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Fokus Gebrauchte – Remanufacturing :

Neuer Grip für gebrauchte Maschinen

Die Aufbereitung kann die Renditechance bei der Vermarktung von gebrauchten Maschinen steigern. Auch gute Bereifung wirkt sich positiv auf den Verkaufserfolg aus. Eine interessante Alternative zu fabrikneuer Ware können da runderneuerte Reifen sein. „Sie sind nicht nur preisgünstiger, sondern auch gut“, erklärt Günter Ihle von der Firma Rigdon.

Fokus Gebrauchte – Remanufacturing: Neuer Grip für gebrauchte Maschinen

In der Kennzeichnung auf der Reifenflanke weist Retread auf die Runderneuerung hin.

Ein runderneuerter AS-Reifen.

Ein runderneuerter AS-Reifen.

eilbote: Vor der Vermarktung macht es Sinn, die gebrauchten Traktoren auf „Dauerglanz“ zu bringen. Gilt das auch für die Bereifung?

Günter Ihle: Natürlich ist es für den Landmaschinenhandel einfacher, eine Gebrauchtmaschine wie einen Traktor oder Mähdrescher zu vermarkten, wenn sie neu bereift oder mit neuen Laufbändern versehen ist. Wir arbeiten daher mit Händlern zusammen, die regelmäßig leistungsstarke Rad- und Raupentraktoren in Zahlung nehmen. Sie richten die Fahrzeuge vor dem Wiederverkauf „salonfähig“ her, um einen positiven Eindruck bei den Interessenten zu erreichen. Zur technischen und optischen Aufbereitung gehört bei ihnen – sofern erforderlich – auch die Ausstattung mit runderneuerten Reifen. Der Endkunde profitiert dann von einem neu bereiften Fahrzeug und der LM-Händler von einem Preisvorteil gegenüber Neureifen.

Im Agrarbereich ist die Runderneuerung doch eher eine Nische?

Tatsächlich gibt es nicht viele Fachbetriebe, die eine AS-Reifen-Runderneuerung anbieten. Rigdon nutzt dazu ein hochprofessionelles Verfahren, bei dem die Karkasse wiederverwendet wird und lediglich die Stollen erneuert werden. Somit müssen nur 20 Prozent des Reifens ersetzt werden, während das restliche Material erhalten bleibt. Das Remanufacturing, wie wir es nennen, ist ein ressourcenschonendes Verfahren, das ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist.

Ist die Runderneuerung bei AS-Reifen nicht besonders aufwändig? Schließlich müssen die hohen Stollen auch 150 PS und weit mehr aushalten.

Ihre Sicherheitsbedenken sind unberechtigt. Wichtig zu wissen ist, dass die runderneuerten Reifen in keiner Weise minderwertig sind. 150 PS sind gar kein Thema. Wir erneuern sogar Bandlaufwerke von Großtraktoren, die über 800 PS unter der Haube haben. Dabei gibt es weder Qualitätseinbußen, noch Haltbarkeit- oder Sicherheitsprobleme.

Welche Kosten muss der Fachhändler kalkulieren?

Er kauft einen runderneuerten Reifen auf jeden Fall vergleichsweise günstiger. Natürlich gibt es eine riesige Bandbreite an AS-Reifen, dementsprechend variieren auch die Kosten. Beispiel: Einen 38-Zoll-Reifen, der neu je nach Hersteller bei etwa 3.000 bis 4.000 Euro liegt, können wir runderneuert für etwa 2.000 Euro anbieten.

Der runderneuerte Reifen kann also bis zu 50 Prozent günstiger sein als ein Markenprodukt?

Das kann man nicht pauschal sagen. Natürlich spielen bei der Preiskalkulation verschiedene Aspekte eine Rolle: Es kommt zum Beispiel auf die Größe, das Profil, die Anzahl der Stollen an, und welche Profiltiefen der OEM verwendet. Sparen kann der Händler durch die so genannte Kunden-Runderneuerung, bei der die Bestandskarkasse – sofern sie in einem guten Zustand ist – wieder verwendet wird. Der Händler bockt also die Maschine auf und schickt die abgenutzten Reifen inklusive Felgen zur Runderneuerung.

Können die Fachhändler vorab ein Preisangebot einholen?

