Magazin Wirtschaft

Landtechnikmärkte in Europa :

Wie sieht es bei unseren Nachbarn aus?

Im Jahr 2010 zogen die Preise auf fast allen Agrarmärkten wieder an, so dass die Stimmungskurve der deutschen Landwirte nach oben tendiert. Und mit der wirtschaftlichen Aufwärtsbewegung erhöht sich auch deren Investitionslaune. Doch wie lief es 2010 im Ausland? Ob sich auch in unseren Nachbarländern die Stimmung der Landwirte verbessert hat, hat der eilbote von Fachjournalisten und Marktbeobachtern erfahren.

Landtechnikmärkte in Europa: Wie sieht es bei unseren Nachbarn aus?

Österreich – Betriebe investieren

Ein Blick auf die aktuellen Zulassungszahlen bei Traktoren zeigt es deutlich: Die österreich-ischen Landwirte investieren in Technik. Laut Johannes Paar, Redakteur der Fachzeitschrift „Der fortschrittliche Landwirt“, liegen die Zulassungen bei den Standardtraktoren in der Alpenrepublik nur ein halbes Prozent hinter denen des Vorjahres.

Sogar über 13 Prozent im Plus sind die Zulassungszahlen bei Schmalspurtraktoren. Paar: „Das hätte Anfang des Jahres wahrscheinlich niemand zu prognostizieren gewagt. Er wäre vermutlich ausgelacht worden.“

Nach den ersten Monaten dieses Jahres habe man diskutiert, ob es ein Minus im einstelligen Bereich oder doch ein zweistelliges werden würde, erinnert sich der Ingenieur. „Acht Monate später sind wir praktisch mit dem Traktoren-Gesamtmarkt über dem Vorjahresniveau.“ Das zeige, dass die österreichischen Landwirte nach wie vor investieren.

Die Gründe dafür seien durchaus vielfältig, hätten sich aber gegenüber dem Vorjahr kaum geändert. Paar: „Die Zukunftsbetriebe gehen ihren Weg und müssen investieren. Andere wiederum sehen Investiti-onen als Wertanlage angesichts der Diskussionen über den Euro-Schutzschild und weil sie sich vor einer Abwertung fürchten“, sagt Paar, der aber nicht glaubt, dass sich die österreichischen Landwirte von der künftigen Förderungspolitik der EU aus dem Gleis bringen lassen. Als Tourismusland werde Österreich nicht auf die Pflege seiner Kulturlandschaft verzichten können und daher die Landwirte auch zukünftig unterstützen.

Insgesamt beschreibt der Fachredakteur die Investitionsbereitschaft der Landwirte als zögerlich. „Sie überlegen genau und beobachten die Märkte.“ Doch hat er auch beobachtet, dass die Hersteller auf die Zurückhaltung der Landwirte mit Aktionen reagieren. Teilweise versuche der Handel, das Neumaschinengeschäft mit „überzahlten Eintauschgeschäften“ anzukurbeln. Paar sieht das als Indiz dafür, dass das Jahr 2011 schwieriger werden könnte, verweist aber gleichzeitig auf das aktuell „unvorstellbar hohe Investitionsniveau“ – gemessen an der Anzahl der Betriebe. „Mittelfristig könnten wir in Österreich also auf das ‚österreichische Niveau’ zurückfallen.“

Polen – Optimismus dominiert

Am Ende des Jahres 2010 dominiert bei den polnischen Landwirten der Optimismus. Iwona Góra vom „atr express“, dem Fachmagazin für die polnische Landmaschinenbranche, führt das vor allem auf die gegenüber dem Vorjahr gestiegenen Erzeugerpreise zurück. Allerdings seien sich die Landwirte zugleich der Gefahren bewusst, die mit steigenden Produktionskosten aufgrund höherer Energie- oder Futtermittelpreise verbunden sind, sagt sie einschränkend und ergänzt: „Auch die hohen Schäden, die das diesjährige Hochwasser verursacht hat, dämpfen die Stimmung.“

Insbesondere Betriebe, die Raps, Mais und anderes Getreide anbauen, bewerten die diesjährige Lage dank der hohen Preise für landwirtschaftliche Produkte besonders positiv. Ähnlich fällt nach Góras Angaben die Einschätzung der Milch- und Rindfleischproduzenten aus. Dagegen sehen die Schweinebetriebe ihre Lage pessimistisch, berichtet sie und führt als Grund die niedrigen, nicht kostendeckenden Schweinefleischpreise an.

