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Wollen mit Ast- und Heckenscheren neue Kunden und Märkte hinzugewinnen: André Schönhaar (Produktmanagement Bereich „Schneiden“), Max Balkenhol (Technischer Kundendienst), Jens Rupprecht (Key Account, Vertrieb) und Jens Schumacher, Vice President Sales & International Operations (v. l.).
Scharfe Schnitte sind seit jeher eine Kernkompetenz der Group Schumacher. Das Familienunternehmen aus Eichelhardt im Westerwald arbeitet konsequent an seinem Anspruch, weltweit der führende Anbieter für Komponenten von Schnitttechnologie in Ernteprozessen zu sein. Schon seit Jahrzehnten bewähren sich die Schumacher-Systeme in Mähdreschern bei der Ernte von Getreide, Mais, Soja und Reis und sind weltweit im Einsatz.
Stark ist das Unternehmen aber nicht nur im Feld der Erntetechnik. Vielmehr rücken jetzt auch die Anwendungen im Hecken- und Gehölzschnitt in den Fokus des Herstellers. Mit Ast- und Heckenscheren der eigenen Marke EWM diversifiziert der OEM-Lieferant in die Kommunal- und Obstbautechnik und will hier neue Kunden und Marktanteile hinzugewinnen.
Die weitere Ausdehnung des Produktportfolios ist für Jens Schumacher, Mitglied des Management-Teams, nur folgerichtig: „Wir würden es nicht tun, wenn wir nicht die umfangreiche Expertise aus dem Getreideschnitt hätten“, betont der Vertriebsexperte, der seit Herbst 2020 die Verbundunternehmen und den Vertrieb bei Group Schumacher leitet. Bekanntermaßen entwickelt, produziert und vertreibt der inhabergeführte Unternehmensverbund eine umfangreiche Palette an Systemen und Komponenten für Erntemaschinen, Schneidwerke und Packenpressen.
Strukturiert in die Zukunft
Mit Selina und ihrem Bruder Moritz Schumacher hält bereits die dritte Generation das Ruder des Familienunternehmens fest in der Hand. Die Geschwister teilen sich die operative Geschäftsführung der Group Schumacher, die die Firmen Schumacher GmbH, SMF-Holding GmbH und Rasspe Systemtechnik GmbH umfasst. Auch nach der Stabübergabe stehen dem jungen Führungsteam die langjährigen Geschäftsführer Fred und Heinz-Günter Schumacher, Vater und Onkel der beiden, mit ihrer Erfahrung als beratende Sparringspartner weiterhin zur Seite.

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Im Zuge des Generationswechsels wurden die Traditionsfirmen Gebr. Schumacher GmbH und EWM Eichelhardter Werkzeug- & Maschinenbau GmbH sowie die Vertriebsgesellschaft Schumacher.plus GmbH in die neu gegründete Schumacher GmbH integriert. „Damit hat die ‚Generation drei‘ die weltweiten Aktivitäten unter einem Dach gebündelt, um die Unternehmensgruppe für die Zukunft auszurichten“, erklärt Jens Schumacher. Der Ehemann von Selina Schumacher wertet es als klares Bekenntnis zur Familienunternehmung, aber auch zu den Mitarbeitern und den Standorten Eichelhardt und Wermelskirchen. Von hier aus wolle man neue Impulse setzen, um die globale Wettbewerbsfähigkeit weiter auszubauen. Nach Schumachers Angaben arbeiten rund 600 Menschen an insgesamt sieben Standorten in Deutschland, Russland, China, USA und Brasilien für Group Schumacher, unter deren Dach sich die bekannten Marken SCH, EWM, Rasspe und Radura befinden. Jens Schumacher: „Die Mehrmarkenpolitik ist der Grundstein für die Wachstumsstrategie der Gruppe in allen Kontinenten und Ernteregionen. Wir sind verlässlicher Ansprechpartner und überall präsent, wo in großem Maß geerntet wird.“
Neues Feld für Mähbalken
Weiteres Wachstum erhofft sich das Unternehmen nun auch im Segment Gehölzpflege. Die Synergien zu den Mähsystemen in der Getreideernte liegen augenscheinlich auf der Hand, denn auch bei der fordernden Heckenpflege kommt das bewährte Schumacher-System mit beidseitig verschraubten Stahlfingern und durchgehärteten Klingen zum Einsatz.

