Magazin Agro Show 2018

Fokus Gebrauchte – Polen :

Secondhand wieder attraktiver

In Polen steigen Gebrauchttraktoren wieder in der Gunst der Landwirte. Denn viele haben bereits die einmaligen EU-Zuschüsse für Investitionen in Neutraktoren abgerufen. Wie Andrzej Gil von der Firma Techrol im eilbote-Gespräch erläutert, ist die Gebrauchtmaschinenkonjunktur eng mit den Erzeugereinkommen und möglichen Fördermitteln verbunden.

Fokus Gebrauchte – Polen: Secondhand wieder attraktiver

Volles Haus: Gebrauchte werden für die Auslieferung aufbereitet.

eilbote: Wie läuft das Geschäft mit den Gebrauchten?

Andrzej Gil: Gesucht sind im Moment Bodenbearbeitungsgeräte – insbesondere Pflüge –, aber auch Heumaschinen, Traktoren und Mähdrescher. Grundsätzlich ist die Konjunktur des Gebrauchtmaschinengeschäftes eng gekoppelt an die Erlössituation der Landwirte und die Investitionsförderung neuer Technik.

Damit sprechen Sie PROW an? Hinter diesen vier Buchstaben verbirgt sich ein Förderprogramm für die polnische Agrarwirtschaft.

Ja, mittlerweile ist das Förderprogramm für die Entwicklung ländlicher Räume schon in der vierten Auflage. Im Rahmen von PROW erhalten landwirtschaftliche Betriebe Zuschüsse für Investitionen in neue Technik, aber auch für Modernisierungsmaßnahmen oder Stallneubauten.

Wie hoch sind die Zuschüsse?

Bei neuen Maschinen sind Investitionen bis zu 600.000 Złotys (rund 138.000 Euro, Anm. d. Red.) förderfähig. In der Regel liegt der Zuschuss bei 40 Prozent, zusätzlich sind jeweils weitere zehn Prozent für Junglandwirte und für Betriebe in landwirtschaftlich benachteiligten Gebieten möglich.

Bis allerdings die Förderung bewilligt wird, gehen schnell mehrere Monate ins Land. Hinzu- kommt, dass die Voraussetzungen zum Beispiel für den Kauf eines Neutraktors mit jeder Neuauflage des PROW anspruchsvoller geworden sind. So muss der Traktor jetzt auch zum antragstellenden Betrieb passen, zum Beispiel in Bezug auf Leistung und Ausstattung. Wissen muss man auch, dass der Investitionszuschuss für ein Förderungsobjekt, wie zum Beispiel einen Traktor, nur einmalig erfolgt; es gibt also keine Wiederholungsförderung.

Vermutlich wurden aber bereits viele Zuschüsse für Neutraktoren in der Vergangenheit abgerufen?

Genau. Zuschüsse für die Investition in Neutraktoren gibt es lediglich noch für die wenigen Betriebe, die bislang keine Förderung in Anspruch genommen oder erhalten haben. Während die größeren Betriebe die Fördermöglichkeiten von Traktoren weitgehend ausgeschöpft haben, kommen jetzt eher die kleineren Betriebe mit 20 bis 50 Hektar, die sich bislang bei Neuinvestitionen zurückgehalten haben, zum Zuge. Dementsprechend werden derzeit vorrangig die PS-Klassen unter 100 PS bezuschusst.

Im Moment stehen eher Investitionen in Precision Farming und umweltschonender Technik im Fokus der Förderung. So haben wir als Vertriebspartner von Kuhn und Trimble im Neutechnikbereich zahlreiche Angebote für GPS-Nachrüstlösungen oder Geräte mit GPS-gesteuerten Teilbreitenschaltungen oder mit Grenzstreueinrichtungen für die Förderantragsstellung geschrieben.

Also sind Secondhand-Traktoren wieder stärker gefragt?

Weil nur noch wenige Neutraktoren bezuschusst werden, steigt natürlich die Nachfrage nach Gebrauchttraktoren.

Welche Traktoren werden besonders nachgefragt?

Im Techrol-Vertriebsgebiet gibt es viele kleinere Betriebe, die zehn bis 40 Hektar unter dem Pflug haben, aber auch Großbetriebe, die 500 bis 1000 Hektar bewirtschaften. Betriebe zwischen 100 und 200 Hektar sind dagegen weniger vertreten. Gesucht sind daher zum einen Traktoren im Leistungsbereich von 80 bis 120 PS. Zum anderen können wir auch Großtraktoren von über 200 PS vergleichsweise gut vermarkten. Weil wir seit 22 Jahren die Marke Deutz-Fahr vertreten, erfreuen sich auch Gebrauchtmaschinen von Deutz-Fahr in unserem Vertriebsgebiet großer Beliebtheit. Sollten einmal Reparaturen erforderlich sein, können unsere erfahrenen Mitarbeiter die Maschinen fachgerecht instand setzen.

Sind Sie mit Gebrauchten auch außerhalb Polens aktiv?

