Gelenkig in der Schwergewichtsklasse

Die noch junge Firma Gepima punktet mit speziellen Deichseln an großen Rückewagen und einer speziellen Forstmulde. Wir waren mit dem besonderen Gespann im Einsatz.

Gepima: Gelenkig in der Schwergewichtsklasse

Der Muli20 wird von einem Kran im Schlepper-Dreipunkt beladen. So kann der Traktor auch ohne Wagen mit Kran eingesetzt werden. Auch die Rückewagen sind als „Solo“-Variante geplant.

Gepima: Gelenkig in der Schwergewichtsklasse

Oliver Haindl ist beim Dienstleister Bäuml angestellt und war auch in die Entwicklung des Muli eingebunden.

Die Firma Gepima – kurz für Gebrüder Pirkenseer Maschinenbau – aus der Oberpfalz ist erst 2022 in den Markt eingetreten: Man hat sich nicht mühsam mit „Kleinzeug“ von unten hochgekämpft, sondern mit einem Innovationsknall direkt oben angegriffen: Ihr MP19 wurde auf der Interforst 2022 erstmalig gezeigt und war dort für den Kwf-Members-Award nominiert. Die Brüder Michael und Markus Pirkenseer – Mitarbeiter eines renommierten Landmaschinenherstellers – sammelten ihre Erfahrungen bei der Waldarbeit zusammen mit ihrem Vater im eigenen Brennholzbetrieb und hatten bisher verschiedene Rückewagen-Fabrikate im Einsatz. Diese bezogen sie bei Niedermayer Forsttechnik in Kirchseeon, östlich von München. Der Händler ihres Vertrauens hatte 2017 – nach etwa 25 Jahren im Geschäft – eine eigene Rückewagenserie bis elf Tonnen ins Programm genommen, gebaut vom schwedischen Hersteller KTS. Die größeren Kaliber bezieht er von Gepima, deren Vertrieb der Händler damit organisiert.

Größere Rückewagen stehen normalerweise vor einem Dilemma: Durch die wachsenden Dimensionen steigt die Schlagkraft, dafür aber sinkt die Wendigkeit und der flexible Einsatz in engeren Beständen wird kompliziert, denn die Waldwege werden ja nicht breiter. Das Alleinstellungsmerkmal von Gepima ist daher vor allem eine durchdachte Knickdeichsel, die den Wagen über zwei Zylinder nicht nur über einen Meter zu jeder Seite versetzen, sondern auch heben und absenken kann. Die Bewegung erfolgt frei in drei Dimensionen, elektronisch gesteuert aus der Schlepper-Kabine. Die Wagen profitieren dabei auch durch den so gleich mitrealisierten Kran-Tilt, denn die Deichsel schwenkt direkt unter dessen Fuß und kann den Wagen so auch am Hang in Waage stellen. 20 Tonnen zul. Gesamtgewicht kann der größte Wagen im Portfolio auf seine Achsen stemmen. Verladen wird das Holz dann mit Kränen vom italienischen Hersteller Icarbazzoli. Dessen Toplift 9800 erreicht knapp zehn Meter Ausladung, auf der er noch über 700 kg hebt. Das Absenken der Deichsel ermöglicht dem Bediener dabei eine wesentlich bessere Sicht auf die Ladefläche. Der Stützfuß muss beim Ab- und Anhängen ebenfalls nur heruntergeklappt werden, die Hydraulik der Deichsel senkt den Wagen dann darauf ab.

Gepima: Gelenkig in der Schwergewichtsklasse

Ist die Deichsel abgesenkt, kann der Bediener aus der Kabine heraus die Ladefläche besser überblicken.

Gepima: Gelenkig in der Schwergewichtsklasse

Der seitliche Versatz von über einem Meter durch die Deichsel ermöglicht dem Schlepper sehr enge Lenkmanöver.

Auch der Forstdienstleister Bäuml aus der gleichen Region schwört auf die Gepima-Technik, allerdings wünschte man sich dort einen etwas anderen Fokus auf dem Anhänger: Der Muli20 ist eine Spezialanfertigung des jungen Herstellers, 2021 war er der erste seiner Art. Das Konzept ist sowohl Rückewagen als auch Kippmulde: „Für uns war das zu schulternde Volumen wichtiger als die reine Nutzlast, außerdem brauchten wir einen sehr flexiblen Wagen“, erklärt uns der als Forstmaschinenführer angestellte Oliver Haindl während seines Einsatzes. Er hat auch am Konzept des Wagens mitgefeilt. Denn das reine Holzrücken großer Mengen aus dem Bestand zum Polterplatz gehört nicht zum Geschäft seines Chefs. Ihre Spezialität sind vor allem Pflegemaßnahmen wie das Freihalten von Hochspannungsleitungen oder die innerstädtische Verkehrssicherung. Auch dafür muss der Wagen äußerst gelenkig sein, gleichzeitig aber auch viel sperriges Kronenmaterial laden können, ohne dass dieses aufwändig händisch zerlegt werden muss. Da solche Einsätze großteils mit längeren Straßenfahrten verbunden sind, wäre eine Wanne sowieso dauerhaft eingehängt gewesen. Warum also nicht gleich eine stabile Mulde hernehmen, auf deren Hardox-Boden auch der Greifer ohne viele Beulen hantieren kann?

Gepima realisierte dafür eine einfach per Kran aushängbare Heckklappe, die für die meisten Einsätze auch montiert bleibt. So können auch Schüttgüter wie Rindenmulch problemlos mit zum Einsatz genommen werden, dank Schnellwechsler kann der Kran dafür auch auf eine Schaufel umgerüstet werden. Die Landschaftspfleger haben damit auch schon die Stubbenfräse über eine Gartenmauer gehoben.

