Magazin Wirtschaft

Frauen. Wissen. Landtechnik. :

Lebhafter Damenkongress in Kassel

Die zweite Tagung für Frauen in der Landtechnik bot interessante Vorträge mit vielen konkreten Fallbeispielen – Es entstehen Netzwerke

Frauen. Wissen. Landtechnik.: Lebhafter Damenkongress in Kassel

Über 80 Teilnehmerinnen zählte die Landtechniktagung exklusiv für Frauen in Kassel.

Das Schlosshotel Bad Wilhelmshöhe in Kassel war am 26. und 27. Januar fest in der Hand von Damen aus der Landtechnik. Über 80 Teilnehmerinnen zählte die zweite Tagung „Frauen.Wissen.Landtechnik.“, zu der das Großhandelsunternehmen Kramp und die Fachzeitschrift eilbote eingeladen hatten.

Die Resonanz der ersten Tagung in diesem Format vor einem Jahr in Fulda war äußerst positiv gewesen. Die meisten Teilnehmerinnen hatten den Wunsch nach einer Wiederholung dieser Plattform für weibliche Führungskräfte im Landmaschinenhandelm geäußert. So war mehr als die Hälfte der 2015er Besucherinnen auch dieses Mal in Kassel wieder dabei. Einige der Wiederholerinnen hatten ihre ebenfalls im Unternehmen tätigen Töchter mitgebracht

Im Mittelpunkt der Tagung standen die Themen Mitarbeiterführung, Recht im Landmaschinenhandel und die Erwartungen der landwirtschaftlichen Kunden an die Fachbetriebe.

„Frauen führen anderes“, so die These der Referentin Helma Ostermayer. Die Trainerin und Beraterin stammt aus einem familiengeführten Handel für Kellereibedarf und kennt die Landwirtschaft. Männer bescheinigen ihren Kolleginnen eine sogenannte ‚„emotionale Intelligenz“. Der weibliche Führungsstil wird als team- und beziehungsorientierter beschrieben als der von Männern. Für Frauen seien Statussymbole und Revieransprüche eher sekundär, Mitarbeiter- und Kundenbindung dagegen sehr bedeutend.

„Frauen in Führungspositionen sollten sich unbedingt ein paar ,Fremdsprachenkenntnisse‘ aneignen, um das Verhalten der männlichen Kollegen einordnen zu können und in einer männerdominierten Berufswelt den Status für sich zu beanspruchen, der ihrer Rolle entspricht“, empfahl Frau Ostermayer.

Letztlich müsse jede Frau ihren persönlichen, authenthischen Führungsstil finden und vertreten. Führung laufe – übrigens auch bei Männern – nicht einfach nebenher: Dazu gehöre, dass den Mitarbeitern die Erwartungen der Chefetage auch klar und verständlich vermittelt werden. Getroffene Vereinbarungen zu Aufgaben gehören auch konsequent überwacht. Konflikte zu erkennen und möglichst konstruktiv zu lösen sei ebenfalls Führungsaufgabe. Regelmäßige Mitarbeiterbesprechungen können, so Frau Ostermayer, helfen, Probleme im Team rechtzeitigzu erkennen.

Geld sei für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter längst nicht alles. Für 86 Prozent aller Kündigungen – das gelte aber branchenübergreifend – nennen die Betroffenen ein schlechtes Arbeitsklima. Im Vergleich dazu sei für nur 60 Prozent ein zu geringes Gehalt der Hauptkündigungsgrund, zitierte die Referentin verschiedene Studien. „Geben Sie Ihrem Mitarbeiterteam öfter mal ein positives Feedback. Schaffen Sie ein offenes Gesprächsklima. Persönliche Wertschätzung ist für die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutender als der Gehaltszettel“, so das Fazit der Beraterin.