Wir konzentrieren uns auf den polnischen Markt und hier vor allem auf unser Vertriebsgebiet. Natürlich erschließt das Internet als wichtige Plattform für die Gebrauchtmaschinenvermarktung zusätzliche Kundenkreise. Dennoch kommt es eher selten vor, dass wir Gebrauchte in die östlichen Nachbarstaaten oder nach Nordafrika verkaufen.

Dann haben die EU-Sanktionen gegen Russland keinen Einfluss auf Ihr Gebrauchtmaschinengeschäft?

Als Reaktion auf die EU-Sanktionen verhängte Russland vor vier Jahren ein Lebensmittel-Embargo. Polen ist ein großer Produzent von Obst und Gemüse und hat vor dem russischen Einfuhrstopp viel davon nach Russland exportiert. Zwar haben sich in der Zwischenzeit Absatzmärkte wie zum Beispiel China oder Saudi-Arabien geöffnet, dennoch ist mit Russland ein großer und wichtiger Markt weggefallen. Das ist schwer für die Obst- und Gemüsebauern, die zudem noch mit dem Problem knapper und teurer werdender Erntehelfer zu kämpfen haben.

Wie schätzen Sie das Preisniveau bei Gebrauchten ein?

Grundsätzlich korrelieren die Preise für Gebrauchttechnik mit den landwirtschaftlichen Erzeugerpreisen von Produkten wie zum Beispiel Weizen, Raps und Milch. Bei Neutraktoren kann man aber feststellen, dass die Preise höher sind als noch vor Jahren. Grund sind die strengeren Abgasnormen, die zu höheren Herstellerkosten und damit zu Preissprüngen geführt haben. Heute kann man sagen, ein neuer Traktor – mit ca. 170 PS – kostet mit guter Ausstattung in Polen etwa 100.000 Euro. Vor noch etwa sechs Jahren waren es maximal 70.000 Euro. Entsprechend haben natürlich auch die Preise für jüngere Gebrauchttraktoren angezogen.

Gibt es ein Preisgefälle in Europa bei gebrauchten Traktoren?

Im europaweiten Vergleich sind die Preise für gebrauchte Traktoren in Deutschland am höchsten, während die Maschinen in Frankreich, Dänemark und England oft günstiger sind. Aber in Deutschland sind die Traktoren in der Regel auch am besten ausgestattet. Häufig verfügen sie über Druckluftbremsanlagen, verschiedene Anhängevorrichtungen sowie Frontkraftheber und -zapfwelle. Zudem sind die Transportkosten bei Maschinen aus Deutschland niedriger als bei Maschinen aus Frankreich oder England.

Wie wird sich das Gebrauchtmaschinengeschäft in den kommenden Monaten entwickeln?

Die letzten zwölf Monate waren für die Landwirte schwierig. Im Herbst hatten sie mit Dauerregen zu kämpfen und standen bei der Ernte der verschiedenen Kulturen vor großen Herausforderungen. Aufgrund der Nässe konnten viele Bauern die Wintersaat nicht einbringen und mussten auf Sommergetreide setzen. Zudem hat die Rekorddürre teilweise erhebliche Ernteeinbußen bei Gerste, Raps, Weizen und Mais mit sich gebracht hat. Zwar hat die polnische Regierung Finanzhilfen zugesagt – allerdings nur für die Landwirte, die durch die Ernteausfälle mindestens 30 Prozent Einnahmeverluste nachweisen können. Sicher wird die schwierige wirtschaftliche Situation der Landwirte auch auf deren Investitionsverhalten durchschlagen. Sie werden wohl zurückhaltender investieren und eher gebrauchte als teurere neue Maschinen kaufen.

Ist die Agro Show ein fester Termin für Sie?

Natürlich werde ich zur Agro Show fahren – aber lediglich als Besucher. Im Vordergrund steht das Treffen von Lieferanten. Mein Fokus liegt aber auch auf aktuellen Trends und neuen Maschinen. Nicht zuletzt sind auch Komponenten und Ersatzteile bzw. deren Lieferanten von Interesse. Bednary ist nur etwa 120 Kilometer von unserem Standort entfernt. Daher wird auch die ganze Techrol-Mannschaft hinfahren.

Zur Person

Andrzej Gil.

Andrzej Gil.

Andrzej Gil arbeitet für die Firma Techrol mit Sitz in Rawicz. Das Unternehmen wurde 1996 von der Firma Wüstenberg gegründet und vertritt seither die Marke Deutz-Fahr. Insbesondere die Qualität im Reparatur- und Ersatzteilservice ist laut Gil wichtiger Eckpfeiler für hohe Marktanteile im Vertriebsgebiet. Weitere bekannte Fabrikate, die das Produktportfolio ergänzen, sind unter anderem New Holland, Amazone, Moreau, Kuhn, Maschio und Lemken.

Vertriebsgebiet ist das südwestliche Polen, das an Deutschland und Tschechien angrenzt. Es umfasst die Woiwodschaften Niederschlesien, Lebus, Großpolen und Oppeln.

Kontakt:

Andrzej Gil, Techrol sp. Z o. O

PL-63-900 Rawicz

Telefon 00 48 - 6 00 32 39 95

Fax 00 48 - 6 55 46 25 56

E-Mail: Andrzej.Gil @ techrol.info.pl

 

 


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