Insgesamt, so glaubt Iwona Góra, blicken die polnischen Landwirte optimistisch auf das kommende Jahr. „Deshalb sind sie auch bereit, in die Maschinenparks zu investieren.“ Góra rechnet mit Investitionszuwächsen in nahezu allen Bereichen der landwirtschaftlichen Produktion – mit Ausnahme der Schweinehaltung. Sie weist darauf hin, dass die Investitionen unabhängig von der Betriebsgröße durch die Umsetzung des EU-Programms zur Entwicklung der ländlichen Gebiete für die Jahre 2007 bis 2013 gefördert werden. Weitere Bedeutung – wenn auch in einem etwas geringeren Maße – schreibt sie der sich bessernden wirtschaftlichen Situation der polnischen Landwirtschaft zu.

Auch die Landtechnikbranche kann in Góras Augen mit dem Jahr 2010 zufrieden sein. „Im laufenden Jahr haben Hersteller, Importeure und Händler im Vergleich zu 2009 höhere Umsätze erwirtschaftet“, sagt sie, fügt aber einschränkend hinzu: „Negativ war lediglich die schlechte Rentabilität des Exportes von Maschinen und Geräten aufgrund des ungünstigen Wechselkurses zwischen Euro und Zloty.“

Frankreich – Im Aufwind, aber mit Vorsicht

Später als in den Nachbarländern hat die Krise in Frankreich durchgeschlagen. Dementsprechend rechne über die Hälfte aller französischen Landwirtschaftsbetriebe mit einem weiteren Umsatzrückgang in diesem Jahr, berichtet Jean-Paul Houpert. Dennoch erkennt der eilbote-Verlagsrepräsentant in Frankreich erste Sonnenstrahlen am Himmel der französischen Landwirtschaft. Er glaubt, dass die französischen Landwirte wieder optimistischer ins kommende Jahr schauen und mit einem bis zu zehnprozentigen Umsatzplus rechnen.

Auf den regionalen Messen hat Houpert seit September bei den Ackerbauern eine bessere Stimmung wahrgenommen. „Höhere Getreidepreise haben die Landwirte nach der Erntesaison etwas beruhigt.“ In den tierhaltenden Betrieben sei die Stimmung trotz höherer Milchpreise noch sehr zurückhaltend. Während die Fleischpreise – vor allem beim Schwein – weiter sinken, treiben auf der anderen Seite die besseren Getreidepreise die Futterkosten in die Höhe. Investitionszuwächse erwartet Houpert demnach eher im Ackerbau als in anderen Bereichen der Landwirtschaft.

Mit Blick auf die Landmaschinenhändler stellt Houpert hohe Bestände an Gebrauchttechnik fest, die die Bilanzen belasten. – Wohl eine Konsequenz aus dem hohen Absatz in 2008. „Diese Last müssen die Händler zuerst beseitigen, bevor sie wieder vermehrt Neugeschäfte mit den Landwirten abschließen können.“ Laut Houpert läuft der Landmaschinenmarkt in Frankreich wieder besser. Als problematisch schätzt er jedoch den Traktorenmarkt ein, der voraussichtlich 2010 mit einem Minus von 21 bis 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr abschließen wird. Doch für das kommenden Jahr erwartet der Marktkenner wieder bessere Zahlen und bezieht sich dabei auf Prognosen, die für 2011 von einem einen Anstieg des Gesamtumsatzes der Landmaschinenbranche auf 3,7 Milliarden Euro ausgehen. „Das wäre ein neunprozentiges Plus gegenüber der Vorschau für 2010“, erläutert Houpert.

Niederlande – Milchbauern atmen auf

Die holländischen Milchviehhalter sind wieder positiv gestimmt. Das berichtet Henk Beunk, Redakteur vom Fachmagazin „Landbouwmechanisatie“. „In diesem Jahr haben die Milchbauern wieder Geld verdient und auch investiert – insbesondere in neue und häufig auch sehr große Stallgebäude.“ Der Landtechnikjournalist hat auch beobachtet, dass die Milchviehhalter in diesem Jahr darüber hinaus bei größeren Futtererntemaschinen wie leistungsstarken Wendern und Schwadern Investitionen nachgeholt haben. „Der aktuelle Investitionsstau bei Traktoren und anderen Maschinen wird sich wohl auch in der näheren Zukunft auflösen.“ Schließlich hätten die Milcherzeuger diese Investitionen schon längere Zeit vor sich her geschoben.