Nach diesem Themenschwerpunkt gab es einen kurzen Exkurs in das Zeitmanagement und die Büroorganisation. „Vermeiden Sie bei sich und ihren Kollegen Haftzettel am PC-Monitor, Wanderdünen von Akten auf dem Schreibtisch und Ordner auf dem Fußboden“, darauf wies Susanne Siekmeier in ihrem unterhaltsamen Vortrag hin, der einige Praxisbeispiele von Schreibtischen vor und nach dem Aufräumen zeigte. Frau Siekmeier ist Organisationsberaterin für Selbstständige und Firmen, sie selbst ist in einer Handwerksfamilie aufgewachsen und kennt daher die Herausforderung, das lebhafte Tagesgeschäft und eine systematische Ordnung unter einen Hut zu bringen. „Planen Sie ihren Tag schriftlich und rechnen Sie dabei ausreichend Pufferzeiten ein! Was hat Zeit? Was muss sofort erledigt werden? Fassen Sie möglichst jeden Vorgang nur einmal an. Überlegen Sie, welche Arbeiten Sie delegieren können, auch wenn es auf den ersten Blick gar keine Möglichkeiten gibt. Beanspruchen Sie eine ,Stille Stunde‘ für Arbeiten, die Ihre Konzentration voll und ganz erfordern. Lernen Sie auch mal ,Nein‘ zu sagen, wenn man Ihnen neue Aufgaben übertragen will, Sie aber bereits Ihr normales Pensum kaum schaffen können!“, so einige der Tipps für den Arbeitsalltag, der sich für viele der Teilnehmerinnen auf Firma und Familie verteilt.

„Ich mache gerade eine Diät, habe aber festgestellt, eine ist zu wenig, daher mache ich eine zweite“, berichtete der abendliche Überraschungsgast Lilly aus ihrem Leben. Mit Augenzwinkern und viel Temperament sorgte der Comedian in wechselnden Outfits für 45 Minuten Spaß beim Aperitif, bevor das gemütliche Abendessen begann.

Dass man ein auf den ersten Blick trockenes Thema wie „Vertragsrecht im Landmaschinenhandel“ durchaus packend und praxisnah gestalten kann, bewies Rechtsanwalt Franz-Josef Möffert aus Hockenheim. Möffert publiziert regelmäßig im eilboten, seine Kanzlei bearbeitet viele Fälle aus dem Land- und Baumaschienhandel.

Vertragsrecht ist spannendes Thema

Der Fachanwalt war bereits Dozent der ersten Frauen.Wissen.Landtechnik.-Tagung, die hohe Resonanz der Teilnehmerinnen auf seinen Vortrag hatte dazu veranlasst, ihn nochmals einzuladen. Mantraartig wiederholte Möffert seine Warnung zum Bürgerlichen Gesetzbuch, abgekürzt BGB: „Das BGB tut weh! Das BGB ist gegenüber dem Verkäufer nicht fair. Es bietet aber Ihren Kunden viele Möglichheiten gegen Sie zu klagen, ohne Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit. Sie müssen bei Maschinenausfall unter Umständen auch für Folgeschäden haften, die den Maschinenwert um ein Vielfaches übersteigen.“ Seine Empfehlung lautet – wir können dies hier nur verkürzt wiedergeben – sich mit eigenen Allgemeinen Geschäftsbedingungen abzusichern. „Auch wenn es im Werkstatt- alltag, man kennt die Kunden ja meistens persönlich, praxisfern scheint: Bestätigen Sie Reparaturaufträge schriftlich“, so die Empfehlung des erfahrenen Anwalts. Möffert malte aber nicht das Schreckgespenst Kunde Landwirt an die Wand. Er sensibilisierte die Tagungsteilnehmerinnen für die rechtlichen Fallstricke bei Reparatur, Bestellung, Gebrauchtmaschinenverkauf und lieferte hilfreiche Empfehlungen für Vetragstexte im Landmaschinenhandel. Die vielen Fragen aus dem Publikum, auch zu konkreten Rechtsstreitigkeiten, belebten den packenden Vortrag.

Ralf Neubauer, Kramp, Referentin Helma Ostermayer, Moderatorin Eika Schoenmakers und Jan Boomgaarden, eilbote, freuen sich auf eine intensive Diskussion (von links).

Ralf Neubauer, Kramp, Referentin Helma Ostermayer, Moderatorin Eika Schoenmakers und Jan Boomgaarden, eilbote, freuen sich auf eine intensive Diskussion (von links).

