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Magazin Wirtschaft

FOKUS GEBRAUCHTE – Markt :

Frankreich: Landtechnikmarkt auf Kurs

Trotz Corona-Pandemie und geringerer Erntemengen kann sich der französische Markt für Landtechnik 2020 auf einem guten Niveau halten, erklärt Pierre Prim im eilbote-Interview. Auch wenn die Traktorenzulassungen etwas zurückgingen, so verbucht der Sedima-Präsident 2020 dennoch als ein gutes Jahr für den französischen Landmaschinenhandel.

Wie läuft das Geschäft mit landwirtschaftlichen Maschinen aktuell in Frankreich?

Pierre Prim: 2020 war ein herausforderndes Jahr, das unter anderem geprägt war von Ernterückgängen, Covid-19, einem enormen Anstieg der Landtechnikpreise und Lieferverzögerungen bei Landmaschinen – um nur einige Punkte zu nennen. Dennoch war es ein gutes Jahr für den Landmaschinenhandel; bis Ende 2020 war der Auftragsbestand noch recht hoch. Seit Anfang 2021 verlangsamen sich zwar die Neumaschinengeschäfte, aber die Nachfrage nach gebrauchter Technik ist immer noch groß.

Nach Angaben des Axema Herstellerverbandes wurden im vergangenen Jahr 24.271 Standardtraktoren in Frankreich zugelassen und damit 7,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Ist der Markt dennoch auf einem guten Niveau?

Wir können davon ausgehen, dass der Markt noch immer auf einem guten Niveau ist. Natürlich ist es schwierig, das Jahr 2020 mit 2019 zu vergleichen, da die Corona-Pandemie auch die Landmaschinenhersteller gefordert hat und unter anderem zu längeren Lieferzeiten und mangelnden Verfügbarkeiten bei einigen Maschinen führte.

Aus Sicht des Marktes haben die Landwirte – und global gesehen die gesamte Lebensmittelkette – die besonderen Herausforderungen der Corona-Pandemie wirklich erfolgreich gemeistert. Die Tatsache, dass Regierung und Gesellschaft im März 2020 die Bemühungen der Landwirte und die Bedeutung der Lebensmittelketten anerkannten, hatte einen positiven Einfluss auf die Stimmung der Landwirte und damit auch auf deren Investitionsstimmung.

Während 2020 der Markt für Neutraktoren insgesamt zurückging, stieg die Anzahl der Zulassungen in den Leistungsbereichen 250 bis 500 PS deutlich. Hält der Trend zu größeren Maschinen an?

Die Zahl der in der Landwirtschaft tätigen Menschen geht weiter zurück und deren Durchschnittsalter ist vergleichsweise hoch. Überdies kommen weit weniger Junglandwirte nach, als Betriebsleiter aus Altersgründen ausscheiden. Gleichzeitig wird es für Landwirte immer schwieriger, zuverlässige und gut ausgebildete Mitarbeiter zu finden, die zudem immer teurer werden.

Wenn also die Verfügbarkeit von Arbeitskräften abnimmt und die Personalkosten steigen, muss die Produktivität unbedingt verbessert werden. Daher investieren Landwirte verstärkt in größere und leistungsstärkere Maschinen. Darüber hinaus begünstigen auch die aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet des chemischen Pflanzenschutzes, die das Interesse an Technik zur mechanischen Unkrautbekämpfung steigern, den Trend zu größeren Traktoren.

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In Frankreich sind Teleskoplader sehr beliebt. Wie hat sich der Markt entwickelt?

Mit 4.551 Registrierungen präsentiert sich der französische Markt für Teleskoplader noch immer recht hoch, obwohl das Ergebnis 16 Prozent unter dem des Jahres 2019 liegt. Genau wie bei den Traktoren stellen wir hier einen Trend zu größeren Maschinen fest. Die Teleskoplader werden überwiegend in tierhaltenden Betrieben oder im Getreideumschlag eingesetzt. Ihre Auslastung ist dort sehr hoch und liegt in der Regel bei über 1.000 Stunden im Jahr – entsprechend kurz ist der Investitionsrhythmus. Dass der Marktführer (Manitou, Anm. d. Red.) in Frankreich ansässig ist, sorgt zudem dafür, dass die Maschinenspezifikationen gut zu den Bedürfnissen des Marktes passen und schnell den Anforderungsprofilen der Anwender folgen. Auch das trägt zur großen Beliebtheit dieser Maschinen bei.

Der Markt für Mähdrescher erreichte 2017 seinen Tiefpunkt und hat sich seither erholt. Konnte sich der positive Trend auch im Jahr 2020 fortsetzen?

Das Marktvolumen an neuen Maschinen scheint noch immer hoch zu sein. Ein wachsender Teil des Marktes beruht in erster Linie auf der zunehmenden Beliebtheit kurzfristiger Mietprogramme mit Laufzeiten von zwei bis drei Jahren. Große Betriebe sowie Lohnunternehmer und die CUMA Maschinenringe setzen immer mehr auf diese Art von Finanzierungsinstrumenten und sichern sich attraktive Herstellerkonditionen. Allerdings kommen dadurch immer mehr hochpreisige junge Gebrauchtmaschinen mit vergleichsweise wenigen Betriebsstunden an die Händler zurück. Ein sehr gefährlicher Trend, wie ich finde. Die Anzahl der Maschinen in den Händlerbeständen ist viel zu hoch im Vergleich zur Fähigkeit des Marktes, all diese Maschinen aufzunehmen zu können. Daher fürchte ich, dass diese „Blase“ eines Tages platzen könnte.

