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geo-konzept :

Systemfreiheit statt Abschottung

Mit herstellerunabhängigen Lösungen behält der Landwirt viele Optionen. Diese Überzeugung vertritt Thomas Muhr, Geschäftsführer von geo-konzept.

geo-konzept: Systemfreiheit statt Abschottung

Das Topcon Terminal X25.

Thomas Muhr (links) und Christoph Schmailzl von geo-konzept Marketing: „Der Landmaschinenhandel kennt seine Kunden am besten und kann sie über die Technik optimal ansprechen.“

Thomas Muhr (links) und Christoph Schmailzl von geo-konzept Marketing: „Der Landmaschinenhandel kennt seine Kunden am besten und kann sie über die Technik optimal ansprechen.“

Vom kleinen Bahnhof der 700-Seelen-Gemeinde Adelschlag kann man den Standort der Firma geo-konzept bereits deutlich sehen. Inmitten der vor wenigen Tagen mit Zuckerrüben bestellten Äcker ragen neben einem großen gelben Wohnhaus und einer grünen Maschinenhalle vier silberne Getreidesilos in die Höhe. Quer über den Acker gelaufen, wäre man vom Bahnhof in fünf Minuten dort. Der von geo-konzept Firmengründer Thomas Muhr am Rande des Altmühltals in Oberbayern bewirtschaftete landwirtschaftliche Betrieb verfügt über 230 Hektar gute Ackerböden. Muhr übernahm ihn 1992 und baute ihn bis heute um 80 Hektar aus. Vor der Übernahme absolvierte er das Studium der Agrarwissenschaften in Weihenstephan. Dort verfolgte er auch die Vorlesungen des Pioniers der teilflächenspezifischen Landwirtschaft, Prof. Auernhammer.

Der damals 25-jährige Muhr erkannte früh die Möglichkeiten der Präzisionslandwirtschaft. 1990 öffnete sich die Grenze zur ehemaligen DDR, und viele der großen Agrarbetriebe benötigten für die Beantragung von EU-Fördermitteln und Beihilfen eine exakte Kartierung ihrer Flächen. Mit GPS-Empfängern und einem Leichtfahrzeug fuhr Muhr und sein kleines Team um viele Äcker in den neuen Bundesländern herum. „Unser GPS-Empfänger war so groß wie eine Apfelsinenkiste. Die tagsüber auf unseren Fahrten erfassten Daten haben dann die ganze Nacht über zur Verrechnung gebraucht. Auf Basis der satellitengenauen Daten druckten wir dann große Karten aus“, erinnert sich Muhr. Durch diese Dienstleistung kam man mit vielen Großbetrieben in Kontakt, die in den Folgejahren ebenfalls zu Treibern der technischen Entwicklungen, wie z. B. dem Parallelfahren, wurden.

Parallelführungen mit roten und grünen Leuchtdioden über dem Armaturenbrett des Traktors waren der nächste Entwicklungsschritt in der Fahrerentlastung. „In einem hügeligen Gelände die Größe eines Ackers zu vermessen, das beherrschten wir. „Aber wie ermitteln Sie die exakte Weidefläche einer alpinen Bergalm?“ wurde Muhr gefragt. Mit Satellit und Laser entwickelte das nach und nach erweiterte geo-konzept-Team ein hochgenaues Messverfahren, das alle drei Dimensionen berücksichtigte. Damit gelang der Markteintritt in die Tagebaubranche. geo-konzept-Messungen unterstützen so die Planung von Trassen und Sprengungen im Tagebau. Heute bestreitet dieser besondere Bereich ein Drittel der neun Millionen Euro Umsatz des Adelschlager Unternehmens. Der nächste große Entwicklungsschritt folgte Anfang der Jahrtausendwende.

Satelliten steuern

Die Korrektursignale für GPS-gesteuerte Maschinen ermöglichten nun eine bisher für unmöglich gehaltene Spurabweichung von nur zwei Zentimetern. geo-konzept begann die für das Referenzsignal RTK erforderlichen Stationen aufzubauen. Insgesamt wurden es über Deutschland verteilt 80 Stück. Sie sind mittlerweile mit anderen Stationen zu einem dichten Netz verbunden.

