Magazin Wirtschaft

Fokus Gebrauchte – GMZ Landsberg :

Erntetechnik fließt in diesem Jahr gut ab

Noch vor zwei Jahren lag der Fokus im Gebrauchtmaschinenhandel auf den Beständen. Zurzeit dünnt sich das Angebot aus. Auch gebrauchte Landtechnik wird seit dem letzten Jahr wieder stärker nachgefragt. Das berichtet Marcus Thiel vom GMZ Landsberg im Gespräch mit dem eilboten.

Fokus Gebrauchte – GMZ Landsberg: Erntetechnik fließt in diesem Jahr gut ab

Das GMZ Landsberg ist auf Großmaschinen und Traktoren spezialisiert.

eilbote: Wie läuft der Handel mit gebrauchten Landmaschinen?

Marcus Thiel: 2017 waren nicht nur die Neuverkäufe im Vergleich zu den beiden Vorjahren 2015 und 2016 auf einem sehr hohen Niveau. Auch der Markt für gebrauchte Landtechnik zog national und international an. Das spüren wir bei allen Produktgruppen. Im GMZ Landsberg bieten wir ja eine komplette Produktpalette an, angefangen bei Mähdreschern und Häckslern über Traktoren bis hin zu Teleskopladern und Pressen.

Welche Maschinen sind besonders gefragt?

Der Fokus der Interessenten liegt vor allem auf jungen Gebrauchten. Zum Beispiel ist im Segment Mähdrescher der Abverkauf von Mietmaschinen sehr gut gelaufen. Wobei man sagen muss, dass im Exportgeschäft eher Mähdrescher im Wert bis zu 150.000 Euro gefragt sind.

Gute Ergebnisse im Bereich Schlepper haben auch die Axion-Mietrückläufer hingelegt, die wir ohne Schwierigkeiten am Markt frei abverkaufen konnten.

Wie alt sind die Mietrückläufer und wer gehört zu den potenziellen Interessenten?

Die Mähdrescher sind in der Regel zwischen zwei und vier Jahren alt, wobei dreijährige Maschinen den Hauptanteil ausmachen. Es interessieren sich zum Beispiel Lohnunternehmer für junge Ex-Mietmaschinen, wenn sie diese nicht zu hundert Prozent auslasten können. Die landwirtschaftlichen Dienstleister stehen unter enormem Preisdruck und müssen häufig mehrere Kunden zur gleichen Zeit bedienen können. Daher halten sie oft höhere Maschinenkapazitäten vor als sie in der Praxis tatsächlich auslasten können und greifen dann eher zu einer kostengünstigeren Gebrauchtmaschine. Dann gibt es Betriebe, die in zusätzliche Leistungsreserven investieren, um für widrige Witterungsbedingungen mit engen Erntefenstern ausreichend gerüstet zu sein. Aus ihrer Sicht haben zwei- bis dreijährige Mietrückläufer ein akzeptables Preisniveau.

Bislang war dieser Winter überwiegend mild. Hat das Auswirkungen auf das Gebrauchtmaschinengeschäft?

Wir sind mit den Verkaufszahlen im Dezember und Januar sehr zufrieden. Tatsächlich hatte der milde Winter einen positiven Effekt auf das Gebrauchtmaschinengeschäft. Oft halten sich die Kunden in der kalten Jahreszeit zurück, weil sie die Maschinen nicht bei Eis und Schnee auf der Straße überführen wollen. Der Winter war aber bisher weitgehend frostfrei und daher ist bis Ende Februar schon relativ viel Ware abgeflossen.

Die Käufer fürchten Schäden durch Streusalz?

Das ist tatsächlich ein Thema. Lohnunternehmen oder auch Marktfruchtbetriebe nutzen zur besseren Auslastung ihrer Mitarbeiter die arbeitsschwache Zeit im Winter, um neu erworbene Gebrauchtmaschinen zu reparieren oder sie einfach frühzeitig fertigzumachen. Wenn aber die großen Erntemaschinen bei Straßenfahrt mit Dreck und Salz verschmutzen, ist der Schaden größer als der Nutzen daraus, dass die Maschine frühzeitig beim Landwirt ist.

Fragen die GMZ-Kunden auch Garantien nach?

Vereinzelt fragen die Kunden eine Garantie an. Wir decken dies auch im Rahmen unserer Zertifizierung „First Claas Used“ ab. Grundsätzlich geben die Zertifizierungen dem Kunden die Sicherheit, dass die Maschine nach einheitlichen Standards gecheckt wurde. Die „First Claas Used Platinum“-Zertifizierung beinhaltet zusätzlich eine Garantie von einem Jahr. Diese Garantie „Maxi Care Used“ ist auf unserer Neumaschinen-Garantie „Maxi Care“ aufgebaut.

