Magazin Fütterungstechnik

Futtermischwagen :

Zeit und Diesel nicht verschenken

Grundvoraussetzung für eine einwandfrei zubereitete Mischration ist eine gut funktionierende Technik – Fachleute empfehlen regelmäßige Check-ups der Maschinen – Professionelle Wartung senkt Betriebskosten und vermeidet unerwartete Ausfallzeiten

Futtermischwagen: Zeit und Diesel nicht verschenken

Bei der Mischration profitieren Tiere von der gleichmäßigen Grund- und Kraftfutteraufnahme.

Unermüdlich, tagaus und tagein ist der Futtermischwagen im Einsatz, 365 Tage im Jahr. Gleiches gilt für die Melkanlage, deren Verschleißteile wie Milchschläuche und Zitzengummis regelmäßig getauscht werden – und nicht erst dann, wenn die Zellzahlen bereits ansteigen. Kontrolle und Wartung sind schließlich Voraussetzung für eine gute Eutergesundheit der Herde und sichern zudem die dauerhafte Funktion der Technik.

Saison hat 365 Tage

Doch was bei der Melkanlage selbstverständlich ist, gerät auf den Betrieben beim Futtermischwagen häufig in Vergessenheit, obwohl auch er tagtäglich im Einsatz ist – ähnlich der Melktechnik gibt es für ihn keine saisonbedingten Pausen. Der Futtermischwagen erleichtert die Rinderfütterung und ermöglicht nicht nur eine effiziente, sondern auch gezielte und gleichmäßige Futtervorlage. Seine Aufgabe ist es, das Futter gut aufzulösen und möglichst homogen zu mischen, ohne es zu musen. Durch das Vermischen der einzelnen Komponenten zu einer TMR (Teil- oder Totalmischration) können die Tiere am Futtertisch nicht mehr selektieren und nehmen mit jedem Bissen das gleiche Futter in der gleichen Zusammensetzung auf. Das soll eine optimale physiologische Versorgung in der gesamten Herde sicherstellen, sodass konstant hohe Milch- oder Mastleistungen erreicht werden können.

Wagen wird mitverfüttert

„Nach zehn Jahren hat man die Mischwagen quasi mitverfüttert, die Eisenteile sind an den Stellen, an denen sie mit dem Futter in Kontakt kommen, blank gescheuert“, sagt Prof. Dr. Olaf Steinhöfel vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Köllitsch. Der „Schmirgeleffekt“ führe zu einem fortschreitenden Materialverlust und damit mechanischem Verschleiß. Grundsätzlich unterscheidet der Wissenschaftler zwei Arten von Verschleiß, die beim Futtermischwagen auftreten. „Wir haben im Wesentlichen mit Metallteilen zu tun, die natürlich angreifbar sind – nicht nur mechanisch, sondern auch chemisch. Die säurehaltigen Silagen mit niedrigen pH-Werten unter 4,8 sind aggressiv und reagieren mit Metallen, Legierungen und Lacken. Hinzukommt, dass der Futtermischwagen als Outdoormaschine den Klimaschwankungen ausgesetzt ist – sowohl was Temperatur als auch Feuchtigkeit anbelangt.“

Vollständig entleeren

Daher rät Dr. Harald Reubold vom DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel dazu, den Futtermischwagen bei jeder Fütterung komplett zu entleeren, damit keine Reste in der Einbringfräse, im Behälter oder auf den Austragsbändern verbleiben. Denn sie verursachen einerseits Schimmelbildung und mindern damit die Futterqualität, andererseits greifen sie auch die Oberflächen des Futtermischwagens an. „Man sollte daher die Maschine regelmäßig reinigen und natürlich auch warten. Gute fachliche Praxis muss auch für den Futtermischwagen gelten.“

Dass aber die Behälter wegrosten, ist nach Angaben des DLG-Prüfingenieurs heute kein Problem mehr. Die Technik habe sich etabliert und funktioniere. In diesem Zusammenhang lobt Dr. Harald Reubold die fest installierten starken Magnete moderner Futtermischwagen, die metallische Fremdkörper während des Mischvorgangs festhalten: „Es ist erstaunlich, was man alles daran findet: Nägel, Schrauben, Drahtreste und vieles mehr. Solche Teile sollten natürlich nicht in den Rindermagen gelangen. Sie tun aber auch der Maschine nicht gut und fördern den Verschleiß.“

