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Kompakte Verstärkung

Es muss nicht immer der ausgewachsene Standardschlepper sein: Wir haben einen Kubota L1 mit in den Wald genommen. Die Klasse kann für viele Einsätze völlig ausreichen – vor allem für Forstleute, die nicht täglich Vollzeit im Holz sind.

Forstmechanisierung: Kompakte Verstärkung

Wendigkeit ist ein besonderer Vorteil der Kompakten.

Von Tobias Meyer

Aktualisiert am

Forstmechanisierung: Kompakte Verstärkung

Zugkräftiges Duo: Kubota L1-522 mit einer 5,5-Tonnen-Tajfun-Winde.

Wer einmal vom Waldvirus infiziert wurde und nun mit Leidenschaft im Holz unterwegs ist, kennt das: Recht schnell muss eine weitere Säge her, der Schutzanzug darf dann gerne – funktionell und auch optisch – etwas mehr hermachen, ein Werkzeuggurt ist eh praktisch und beim Handwerkzeug ist man seit dem ersten gebrochenen Stiel auch schon über die Baumarkt-Klasse hinaus. An der Spitze der Ausrüstungskette steht für viele der eigene Traktor, oft ein Lebenstraum. Erfüllen konnten sich Hobby-Enthusiasten und Nebenerwerbler diesen bisher meist nur mit einem Gebrauchten. Anständige Modelle haben dann aber in 20 bis 30 Jahren Einsatzzeit einige 1.000 Stunden auf den Zähler gespult – und dennoch rufen Verkäufer noch fünfstellige Beträge auf. Ein Frontlader ist nicht immer dabei, wie lang die Kupplung oder irgendwelche anderen Komponenten noch halten, völlig unklar. Was aber, wenn man in einer ähnlichen Preisklasse einen neuen Schlepper mit Garantie haben könnte? Fragt man bei den Händlern der hier etablierten Hersteller nach einem einfachen Viergang-Schalter ohne viel Schnickschnack um die 60 PS, müssen diese oft passen.

Diesen Markt bedienen inzwischen asiatische Hersteller mit Kompaktschleppern. Bisher waren diese eher auf den kommunalen Einsatz zugeschnitten – sollten aber eigentlich auch für den Einsatz im Wald gut geeignet sein: sehr wendig, trotzdem kräftig und preislich durchaus attraktiv. Um das nicht nur theoretisch durchzuspielen, haben wir einen Kubota L1-522 mit einer 5,5-Tonnen-Tajfun-Winde sowie einem Quicke C18S Frontlader samt Unterreiner Verladegreifer ausgerüstet und sind damit losgezogen.

Forstmechanisierung: Kompakte Verstärkung

Mit dem Verladegreifer sind 4,10-Meter-Stämme mit 30 bis 40 Zentimetern Durchmesser problemlos bewegbar.

Forstmechanisierung: Kompakte Verstärkung

Vorab einmal schnell die Eckdaten: Der Schlepper bringt nackt etwa zwei Tonnen auf die Waage, bewegt werden diese durch vier Zylinder mit 51 Pferden sowie vier Gänge in zwei Gruppen. Die für den Greifer notwendige dritte und vierte Hydraulikfunktion kann über ein elektrisch angesteuertes 8/3-Wegeventil recht einfach am Frontlader nachgerüstet werden. Zwei Knöpfe am Kreuzhebel steuern diese dann an, weshalb dafür lediglich ein Kabel zusätzlich am Traktor entlangwandern muss – das Öl wird einfach an der zweiten Funktion per T-Stück abgegriffen.

Vorteil Kompaktheit

In der Praxis stellte sich schnell heraus, wo die Vorteile eines Kompaktschleppers liegen, nämlich – Überraschung – in seiner Kompaktheit. Durch den kurzen Radstand von 1,9 Metern lässt sich der kleine Japaner mitten auf einer regulären Rückegasse wenden. Einmal zur Seite gelenkt und mit dem Lader zwischen zwei Bäume eingefädelt, und schon kommt man rückwärts in einem weiteren Zug herum.

