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Fokus Italien – Antonio Carraro :

Schnittiges Design in Rot: Kompakte Allrounder „made in Italy“

Der Spezialist für Kompakttraktoren Antonio Carraro hat nicht nur Modelle auf der Liste der Neuheiten. Mit einer erweiterten Garantie sowie einer neuen Produktreihe mit Maschinen anderer Hersteller sollen neue Märkte und Kunden erschlossen werden.

Fokus Italien – Antonio Carraro: Schnittiges Design in Rot: Kompakte Allrounder „made in Italy“

Der Tigre 3200 mit 25 PS ist der große Bruder des Tigre 3100.

Leuchtend rot, mit Breitreifen und aus Italien: Wer denkt bei dieser Beschreibung nicht an Formel eins und Ferrari? Aber die Beschreibung passt auch auf einen anderen Fahrzeugtyp aus dem Land jenseits der Alpen – und zwar auf die Kompakttraktoren des Herstellers Antonio Carraro aus Campodarsego bei Padua. Zugegeben: Die Modelle sind zwar nicht so schnell, aber dafür vielseitiger. Denn multifunktionale Maschinen gehören zum Aushängeschild des im Jahre 1960 gegründeten Unternehmens. So auch der neueste Spross: Der Tigre 3200 mit 25 PS ist der große Bruder des Tigre 3100, der im Jahr 2005 als meist verkaufter Traktor mit vier gleichgroßen Rädern eine Auszeichnung erhielt.

Der Tigre 3200 erweitert die Serie 15 von Carraro und bietet dem Fahrer mehr Seitenhalt im Sitz. Außerdem lässt sich der Carraro-typische Überrollbügel wegklappen, so dass die Maschine in Parks usw. wendiger ist. Das neue Modell ist für Parkanlagen, Gärten, Sportplätze und für Grünflächen von Kommunen, aber auch für spezialisierte Landwirte entwickelt worden.

Vom Landwirt bis zur Kommune

Neu in der Serie 17 ist der Tigre Country 4400 mit 38 PS. Bei diesen Traktoren sind die Hinterräder größer, so dass sie schwere Zugarbeiten auch auf Baustellen oder bei der Bodenbearbeitung erledigen können.

Auch der knickgelenkte Aufsitztraktor Rondo K333 ist in punkto Komfort weiterentwickelt worden. Mit vier gleichgroßen Breitreifen mit breiter Lauffläche und glattem Profil sollen Bodenverdichtungen bei der Grünpflege vermieden werden. Aber Kehrbürste, Schneeschild oder Salzstreuer sowie eine beheizbare Kabine gehören zum einsetzbaren Zubehör. Die drei Modelle zeigen: Carraro-Traktoren werden heute nicht nur eingesetzt in landwirtschaftlichen Kulturen mit engen Reihen wie Obst- und Gemüsebaubetriebe, Treibhäuser oder im Forst. Neben der kompakten Bauweise zählt hier auch die Möglichkeit, die Kabine zu drehen, so dass das Heck der Maschine zur Front wird. Mit dem Anbau hinten ist man dichter am Gerät, z.B. beim Fräsen, was dem Fahrer mehr Übersicht gibt, als wenn der Motorblock die Sicht verdecken würde.

Die Multifunktionalität erlaubt es, die Maschinen zum Mähen von Grünflächen genauso einzusetzen wie auf Baustellen oder zur Pflege von Skipisten. Die Knicklenker können um Sträucher in Parks sehr gut herumfahren. Gerade in Südeuropa ist der Rondo in Olivenhainen und im Weinbau gefragt. Mit einem Tempomat kann mit gleicher Geschwindigkeit gemäht werden, z.B. auf Golfplätzen.

Im Norden eher gewerblich genutzt

In Deutschland spiegelt der unterschiedliche Einsatz der Maschinen die regionalen Besonderheiten wider: Die Zahl der verkauften Maschinen ist in Nord- und Süddeutschland zwar in etwa gleich. Aber im Norden kommen Carraro-Traktoren nur zu 30 % in der Landwirtschaft vor. Hauptkunden sind hier die Kommunen oder andere gewerbliche Dienstleistungsbetriebe. „In Süddeutschland setzen vor allem Landwirte die Traktoren ein: Das Gelände sowie Weinbau sind hier ausschlaggebend dafür. Nur 30 % der im Süden verkauften Traktoren gehen in den gewerblichen Sektor“, berichtet Liliana Carraro, PR-Chefin bei Carraro zu den aktuellen Trends. Grund: Das mitschwingende Fahrgestell prädestiniert die roten Maschinen gerade für hügeliges Gelände. Denn es passt sich der Geländeform an. Die Hanglage ist bis zu 45 ° möglich. Dafür besitzt die Maschine zwei Pumpen im Getriebe, damit das Öl bei Schräglage nicht wegläuft.

