Magazin Branche

Fliegl :

Mit Farming Solutions die Agrarlogistik beflügeln

Die Fliegl Fahrzeugbau in Triptis baut den Verkauf von Transportlösungen für Landwirte und Lohnunternehmer aus. Der neue Bereich „Farming Solutions“ spricht über den Landmaschinenhandel diese Kunden gezielt an.

Fliegl: Mit Farming Solutions die Agrarlogistik beflügeln

Das gemeinsam mit Horsch entwickelte TransFarmer-Transportkonzept von Fliegl fand auf der Potatoe-Europe große Beachtung.

Mangala betritt vorsichtig die Rampe und erreicht die hölzerne Plattform des 3-Achs-Tiefladeanhängers DTL-Agrar von Fliegl. Jetzt startet der Traktor die gemächliche Fahrt. Mangala wiegt gute fünf Tonnen. Die Elefantendame ist 25 Jahre alt. Ihr Zuhause ist der Münchner Tierpark Hellabrunn. Der Zoo kaufte sich den 3-Achs-Tieflader in erster Linie für den Transport von Quaderballen, die Fahrt mit Mangala diente einem YouTube Werbedreh.

Langsam nähert sich auch ein Leopard dem Fliegl Tieflader. Er erklimmt die Rampe, um sich dann auf der Plattform einzurichten. Der Leopard ist olivgrün, aus Stahl und bringt 75 Tonnen auf die Waage. Auch für Maschinen wie diesen Kampfpanzer der Bundeswehr entwickelt Fliegl Fahrzeugbau Transportlösungen. In diesem Fall entstand ein Tieflader mit sieben Achsen für gute 80 Tonnen Traglast und einer Plattformverbreiterung auf drei Meter.

„Wir sind Europas größter Hersteller von Tiefladern“, berichtet Geschäftsführer Helmut Fliegl beim Besuch des eilboten im Werk Triptis. Gut 1.000 verschiedene Tieflader rollen jährlich aus dem Werk I. Darunter auch eine Vielzahl Fahrzeuge, die man für andere namhafte Hersteller fertigt und in Europa unter verschiedenen Marken verkauft werden.

Die Fertigung läuft im Baukastenverfahren. Die Konstruktion aller Fahrzeuge ist immer für 80 km/h Schnellläufer ausgelegt. Der 3-Achs-Tiefladeanhänger DTL-Agrar z.B. ist als „Downsizing“-Variante für 60 km/h in der Landwirtschaft zugelassen und erledigt den professionellen Maschinentransport zu einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis. „Viele Landmaschinenbetriebe und Lohnunternehmen setzen beim Maschinentransport auf Gebrauchttechnik, die bereits jahrelang im Bau das Härteste durchgemacht hat. Trotzdem werden dafür noch stolze Preise verlangt. Oft kommen noch Stunden und Teile für die Überarbeitung hinzu“, so Helmut Fliegl. Dann sei der Preisunterschied zu einem nagelneuen Fiegl Tieflader nicht mehr erheblich.

Helmut Fliegl: „Viele Ideen im Trailergeschäft stammen aus der Landwirtschaft.“

Helmut Fliegl: „Viele Ideen im Trailergeschäft stammen aus der Landwirtschaft.“

Bernhard Kerscher ist bei Fliegl Trailer Vertriebs- und Marketingleiter.

Bernhard Kerscher ist bei Fliegl Trailer Vertriebs- und Marketingleiter.

