Magazin Logistik

Güllelogistik :

Vorsicht bei negativen Stützlasten

Montiert die Landmaschinenwerkstatt nachträglich Schleppschlauch- und Schleppschuhverteiler oder Schlitz- und Injektionstechnik an Güllefasswagen, wird sie automatisch zum haftenden Hersteller. Der Leiter Forschung und Entwicklung der Vogelsang GmbH & Co. KG, Dipl.- Ing. Paul Krampe, erläutert, was bei der Nachrüstung von Gülleausbringtechnik unbedingt zu beachten ist.

Güllelogistik: Vorsicht bei negativen Stützlasten

Der Hersteller des Anbaugeräts definiert die Anforderungen, die das Trägerfahrzeug erfüllen muss.

Vogelsang Entwicklungschef Paul Krampe: „Laut StVZO muss die erforderliche Mindeststützlast immer 4 Prozent betragen, mindestens 500 kg.“

Vogelsang Entwicklungschef Paul Krampe: „Laut StVZO muss die erforderliche Mindeststützlast immer 4 Prozent betragen, mindestens 500 kg.“

Das Nachrüsten von Fasswagen mit moderner Gülleausbringtechnik, wie z.B Schleppschlauch- oder Schleppschuhverteilern ist geübte Praxis. Um den Landwirten und Lohnunternehmen die Nachrüstung zu erleichtern, bringen Hersteller spezielle Ausbringaggregate auf den Markt und versprechen eine einfache und schnelle Montage. Je nach Betriebsgröße und Bewirtschaftung und je nach Zug- oder Trägerfahrzeug sind allerdings unterschiedliche Ausbringaggregate erforderlich. Diese unterscheiden sich nicht nur in ihrem Ausbringsystem, sondern auch in der fachgerechten Montage an den Fasswagen. Daher gilt es bei der Nachrüstung einige Punkte zu beachten: Wie sieht die sach- und fachgerechte Anbringung der Ausbringaggregate aus? Wie lassen sich Schäden durch dynamische Überlastung an Bauteilen verhindern? Und welche Vorgaben der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) sind einzuhalten?

Abmessungen von Fasswagen und Ausbringgestänge

Wird ein Fasswagen mit einem Ausbringsystem ausgerüstet, sind zunächst die zulässigen Abmessungen zu beachten. Techniken, die vom Fasswagen an- und abgebaut werden können, haben dabei andere Vorgaben in der maßgebenden StVZO, als fest an den Fasswagen montierte Systeme. Für die zukünftige Kombination aus Fasswagen und Ausbringsystem sind die maximal zulässigen Abmessungen gemäß der StVZO 12 Meter lang und 4 Meter hoch einzuhalten. Werden diese Maße überschritten, sind Ausnahmegenehmigungen bei den örtlichen Behörden zu beantragen.

Erfüllt die Ausbringtechnik die Kriterien für ein Anbaugerät und ist auch als solches vom Hersteller deklariert, greifen für den Anbau an einem Fasswagen wie auch an einem Schlepper die gleichen Vorgaben: Der Hersteller des Geräts definiert die Voraussetzungen, die das Trägerfahrzeug erfüllen muss. Ob das Fahrzeuggespann diesen Vorgaben entspricht und die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, ist vom Anwender, der das System an das Fass anbaut und in den Verkehr bringt, zu prüfen. Ist hier alles im grünen Bereich, hat er die Sicherheit, sein Gespann verkehrsgerecht und langfristig einsetzen zu können.

Gewichte und Fahrzeugschwerpunkte

Durch den Anbau eines Ausbringgerätes erhöht sich das Leergewicht des Fasswagens je nach System um bis zu mehrere Tonnen. Das reduziert zugleich die Nutzlast des Fasses, die beim Einsatz des Fasswagens im Straßenverkehr zu beachten ist. Leichtere Systeme bieten den Vorteil, dass weniger Einfluss genommen wird und die Nutzlast damit weniger beeinträchtigt wird.

