf Lohnunternehmer konzentriert, die bereits jetzt Dienstleistungen rund um Gülle und Gärreste anbieten. Außerdem war das Ziel, bei der Auswahl der Befragten nach Postleitzahlgebieten eine halbwegs repräsentative Verteilung zu erreichen.

Von den 100 befragten Betriebsleitern wollte man zuerst wissen, welche Arbeiten sie diesbezüglich für ihre Kunden ausführen. Einen Überblick dazu gibt Grafik 1. Nicht verwunderlich, dass der weitaus größte Teil der Lohnunternehmer den flüssigen Wirtschaftsdünger der Landwirte sowohl zu den Flächen transportiert als auch dort ausbringt. Nur einer der teilnehmenden Lohnunternehmer transportiert ausschließlich. Immerhin 22 bringen ausschließlich aus, sind somit offensichtlich Teil einer Logistikkette, in der entweder die Landwirte selbst oder ein anderer LU-Kollege die Zufuhr zu den Zielflächen übernimmt. Als zusätzliche Dienstleistungen werden seitens der Lohnunternehmer einerseits das Aufrühren bzw. Homogenisieren im Güllelager (13 LU) und andererseits das Separieren angeboten (sechs LU). Letzteres dürfte künftig noch zunehmen angesichts der wachsenden Mengen, die als Folge der verschärften Düngeverordnung über große Entfernungen zu transportieren sind.

Stichwort Mengen: Wie viele Kubikmeter haben die 100 Lohnunternehmer 2017 transportiert und ausgebracht? Diese Frage kann nicht vollständig beantwortet werden, denn ein Teil der 100 Befragten rechnet die Arbeiten ausschließlich nach Zeitaufwand ab und erfasst nicht die entsprechenden Mengen.

Mehr als 8 Mio. cbm

Konkrete Zahlenangaben erhielten wir bei dieser Frage deshalb von 80 Lohnunternehmern, davon 63, die den flüssigen Wirtschaftsdünger sowohl transportierten als auch ausbrachten. Diese 63 bewegten 2017 zusammen etwa 6,5 Mio. m3, wobei die Bandbreite der Angaben zwischen 1.000 m3 und 860.000 m3 lag, bei einem Mittelwert von knapp 100.000 m3.

Zusätzlich gaben 17 der 22 reinen „Ausbringer“ an, zusammen 455.500 m3 auf Kundenflächen verteilt zu haben, bei einer Bandbreite zwischen 2.500 und 140.000 m3 und einem Mittelwert von 21.000 m3.

Die von besagten 80 Lohnunternehmern angegebenen Mengen summieren sich somit auf gut 7 Mio. m3. Diese Addition ist insofern zulässig, da allein schon aufgrund der geografischen Verteilung der Befragten keiner für den anderen arbeitet und somit auch keine Mengen doppelt erfasst wurden. Rechnet man zudem die genannten Mittelwerte auf alle Befragten hoch, ergeben sich für die 78 Betriebe, die transportieren und ausbringen, 7,8 Mio. m3, für die 22 „Ausbringer“ 572.000 m3, zusammen somit 8,37 Mio. m3.

Drei Viertel auf den Acker

Nachdem die Mengenfrage geklärt war, stand als nächstes das Thema Zielflächen an: Wo werden die Mengen ausgebracht? Zur Beantwortung hat man den 100 Lohnunternehmern drei Optionen vorgegeben (siehe Grafik 2) und sie gebeten, eine prozentuale Gewichtung dieser drei für ihren Betrieb vorzunehmen. Aus der Summe der Antworten ergab sich, dass – über alle Befragten hinweg – 2017 die Option „auf Ackerflächen, vor der Saat“ mit 46,9 % an erster Stelle stand. 29,3 % der Gülle und Gärreste fanden auf dem Acker, aber in stehenden Pflanzenbeständen Verwendung. Daraus ergab sich ein Acker-Anteil von 76,2 % – und logischerweise 23,8 % der Gesamtmenge zur Düngung von Grünland.

Ergänzend dazu wollte die Redaktion wissen, ob die Lohnunternehmer auch Unterfußdüngung anbieten (Grafik 3). Bei immerhin 30 von 100 ist das der Fall. Wenig verwundert dabei, dass jeder der 30 dieses Düngeverfahren in Mais einsetzt. Darüber hinaus platzieren drei Lohnunternehmer den organischen Flüssigdünger unter Kartoffeln und sechs unter Zuckerrüben.

65 % mit zweiphasigem System

Ein zentrales Interesse beim Thema Güllelogistik galt der eingesetzten Technik. Eine Frage zielte auf den aktuellen Fahrzeugbestand, wobei man nach Transport und Ausbringung unterschied. Die jeweiligen Stückzahlen spiegelt Grafik 4 wider. Nach wie vor Regelfall in vielen Lohnunternehmen ist, dass die Gülle mit dem gleichen Fass vom Kundensilo zur Zielfläche transportiert und dann dort ausgebracht wird.

Große Bedeutung hat jedoch mittlerweile das sogenannte zweiphasige System, bei dem Anlieferung und Ausbringung mit getrennten Fahrzeugen erfolgt. So gaben von den 100 Befragten 38 an, dazu 2017 vom Traktor gezogene Fässer genutzt zu haben. Die Fassgrößen lagen übrigens zwischen 11 und 32 m3, und im Mittel bei 23 m3. Lkw zum Transport setzen insgesamt 47 Lohnunternehmer ein. Hier wurden Fassgrößen zwischen 15,5 und 36 m3, im Mittel bei 27,5 m3 verwendet. In 20 Betrieben kamen übrigens beide Varianten zum Einsatz. Rechnet man besagte 38 und 47 Lohnunternehmen zusammen und bereinigt dies um die 20 Betriebe mit beiden Transportvarianten, ergibt das 65 Dienstleister, die nach dem zweiphasigen System arbeiten.