 

Die Nutzungsdauer so eines Fahrzeugs veranschlagt Bernhard Kerscher mit bis zu 20 Jahren. Er ist seit einem halben Jahr bei Fliegl Trailer Vertriebs- und Marketingleiter. Von seiner vorherigen Tätigkeit bei MAN kennt er das Nutzfahrzeuggeschäft seit Jahrzehnten. Er kommt wie Helmut Fliegl aus Oberbayern. Kerscher schätzt die kurzen Entscheidungswege und die Praxisausrichtung seines neuen Arbeitgebers. Seit dem Frühjahr 2018 verantwortet er in Triptis ebenfalls den noch ganz jungen Bereich „Farming Solutions“. Dieser umfasst Transportfahrzeuge für Landmaschinen und Auflieger für den Transport von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Dünge- und Futtermitteln sowie leichterer voluminöser Fracht, wie Hackschnitzel oder Sägemehl. Mit dem TransFarmer oder den Schubbodenaufliegern gibt es hier besondere Entwicklungen, auf die wir später noch näher eingehen.

Im letzen Jahr übernahm Fliegl den österreichischen Traditionshersteller von Tiefladern Hangler. Für 2018 sind 100 Hangler Fahrzeuge, die sich durch eine Reihe von Details differenzieren und dadurch hochpreisiger sind, geplant. „Es gibt einen treuen Kundenkreis, vor allem in Österreich, die schwören auf ihre Marke Hangler. Daher behalten wir den Namen in unserem Programm“, so Fliegl.

Auch für Schwergewichte: Sieben Achsen tragen 80 Tonnen.

Auch für Schwergewichte: Sieben Achsen tragen 80 Tonnen.

„Viele Ideen in unserem konventionellen Trailergeschäft stammen aus der Landwirtschaft“, berichtet Helmut Fliegl. Der Fünfzigjährige ist, wie seine Geschwister, mit der Arbeit in der Landwirtschaft groß geworden. Wie sein Vater Josef Fliegl sen. sieht er die Fahrzeuge immer aus Sicht des Anwenders. Statt hinter dem Schreibtisch zu sitzen, ist er in seinem Unternehmen lieber in der Produktion oder der Entwicklung unterwegs. Als Beispiel für Innovationen aus der Landwirtschaft nennt er die konische Muldenform der Kipper, die das Abkippen erleichtert. Interessant ist auch die sogenannte Membranrückklappe der Fliegl-Kipper. Sie fällt durch ihre von oben nach unten nach außen gewölbte Form auf. Dies bietet mehr Stabilität. „Keiner unserer Wettbewerber hat jedoch die Werkzeuge, um den Stahl in diese Form zu bringen.“ Hier nutzt man die familiären Beziehungen: Helmuts Bruder Josef fertigt die Rückwände in seinem Unternehmen, der Fliegl Agrartechnik im bayerischen Mühldorf. Die Unternehmen der fünf Fliegl-Geschwister Helmut, Josef, Martin, Hansi und Angelika sind rechtlich und wirtschaftlich eigenständig. Man nutzt aber Synergieeffekte im Einkauf und Vertrieb. Auch die junge Vertriebsschiene „Farming Solutions“ ist mit den Geschwistern abgestimmt. „Das hier angebotene Programm ist aber zu komplex, um mit über die bestehenden Agrartechnik- oder Trailer-Vertriebswege vermarktet zu werden“, berichtet Kerscher. Zu den bedeutendsten Zielmärkten gehören neben Deutschland das Vereinigte Königreich, Polen und Russland.

Maschinen schnell transportiert: Mit dem 3-Achser-Tieflader DTL-Agrar.

Maschinen schnell transportiert: Mit dem 3-Achser-Tieflader DTL-Agrar.

Werk II: Serienfertigung im Zehnminutentakt

Im Stammbetrieb nahe der Ortschaft Triptis laufen die „Onies and Twoies“ – übersetzt die Einer- und Zweier-Produktionslose. Hier arbeiten auch die Fachleute für Zugmaschinenaufbauten. Vom 25 Kubikmeter fassenden Futtermischbehälter für TMR bis zum Abschieber mit Dungstreuer, Lkw-Aufbauten für den Geflügeltransport sowie die populären Tandemanhänger für Kommune und Bau – die indus-trielle Fertigung in Werk I erlaubt auch erstaunlich viele Individuallösungen.