Der französische Staat hat 2021 ein Investitionsprogramm in dreistelliger Millionenhöhe für die Landwirtschaft aufgelegt. Die Mittel sollten unter anderem in umweltschonende Technik fließen. Wie ist Ihre Meinung zu solchen Förderprogrammen?

Das Programm verfolgte zwei Ziele: Zum einen soll es die Landwirte unterstützen, den Betriebsmitteleinsatz zu verringern und zum anderen ihnen eine Art „Neustart aus der Krise“ ermöglichen. Aus einem Topf, der mit insgesamt 250 Millionen Euro gefüllt war, gab es finanzielle Unterstützung für Investitionen in folgenden drei Bereichen: Reduktion des Betriebsmitteleinsatzes, Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der Betriebe gegenüber klimatischen Veränderungen sowie Investitionen in Maschinen und Maßnahmen für den Anbau proteinreicher Pflanzen.

Die Liste der förderfähigen Maschinen und Ausstattungsoptionen war sehr detailliert und reichte von der GPS-Ausstattung über den Roboter bis hin zu Technologien, die eine gezieltere Applikation von Pflanzenschutzmitteln sowie die mechanische Unkrautbekämpfung ermöglichen. Der Ansturm auf die Fördermittel war so hoch, dass die entsprechende Internetseite überlastet war und die komplette Fördersumme bereits am ersten Antragstag im Januar abgerufen wurde.

Natürlich hat diese Art von finanzieller Förderung unmittelbare Auswirkungen auf die Marktpreise von nicht förderbaren gebrauchten Geräten oder der Maschinen, die den Programmvorgaben nicht entsprechen. So haben zum Beispiel gebrauchte Pflanzenschutzgeräte aktuell nur noch einen sehr geringen Marktwert. Außerdem ist auch zu hinterfragen, ob der Zuschuss, den ein Landwirt zum Beispiel für eine neue Pflanzenschutzspritze erhält, überhaupt den Wertverlust seines Gebrauchtgerätes kompensieren kann. Hinzu kommt, dass das Förderprogramm sicher auch einen Teil der ohnehin geplanten Investitionsmaßnahmen „beschleunigt“ hat, sodass der Markt voraussichtlich in den nächsten Monaten rückläufig sein wird. Wenn man all diese Gesichtspunkte betrachtet, so haben solche künstlich herbeigeführten Markterschütterungen auf lange Sicht häufig mehr schlechte als gute Auswirkungen.

Was sind derzeit die größten Herausforderungen im französischen Landmaschinenhandel?

Ein wichtiger Punkt, der die Händler aktuell beunruhigt, betrifft den Arbeitsmarkt. Die Mitarbeiterzahlen steigen in den Fachbetrieben und die Nachfrage nach qualifizierten Kräften ist groß.

Zwar führt die französische Regierung zurzeit große Reformen in allen Bereichen der Ausbildung durch. Allerdings zielen die Anstrengungen vor allem darauf ab, schnell mehr Menschen aus den Arbeitslosenzahlen herauszuholen. Erkannt wird dagegen nicht, dass die technischen Anforderungen in unserer Branche sehr hoch sind und qualifizierte Schulungen sowie permanente Weiterbildung erfordern – schließlich ist das Tempo der technologischen Entwicklungen sehr hoch. Auf lange Sicht gehen die staatlichen Strategien zur Berufsausbildung am Bedarf der Firmen vorbei. Daher müssen wir als Händler voraussichtlich die hochqualifizierte Ausbildung zukünftig selbst organisieren und finanzieren.

Wo sehen Sie aktuell interessante Chancen für die Landmaschinenfachhändler?

Die Entwicklung neuer Technologien und anspruchsvollerer Maschinen führt zu einem zunehmenden Bedarf an Support und Service. Daher wird die Nachfrage nach technischer Unterstützung durch unsere Fachbetriebe morgen noch höher sein als heute. Schulungen, um Landwirte für neue Technologien fit zu machen, werden stark nachgefragt, und auch die Servicedienstleistungen entwickeln sich weltweit. Das ist eine gute Nachricht, denn der Service ist ohnehin unsere vordringlichste Aufgabe in der landwirtschaftlichen Produktionskette.

Zur Person

Pierre Prim ist Präsident des französischen Verbandes der Landmaschinenhändler Sedima mit rund 900 Mitgliedern.

Pierre Prim.

Pierre Prim.

Der 42-Jährige ist geschäftsführender Mitgesellschafter des John Deere Vertriebspartners Agricat mit Sitz in Réalmont bei Toulouse im Südwesten Frankreichs. Zum Unternehmen, das insgesamt 72 Mitarbeiter beschäftigt, gehören noch drei weitere Filialen in Albias, Condom und Solomiac. Agricat hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 40 Millionen Euro erwirtschaftet, ein Viertel davon steuerte das Geschäft mit Gebrauchttechnik bei.

Kontakt
Pierre Prim
Agricat – C.A.T. Condom
F-32100 Condom
Tel. +33 562 683 530
Fax +33 562 284 222
Mobil +33 689 739 427
pierreprim @ cat32.fr


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