Heute stehen Software für Lenksystem-Nachrüstungen, Telemetrielösungen, Teilbreitenschaltungen und Mengensteuerung, Korrekturdaten, Sensoren z. B. für Drohnen und Wetterstationen im Fokus der insgesamt 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Adelschlag. Die Hälfte davon ist auf dem Betrieb in Support, Entwicklung, Werkstatt und Lager tätig. Die andere Hälfte betreut als Vertriebler oder Techniker Händler und Kunden in der Fläche.

„Wir bieten Sensoren und Komponenten für die Automatisierung von Fahrzeugen und Geräten. Dabei steht für uns der Kundennutzen ganz klar vor Markenpolitik“, betont Geschäftsführer Thomas Muhr die Unternehmensphilosophie. „Unser Systemwissen reicht über die Grenzen unserer eigenen Produkte hinaus.“ Muhr lässt sich nicht gern auf nur einen Lieferanten festnageln. Er ist überzeugt, dass der Landwirt für seine individuell bestmögliche Anwendung Wahlfreiheit braucht und sich nicht an einen Hersteller exklusiv binden will.

Dies sei unter anderen einer der Gründe, warum geo-konzept nach 15 Jahren Vertriebspartnerschaft mit Trimble diese Zusammenarbeit im letzten Jahr aufkündigte. Jetzt ist geo-konzept für Deutschland, Österreich und die Schweiz Vertriebspartner der Marke Topcon. Das japanische Unternehmen macht mit gut 5.000 Mitarbeitenden weltweit eine Milliarde Dollar Umsatz. Die europäische Zentrale ist im italienischen Turin angesiedelt. „In den technischen Möglichkeiten sehe ich Topcon absolut gleich auf“, so Muhrs Einschätzung. Er sieht zudem die mögliche Marktbeherrschung von großen Anbietern als Gefahr für die Entwicklung servicebasierter Angebote für regionale Anforderungen

Mit den Hauptlieferanten Topcon und Reichhardt ist geo-konzept auch mit eigenen Programmen, wie z. B. FarmINFO unterwegs. FarmINFO verknüpft als Internetanwendung den Pflanzenbau des landwirtschaftlichen Betriebs mit bereits vorhandenen Nährstoff-, Ertrags- und Multispektraldaten. Das Programm ist modular bis zur Integration von Drohnenmessdaten und Fahrspurplanung aufzustocken. Mit der Topcon Agriculture Plattform TAP gibt es auch vom Lieferanten Topcon eine Datenmanagement-Plattform, die derzeit ausgerollt wird – eine Integration mit existierenden Anwendungen ist schon in Arbeit, damit Landwirte nicht auf mehreren Plattformen parallel arbeiten müssen.

Auch im Support bietet geo-konzept als Spezialist hochqualifizierten, praxisgerechten Service. Werktags von 8 bis 18 Uhr und in der Saison auch an Wochenenden und Feiertagen sind die auch praktisch versierten Mitarbeiter erreichbar. Alle Geräte von geo-konzept können in Adelschlag gewartet und repariert werden. Ein Lager hält die gängigen Ersatz- und Verschleißteile vor. Und wenn es an Konnektivität mangelt: Hier konfektioniert man individuell nach Kundenanforderung Anschluss- und Verbindungskabel.

„Mit herstellerunabhängigen Lösungen behält der Landwirt viele Optionen offen, um für seinen Betrieb die beste Lösung zu erreichen. Der Landmaschinenhandel kennt seine Kunden am besten und kann sie über die Technik am besten ansprechen“, ist Muhr überzeugt. Deshalb ist der Handel für ihn der bedeutendste Vertriebspartner.

Der landwirtschaftliche Betrieb von geo-konzept Firmengründer Thomas Muhr verfügt über 230 Hektar gutes Ackerland. Hier ist auch der Sitz der geo-konzept GmbH.

Der landwirtschaftliche Betrieb von geo-konzept Firmengründer Thomas Muhr verfügt über 230 Hektar gutes Ackerland. Hier ist auch der Sitz der geo-konzept GmbH.


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