Im 2005 direkt an der Autobahn 9 errichteten Werk II beherrscht die Serienfertigung die riesigen Hallen. In einem der modernsten Trailerwerke Europas laufen Pritschen- und Planensattel, Containerchassis, Sattelkipper und Schubbodentrailer vom Band. Über 5.000 Fahrzeuge pro Jahr. Helmut Fliegl: „Unsere Kipper kippen früher ab und später um als der Wettbewerb!“ Ein niedriger Rahmen, die Direktauflage der Mulde auf dem Rahmen, die bauchige Form der konischen Mulde ergeben ein niedriges Fahrzeug und einen tiefen Schwerpunkt. Alle Faktoren zusammen sorgen laut Fliegl dafür, dass die Mulde bereits um ein ausgefahrenes Teleskopstempelelement früher abkippt als andere Fahrzeuge.

Auf einer eigens konstruierten Plattform mit bis zu zwölf Grad Bodenneigung kann in Triptis der Kipppunkt der Fahrzeuge mit angehobener Mulde life getestet werden. Der niedrige Schwerpunkt macht diese laut Kerscher auch mit ausgefahrenem Stempel zu den Standsichersten.

Die „Curved Rahmenfront“ der geschwungenen Sattelplatte ist eine Alleinstellung der Fliegl Trailer. Sie reduziert das Eigengewicht des Trailers und erhöht damit die Nutzlast. Gleichzeitig ergibt sich ein Plus an Stabilität, da vertikal wirkende Kräfte gebündelt und auf die Sattelkupplungsplatte übertragen werden. An der Unterseite des Curved Chassis befindet sich ein leicht nach oben gebogener Stahleinweiser, der das Ansatteln vereinfacht und Beschädigungen verhindert. Die abgerundete Form vereinfacht außerdem das Rangieren, da die Zugmaschine ohne Eckflächen mehr Spielraum erhält.

Die Membranrückklappe der Fliegl-Kipper ist gewölbt. Das sorgt für mehr Stabilität.

Die Membranrückklappe der Fliegl-Kipper ist gewölbt. Das sorgt für mehr Stabilität.

Die „Curved Rahmenfront“ der geschwungenen Sattelplatte reduziert das Eigengewicht des Trailers.

Die „Curved Rahmenfront“ der geschwungenen Sattelplatte reduziert das Eigengewicht des Trailers.

Den Trailer TransFarmer zählt Kerscher zu den Highlights im Farming Solutions-Programm. Das gemeinsam mit Horsch entwickelte Transportkonzept hatte auf der Agritechnica 2017 Premiere. Der Aluminium-Dreiachser kann die linke Seitenwand auf 7.600 mm Länge hydraulisch absenken – ideal, um die Überladehöhe z.B. bei der Kartoffelverladung zu reduzieren. Der Rahmen des Aufliegers verfügt links und rechts über Aufnahmen für den Horsch Trailer Lift. Dies ist eine Art Dolly mit Raupenantrieb. Es hebt den Fliegl TransFarmer hyd-raulisch an, so dass dieser, statt mit Hochdruck-Straßenbereifung, nun auf Gleisketten passiv über den Acker gefahren wird.

Der TransFarmer wiegt leer ca. 5.900 kg, die Mulde ist 2.150 mm hoch und fasst rund 48 m3. Das Fahrzeug verfügt über eine eigene batteriegespeiste Bordhydraulik. So sind die Stützfüße, Seitenwand und das hydraulische Heckportal autonom per Fernsteuerung hydraulisch zu regeln.