Hauptverschleißteile beim Futtermischwagen – da sind sich die Experten einig – sind die Messer. Wenn sie stumpf werden, geht der Verschleiß verstärkt auf die Schnecken und mitunter an den Behälter. Und das kann gravierende Folgen für die Ration haben. Laut Bernd Broich vom Futtermittelunternehmen Diamond V mindern abgenutzte Maschinenteile die Qualität bei fast jeder vierten TM-Ration. Immer wieder stellt der Fütterungsexperte in TMR-Audits fest, dass Abnutzungen der Maschinenteile automatisch auch zu einer Veränderung der Futterstruktur führen und zudem negative Auswirkungen auf den Durchmischungsgrad haben. Er empfiehlt den Landwirten daher, die Technik und Funktion ihres Mischwagens routinemäßig zu kontrollieren.

Tuning für Mischer

Siloking-Vertriebsleiter Sascha Behrend findet, dass die Praxis dem Thema Abnutzung und Verschleiß am Futtermischwagen zu wenig Bedeutung beimisst. „Das Tückische an der Mischwagenabnutzung ist zum einen der geringe und damit schleichende Verschleiß und zum anderen der 365-tägige Einsatz, der in blinde Routine übergeht.“ Aufklärung und Sensibilisierung der Kunden seien daher unerlässlich. Siloking versuche deshalb gemeinsam mit seinen Händlern, den Kunden die möglichen negativen Folgen mangelnder Wartung vor Augen zu halten.

Den Landwirten Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie mehr aus ihrem Futtermischwagen herausholen können, um letztendlich Kosten einzusparen, ist auch Bernard van Lengerich, Geschäftsführer der BvL-Maschinenfabrik, ein wichtiges Anliegen. Daher hat BvL auf der Agritechnica 2017 das Konzept „Mixer-Tuning“ bereits zum zweiten Mal in den Mittelpunkt seines Messeauftritts gestellt. Es umfasst individuelle Lösungen, die von der betriebsspezifischen Ausstattung eines neuen Futtermischers bis hin zur Nachrüstung einer gebrauchten Maschine reichen. Landwirte sollen damit Einsparpotenziale bei Kosten und Arbeitszeit realisieren können.

Stumpfe Messer kosten Geld

Sind die Messer der Mischschnecken nicht mehr scharf, kommt es zu ungleichmäßigen Schnittlängen der Raufuttermittel, was wiederum eine homogene Mischung und in der Folge einen gleichmäßigen Futteraustrag verhindert. Abgenutzte Messer führen aber auch zu längeren Mischzeiten und damit zu höherem Dieselverbrauch. Trotzdem sind in der Praxis oft Messer im Einsatz, deren Zahnbild kaum mehr zu erkennen ist. „Das Messer muss scharf sein und sollte eine aggressive Verzahnung haben“, betont Bernard van Lengerich und veranschaulicht seine Forderung mit einem einfachen Vergleich: „Ein Fleischermesser ist enorm scharf und schneidet mühelos Fleisch. Wenn es aber darum geht, Brot zu schneiden, bleibt dennoch ein Messer mit gezahnter Klinge immer erste Wahl.“ Dementsprechend macht sich auch beim Futtermischer, der in der Regel auch verschiedene Strukturkomponenten wie Stroh, Heu und Grassilage verarbeiten muss, ein rechtzeitiger Messerwechsel seiner Ansicht nach schnell bezahlt. Die finanzielle Dimension macht van Lengerich anhand einer einfachen Überschlagsrechnung klar: „Stumpfe Messer verlängern die Mischzeit leicht um fünf Minuten. Unter der Annahme, dass der Futtermischwagen täglich zwei Mischungen vorlegt, sind es bereits zehn Minuten am Tag. Allein in einem Jahr summiert sich der Zeitverlust auf insgesamt 3.650 Minuten – und damit auf mehr als 60 Stunden. Setzt man durchschnittliche Vollkosten von 70 Euro pro Stunde für ein Gespann aus gezogenem Mischwagen und Traktor plus Fahrer an, ‚kostet’ eine jeweils fünfminütige Verlängerung der Mischzeit bei zwei täglichen Mischungen immerhin 4.200 Euro im Jahr. Beträgt der Zeitverlust je Mischung nicht nur fünf, sondern zehn Minuten, dann kommen wir schon fast auf 9.000 Euro im Jahr.“ Fazit des BvL-Chefs: „Wer beim Tausch der Messer spart, zahlt letztlich drauf.“

Abgenutzte Messer der Mischschnecke müssen rechtzeitig ausgetauscht werden.