Bei der Ausbringung überwogen 2017 nach wie vor traktorgezogene Fässer. In den an der Umfrage teilnehmenden Betrieben waren es insgesamt 195 Stück, mit Fassgrößen zwischen 6 m3 und 31 m3. Die rechnerische Durchschnittsgröße lag bei 20 m3. Demgegenüber stehen in der Ausbringung 33 Selbstfahrer in 26 Lohnunternehmen, mit Fassvolumina zwischen 11 m3 und 40 m3, was einem Mittel von 19 m3 entsprach. Darüber hinaus nutzten 24 Lohnunternehmer Feldrandcontainer mit Fassungsvermögen zwischen 30 und 92 m3 zur Zwischenlagerung.

Nicht zu vergessen ist die Gülle-Verschlauchung, die bei immerhin fünf Lohnunternehmern (alle in Norddeutschland) mit insgesamt acht Geräten zum Einsatz kam. Für die Messung der Gülle-Inhaltsstoffe nutzen übrigens elf Lohnunternehmer die sogenannte NIRS-Technik (siehe Grafik 5).

39 Unternehmer investieren

Nachdem der Ist-Zustand in Sachen Technik bekannt war, interessierte zusätzlich, ob, und wenn ja, in welchem Umfang die Lohnunternehmer in den kommenden 18 Monaten in Gülletechnik investieren wollen. Wie Grafik 6 zeigt, planen dies 39 der 100 Dienstleister – also mehr als ein Drittel. Geplant ist der Kauf von 42 Fahrzeugen oder Geräten. Hierzu gehören vier traktorgezogene Fässer, die ausschließlich dem Transport dienen sollen, davon zwei als Ersatzbeschaffung und zwei zur Aufstockung des bisherigen Bestandes. Kaufabsichten bezüglich Lkw für den Einsatz mit Tankauflieger gibt es für zwölf Stück, wovon fünf als Ersatz und sieben zusätzlich geplant sind.

Auf der Ausbringseite steht bei den Befragten der Kauf von zwölf traktorgezogenen Fässern (fünf als Ersatz für bestehende, sieben zusätzlich) an, ebenso wie sechs neue Selbstfahrer, davon vier als Ersatz. Zwei geplante Gülleverschlauchungen dienen beide dem Ersatz vorhandener Technik, während zwei neue Feldrandcontainer zusätzlich gedacht sind. In Sachen NIRS wollen drei Lohnunternehmer neu in dieses Thema einsteigen. Auf Unternehmen bezogen, wollen von den 39 Betrieben immerhin 18 ihren Technikbestand bezüglich Gülle aufstocken, also knapp ein Fünftel aller 100 Befragten.

Uneinheitliche Preislage

Zum Themenumfeld Technik interessierte es darüber hinaus, mit welchen Geräten die Lohnunternehmer die Gülle bzw. die Gärreste auf der Fläche ausbringen und/oder einarbeiten. Auch hier hatte man darum gebeten, eine prozentuale Verteilung nach ausgebrachter Menge vorzunehmen. Einen Überblick dazu bietet Grafik 7. Aus der Summe der Antworten ergab sich, dass – über alle Befragten hinweg – an erster Stelle mit 29 % die unmittelbare Einarbeitung mit direkt am Fass angebauten Bodenbearbeitungsgeräten steht, dicht gefolgt von Schleppschläuchen. Dass der Wert für „zeitnahe Einarbeitung“ relativ niedrig ist, dürfte an der Tatsache liegen, dass diese Arbeit in der Regel nicht vom Lohnunternehmer, sondern den Landwirten selbst ausgeführt wird.

Spannend war die Frage, zu welchen Preisen die Lohnunternehmer ihre Dienstleistungen rund um Gülle abrechnen. Leider muss zu diesem Punkt festgestellt werden, dass hierzu aufgrund der extrem unterschiedlichen Antworten keine Auswertung möglich ist, nicht mal als Tendenz. Nach Kubikmeter, nach Hektar, nach Stunden, mit und ohne Diesel, nach Entfernungen gestaffelt oder gar in Kombination verschiedener Ansätze – es war und ist uneinheitlich und unübersichtlich. Einige Einzelwerte mögen das verdeutlichen: Als gemeinsamen Preis für Transport und Ausbringung berechnen die Betriebe zwischen 1,80 Euro und 5,0 Euro/m3, wobei sich das Gros zwischen 2,50 und 3,50 Euro/m3 bewegt, dann aber teilweise zuzüglich Diesel. Und in den Betrieben, die nach Zeitaufwand abrechnen, lagen die Angaben zwischen 55 Euro und 145 Euro, einzelne auch über 200 Euro/h. Spitzenreiter war ein Wert von 350 Euro/h. Die Ursachen für diese extreme Spannweite sind sicher vielfältig und zum großen Teil einem heute schon sehr starken Wettbewerbsdruck geschuldet. Bleibt zu hoffen, dass es nicht eine fehlende Vollkostenrechnung ist und/oder der Versuch, über günstige Gülleausbringung die Kunden bei anderen Dienstleistungen zu halten. Denn dazu ist Gülletechnik mittlerweile zu teuer.

Schleppschlauch-, Schleppschuh- und die Schlitz-/Injektionstechnik dominieren die Gülleausbringung.

Schleppschlauch-, Schleppschuh- und die Schlitz-/Injektionstechnik dominieren die Gülleausbringung.

Alle Grafiken: LOHNUNTERNEHMEN


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