Gerätekombination:

In einem Zug: In der Tiefe lockern, oben drillen

Zur Beseitigung von Bodenverdichtungen setzt Landwirt Christian Bomberg einen selbst entwickelten Tiefenlockerer ein und kombiniert ihn mit Geräten zur Saatbettbereitung und Aussaat.

Gerätekombination: In einem Zug: In der Tiefe lockern, oben drillen

Dreierkombination des Tiefenlockerers mit Kreiselegge Lion 2002 und pneumatischer Sämaschine Aerosem 3002 ADD von Pöttinger.

Gerätekombination: In einem Zug: In der Tiefe lockern, oben drillen

Markus Relt aus Billerbeck hat den innovativen Tiefenlockerer entwickelt und gebaut.

Betrachtet Landwirt Christian Bomberg die Kulturen auf den eigenen und umliegenden Feldern in seiner Münsterländer Heimat, registriert er häufiger als früher Bereiche mit vermindertem Aufwuchs. „Die Ursache dafür sind wohl Bodenverdichtungen durch die immer schwerer werdenden Maschinen und damit einhergehende Vernässungen“, meint er. Der 39-Jährige bewirtschaftet in Legden (Kreis Borken) 65 ha Ackerfläche und betreibt einen Schweinemaststall mit 1.500 Mastplätzen. Hinzu kommen Lohnleistungen in den Bereichen Pflanzenschutz und Düngung.

Im Pflanzenbau praktiziert der Betrieb mit den Marktfrüchten Raps, Weizen, Triticale, Gerste, Mais und Roggen eine relativ breite Fruchtfolge. „Das hat auch etwas mit den sehr unterschiedlichen Böden hier in der Region zu tun“, erklärt Bomberg. Die Spanne reiche von leichten Sandböden bis zu schwerem Lehm. Abgesehen von Trockenjahren wie 2019 und 2020 regne es mit durchschnittlichen Jahresniederschlägen von 800 bis 850 l/m² ausreichend, wenn auch häufig ungünstig verteilt.

Bodenlockerung unabdingbar

Die Anbaubedingungen vor Ort und deren beobachtbare Veränderungen bestimmen die längerfristige Ackerbaustrategie des Legdener Landwirts. Dazu gehört eine Bevorzugung der nichtwendenden, konservierenden Feldbearbeitung, um die natürliche Kapillarwirkung des Bodens zu festigen sowie den Humusaufbau und das Bodenleben zu befördern. „Ich nutze den Pflug immer weniger und will in naher Zukunft eigentlich ganz darauf verzichten“, sagt Bomberg.

Doch dem Landwirt ist klar: Verdichtungen in den Fahrspuren der Maschinen mit ihren negativen Auswirkungen auf die Pflanzenentwicklung werden sich auch künftig nicht gänzlich vermeiden lassen. Und dann sind da ja auch noch die verfestigten Pflugsohlen, die sich über die Jahre in einer Tiefe von 30 bis 40 cm gebildet haben. Eine Lockerung des Bodens in diesem Bereich und gegebenenfalls tiefer zur nachhaltigen Pflege des wichtigsten Produktionsmittels rückte ganz nach vorn auf der Agenda des Betriebes.

Auf der Agritechnica 2019 wollte sich Bomberg nach entsprechenden Geräten umschauen. Dies weckte den Ehrgeiz bei seinem Schwager Markus Relt aus Billerbeck, dem er davon berichtete. Relt beschäftigt sich nebenberuflich mit der Konstruktion und dem Bau landwirtschaftlicher Geräte und nutzt für die Anfertigung von Prototypen die gut ausgestattete Werkstatt auf dem Hof eines Verwandten. Relt entwarf einen auf die örtlichen Verhältnisse zugeschnittenen Tiefenlockerer. In den darauf folgenden Wochen sprühten abends und an den Wochenenden in der Werkstatt in Legden öfter als sonst die Funken von Trennschleifer und Schweißgerät. Bomberg und Relt setzten das mit einem CAD-Programm am Computer entworfene Gerät gemeinsam in Eisen um.

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Im ausgehobenen Zustand wird deutlich, wie nah die Lockerungszinken hinter den Traktorrädern laufen und so eine Kombination mit weiteren Geräten erleichtern.