Abgenutzte Messer der Mischschnecke müssen rechtzeitig ausgetauscht werden.

Lieber Originalteile

Messer können mit einem Winkelschleifer nachgeschliffen werden. Hierbei ist aber Vorsicht geboten: „Das Schleifen muss fachmännisch geschehen und sollte daher besser in der Werkstatt durchgeführt werden“, empfiehlt Strautmann Verkaufsleiter Eggert Trede. „Beim Schärfen per Flex kommt es schnell zum Ausglühen des Messers. Wenn der Stahl überhitzt und blau anläuft, ist seine Qualität dahin, und die Standzeit der Klinge wird erheblich nachlassen.“

Die Hersteller raten den Endkunden zum Tausch durch Originalteile mit gleichbleibender Qualität, die passgenau auf die Maschinen abgestimmt sind und in der Regel eine höhere Materialfestigkeit haben. Bei Kopien könne es schnell, zum Beispiel aufgrund von geänderten Formen, zu längeren Mischzeiten kommen, die wiederum direkten Einfluss auf die Arbeitseffizienz und den Verschleiß haben.

Abgenutztes und scharfes Messer im Vergleich.

Abgenutztes und scharfes Messer im Vergleich.

Verschleiß an der Mischschnecke: Die Kante ist rund.

Verschleiß an der Mischschnecke: Die Kante ist rund.

Aufpanzerung bringt neue Schärfe

Die Mischschnecken sind das Herzstück eines Futtermischers – aber auch ein weiteres Hauptverschleißteil. Damit die optimale Mischqualität erreicht werden kann, müssen ihre Windungen scharfkantig sein. Zwar fertigen die Hersteller die Schneckenwindungen aus hochwertigen Stahlen. Dennoch nutzen sich ihre äußeren Kanten in Abhängigkeit von Faktoren wie Einsatzintensität, Futterstruktur und Sandanhaftung im Laufe der Zeit ab und werden rund. Dann aber rutscht das Futter von der rotierenden Schnecke nach unten ab und der Materialstrom kann nicht mehr kontrolliert fließen. In der Folge verlängern sich die Mischzeiten.

Durch eine nachträgliche Aufpanzerung der Mischschneckenwindungen werden die Kanten wieder scharf.

Durch eine nachträgliche Aufpanzerung der Mischschneckenwindungen werden die Kanten wieder scharf.

Mischschnecke mit Magneten, die metallische Fremdkörper aus dem Futter fischen sollen.

Mischschnecke mit Magneten, die metallische Fremdkörper aus dem Futter fischen sollen.

Je nach Einsatzumfang und den eingesetzten Komponenten kann es also sein, dass die Mischschnecken nach einigen Jahren getauscht werden müssen. Alternativ dazu bieten die verschiedenen Futtermischwagenhersteller spezielle Hartmetallstreifen an, die auf die blank geriebenen Windungen aufgeschweißt oder aufgeschraubt werden können, wenn die Originalkanten sichtlich abgenutzt sind. Durch diese nachträgliche Aufpanzerung werden die Kanten wieder scharf, sodass das Futter wieder nach oben transportiert und eine homogene Mischung erstellt werden kann. Allerdings muss die verbliebene Materialstärke für die Maßnahme noch ausreichend sein. Um aber das Abnutzungsstadium rechtzeitig ermitteln zu können, sind nach der Ansicht von Eggert Trede regelmäßige Kontrollen unverzichtbar. Jedoch sei das leider in der Praxis nicht immer der Fall. Weil aber die Fachhändler nicht unbedingt alle verschiedenen Mischschnecken auf Lager haben – anders als zum Beispiel Messer – erreichen den Hersteller Strautmann immer wieder mal Notrufe, wie „die Schnecke ist auf, ich brauche sofort eine neue!“ Das sei zwar grundsätzlich kein Problem, „denn Mischnecken sind Verschleißteile, die wir als Hersteller natürlich vorrätig haben“, versichert Eggert Trede. Allerdings sei die Auslieferung der benötigten Schnecke nicht immer innerhalb weniger Stunden möglich.

