Magazin Branche

Fokus Italien – Seko :

Samurai und Tiger im friedlichen Einsatz

Mischration für Methanbakterien – Neben seinen Futtermischwagen entwickelt der italienische Hersteller Seko Zerkleinerungsmaschinen für Kompostier- und Biogasanlagen und will demnächst sogar komplette Anlagen liefern.

Fokus Italien – Seko: Samurai und Tiger im friedlichen Einsatz

Mehr als die Hälfte des Umsatzes erzielt Seko mit Futtermischwagen, 92 Prozent davon werden exportiert.

Ob für den Futtertisch oder die Biogasanlage: Gemischt, zerkleinert und gewogen werden müssen die Materialien in beiden Fällen. Daher liegt es nahe, Futtermischtechnik aus der Tierhaltung auch für Biogasanlagen weiterzuentwickeln. Der italienische Spezialist Seko aus Curtarolo bei Padua fährt daher zweigleisig: Die Entwicklung von Maschinen zur Behandlung von Energiepflanzen und Bioabfall hat Seko in der Abteilung „Eco Line“ angesiedelt, die Fütterungsabteilung firmiert unter dem Namen „Unifeed“. Mittlerweile verkauft der seit 1973 in der Landmaschinenbranche tätige Hersteller in 55 Länder. Auf dem Betriebsgelände mit 50.000 m2 Fläche stellen die rund 150 Mitarbeiter etwa 1000 Maschinen im Jahr her. 92 % der Produktion werden exportiert. Das Kerngeschäft von Seko sind mit über 50 % des Umsatzes Maschinen zur Rinderfütterung. Dazu zählen selbstfahrende und gezogene Futtermischwagen mit horizontaler Rührwelle, die unter dem kämpferischen Namen „Samurai“ in Milchviehbetrieben ihren Dienst tun.

Samurai und Tiger sind die Flaggschiffe

Seko hat dabei mehrere Varianten im Programm: Mit und ohne Entnahmefräse, mit und ohne Ladeschaufel, als Dreirad für kleine, enge Ställe oder als stationäre Version. Unter dem Namen „Tiger“ bieten die Italiener dagegen Vertikalmischer als gezogene oder selbstfahrende Version mit einer oder mit zwei Schnecken an.

Eco Line kümmert sich um Bioabfall

Neben der Rinderfütterung hat sich die Nische der Spezialfahrzeuge für die Energieerzeugung und Abfallverarbeitung in den letzten zehn Jahren stetig weiterentwickelt. Gemischt und zerkleinert werden muss hier auch. Den Start hat Seko mit Anlagen zur Biomüllzerkleinerung gemacht:

– „Constellation“ heißt die Serie von Maschinen zum Zerkleinern, Zerfasern und Mahlen von organischen Abfällen und Holz. Die kraftvolle und langsam drehende Hackeinrichtung schafft sogar Palettenholz. Die Maschinen sind mit einem Perkins-Motor ausgestattet und in drei Versionen von 170 bis 350 PS erhältlich.

– Als „Samurai 5“ sind Biomüllzerkleinerer als Aufsattel- oder LKW-Aufbauversion auf dem Markt. Die Maschinen mit 175 PS und einem Füllvolumen von 15 bis 20 m3 sind für Forst- und Gartenbaubetriebe zum Abtransport des Grünschnitts konstruiert worden. Die Zerkleinerung reduziert das Volumen um das Fünffache.

– Als selbstfahrender Umsetzer für die Kompostierung hat Seko die Serie „SCV“ mit einer Arbeitsbreite von bis zu 5,70 Meter im Programm. Die Maschine mischt und lüftet mit einer horizontalen Schnecke, die quer zur Fahrtrichtung arbeitet, den Bioabfall.

– „Panter VTC“ heißt die Serie mit Vertikal-achsen zum Umsetzen von großen Kompostmieten mit bis zu 3 Meter Höhe.

– Zum Absieben von verschiedenen Materialien in Kompostier- und Abfallbehandlungsanlagen ist die Trommelsiebmaschine der Serie „Separator“ entwickelt worden.

– Als weiteres Nischenprodukt hat Seko mit dem Turf Groomer SL 125 und SL 145 zwei Anhängegeräte für Kleintraktoren zur Rasenpflege im Programm. Damit können Blätter oder anderes Mulchmaterial aufgenommen werden.

