Magazin Agritechnica 2007

Fliegl :

Der Kugelkopf denkt, der Hänger lenkt

Agritechnica-Silbermedaille für Zwangslenkung mit elektronischer Steuerung und Sensoren im Kugelkopf

Fliegl: Der Kugelkopf denkt, der Hänger lenkt

Lenkwinkelsensoren in der Kugelkopfkupplung messen mittels ...

... gerillter Einfräsungen in der Kugel den Einschlagwinkel der Deichsel.

... gerillter Einfräsungen in der Kugel den Einschlagwinkel der Deichsel.

Die neuartige elektronisch gesteuerte Zwangslenkung „ForCon“ (Force Control) der Fliegl Agrartechnik GmbH, Töging, wurde von der Jury der DLG mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. Die ForCon verbessert mit geringem konstruktiven Aufwand Fahrverhalten und Manövrierfähigkeit von Tandem- und Tridemwagen.

Aufbau und Funktion: In der Kugelkopfkupplung des Anhängers ist ein Sensor eingepasst. Der Kugelkopf der Anhängekupplung besitzt gerillte Einfräsungen. Lenkwinkelsensoren messen mittels dieser gerillten Einfräsungen am Kugelkopf den Einschlagwinkel der Deichsel beidseitig. Somit kann auch der Differenzwinkel bestimmt werden. Der Einschlagwinkel der Deichsel wird an Drehgeber auf der Achse weitergegeben, die dort Hydraulikzylinder steuern, welche die Lenkachsen in den optimalen Einschlagwinkel bringen.

Mit vielfältigen Funktionen und innovativen Details wartet der Hydraulikblock mit hydraulisch-automatischer Speicherladung auf: An ihn können sowohl Traktoren mit dem so genanntem hydraulischen LS-System als auch Traktoren mit dem Konstant-Pumpen-System angekuppelt werden. Dazu ist nur ein Hebel auf dem Hydraulikblock umzulegen. Der Block besteht aus einem Eingangsblock sowie Erweiterungsblöcken, je nach Achsbestückung. Das heißt in der Praxis: Ein Tridemanhänger hat einen Eingangsblock und zwei Erweiterungsblöcke. Eine Pumpenleitung und eine Tankleitung verbinden den Schlepper für die Ölversorgung. Hier wird der Rücklaufdruck gemessen für die Fehlererkennung. Je ein Druckspeicher ist für die Zentrierung der Achsen verantwortlich. Sollten Fehler auftreten, beispielsweise Lenkwinkelfehler, Sensorfehler, Stromabriss, Hydraulikabriss oder Kabelbruch, werden mit einem besonde- ren Sicherheitsfeature innerhalb sechs Sekunden die Achsen zentriert nur für Geradeausfahrt. Ein Zentrierzylinder bringt die Lenkachse in Mittelstellung, so dass eine Geradeausfahrt garantiert und kein Auslenken der Räder möglich ist.

Es können unterschiedliche Lenkradien am Display vorgewählt werden. Außerdem lassen sich die einzelnen Achsen über elektronische Signale separat ansteuern:

• Normalfahrt,

• verschiedene Lenkprogramme: Lenken über erste, zweite oder dritte Achse um den unterschiedlichen örtlichen Gegebenheiten gerecht zu werden

• Hundegang,

• alle Achsen einzeln lenkbar in die gewünschte Richtung und

• Notlauf.

Mit dieser neuartigen Konstruktion werden sehr aufwendige Stangen-, Seilzug-, ein- oder beidseitige mechanisch-hydraulische oder mechanisch-elektronische Anlenkungen am Zugpunkt überflüssig, damit auch Schweißarbeiten am Traktor für die Montage. Die Demontage des Hubgestänges und der Unterlenker des Krafthebers entfällt ebenfalls. Einziger Anlenkpunkt ist der Kugelkopf. An- und Abkuppeln kann daher vom Fahrersitz aus erfolgen. Damit wird eine Hilfsperson, die zudem unfallgefährdet ist, überflüssig.

Selbst Hundegang fahren ist mit dem Hänger möglich.

Selbst Hundegang fahren ist mit dem Hänger möglich.

Auch sind engere Kurvenfahrten möglich, vorteilhaft unter beengten Verhältnissen. Weil keine weiteren Anlenkpunkte vorhanden sind, erfolgt auch keine Kraftaufnahme bei der Kurvenfahrt. Die Folge: geringere Lenkkräfte.

Durch die automatische elektronische Ansteuerung wird laut Fliegl immer ein optimaler Einschlagwinkel der Räder aller Achsen eingehalten, sowohl bei Normalfahrt, Hundegang, alle Achsen einzeln in die gewünschte Richtung gelenkt oder Notlauf. Die Lenkradien werden voreingestellt. Berücksichtigt wird dabei, mit welcher Distanz die Achsen montiert wurden. Jede Achse fährt dann kontrolliert ihren Radius ab, unter Vorgabe des Lenkwinkels. In diesem Modus kann auch rückwärts gefahren werden. Im Übrigen kann auch manuell vorwärts wie rückwärts im Radius oder im Hundegang gefahren werden.

Die technische Innovation der Zwangslenkung ForCon (Force Control) bringt praktischen Nutzen:

• reibungsloses Ankuppeln in Einmannarbeit;

• optimale Spurhaltung auch auf schmierigen, seitlich hängigen landwirtschaftlichen Wegen;

• Lenkstabilität und stabile Geradeausfahrt auf der Straße ohne Aufschaukeln (Verdrehung und Neigung der Deichsel bleiben immer im Zentrum der Kugel und können somit keine Lenkfehler einleiten);

• ruhiger Nachlauf auch bei hoher Fahrtgeschwindigkeit, dadurch geringere Achsbelastungen;

• geringerer Reifenverschleiß auch bei engsten Kurvenfahrten;

• Sicherheit bei Fahrten am Hang;

• bessere Verteilung des Reifendrucks auf der Bodenoberfläche;

• reibungslose Vor- und Rückwärtsfahrt in jedem Gelände auch bei Fahrten über Kuppen oder Rinnen.

Halle 9, Stand J 32 C


Fliegl

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