Pro und contra Wartungsverträge

Die Hersteller sehen ebenso wie Fütterungsberater nur eine geringe Bereitschaft bei den Landwirten, für Wartung und vorbeugende Reparaturen an ihrem Futtermischwagen Geld in die Hand zu nehmen. „Dagegen werden Maschinen, die nur saisonal arbeiten, nach ihrem Einsatz gehegt, gepflegt und gewartet, damit sie in der nächsten Saison wieder tiptop in Schuss sind“, hat Bernard van Lengerich beobachtet und will diese Einstellung auch beim Futtermischwagen fördern. Daher bietet sein Unternehmen Serviceverträge an und gibt seinen den Fachhändlern spezielle Service-Checklisten für die Wartung an die Hand, die im maschineneigenen Wartungsheft entsprechend dokumentiert wird. Zudem klebt BvL schon seit einigen Jahren Service-Plaketten an die Futtermischer, die das Einhalten der Wartungsintervalle vereinfachen sollen. Best-Practice-Beispiele kennt van Lengerich eher aus dem Ausland, wo insbesondere im skandinavischen Raum Futtermischwagen unter Service- und Wartungsvertrag genommen würden. „Dagegen wird das Thema Wartung in Deutschland recht stiefmütterlich behandelt – auch von den Händlern“, bedauert der BvL-Chef.

Win-win-win-Situation

Siloking bietet eine optionale Gewährleistungsverlängerung bei Abschluss eines Kaufvertrages an. Sie soll dem Kunden die nötige Sicherheit geben und nicht zuletzt die Verlässlichkeit der Produkte unterstreichen. Wie Sascha Behrend erläutert, ist die Gewährleistungsverlängerung „keine gekaufte Versicherung, sondern wird allein von Siloking getragen und letztendlich im Schadensfall von unserem Kundendienst entschieden und abgewickelt. Die Ersatzteile sind inbegriffen, während die Arbeitszeit ausgeschlossen ist, da wir uns nicht in Bagatellen verlieren möchten.“

Die Durchführung der Wartung nach festgelegten Intervallen durch den Händler bzw. Servicepartner ist Voraussetzung für eine Gewährleistungsverlängerung. „Somit profitiert der Händler von einer weiteren Auslastung für die Werkstatt.“ Damit aber nicht genug: „Der Kunde hat eine fachgerecht gewartete Maschine und wir als Hersteller haben zufriedene Kunden. Damit schließt sich der Kreis.“ Scheinbar eine Win-win-win-Situation.

Ein wichtiges Thema für Siloking sind darüber hinaus Wartungsverträge: „Wir haben für die jeweiligen Produktgruppen Vorlagen, die wir den Endkunden gemeinsam mit unseren Händlern anbieten. Die Abwicklung und Durchführung erfolgt über unsere Servicepartner, Siloking ist hier unterstützend bzw. beratend tätig.“ Grundsätzlich stellt der Vertriebsleiter bei den Endkunden zunehmend die Forderung nach einer kalkulationssicheren Anwendung fest. Nach seinen Angaben laufen bereits zahlreiche Siloking-Maschinen unter Wartungsverträgen.

Abnutzung geschieht oft unbemerkt

Nach Ansicht von Strautmann-Produktmanager Andreas Haggeney machen Serviceverträge zwischen Endkunden und ihren Händlern nur bedingt Sinn. Seiner Erfahrung nach ist es für den Händler sehr schwierig, bestimmte Serviceintervalle festzulegen, da jeder Betrieb andere Futterkomponenten einsetzt und auch andere Einsatzbedingungen vorherrschen, die Einfluss auf die Verschleißgeschwindigkeit haben. „Der Kunde ist verantwortlich dafür, dass die Maschine eine gute Arbeit macht. Doch mit einem Wartungsvertrag wird die Verantwortung auf den jeweiligen Händler abgeschoben“, argumentiert Haggeney. Und das werde sich am Ende des Tages weder für den Kunden, noch für den Händler rechnen.

Fest steht jedoch: Verschleiß ist ein schleichender Prozess, den man nicht unbedingt wahrnimmt. Wem aber die Genauigkeit in der Umsetzung der Rationsberechnung wichtig ist, der sollte regelmäßig einen prüfenden Blick in den Behälter werfen. Spätestens, wenn Zweifel an der Mischgenauigkeit und -dauer aufkommen, empfiehlt Strautmann-Produktmanager Andreas Haggeney den Landwirten, die Strukturwirksamkeit ihrer Mischration mit Hilfe der so genannten Schüttelbox zu überprüfen und die Mischzeiten zu messen. So könnten Probleme bereits auf dem Futtertisch erkannt werden. Dann gelte es, schnell zu handeln.


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