Biogas wird europaweit interessant

Seit 2006 versorgt der italienische Hersteller in der Produktlinie „Eco Gas“ Biogasanlagen in ganz Europa mit Dosier- und Mischeinrichtungen. Italien selbst will bis zum Jahr 2012 seine Energieversorgung auf 20 % Erneuerbare Energien umstellen. Da Biogas den italienischen Landwirten helfen soll, das Gülleproblem zu lösen, ist die Regierung sehr an weiteren Anlagen interessiert und plant ein Bonussystem für den Energiepflanzeneinsatz ähnlich wie in Deutschland. „Derzeit haben wir hier aber nur rund 30 Biogasanlagen, so dass der Markt erst noch aufgebaut werden muss“, erläutert Marco Rubino, Leiter der Exportabteilung Eco Line.

Deutschland mit seinen fast 4000 Anlagen ist daher ein viel interessanterer Markt. Aber auch Frankreich oder das sich entwickelnde Osteuropa hat Seko im Visier.

Samurai „kämpft“ jetzt auch bei Biogas

Im Biogassektor verwendet Seko die Bio-müllzerkleinerungseinheit Samurai 5. Diese stationäre Variante ist mit zwei Spiralwellen für die Zerkleinerung und Mischung mit drehbaren Sternmessern und gezahnten, auswechselbaren sowie einstellbaren Gegenschneiden ausgestattet. „Horizontale Schnecken mit gegenläufigen Rührwellen mischen effizienter“, erläutert Rubino die Strategie dahinter. Die Maschine wird wie bei der Rinderfütterung mit Hilfe vom Frontlader oder der Radladerschaufel beladen. Anschließend kann der Betreiber an einer externen Schalttafel die voll beladene Maschine starten.

Der Samurai zerkleinert und mischt nicht nur, sondern dient auch als Dosiereinrichtung, um das Material in kleinen Mengen und kurzen Zeitintervallen in den Fermenter einzufüllen. Insgesamt sind sieben Modelle von der Serie 400 mit 5 m3 bis zur Serie 700 mit 30 m3 auf dem Markt. Das kleinste Modell wird von einem 15 kW-Elektromotor angetrieben, die Serie 700 von 160 kW. Die Durchsatzleistung liegt daher bei 12 m3 pro Stunde bei der Serie 400 und geht hoch bis 100 m3 bei den 700er Modellen.

Kleine Fasern bringen mehr Gas

Das Material wird auf 2 bis 4 Zentimeter zerkleinert. „Bei kleineren Fasern können die Bakterien das Material schneller aufschließen und so mehr Biogas erzeugen“, begründet Rubino das Vorgehen. Gleichzeitig spart der Anlagenbetreiber Energie, die ohne gründliche Vorbereitung des Materials für Rührwerke benötigt würde. Das Substrat wie Maissilage oder Triticale wird im Mischaggregat in die Mitte geschoben. Von unten kann dann Wasser oder Gülle zugefügt werden. Damit geht auch Seko den Weg der „Flüssigfütterung“, die bei vielen Biogasanlagen in Deutschland im Gegensatz zur getrennten Fütterung von Gülle und Feststoffen von immer mehr Anlagenbetreibern favorisiert wird. Da der Mischer auf Wiegestäben steht und an das Steuerungssystem der Anlage angeschlossen werden kann, lassen sich Gewicht und andere Daten automatisch auf den PC zur Überwachung übertragen. Seko hat dafür das Wiegesystem Sekotronic L150 mit 15 Programmen entwickelt. Die Mischtechnik eignet sich für Biogasanlagen ab 300 kW elektrischer Leistung – eine mittlere Leistungsklasse in Deutschland.

Demnächst Komplettanlagen von Seko?

Seko will aber nicht nur die reinen Maschinen anbieten. Aus diesem Grund ist im Jahr 2006 die Unterabteilung „AgriPowerGas“ innerhalb der Eco Line-Abteilung aufgebaut worden. „Wir verkaufen mit den Mischaggregaten auch den Service zur Betreuung von Biogasanlagen“, macht Seko-Chef Guiseppe Lopoli deutlich. Dazu hat Seko drei Mitarbeiter im eigenen Unternehmen geschult, arbeitet aber auch mit zwei externen italienischen Wissenschaftlern zusammen. Zu der Dienstleistung sollen die Planung und Projektierung über die Lieferung der verschiedenen Komponenten bis hin zur schlüsselfertigen Anlage gehören. Damit wagt sich der Hersteller aus dem Bereich des reinen Komponentenlieferanten hervor und zollt dem jungen und in vielen Bereichen noch unerforschten Biogasbereich von Anfang an die nötige Aufmerksamkeit.


Diesen Artikel bewerten

Diskutieren Sie mit

blog comments powered by Disqus