Im Regelfall kann man die Runderneuerung gut kalkulieren. Damit es nicht zu finanziellen Mehrbelastungen aufgrund vorliegender Beschädigungen kommt, schicken uns die Kunden vorab Bilder von den Reifen, so dass wir uns einen Eindruck über ihren Zustand machen können.

Wie lange dauert es, bis der Händler die Rundererneuerten wieder an die Maschine montieren kann?

Im Regelfall muss man 14 Tage bis drei Wochen für eine Kunden-Runderneuerung rechnen. Wir halten aber auch Lagerware vor, so dass auch ein Tausch grundsätzlich möglich ist. Der Kunde gibt also seine Karkasse zu uns und er bekommt von uns einen fertigen Reifen. Grundsätzlich sind verschiedene Varianten möglich. Allerdings ist das im Ackerschlepperbereich aufgrund der Dimensionsvielfalt nicht ganz so einfach wie zum Beispiel bei Lkw-Reifen.

Kann man runderneuerte Reifen erkennen?

Wenn ein Reifen runderneuert wurde, muss er an der Seitenwand gemäß StVO eine entsprechende Kennzeichnung haben. Vor dem Runderneuerungsdatum ist ein „R“ oder die Bezeichnungen „Runderneuert“, „Remanufactured“, „Retreaded“ oder „Retread“ angebracht.

Runderneuerte haben nicht das beste Image.

Tatsächlich ist in Deutschland der Runderneuerungsanteil im Lkw-Reifen-Ersatzmarkt in den vergangenen Jahren auf derzeit etwa 29 Prozent gefallen, obwohl runderneuerte Reifen qualitativ Neureifen in nichts nachstehen. Hintergrund ist, dass in der Vergangenheit verstärkt Billigimportreifen aus China zu Dumpingpreisen in Europa platziert wurden. Erst vor wenigen Monaten hat endlich die EU-Kommission reagiert und Anti-Dumping Zölle gegen chinesische Lkw- und Busreifen verhängt. Daher gehe ich davon aus, dass sich der Anteil runderneuerter Reifen in diesem Segment wieder erhöhen wird.

Trotzdem kursieren Vorurteile...

Liegen Reifenteile auf der Autobahn, denken viele gleich an runderneuerte Lkw-Reifen. Nachweislich sind in 80 Prozent der Fälle aber Neureifen betroffen. Die Ausfallursachen sind meistens Fremdkörper, unangepasster Luftdruck oder Überlast. Übrigens gibt es im Flugzeugbereich wohl keine Airline, die nicht mit runderneuerten Reifen fliegt. Statistisch wird sogar jeder Flugzeugreifen bis zu zehn Mal runderneuert – und die müssen bekanntlich enormen Belastungen standhalten.

Warum hat denn das Image so gelitten?

Vor 30 Jahren wurde die Reifen-Runderneuerung überwiegend von Kleinbetrieben durchgeführt, die nicht unbedingt die technischen Möglichkeiten und das Know-how für eine entsprechende Reifenqualität hatten. Das hat zu einigen Ausfällen geführt, die das Image nachhaltig geschädigt haben. Um aber diesen negativen Touch loszuwerden, sprechen wir heute eher von Werkserneuerung oder Remanufacturing als von Runderneuerung.

Zur Person

Günter Ihle.

Günter Ihle.

Günter Ihle führt die Geschäfte bei Rigdon. Das Unternehmen gilt in Deutschland als einer der führenden konzernunabhängigen Marken-Reifenrunderneuerer und hat eine eigene Werksproduktion im bayerischen Günzburg. 90 Mitarbeiter erzielen ein jährliches Absatzvolumen von ca. 50.000 rundererneuerten Reifen „Made in Germany“.

Als Spezialist auf diesem Gebiet verfügt Rigdon über das gesamte Portfolio der Runderneuerung von Pkw- über Lkw- und EM- bis mittlerweile hin zu AS-Reifen und kann dabei im Kalt- wie auch im Heißverfahren produzieren. Ein weiteres Feld ist die Stollenerneuerung an Gummilaufbändern für Raupentraktoren und -mähdrescher.

Kernvertriebsgebiet des bayrischen Unternehmens ist Süddeutschland. Aber auch Österreich und die Schweiz sind wichtige Märkte für die werkserneuerten Reifen aus Günzburg.

 

Kontakt:

Günter Ihle, Rigdon GmbH

D-89312 Günzburg

Tel. (0 82 21) 99-0, Fax (0 82 21) 99 22 42

www.rigdon.de

 

 


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