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Jens Schumacher erklärt das Schumacher-System mit beidseitig verschraubten Stahlfingern und durchgehärteten Klingen.
Jens Schumacher: „Die Ast- und Heckenscheren unserer Marke EWM schneiden glatt und nicht zerfasernd. Dadurch wächst das Gehölz schonend nach und es entstehen keinerlei schädliche Verwachsungen an den Schnittflächen. Somit erfüllen die Geräte auch die Anforderungen der Landespfleger.“ Weil glatte, kurze Schnittflächen ein gesundes Wachstum fördern und das Eindringen von Pilzen und Krankheiten mindern, würden auch einzelne Geräte bei der Pflege von Obstbäumen und Weinreben Verwendung finden.
Light bis Xtreme
Die universellen Geräte für den Gehölzschnitt lassen sich mit individuell angepassten Arbeitsbreiten an verschiedensten hydraulischen Auslegearmen, Frontladern oder auch Baggerauslegern verwenden. Ursprünglich trugen die Ast- und Heckenscheren die Bezeichnung „Kommunalmähwerk“, wovon sich noch immer die ersten beiden Buchstaben der aktuellen Typenbezeichnung ableiten. Inzwischen haben einige Verbesserungen und Weiterentwicklungen Einzug gehalten, der Kundenkreis ist gewachsen. Unter anderem beziehen bekannte Unternehmen wie GreenTec, Dabekausen, McConnel, Dücker und Fischer Maschinenbau die hydraulischen Mähbalken für den Gehölzschnitt aus dem Westerwald. Mittlerweile werden sie in drei verschiedenen Ausführungen – KM-L, KM-S und KM-X – für unterschiedliche Einsatzzwecke angeboten. Die Buchstaben L, S und X in der Typenbezeichnung stehen für die Baureihen „Leicht“, „Stark“ und „Xtreme“, wobei letztere – die jüngste Produktergänzung – den Herstellerangaben zufolge sogar Äste mit bis zu 60 Millimetern Durchmesser kappt.

Die kompakte Ausführung KM-L mit 1,20 oder 1,50 Metern Arbeitsbreite wiegt weniger als 40 Kilogramm, was auch den Anbau an kleinen Trägerfahrzeugen ermöglicht, zum Beispiel im Bereich Park- und Friedhofspflege. Laut Kundendienstleiter Max Balkenhol durchtrennt sie selbst bei 5 km/h Vorfahrtsgeschwindigkeit auch bis zu zwei Zentimeter starke Äste noch sauber und glatt.
Group Schumacher stattet die KM-L mit einem kompakten C-Drive-Kurbelantrieb aus, der auch für feuchte Bedingungen ausgelegt ist. Die extra kurzen Mähfinger, wie sie auch bei Schneidvorsätzen für die Sojaernte verbaut werden, sind beidseitig am Messerbalken verschraubt, sodass sie bei Bedarf schnell und einfach ausgetauscht werden können. Abgerundete Fingerspitzen verhindern das Aufspießen von Ästen und Blättern.
Glatte Schnitte
„Dauerrenner“ unter den Ast- und Heckenscheren der Marke EWM ist das Standardmodell KM-S, berichtet Key-Account-Manager Jens Rupprecht. „Es ist in Arbeitsbreiten von 1,20 bis 3,0 Metern erhältlich, universell einsetzbar und für Aststärken bis zu vier Zentimetern ausgelegt.“ Die Mähfinger verfügen über eine Schnittkante, damit keine ausgefransten Stellen zurückbleiben, sowie Kugelspitzen, die das lästige Aufspießen von Ästen und Blättern verhindern sollen. Für den starken Astschnitt sind bei der KM-S ebenso wie beim Modell KM-L oben gezahnte ProCut-Klingen verschraubt. „Sie halten durch die Zahnung das Schnittgut in der Klinge fest, sodass in Kombination mit der glatten Gegenschneide das geschnittene Material nicht zerfasert wird“, erklärt Max Balkenhol.

