Forstspezialtraktoren - Multitalent für den „Ein-Mann-Job“

Zum Dienstleistungsangebot des Landwirtschaftsbetriebes Gerhard Hahn im bayerischen Kupferberg gehört das Rücken von Holz. Diesen Bereich betreut der Seniorchef gern selbst und nutzt dafür einen Forstspezialtraktor von Kotschenreuther. Beim aktuellen Modell des Herstellers, einem K 175-R aus der neuen „Gen.2“-Serie, gönnte sich der Oberfranke neben der maßgeschneiderten Konfiguration auch eine Sonderlackierung in Schwarz.

Forstspezialtraktoren: Multitalent für den „Ein-Mann-Job“

Gerhard Hahn beim Rücken von Langholz im Frankenwald mit dem Forstspezialtraktor K175 aus der neuen Gen.2-Serie von Kotschenreuther.

Forstspezialtraktoren: Multitalent für den „Ein-Mann-Job“

Zu den zusätzlichen Schutzeinrichtungen am Forstspezialtraktor gehört die Unterbodenwanne mit Wartungsluken.

Der letzte kräftige Schlag auf den Fällkeil bringt die gut 30 Meter hohe Fichte schließlich aus dem Gleichgewicht. „Baum fällt“, ruft Waldarbeiter Michael Milewski. Wenige Sekunden später stürzt der Stamm krachend zu Boden und rutscht am Steilhang noch ein wenig talwärts. Wie an einem Großteil der Nadelholzbestände des Frankenwaldes sind an der soeben gefällten Fichte in einem Revier bei Kupferberg die Spuren des Borkenkäfers unverkennbar. Auch hier gilt es daher, durch die zügige Entnahme und den Abtransport der geschädigten Stämme zu retten, was noch zu retten ist.

„Seit Beginn der Invasion des Forstschädlings vor drei Jahren haben die Anfragen von Waldbesitzern in der Region zur Aufarbeitung von Käferholz extrem zugenommen, sagt Gerhard Hahn. Übers Jahr kämen so mittlerweile gut 6.000 Festmeter (fm) zusammen, die überwiegend als Langholz vermarktet werden.

Leistungsstarkes Gerätetrio für Forstarbeiten

Der 57-Jährige verfolgt die Arbeiten des selbständig tätigen Holzfällers aus sicherer Distanz durch die schusssichere Kabinenscheibe seines fast fabrikneuen Forstspezialtraktors K 175-R. Nach Abschluss des Holzeinschlags beginnt er mit dem Rücken. Dabei bringt er die drei wichtigsten, allesamt über das Heck wirkenden Aggregate an dem für Forstanforderungen umgebauten und aufgerüsteten John-Deere-Traktor 6R 155 zum Einsatz: Winde, Rückekran und die sogenannte Bergstütze mit Klemmbank.

Mit einem Stahlseil der Winde stapft Hahn durchs Unterholz zu einer im Tal liegenden Fichte. Die im Bereich von 0,35 bis 1,10 m/s einstellbare Geschwindigkeit des Seilausstoßes und später auch des Seileinzugs regelt er über die umgehängte Fernbedienung. Per Funk könnte er ebenso - etwa bei Hindernissen zwischen Seileinzug und Baumstamm - die Forstmaschine in eine günstigere Position bringen. Die Adler Doppelwinde mit einer Zugkraft von acht Tonnen pro Seil ist an der Frontzapfwelle positioniert, um einerseits eine ausgeglichene Gewichtsverteilung über beide Achsen und andererseits durch den großen Abstand zwischen Windentrommel und Umlenkrolle eine gleichmäßig gute Seilaufspulung zu gewährleisten. Die Seile verlaufen dann seitlich und unter dem Fahrzeug bis zur Schwenkrolle mit integriertem Seilausstoß an der Heckkonsole.

Nach dem Heranziehen des Baums zum Traktor sowie dem Lösen und vollständigen Einziehen des Seils, steigt Hahn in die Fahrerkabine und packt das Stammende mit dem Schalengreifer des Epsilon Rückekrans in die Klemmbank der Bergstütze. Der Kran, hier ein M90R-80, hat bei maximaler Ausnutzung der Reichweite von acht Metern eine Hubkraft von 900 Kilogramm. Die hydraulisch bis auf 290 Millimeter unter Flur absenkbare Bergstütze verleiht dem Spezialtraktor bei Arbeiten mit Kran und Winde insbesondere an Hanglagen die nötige Standsicherheit. Die an deren Basis drehbar montierte Klemmbank hat eine Öffnungsweite von 1.640 Millimetern. Auf der Oberkante der Bergstützenrückwand befinden sich zudem zwei ebenfalls drehbare Stammhalter in V-Form.

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Die Kommandozentrale des K175R mit kugelsicherem Glas ist speziell für Arbeiten im Forst konzipiert und erfüllt höchste Sicherheitsstandards.