Wohin gehen die Exportmaschinen im Moment?

Ukraine und Polen sind für uns im Augenblick die wichtigsten Märkte. Wir haben auch oft mit freien Händlern aus Polen zu tun, die die Ware als Zwischenhändler weltweit weiterverkaufen.

Das GMZ Landsberg vermarktet seine Gebrauchten mittlerweile in alle Regionen, von China über Neuseeland bis nach Kanada. Das sind natürlich sehr aufwändige Geschäfte, die mit viel Abwicklungsaufwand verbunden sind. Aber nichts ist mehr unmöglich! Kehrseite der Medaille sind nach wie vor Russland und die anderen Länder der Eurasischen Wirtschaftsunion, deren Restriktionen uns zu schaffen machen.

Wie schätzen Sie das aktuelle Preisniveau ein?

Aufgrund der vielen Neuzulassungen Ende des letzten Jahres im Traktorenbereich über alle Fabrikate haben die Händler natürlich auch verstärkt Traktoren zurückgenommen und somit Bestände aufgebaut. Demzufolge spürt man derzeit eine gewisse preisliche Zurückhaltung. Im Erntemaschinenbereich ist das Preisniveau dagegen gestiegen, weil die Mähdrescher und Häcksler im Moment vergleichsweise schnell abfließen und das Angebot gesunken ist – das gilt insbesondere für ältere Gebrauchte. So werden zum Beispiel die älteren 600er und 580er Modelle aus der Lexion-Baureihe aktuell sehr viel höher als noch im Vorjahr gehandelt. Der Abverkauf läuft gut und es sind gute Preise zu erzielen. Während unser Fokus vor zwei, drei Jahren vor allem auf die Bestände gerichtet war, stellen wir uns heute eher die Frage: „Haben wir überhaupt die Ware da, die der Kunde gerade sucht?“

Sicher tun Sie sich bei den Inzahlungnahmen leichter.

Es ist ja unsere Aufgabe, dass Claas-Neumaschinengeschäft speziell in Deutschland zu unterstützen, und dementsprechend richtet sich unser Einkaufsverhalten danach, wie die Ware abfließt. Im Moment sehen wir keinerlei Warnzeichen für Veränderungen am Markt, so dass wir beim Einkauf verhaltener agieren müssten.

Welche Geschäftsentwicklung erwarten Sie in den nächsten sechs Monaten?

Da der Schwerpunkt des GMZ Landsberg insbesondere auf Erntemaschinen liegt, korreliert das Geschäft eng mit der Wettersituation im Frühjahr. Tritt in dieser Jahreszeit zum Beispiel in einzelnen Regionen große Trockenheit ein, hat das natürlich Einfluss auf den weiteren Geschäftsverlauf bei Erntemaschinen. Zeigt sich das Frühjahr 2018 aber witterungstechnisch von seiner guten Seite, dann rechnen wir mit einem guten Geschäftsverlauf.

Bei Traktoren sind die starken Monate eher am Anfang der zweiten Jahreshälfte, wenn die Landwirte das Getreide eingefahren haben. Bis dahin, so glaube ich, wird das Geschäft normal weiterlaufen. Erst nach der Ernte im August entscheidet der Landwirt in Abhängigkeit vom Verlauf des Geschäftsjahres und den Ernteergebnissen, ob er in junge gebrauchte Traktoren investieren will oder nicht.

Zur Person

Marcus Thiel leitet seit mehr als zehn Jahren das Claas Gebrauchtmaschinenzentrum (GMZ) in Landsberg. Der 44-Jährige ist gelernter Landmaschinenmechaniker und hat Maschinenbau studiert. 

Das GMZ in Sachsen-Anhalt unterstützt den Fachhandel bei der Vermarktung von Gebrauchtmaschinen aller Fabrikate und verkauft darüber hinaus Mietrückläufer. Der Kunde findet in Landsberg eine umfangreiche Auswahl an gebrauchter Landtechnik – hauptsächlich Großmaschinen. Die Palette reicht von der Erntetechnik mit Mähdreschern und Feldhäckslern über Traktoren bis hin zu Pressen und Teleskopladern. Rund 65 Prozent davon vermarktet das fünfköpfige Team um Marcus Thiel ins Ausland.

Kontakt:
Marcus Thiel
GMZ Landsberg
D-06188 Landsberg
Telefon (03 46 02) 2 84-12
Mobil 01 71-307 85 07
marcus.thiel @ claas.com
www.claas-landsberg.de


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