Ausgeklügeltes Hydrauliksystem

Der Tiefenlockerer „made by Relt“ hat eine Arbeitsbreite von drei Metern und kann mit vier oder sechs Zinken bestückt werden. Als Werkzeuge fungieren Parabelschare, wie sie auch bei Strip-Till-Maschinen zum Einsatz kommen. Sie heben den Boden in der eingestellten Tiefe als fortlaufende Wellenbewegung an, brechen verfestigte Zonen auf und lockern den Acker, ohne die natürliche Schichtung zu zerstören. Möglich sind Arbeitstiefen bis zu 60 cm. Eine Besonderheit des Anbaugerätes sind die integrierten Hydrauliksysteme. Zum einen lässt sich mit einem parallel geführten Hubwerk die Arbeitstiefe der Lockerungswerkzeuge während der Fahrt anpassen. Zum anderen ermöglicht die Dreipunktaufhängung an der Rahmenkonstruktion die Kombination mit weiteren, bei Nutzung des Zapfwellendurchtriebs auch aktiven Bodenbearbeitungsgeräten. Dank des hydraulisch einstellbaren Oberlenkers kann die Tiefenführung der angehängten Maschinen unabhängig von der Einstellung des Tiefenlockerers erfolgen.

Die Zugkraft wird nach Aussage der Entwickler durch die Bodenart und die Ausgeprägtheit der Verdichtungen bestimmt. „Allein für die Überfahrt mit dem Tiefenlockerer reichen bei einer Arbeitsgeschwindigkeit von 6 bis 8 km/h und der für das Aufbrechen der Pflugsohle ausreichenden Arbeitstiefe von 40 bis 45 cm in aller Regel 120 PS“, informiert Bomberg. Bei Kombination, beispielsweise mit einer Kreiselegge, würden etwa 200 PS benötigt.

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Die Parabelschare heben den Boden in der eingestellten Tiefe an und brechen verfestigte Zonen auf, ohne die natürliche Schichtung zu zerstören.

Gerätekombination: In einem Zug: In der Tiefe lockern, oben drillen

Das erste Exemplar des Tiefenlockerers von Markus Relt nach der Fertigstellung auf dem Hof in Legden.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Seit der Saison 2020 ist das selbst entwickelte Bodenbearbeitungsgerät auf den Flächen des Betriebes in unterschiedlichen Kulturen im Einsatz. Als Beispiel nennt der Landwirt den Anbau von Körnermais. Hier arbeitet er mit vier Lockerungsscharen, die im Abstand von 75 cm angebracht sind, und kombiniert den Tiefenlockerer mit einer Kreiselegge für die Saatbettbereitung. Die Fahrspuren dieses Arbeitsganges werden mittels GPS aufgezeichnet. Dadurch kann die nachfolgende Sämaschine den Mais genau über den gelockerten Streifen platzieren. „Erfolgt keine Aufzeichnung, kann man ebenso mit sechs Scharen arbeiten, dann in einem Reihenabstand von 55 cm. Die Wurzeln suchen sich schon den Weg in dem auf ganzer Arbeitsbreite aufgelockerten und belüfteten Boden“, merkt Bomberg an.

Möglich sei aber auch, die Maschinenkombination gleich mit einer Drille zu komplettieren. Eine Anwendungsvariante hierfür ist die Anlage einer Zwischenfruchtkultur nach Getreide. „In einem Versuch haben wir auf einer Hälfte des Feldes die Zwischenfrüchte mit und auf der anderen Hälfte ohne vorlaufendem Tiefenlockerer gesät. Auf dem gelockerten Teil, wo die Pflanzenwurzeln leichter in tiefere Regionen für die Aufnahme von Nährstoffen und Wasser vordringen konnten, haben sich nicht nur die Zwischenfrüchte sondern auch der nachfolgende Mais deutlich besser und vor allem gleichmäßiger entwickelt“, berichtet Bomberg. Auch Staunässe sei nirgends aufgetreten.

In diesem Jahr habe er den Tiefenlockerer auf den gesamten für den Maisanbau vorgesehenen 22 ha in Kombination mit weiteren Geräten und erstmals auch solo vor der Rapsaussaat eingesetzt. Nach und nach wolle er so auf allen Flächen Bodenverdichtungen beseitigen und dies alle zwei bis drei Jahre wiederholen.

Elf Geräte bislang gebaut

Die positive Wirkung des Tiefenlockerers auf die Kulturentwicklung und seine Einsatzmöglichkeiten haben sich in der Region und neuerdings darüber hinaus herumgesprochen. Viele Landwirte leihen sich das Gerät aus. Einige kaufen sich dann selbst eine Maschine. Bislang hat Markus Relt elf weitere Tiefenlockerer zusammengebaut und für netto 6.900 Euro pro Stück verkauft. „Angesichts der stark gestiegenen Einkaufspreise für Stahl und Hydraulikkomponenten wird sich die Fertigung nun aber sicher verteuern“, vermutet Bomberg.

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