Die Party ist vorbei

„Ich habe bisher noch keinen Landmaschinenhändler verklagt“, mit diesen Worten und einem Augenzwinkern begrüßte Carl-Christian von Plate Freiherr von Stralenheim die Damen der Branche. Von Plate leitet zwei große landwirtschaftliche Ackerbaubetriebe in Niedersachsen, einen in der Nähe von Stade und einen bei Northeim. „The Party is over“, so fasste er die aktuelle Stimmung der Landwirtschaft aus seiner Sicht zusammen. „Wir hatten gute und sehr gute Jahre. Ich habe jedoch den Eindruck, dass unsere Branche nicht gestärkt, sondern eher geschwächt daraus hervorgeht.“ Als Indizien für diese Feststellung nennt er Pachtverträge, die für die aktuellen und zu erwartenden, niedrigen Erzeugerpreise viel zu teuer seien, Stallbauten für Milchkühe, die wie andere Investitionen durch niedrige Zinsen animiert waren. Auch bei Landtechnik sieht er in fetten Jahren die Neigung zu „Lustkäufen“ bei Berufskollegen. Der unternehmerisch denkende Landwirt plane seine Produktion als Verfahren. Er ermittelte die exakten Verfahrenskosten, 50 Prozent davon fallen für die Arbeitserledigung an. Davon wiederum sind zwei Drittel landtechnikbezogene Kosten, wie Abschreibung, Reparaturen, Diesel und Schmierstoffe sowie Maschinennutzung.

„Zur wirtschaftlichen Beurteilung eines Verfahrens trägt wesentlich der Restwert der eingesetzten Maschinen bei. Daher legen wir großen Wert auf eine guten Vermarktungserlös der Gebrauchten“, so von Plate. „Gerade Spitzenbetriebe übten sich in ,Kostenaskese‘, um den Aufwand der Arbeitserledigung zu drücken. Bei denen reicht auch ein Zetor aus, um die Spritze zu ziehen“, so seine Beobachtung. „Welche Erwartungen an den Landmaschinenhandel hat er konkret? Der Meister in der Werkstatt ist für mich wichtiger als die Qualität des Chefs“, betont von Plate die Ansprüche an einen kompetenten Service. „Mein Ansprechpartner muss der Wissende sein, der genau wie ich in Produktionsverfahren denkt und kalkuliert.“ Er selbst sei auch bereit, neue Ideen im Ackerbau auszuprobieren, wie z.B. Strip Till, erwartet aber von seinem Händler auch entsprechendes Engagement, wenn sich die Investition in die spezielle Technik mal nicht rentiert. „Wir folgen keinen Modeströmungen und benötigen auch keine großartigen technischen Raffinessen“, charakterisiert von Plate sein Landtechnikeinkaufsverhalten.

Unruhe verbreitete sich aber im Saal, als er das Thema Ersatzteilpreise ansprach. Diese seien seiner Einschätzung nach deutlich zu hoch und verleiteten ihn, Alternativquellen zum örtlichen Landmaschinenhandel zu suchen. „Meiner Meinung nach müssten ihre Spannen im Neumaschinenverkauf größer sien, damit die Ersatzteilpreise auf ein vermünftiges Niveau sinken können.“ Mancher Teilnehmerin stockte hier der Atem. Hatte diese doch den Landwirt vor Augen, der bei Neumaschinen drei Händler im Preis gegeneinander ausspielt, bei einem Stundenverrechnungssatz von 45 Euro Herzrasen bekommt und seine Ersatzteile möglichst günstig im Internet ordert. Gleichzeitig erwartet dieser Landwirt aber, dass der Händler seinen Mähdrescher am Sonntagnachmittag innerhalb von zwei Stunden wieder flott macht, ohne Aufschlag für Feiertagsarbeit.

Die lebhafte Diskussion zum Tagungsabschluss machte die schwierige und herausfordernde Position des Landmaschinenhandels zwischen Hersteller und Landwirt deutlich. Die Teilnehmerinnen nahmen Ideen und Impulse mit in ihre Betriebe, wie Doris Brülisauer bestätigt. Sie war bereits zum zweiten Mal aus der Schweiz zur Tagung angereist. „Nach der letzten Tagung habe ich gleich die Woche drauf in unserem Betrieb regelmäßige Teamsitzungen eingeführt. Auch diese Tagung hat mir wieder toll gefallen, vor allem die Begegnung mit vielen Geschäftsfrauen und Kolleginnen aus meiner Branche.“


Diesen Artikel bewerten

Diskutieren Sie mit

blog comments powered by Disqus