Mit den eigentlich für reguläre Traktoren konzipierten Anbaugeräten kam die Maschine überraschend gut zurecht. Die Seilwinde musste lediglich mittels Büchsen über ihre inneren Kat-2-Aufnahmen angebaut werden, ansonsten würden durch die nur etwa 1,2 m breite Spur die Reifen an den Unterlenkern streifen. Die 5,5 Tonnen Zugkraft klingen im ersten Moment leicht überdimensioniert, für den Test wollten wir aber die Grenzen schon etwas ausloten. Gefühlt wirkt die Winde am Heck des L1 aber durchaus passend. Im Einsatz muss dann aber mit Bedacht gearbeitet werden. Denn der Kubota kann die für dickere Erdstämme oder Langholz notwendige Leistung locker über die Zapfwelle zur Tajfun EGV 55 AHK spielen, muss dann aber absolut satt stehen und das Schild sauber eingraben können. Denn etwas mehr Schrägzug am Seil verträgt sich schlecht mit leicht und schmal gebauten Treckern – der Kippmoment kommt hier früher.

Mit dem Verladegreifer VZA-Profiline sind wir ebenfalls eigentlich zu groß ausgestattet, der kleinere Ecoline war aber gerade nicht bei Unterreiner verfügbar. Um den Traktor sowie den Frontlader mit seinen 1,3 t Hubkraft nicht zu überlasten, haben wir nicht an den Grenzen des Greifers gearbeitet. Dennoch waren die 400 kg der Winde im Heck ein gern gesehenes Gegengewicht. Denn nachdem wir uns langsam an die Möglichkeiten herangetastet hatten, waren im bereits angetrockneten Schadholz problemlos 30 bis 40 cm dicke 4,10er Fixlängen bewegbar. Seine Wendigkeit kommt dem Schlepper dabei sehr zugute, denn so erreicht der Greifer schnell und ohne große Staucharbeit auch Abschnitte, die etwas abseits der Gasse liegen. Auch beim Beschicken eines Sägespalters konnte der kleine L1 punkten: Die oben schon erwähnten Fixlängen hat er dank Allrad, Servolenkung und Wendeschaltung recht zügig und bequem zuliefern können, die Fahrstabilität war dabei gut.

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Kubota mit Achttonner-Rückewagen – ungebremst besser nur auf Wegen mit wenig Gefälle.

Etwas heikler wird es, wenn man ein Stammstück nach vorne zeigend packt und das Ende unter die Zahnleiste klemmt: Da die Zange dann trotzdem noch etwas Pendelfreiheit hat, kann die Ladung schon bei einer leichten Änderung der Fahrposition – zum Beispiel, wenn man mit einem Rad in eine Kuhle fährt – etwas zur Seite schwingen. Wenn der Traktor vorher schon in Schräglage unterwegs war, kann das fürs Umkippen reichen. In solchen Fällen daher nur so weit wie nötig ausheben, dann die Hand am Kreuzhebel lassen und bei Gefahr sofort absenken. Genutzt werden kann diese Technik auch zum Beladen von regulären landwirtschaftlichen Anhängern über deren Heck. So braucht es keinen größeren Platz, auf dem der Traktor seitlich an den Wagen heranfahren kann. Stattdessen steht der Wagen in Fahrtrichtung auf der Gasse, wird dort von hinten bestückt und kann anschließend vom gleichen Trecker wieder mit nach Hause genommen werden.

Etwas fixer geht das natürlich mit dem Rückewagen: Wir haben einen Achttonner angehängt und ihn anständig beladen. Die Hydraulikpumpe des L1 schickt zwar nur 36 l/min in die Schläuche, für die Kran- zylinder reicht das aber problemlos aus. Gefahren sind wir voll beladen – und ungebremst – aber nur auf gut ausgebauten Wegen mit geringem Gefälle. Dabei merkten wir aber bereits, dass der Wagen schon seinen Willen durchzusetzen versuchte. Einen Sechstonner mit Auflaufbremse könnten wir uns an dieser Schlepperklasse aber auf jeden Fall gut vorstellen. Damit wären dann wohl auch Fahrten in etwas schwierigeren Lagen möglich.

Fazit: Ein Kompaktschlepper kann sehr gut im Forsteinsatz laufen. Wer in engen Beständen manövrieren muss, freut sich über jeden Zentimeter weniger Radstand. Der Frontlader hebt für die kleine Klasse überraschend gut und kann in vielen Fällen sicher ein wichtiger Helfer sein. Lediglich bei der Stabilität gilt es, wachsam zu bleiben. Wer also über einen Trecker nachdenkt, sollte die Kompaktklasse auf jeden Fall mit in Betracht ziehen.


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