Gepima: Gelenkig in der Schwergewichtsklasse

Die zwei oben auf der Deichsel arbeitenden Zylinder verstellen den Wagen in drei Dimensionen.

Gepima: Gelenkig in der Schwergewichtsklasse

Die tief angebrachten Staufächer können Werkzeug, Gurte oder PSA beherbergen.

Auf der Jagd nach Käferbäumen

Der von uns begleitete Einsatz war eine Käfertour durch die Staatsforsten: „Eigentlich ist das eine recht entspannte Arbeit – wenn man die Kandidaten immer gleich finden würde“, sagt Haindl, während er die GPS-Markierung auf seinem Smartphone mit dem Bestand vergleicht, durch den wir gerade fahren. Die Förster markieren umgestürzte oder gefährdete Bäume, Haindl arbeitet sie auf. Normalerweise muss er dafür nicht einmal absteigen, aber leider ist die gesuchte Fichte vom Weg aus nicht zu entdecken, es braucht eine kurze fußläufige Erkundung. Als wir mit dem Valtra T234 von der gut ausgebauten Forststraße in einen steil abknickenden, kaum erkennbaren Waldweg einbiegen, läuft der angehängte 20-Tonner problemlos in einem Zug um die Haarnadelkurve. „Wenn du einmal mit diesem Wagen unterwegs gewesen bist, möchtest du nichts anderes mehr“, versichert uns der versierte Fahrer. Das Schlüsselelement ist auch hier die innovative Lenk- und Knickdeichsel. Den Kran-Tilt realisiert sie hier aber nicht, denn der Muli20 hat keinen eigenen Arm, der Palfinger M70F-101 mit 10 Metern Reichweite sitzt stattdessen direkt im Dreipunkt am Schlepperheck. Der Wagen ist darunter über die K80-Kugel angehängt.

Nachdem wir den Käferbaum gefunden haben, dauert es nur wenige Minuten, bis er durch den GMT-Fällgreifer umgeworfen, zerteilt und verladen ist. Durch mehrere versetzte Schnitte rückt dieser auch Stämmen um die 50 cm BHD zu Leibe. Dann dreht Haindl die Valtra-Rückfahreinrichtung wieder in Fahrtrichtung und es geht direkt weiter zum nächsten Kandidaten. Auf einer Seitengasse sieht er eine weitere abgeknickte Fichte, die aber noch nicht markiert wurde: „Bei solchen Fällen habe ich freie Hand – und der hier muss auf jeden Fall raus. Daher nehmen wir den auch gleich mit.“ Abgerechnet wird hier natürlich nach Stunden, da in erster Linie ein Gefahrenmoment beseitigt wird, die Holzgewinnung ist lediglich Beiwerk.

Gepima: Gelenkig in der Schwergewichtsklasse

Da der Wagen auch für Schüttgüter genutzt wird, lässt er sich kippen wie eine reguläre Mulde.

Da es kurz vor dem Einsatz verhältnismäßig viel geregnet hat, sind die steilen Wege in der Oberpfalz eine echte Herausforderung für das doch wuchtige Gespann. Nicht jeden Hang schaffen wir, finden aber immer trotzdem einen Schleichweg zurück auf die Forststraße. „Bisher bin ich fast immer alleine zurechtgekommen, manchmal sind die Wege aber schulterhoch mit Brombeeren und Brennnesseln zugewachsen, sodass nicht zu sehen ist, wie die Gasse wirklich aussieht. Dann verrutscht man an einem Baumstumpf oder einer Wurzel und hängt neben der Spur fest – dann muss die Seilwinde kommen. Das ist aber wirklich nur ganz wenige Male passiert“, erzählt Haindl. Wenn der nächste Wagen ansteht, wird der daher auf jeden Fall einen eigenen Antrieb haben.

Möglich ist das bei Gepima problemlos, die regulären Rückewagen können mit hydraulischen Nabenmotoren von Black Bruin aus Finnland auch größere Steigungen meistern. Die gekapselten Achsstummel stammen von BPW, die Boogies schwenken um +- 20°. Zudem dürfen die Wagen voll beladen und ohne zusätzliche Schutzbleche legal mit 40 km/h auf die Straße. Dazu braucht es auch keinen Sperrbolzen in der Lenkdeichsel: Voll abgesenkt blockiert sie automatisch den Einschlag und gilt so als fest. Ein weiteres Feature: Der Ölkühler sitzt geschützt am großen Staufach und bläst seine Abluft durch eben dieses. So sind die dort abgelegten Werkzeuge, Gurte oder oder Schutzausrüchstung im Winter nicht hartgefroren, beleuchtet ist es natürlich auch. Als Kunden sieht Gepima vor allem professionelle Dienstleister, die durch ein Traktorgespann flexibler unterwegs sein möchten, als mit einem rein auf große Holzrückungen ausgelegten Forwarder. Kalkuliert man Traktor und Wagen zusammen, liegt man preislich damit meist dennoch unter diesen Maschinen – auch wenn ein großer Gepima die sechs Stellen deutlich sprengt. Das erschreckt vielleicht erst einmal den ein oder anderen Interessenten, der bei Rückewagen eher an niedrige fünfstellige Summen denkt. Für flexible und vielseitig aufgestellte Profis kann sich die ausgefeilte Technik – unter anderem wird übrigens auch die Beleuchtung per Isobus gesteuert – durchaus lohnen und in ihrer Nische erfolgreich werden.


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