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Der Epsilon Rückekran M90R-80 am Forstspezialtraktor von Gerhard Hahn hat bei maximaler Ausnutzung der Reichweite von 8 Metern eine Hubkraft von 900 Kilogramm.

Sichere und komfortable Kommandozentrale

Hahn nimmt noch eine zweite Fichte mit dem Greifer des Krans auf. Dann dreht er sich mit dem Kabinensitz um 90 Grad seitlich zur Fahrtrichtung und zieht die beiden Stämme zum Polterplatz. „Die Winde nutze ich, ehrlich gesagt, nur, wenn es gar nicht anders geht. Am liebsten bleibe ich in der Kabine sitzen und steuere alle Arbeits- und Fahrfunktionen über den Joystick in der Bedienarmlehne“, verrät Hahn schmunzelnd.

Tatsächlich bieten die seit Einführung der neuen Modellpalette vom Spezialkabinenhersteller KML nach den Vorgaben von Kotschenreuther gefertigten forsttauglichen Kommandozentralen der Spezialfahrzeuge reichlich Komfort. Zu den Merkmalen gehören der um 360 Grad drehbare Luftsitz auf ebener Bodenfläche mit reichlich Beinfreiheit, die nach oben gezogene Panorama-Heckscheibe aus zwölf Millimeter starkem, schusssicherem Polycarbonat, serienmäßige Dachluke, viele nützliche Ausstattungselemente vom Getränkehalter bis zum Handschuhtrockner sowie nicht zuletzt eine Klimatisierung auf Pkw-Oberklasseniveau und gute Geräuschabschirmung.

Zum entspannten Arbeiten im Forst mit seinen hindernisreichen, oft tückischen Untergründen und Hanglagen tragen auch die Sicherheitsmerkmale bei. Die Kabinen wurden von der DLG nach umfangreichen Tests sowohl nach Standard ROPS (Roll Over Protective Structure) als auch FOPS (Falling Object Protection Structure), CODE 4 OECD Testing of Protective Structures Forestry Tractors und OPS (Operator Protective Structure) zertifiziert.

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Juniorchef Jan Kotschenreuther (li.) besucht Gerhard Hahn, der einen der ersten Forstspezialtraktoren der Gen.2-Serie von Kotschenreuther erwarb, am Einsatzort im Frankenwald.

Steigende Nachfrage bei Rückeleistungen

Obwohl die Nachfrage insbesondere durch die notwendige Aufarbeitung von Käferholz wächst, ist das Holzrücken für Hahn nach eigener Aussage ein Nebengeschäft. Deutlich höhere Anteile am Gesamtumsatz des Betriebes, den der Landwirtschaftsmeister gemeinsam mit seinem 29-jährigen Sohn Dominik führt, haben die Bewirtschaftung von 320 Hektar Acker und Grünland, die flexible Stromerzeugung in der Biogasanlage mit einer installierten elektrischen Leistung von 420 kW sowie ein Angebot landwirtschaftlicher Dienstleistungen, das – gestützt auf einen großen Maschinenpark – nahezu alle Tätigkeiten im Pflanzenbau umfasst. Vor allem in diesen Bereichen des Familienunternehmens sind die beiden fest angestellten Mitarbeiter tätig. „Die Sache mit den Forstarbeiten entwickelte sich aus der Pflege unserer eigenen 25 Hektar Wald“, berichtet der Seniorchef. Dafür habe er sich zunächst einen gebrauchten Kotschenreuther-Forsttraktor K135 zugelegt. Daraufhin hätten ihn Waldnachbarn und, als es mit dem Käferholz losging, die Waldbesitzervereinigung Kulmbach/Stadtsteinach angesprochen. So sei der Kundenkreis kontinuierlich gewachsen. Um das gestiegene Auftragsvolumen beim Rücken, das er überwiegend als „ein-Mann-Job“ erledigt, bewältigen zu können, habe er sich zum Technikupdate entschieden.“ Der Betriebsstundenzähler der alten Maschine stand da schon bei 19.000“, betont Hahn.

Forstspezialtraktoren: Multitalent für den „Ein-Mann-Job“

Innen bietet die Spezialkabine mit dem um 360 Grad drehbaren Sitz und guter Rundumsicht reichlich Beinfreiheit und viel Komfort.

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Über das intuitiv bedienbare TouchScreen-Display des CommandCenter lassen sich alle Parameter einstellen und fahrerbezogen abspeichern.