Als verhalten beschreibt Beunk die Stimmung der Schweinehalter. Verschärfte Tierschutz- und Umweltauflagen, die Anfang 2013 in Kraft treten sollen, erfordern teilweise kostenintensive Modernisierungsmaßnahmen in den schweinehaltenden Betrieben. Henk Beunk glaubt, dass zahlreiche und insbesondere ältere Landwirte die erforderlichen Investitionen in teure Umbauten scheuen. „Viele Landwirte hören deswegen auf“, prognostiziert er. Schweinehalter, die weiter machen oder wachsen wollen, müssen aber seiner Ansicht nach im kommenden Jahr in Gebäude investieren.

Die schwierigen Witterungsbedingungen in diesem Jahr sorgten in Hollands Ackerbaubetrieben für erhebliche Stimmungsschwankungen. Zuletzt führte die große Nässe im Herbst zu erheblichen Verzögerungen in der Kartoffelernte. Wie Beunk berichtet, waren Anfang Dezember noch über 2000 Hektar Kartoffeln nicht geerntet und fielen somit dem Frost zum Opfer.

Insgesamt aber hätten die Landwirte 2010 finanziell nicht zu klagen, findet Beunk. Die witterungsbedingten schlechteren Erträge seien weitgehend durch höhere Erzeugerpreise ausgeglichen worden. Beunk rechnet damit, dass die an Erlösschwankungen gewöhnten Ackerbauern auch im kommenden Jahr investieren werden, und fügt einschränkend hinzu: „Das Investitionsverhalten ist allerdings eng an die Entwicklung der Erzeugerpreise gekoppelt.“

Schweiz – Milcherzeuger im Stimmungstief

Die Stimmung der tierhaltenden Landwirte in der Schweiz ist eher schlecht. So lautet die Einschätzung von Ruedi Burkhalter, Redakteur der Schweizer Fachzeitschrift „die grüne“. Hauptgrund für das Stimmungstief ist seiner Meinung nach die derzeitige Milchüberproduktion in der Schweiz, die mit einem hohen Preisdruck für Molkereimilch einhergeht. Die „Branchenorganisation Milch“, die nach der Abschaffung der Milchkon- tingentierung 2009 gegründet wurde, habe bisher noch keinen Weg gefunden, die Milchübermengen einzudämmen.

Dementsprechend berichtet Burkhalter von einer gebremsten Investitionslaune bei den Landwirten. Während er bei kleineren Maschinen wie zum Beispiel Kreiselheuern oder Mähwerken noch eine normale Investitionsbereitschaft feststellt, herrsche bei hochpreisiger Technik wie Ladewagen oder Traktoren eher eine Investitionszurück- haltung. Dass aber Lohnunternehmen, die auf Top-Maschinen angewiesen sind, weiter inves- tieren, habe auch die dies- jährige Fachmesse Agrama be- stätigt. Demnach ist die Nachfrage der landwirtschaftlichen Dienstleister nach Ballenpressen und Wickelkombinationen un- verändert auf einem guten Niveau.

Daneben werfen die geplanten Änderungen des Schweizer Tierschutzrechtes bereits ihre Schatten voraus und werden vermutlich den landwirtschaftlichen Strukturwandel in der Eidgenossenschaft beschleunigen. Die Umsetzungsfrist für bestehende Stallungen läuft noch bis September 2013. Bis zu diesem Termin werden nach Meinung des Agrarjournalisten zahlreiche kleinere und mittlere Betriebe, die nicht in die nötigen Umbaumaßnahmen investieren oder neu bauen wollen, die Milcherzeugung aufgeben.

Auf der anderen Seite gebe es auch Betriebe – vor allem größere –, die wachsen oder koope- rieren wollen und demzufolge in moderne Melktechnik investieren. Beispielhaft weist er auf die hohe Anzahl der schweizerischen Milchviehbetriebe, die bereits in automatische Melksysteme investiert haben. Nach Burkhalters Angaben zufolge sind es heute schon mehr als 250 Betriebe, in denen ein Roboter die Kühe melkt.

„Für die hiesige Landtechnikbranche war 2010 im Großen und Ganzen ein durchschnittliches Jahr“, sagt Ruedi Burkhalter abschließend. „Kein Grund zur Euphorie, aber auch nicht für Katzenjammer.“


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