Magazin Wirtschaft

FOKUS GEBRAUCHTE – Manitou :

Neues Leben für alte Teile

Kreislaufwirtschaft ist nachhaltig und profitabel – Altteile werden verwertet oder aufbereitet – Remanufacturing spart Material und Energie – Kostenvorteile für Nutzer bei gleicher Produktqualität – Neues Konzept zur Demontage von Altmaschinen wird SIMA-prämiert

FOKUS GEBRAUCHTE – Manitou: Neues Leben für alte Teile

Nachhaltigkeitsinititative: Manitou will das SIMA-prämierte Projekt zur ressourcenschonenden Demontage von Altmaschinen in den nächsten Jahren auf den Weg bringen.

Die professionelle Verwertung von Altfahrzeugen spart Ressourcen und schont die Geldbeutel der Kunden. Auch beim Laderhersteller Manitou spielen die Aspekte Umweltschutz und Nachhaltigkeit entlang der Prozesskette eine wichtige Rolle – angefangen bei der Produktplanung über die Produktion bis hin zur abschließenden Verwertung der Altfahrzeuge.

Daher hat der französische Konzern ein spezielles Konzept für die ressourcenschonende Demontage von Altmaschinen vorgestellt, das zur SIMA 2019 mit einer Innovationsmedaille in Bronze ausgezeichnet wird. Nach eigenen Angaben hat die Fachjury mit der Prämierung vor allem den ganzheitlichen Ansatz des Konzeptes honoriert, das auf drei Schwerpunkten basiert: Erstens die Rationalisierung der Abläufe. So soll der erforderliche Zeitaufwand für die Demontage um bis zu 22 Prozent reduziert werden. Zweitens der wirtschaftliche Fokus, der darauf abzielt, die Gesamtbetriebskosten für die Anwender durch höhere Wiederverkaufswerte zu senken. Drittens sollen die Umweltauswirkungen des Verfahrenkonzepts anhand von Ökobilanzen genau analysiert werden.

„Kein Hersteller von Flurförderzeugen weiß heute, was mit der Technik am Ende ihrer Lebensdauer passiert“, erklärt Maxime Deroch, Manitou Präsident des Geschäftsbereichs Services & Solutions. Daher wolle die Manitou-Gruppe verantwortungsvolle, nachhaltige Lösungen anbieten und gleichzeitig Umweltbeeinträchtigungen reduzieren. Im Rahmen der engagierten CSR-Strategie (Corporate Social Responsibility – Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung) soll die Wiederverwertung der verschiedenen Komponenten einer Altmaschine gefördert werden. Bisher steht nach Konzernangaben lediglich das Konzept. Geschäftsmodell, Abläufe und weitere Modalitäten wie Rückgabe und Sammlung der Altteile sollen jedoch zügig entwickelt werden.

Alt, aber gut

Das Motto „Erhalten statt ersetzen“ ist dennoch für die Manitou-Gruppe nicht neu. Denn bereits seit 20 Jahren vertreibt der Hersteller wiederaufbereitete Teile und Komponenten. 2017 hat Manitou das Instandsetzungsangebot für Originalteile unter dem neuen Label „Reman by Manitou“ ausgeweitet und das Sortiment auf weitere Produktgruppen ausgedehnt. Laut Franck Lethorey ist das Programm weltweit ausgerichtet, wobei der Fokus vor allem auf Frankreich und anderen europäischen Ländern liegt. Das Programm funktioniert nach Angaben des Manitou-Kommunikationsbeauftragten als geschlossener Kreislauf: Es ermöglicht Vertragshändlern im Rahmen von Reparaturarbeiten, wiederaufbereitete Teile zu bestellen, die günstiger als entsprechende Neuware sind. Im Gegenzug schicken sie die defekten Komponenten bei der Bestellung eines Reman-Teils zur industriellen Aufbereitung zurück. „Einheitliche Akzeptanzstandards für die Rücknahme von Altprodukten (Cores) stellen sicher, dass wir sie in einem guten Zustand zurückerhalten, damit wir sie nach Manitou-Qualitätsstandards aufbereiten können.“

Das Label Reman tragen demnach komplett wiederaufbereitete Komponenten, die ausschließlich Originalersatzteile verwenden. Die Teile werden von Fachpersonal streng auf Wiederverwendbarkeit geprüft und wiederaufbereitet – je nach Produktreihe im Manitou-Wiederaufbereitungszentrum oder von spezialisierten Partnern, berichtet Lethorey. Nach seinen Angaben liegt der Schwerpunkt dabei auf Maschinen, die älter als fünf Jahre sind.

Das Reman-Programm deckt in erster Linie die Warengruppen rund um die Motor- und Antriebsumgebung ab. Somit umfasst das Portfolio unter anderem Motoren, Lichtmaschinen, Anlasser, Dieselpartikelfilter, Hydraulikpumpen und -motoren sowie Getriebe.

Beim Remanufacturing (kurz: Reman) legt Manitou dieselben hohen Qualitätsstandards an, die für die Herstellung vergleichbarer Neuteile gelten. Dementsprechend gibt Manitou auch die gleiche Garantie auf Reman-Komponenten. Zudem stehen die Teile dank des Ersatzteilzentrums schnell zur Verfügung und sind vormontiert, was die Einbauzeiten und somit die Ausfallzeiten der Maschinen verkürzt. Darüber hinaus sind sie nach Angaben von Franck Lethorey im Endverkauf durchschnittlich knapp ein Drittel günstiger als entsprechende Neuteile. Daher könne der Endkunde seine TCO (Total Cost of Ownership) – also die Gesamtbetriebskosten seiner Maschinen – senken.

Maxime Deroch leitet im Manitou-Konzern die Sparte Services & Solutions.

Maxime Deroch leitet im Manitou-Konzern die Sparte Services & Solutions.

Franck Lethorey: „Das Reman-Angebot ermöglicht Vertragshändlern, instand-gesetzte Teile zu einem reduzierten Preis zu ordern.“

Franck Lethorey: „Das Reman-Angebot ermöglicht Vertragshändlern, instand-gesetzte Teile zu einem reduzierten Preis zu ordern.“

Energie und Material sparen

Lethorey betont zudem die Umweltfreundlichkeit des Verfahrens: Im Gegensatz zur Neuproduktion sei der Energie- und Rohstoffverbrauch bei der Aufbereitung der Produkte bedeutend geringer – und damit auch die Umweltbelastung. „Wir achten bei der Instandsetzung darauf, möglichst viele Altteile zurückzuführen, um Kosten zu senken, aber auch um die Umwelt zu schonen. Natürlich hoffen wir, dass in der Zukunft auch das SIMA-prämierte Konzept zur Demontage von Teleskopladern die Teileversorgung für Reman noch einfacher machen wird.“

Wenn möglich, werden alle Teile, die nicht aufbereitet werden können, recycelt. Das gilt vor allem für Metalle. „Wir haben auch stets die Umweltthematik im Fokus und achten zum Beispiel bei Dieselpartikelfiltern auf eine streng kontrollierte Entsorgung der Schadstoffe. Lethorey betont: „Beim Reman-Programm steht nicht die Marge im Vordergrund, sondern es ist Teil unserer Strategie zur Schonung natürlicher Ressourcen. Unser Bestreben ist es, die Nachhaltigkeit zu erhöhen, indem wir über Remanufacturing die Rohstoffe möglichst im Wertschöpfungskreislauf halten.“

Das Logo für Manitou Reman-Teile.

Das Logo für Manitou Reman-Teile.


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