Seit dem Sommer vergangenen Jahres ist er nun mit seinem neuen Forstspezialschlepper vom Typ K 175-R in den Wäldern rund um Kupferberg im Einsatz. Die 205 PS starke Maschine gehört zu den ersten ausgelieferten Modellen der neue Serie „Gen.2“. Bei der Wahl der Ausrüstungsdetails wie die Leistung des Rückekrans und der Doppelwinde, die Aufwertung der Bergstütze mit einer Klemmbank, 710 mm breite Forstreifen von Nokian vorne und hinten oder die Funksteuerung habe er sich von seinen bisherigen Erfahrungen bei Forstarbeiten leiten lassen, aber ebenso von Nutzungsoptionen in anderen Bereichen seines breit aufgestellten Unternehmens. „Zwar arbeite ich mit der Maschine natürlich hauptsächlich im Wald, aber in den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass so ein Multitalent gelegentlich auch an anderen Stellen sehr nützlich ist“, erläutert Hahn. Als Beispiele nennt er den Kraneinsatz beim Austausch größerer Aggregate an Landmaschinen, für das Befüllen der Drille aus dem Bigbag oder zur Beseitigung großer Feldsteine. Gegebenenfalls biete sich eine Kombination mit weiteren Kranaggregaten an, etwa Erdbohrer, Schaufel oder Harvesterkopf. Außerdem lasse sich die Heckkonsole mit wenigen Handgriffen über zwei Bolzen lösen. Die Maschine sei dann wie ein normaler Schlepper mit Dreipunkt, Zapfwelle und zusätzlichem Kran nutzbar und könne beispielsweise einen Rückewagen ziehen, einen Häcksler antreiben oder mit der entsprechenden Gerätschaft als mobiler Güllemixer zum Einsatz kommen. Diese Option biete ein Skidder nicht, mit dem ansonsten typischerweise das Rücken von Langholz erfolge.

Insgesamt sieht sich der Betriebschef mit dem Neuerwerb, dessen Betriebsstundenzähler bereits die 500er Marke überschritten hat, gut gerüstet für die Arbeit im Forst. Dass deren Umfang zunimmt, zeichne sich ab. Für den Rest des Winters sei er praktisch ausgebucht. Der Forstspezialtraktor von Kotschenreuther in der gewählten Größe und Ausstattung sei wendig, schnell an den wechselnden Einsatzorten und biete genügend Leistungsreserven. „Und mit der Sonderlackierung in Schwarz macht unsere neue Maschine doch auch designmäßig einiges her“, setzt Gerhard Hahn augenzwinkernd hinzu.

Forstspezialtraktoren: Multitalent für den „Ein-Mann-Job“

Die im Frontbereich montierte Doppelseilwinde von Adler verfügt über eine Zugkraft von zweimal 8 Tonnen.

Auf einen Blick – So wird aus dem Ackerallrounder ein Forstspezialist

Jährlich fertigt das Unternehmen Kotschenreuther rund 40 Spezialtraktoren nach Kundenwunsch

Die Metamorphose vom Ackerschlepper zum Forstspezialtraktor vollzieht sich nur wenige Autominuten vom Hof der Familie Hahn entfernt in den Montagehallen am Hauptsitz der Kotschenreuther Forst- & Landtechnik GmbH & Co. KG im oberfränkischen Neufang.

„Zunächst werden die als Basis dienenden John Deere Traktoren unterschiedlicher Leistungsklassen bis auf Motor und Getriebe vollständig zerlegt. Anschließend erfolgt der Aufbau mit größtenteils neuen Bauteilen zum forsttauglichen Spezialtraktor“, beschreibt Jan Kotschenreuther, der 19-jährige Sohn von Firmenchef Eugen Kotschenreuther, den Fertigungsprozess.

Der komplette Ablauf von der Demontage bis zum auslieferungsbereiten Endprodukt, der drei bis vier Wochen in Anspruch nimmt, liegt nach Aussage des Juniorchefs bei jeder Fahrzeugeinheit durchgängig in den Händen eines Montageteams mit Spezialisten, etwa auf den Gebieten Elektronik und Hydraulik. Insgesamt seien in diesem Produktionsbereich 30 Mitarbeiter tätig. Hinzu komme der Stahlbau. Pro Jahr verlassen etwa 40 kundenspezifisch konfigurierte Forstspezialtraktoren das Werk.

Als teuerste Komponente beim Umbau nennt Kotschenreuther die DLG-zertifizierte Sicherheitskabine. Sie werde entweder selbst gefertigt oder ist ein Zulieferteil vom Hersteller KML, der zu den Technologieführern im Spezialkabinenbau zählt und beispielsweise auch Liebherr Baumaschinen ausrüstet. Ähnlich verhält es sich mit den Rückekränen, die aus eigener Produktion oder vom Hersteller Epsilon stammen.

Zu den Komponenten, die man bei einem „normalen“ Ackerschlepper nicht findet und die die Forsttauglichkeit der Spezialtraktoren von Kotschenreuther gewährleisten, gehören außerdem Seilwinde, Heckkonsole mit Bergstütze zum Auflegen der Stämme oder zur Abstützung des Traktors beim Betrieb der Seilwinde, Schutzummantelungen für Motor und Getriebe, Unterbodenwanne mit Wartungsluken, Stahltank sowie Forstfelgen und 710er Forstreifen.

Die Anschaffungskosten liegen je nach Ausstattung zwischen 275.000 und 310.000 Euro. Als Faustregel gilt: Ein Forstspezialtraktor ist etwa doppelt so teuer wie der John Deere Schlepper, der die Basis für den Umbau bildet.

W. Rudolph

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