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Für die Astschere KM-X, die eher für den Anbau an Baggerauslegern und anderen schweren kommunalen Trägerfahrzeugen konzipiert ist, gibt der Techniker sechs Zentimeter starke Astdurchmesser als Obergrenze an. Robuste AxeCut-Doppelfinger mit spezieller Verzahnung sorgen für einen glatten Schnitt. „Sie geben den Ästen einen festen Halt und verhindern, dass sie aus dem Messerbalken rutschen und dabei gequetscht werden“, sagt er und zeigt auf die beidseitige Schneide der AxeCut-Messerklinge: „Sie stellt sicher, dass auch feine Äste sauber geschnitten werden.“ Darüber hinaus soll ein spezieller Gleitschuh einen sicheren bodennahen Schnitt ermöglichen und Beschädigungen beim Aufsetzen verhindern. Für eine hohe und verlustarme Kraftübertragung ist bei der hochstabilen Ausführung, die in verschiedenen Längen von 1,70 bis 2,40 Meter erhältlich ist, wie bei der KM-S ein Pro-Drive-Planetenantrieb der Marke EWM verbaut. Balkenhol beziffert das gängige Arbeitstempo auf bis zu fünf Stundenkilometer.
Individuelle Lösungen
Produktmanager André Schönhaar führt als weiteres Plus der hydraulischen Mähbalken die Verschraubungen der Bauteile an. „Es ist die wesentliche Grundlage für ihre einfache Wartung. Zudem gibt es keine rotierenden Teile, sodass kein loses Material umherfliegt.“ Entsprechend dem bei Schumacher bewährten Baukastenprinzip können die hydraulischen Ast- und Heckenscheren mit verschiedenen Hydraulikmotoren ausgestattet werden, die kundenindividuell positioniert werden können. „Damit bieten wir den Anwendern höchstmögliche Flexibilität.“ Auch die Arbeitsbreiten stimmen die Schumacher Mitarbeiter jeweils mit den Kunden ab. Somit lassen sich die Heckenscheren problemlos an verschiedenste hydraulische Auslegerarme, Frontlader, Bagger oder an bereits vorhandene Gerätschaften montieren. Auf Kundenwunsch bietet Group Schumacher aber auch eine standardisierte Anbaukonsole für die Mähbalken an, die für das jeweilige Trägerfahrzeug entsprechend konfiguriert werden muss.
Jens Schumacher ist überzeugt: „Mit den hydraulischen Ast- und Heckenscheren können wir unseren OEM-Kunden ein fertiges und hochwertiges Produkt bieten.“ Als mögliche Kundengruppe sieht er in erster Linie Anbieter, die sich auf Schneidtechnologie und Gehölzpflege spezialisiert haben. Hinzu kommen Händler mit eigener Maschinenfertigung sowie Traktoren- und Fahrzeughersteller, die ihren Endkunden entsprechendes Attachment, also Anbaugeräte zum Schneiden, bieten wollen.
Breites Feld der Anwendung
„Der Hecken- und Gehölzschnitt ist sehr komplex und vielseitig. Mit unseren Ast- und Heckenscheren haben wir für viele Bereiche eine passende Lösung parat,“ ergänzt Key-Account-Manager Jens Rupprecht und nennt verschiedene mögliche Anwendungsbereiche, die bis hin zum Gemüsebau reichen. „Hier werden die Mähbalken zum Beispiel zur Brokkoli-Ernte eingesetzt“, berichtet Max Balkenhol. Und auch im Obst- und Weinbau zum Baum- und Rebschnitt sowie anderen Sonderkulturen stellt das Schumacher-Team bereits ein wachsendes Interesse an Scherenlösungen fest, „weil sie nicht nur effizient arbeiten, sondern auch glatte Schnittflächen zurücklassen, die ein Eindringen von Schädlingen und Krankheiten vermeiden.“ Aus Portugal weiß Balkenhol sogar von einem Endkunden, der eine Kombination aus einer horizontalen und zwei vertikalen KM-S-Heckenscheren zum Rückschnitt von Olivenbäumen nutzt. Jens Schumacher fasst es so zusammen: „Mit unseren hydraulischen Ast- und Heckenscheren wollen wir auch die Mechanisierung in Nischenbereichen treiben.“ Und gleichzeitig sieht er darin eine zusätzliche Wachstumschance für den Westwälder Schneid- und Antriebstechnikspezialisten, der mit den neuen Anwendungen im Hecken- und Gehölzschnitt seinem Kompetenzkern treu bleibt.