Grundsätzlich haben Anbaugeräte einen Einfluss auf das Gesamtgewicht, die Achslasten aber auch die Stützlast. Besonderheiten bezüglich des Schwerpunkts bilden Ausbringtechniken, die während der Straßenfahrt seitlich an den Fasswagen geklappt werden. Hierbei verschiebt sich der Schwerpunkt und somit ändern sich sowohl die Achs- als auch die Stützlasten. Für die reine Fahrt auf dem Acker ist die technische Achs- und Stützlast entscheidend. Diese kann gegebenenfalls höher ausfallen als die zulässige Achslast. Das bedeutet: Auf dem Feld darf mit vollem Tank gefahren werden, auf der Straße ist das zulässige Gesamtgewicht für den Füllgrad des Fasses entscheidend.

Vorsicht bei negativen Stützlasten

Negative Stützlasten wirken sich stark auf Zug- und Fahrverhalten und somit auch auf die Verkehrssicherheit aus. Deswegen ist dieses Merkmal besonders zu beachten. Egal, welches Ausbringgerät an einem Fasswagen nachgerüstet wird, auch in Arbeitsposition sollte eine positive Stützlast gewährleistet sein. Daher ist es wichtig, bei allen Betriebszuständen die erforderliche Mindeststützlast einzuhalten. Laut StVZO muss diese immer 4 % des Leergewichts betragen oder mindestens 500 kg. Um negative Stützlasten zu vermeiden, sollte im Vorfeld bei Unsicherheit eine Rücksprache mit dem jeweiligen Hersteller erfolgen.

Ausbringaggregate werden entweder mit Konsolen fest am Rahmen des Fasswagens verschraubt oder in den Unterlenkern des Hubwerks aufgenommen, was zu bevorzugen ist. Mit dieser Variante lassen sich Arbeitshöhen einstellen und unterschiedliche Anbaugeräte sicher und einfach montieren. Schleppschlauch- und Schleppschuhgestänge lassen sich so optimal der Bodenkontur und der Pflanzenart anpassen. Dabei ist auf eine ausreichende Stabilität der Montagepunkte zu achten, an denen das System befestigt wird. Einige Fasswagen sind bereits ab Werk mit entsprechenden Aufnahmepunkten ausgestattet, sodass eine Nachrüstung einfacher umzusetzen ist. Werden wesentliche Änderungen am Fasswagen vorgenommen oder Funktionen hinzugefügt, beispielsweise durch die Nachrüstung eines herstellerseitig nicht vorgesehenen Hubwerks, kann dies zum Erlöschen der Konformitätserklärung des Fasswagens führen. Damit wird automatisch derjenige zum haftenden Hersteller, der das veränderte Fahrzeug in Verkehr bringt.

Verschiedene Ausbringsysteme − Sicher im Straßenverkehr

Ausreichende Beleuchtung, Schutzeinrichtungen sowie Verriegelungen zur Transportsicherheit sollten auch bei nachgerüsteten Systemen an erster Stelle stehen. Alle Hersteller sind auch bei der Nachrüstung auf höchste Verkehrssicherheit bedacht. Um die Sicherheit im Straßenverkehr noch zu erhöhen, reguliert die Sicherheitsnorm DIN EN 707 für Fasswagen auch die Bedienung der Ausbringgeräte. So muss das Entriegeln und Ausklappen über zwei getrennte Einrichtungen erfolgen. Denn bei einer automatischen Folgeschaltung besteht die Gefahr, dass durch einen Knopfdruck aus Unachtsamkeit das Anbaugerät während der Fahrt ausklappt. Vom Ausbringgerätehersteller bekommt der Kunde detaillierte Auskunft über die Maße und Gewichte des jeweiligen Gestängetyps sowie über Achs- und Stützlasten. Er wird zudem über die Kräfte, die auf die Befestigungspunkte am Fasswagen wirken, und über die erforderlichen Bolzenabmessungen aufgeklärt. Ob der vorhandene Fasswagen für die Nachrüstung eines Gestänges geeignet ist und die Befestigungspunkte die Belastungen aushalten, ist im Zweifel mit dem Fasshersteller zu klären.

Wer all diese Dinge beachtet, fährt sowohl auf dem Acker als auch auf der Straße sicher.


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