Der tiefe Schwerpunkt ermöglicht es, Geräte mit bis zu drei Meter Arbeitsbreite einzusetzen, Mähdecks zum Mähen auf Sportplätzen oder Golfrasen können sogar bis zu fünf Meter breit sein.

Traktor in 48 Stunden erstellt

Carraro bedient eine Nische. Jeder Kunde erhält eine maßgeschneiderte Maschine. „Wir wollen keine Konkurrenz zu großen Traktorherstellern sein“, erläutert Liliane Carraro. Das heißt für die Produktion: Es findet keine Serienproduktion statt, sondern es wird nur auf Bestellung gebaut. Der Bau eines Traktors dauert etwa 48 Stunden. Alle Traktoren werden heute in einer einzigen Halle montiert.

Im Jahr 2000 hat es in dem Werk größere Umstrukturierungen gegeben. Eine wichtige Zeitersparnis war die Umstellung auf ein Zentrallager, das die einzelnen Montageabteilungen just in time beliefert. Hieran arbeitet heute ein Stamm an Lageristen, den es früher nicht gab. Ein Ersatzteil durchläuft innerhalb von vier Stunden den Weg vom Wareneingang über Eingangskontrolle, EDV-Erfassung bis zur Bestückung im Lager. Früher hatte jede Produktionslinie ihr eigenes Lager, das von den Mitarbeitern an der Montagestraße bestückt wurde.

30 % der verwendeten Teile produziert Carraro selbst. Dazu zählen Getriebegehäuse und die Getriebe. Der Rest wird unter Anweisung und der Leitung von Carraro hergestellt.

Bis zu vier Jahren Garantie

Zukünftig will Carraro noch mehr Wert auf den After sales-Service legen. Weltweit sollen Ersatzteile in 24 bis 48 Stunden geliefert werden. „Wir haben außerdem eine neue Garantiepolitik“, macht PR-Chefin Carraro aufmerksam. Dabei kann der Kunde auf Wunsch die Garantiezeit schon beim Kauf oder aber auch später innerhalb der ersten 24 Monate erweitern. Bedingung dafür ist, dass alle obligatorischen Inspektionen regelmäßig durchgeführt werden. Als Optionen stehen damit zur Verfügung:

– die gesetzliche Gewährleistung über 24 Monate;

– eine um zwölf Monate verlängerte Garantie „EXT 1“ (EXT steht für „Extended Guarantee Carraro“);

– eine um 24 Monate verlängerte Garantie, die dann also vier Jahre umfasst. Die erweiterte Garantie ist zunächst auf die sechs Modelle Supertigre 4500, Tigrone 5500, Tigre 3100 und 3200, Country 4300 und 4400 beschränkt.

Für mehr Flexibilität kann der Kunde die Garantie auf der Internetseite von Carraro oder über den lokalen Händler abschließen. Genauso kann er sich im Garantiefall an Carraro selbst oder an seinen Händler wenden. „Wir informieren dann den nächstgelegenen Händler, falls sich der Käufer direkt bei uns meldet“, erläutert Liliana Carraro.

Mit der „Family“ neue Märkte erschließen

Ebenfalls neu bei Carraro ist die Einführung der neuen Produktreihe „Antonio Carraro Family“. In dieser Produktreihe werden Traktoren und Fahrzeuge anderer Hersteller angeboten und über das Händlernetz von Carraro vertrieben. Dazu gehören z.B. die Traktoren „Agriplus“, die von der Carraro Spa hergestellt werden. Carraro Spa wird von Antionos Bruder, Mario Carraro, geleitet. Die Modelle „Vigneto“ und „Frutteto“ mit 56 bis 95 PS sind für spezialisierte Landwirte in Weinbergen und Obstplantagen im Flachland konzipiert und stellen daher keine Konkurrenz zu den eigentlichen Antonio Carraro-Traktoren dar. Für den italienischen Markt ist auch das „Clubcar“ ins Programm aufgenommen worden. Weitere Modelle sollen in der Zukunft folgen. Mit der neuen Produktreihe will Carraro neue Märkte für die Gebiete wie das Flachland erschließen, in dem ein Schwingrahmen nicht benötigt wird.


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