101 Kubikmeter Volumen, gut 27 Tonnen Nutzlast: Mit diesen Daten glänzt der 15,25 Meter lange Schubbodentrailer. Auf einem Leichtbaustahlchassis sitzt eine Aluminiumkastenmulde. Der Schiebeboden von CoverFlow besteht aus 6 mm, und in dieser Länge nur bei Fliegl erhältlichen, Alu-Profilen. „Mehr Kubikmeter pro Tour – das ist ein Argument gerade für voluminöse Güter wie Hackschnitzel,“ stellt Kerscher heraus. Niedriges Eigengewicht, niedriger Schwerpunkt – dies zieht sich wie ein Mantra durch das gesamte Fliegl Nutzfahrzeugprogramm. Hinzu kommt eine im Nutzfahrzeugbereich übliche Oberflächenbeschichtung, die laut Helmut Fliegl rund dreimal so aufwändig und haltbar ist, als in der Landtechnik übliche Verfahren. Vor der Oberflächenbeschichtung beschießen 16 Turbinen die Stahlkonstruktionen mit Stahlkugeln und Stahlsplittern. Die Splitter vergrößern die zu beschichtende Oberfläche zusätzlich und verbessern die Anhaftung der nachfolgenden Epoxidzinkfarbe.

Das eine tun, um das andere zu können

Die Margen im europäischen Trailermarkt sind dürftig, der Wettbewerb der bedeutenden Hersteller um die Flotten der großen Speditionen, Vermiet- oder Leasinggesellschaften geht allein über den Preis. Um hier mitzuspielen, bedarf es in der Fertigung einer kritischen Masse, um z.B. beim Einkauf von Stahl, Aluminium, Planen, Achsen und Reifen Skaleneffekte zu nutzen, erklärt Bernhard Kerscher. „Die Trailerproduktion schafft das Volumen im Einkauf und Vertrieb, von denen dann auch unser Sonderfahrzeugbau profitiert“, erläutert Kerscher. Mit einem eigenen Vertriebszweig „Farming Solutions“ will man die Landwirte, Lohnunternehmen, Maschinenringe sowie auf die Landwirtschaft spezialisierten Spediteure in Europa gezielt ansprechen und die Diversifikation bei Fliegl vorantreiben.

Fliegl Trailer in Triptis hat erstmals in seiner Unternehmensgeschichte einen dreistelligen Millionenbetrag als Jahresumsatz im Visier. Aktuell brummt das Geschäft, trotzdem ist man konservativ bei der Aufstockung von Kapazitäten. Der Schock der letzten Wirtschaftskrise ist noch nicht vergessen. Fliegl hat sie damals bewältigt, ohne einen Mitarbeiter zu entlassen. Heute arbeiten hier 240 Menschen im Einschichtbetrieb, das Unternehmen ist schuldenfrei, Investitionen finanziert man aus dem Cash Flow.

Trotz des unternehmerischen Erfolgs bleibt Fliegl bodenständig. Die Familie wohnt in Trip-tis über den Büros in Werk I. Helmuts Ehefrau Margit verantwortet im Unternehmen die Finanzen und das Marketing. Der neunzehnjährige Sohn absolviert eine Lehre zum Mechatroniker, Tochter Lisa, 18, macht eine kaufmännische Ausbildung. Der fünfzehnjährige Hansi geht noch zur Schule. Für die Eltern ist die Lehre das Fundament für den weiteren Lebensweg. „Was die Kinder dann später daraus machen, das liegt in ihrer Hand“, so Margit Fliegl lachend.

Welchen Megatrend sieht Helmut Fliegl in der Logistik? „Nachhaltigkeit“, kommt ohne Zögern seine Antwort. „Durch konstruktive Maßnahmen wie Leichtbau und Aerodynamik reduzieren wir den Dieselverbrauch der Zugmaschinen unserer Trailer um bis 2,5 Liter/100 km. Jedes Fahrzeug wird laservermessen, um den Reifenverschleiß zu minimieren. Wir arbeiten an Reifendruckregelsystemen, die sich dem Ladezustand anpassen und so Treibstoff sparen. Außerdem sinkt der Verschleiß.“ Nachhaltigkeit praktiziert man auch in den eigenen Werken. Eine Hackschnitzelheizung liefert 95 Prozent der Wärme, Solarzellen decken den Großteil des Strombedarfs ab.


Fliegl

Diesen Artikel bewerten

Diskutieren Sie mit

blog comments powered by Disqus