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Fleischproduktion :

Schweinemärkte – was kommt nach Corona und Tönnies?

Agrarmarktbeobachter Dr. Uwe Scheper wirft für den eilboten einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen

Fleischproduktion: Schweinemärkte – was kommt nach Corona und Tönnies?

Wie geht es weiter mit der Schweineproduktion?

Der Skandal auf dem Schlachthof Rheda-Wiedenbrück der Firma Tönnies sorgt im gesamten hiesigen Schweinesektor für Verunsicherung. Dabei fürchten Sauenhalter und Mäster vor allem kurzfristige Konsequenzen. Bisher zeigt sich das Handelsgeschehen dahingehend aber recht stabil. So konnte der VEZG-Preis für Schlachtschweine in der ersten Woche des Schlacht-Stopps auf dem Niveau der Vorwoche (1,66 Euro/kg) gehalten werden. Und auch für die zweite Woche sind Händler bei aller Vorsicht zuversichtlich, dass der Preis nicht einbrechen wird. Sicherlich geraten die Absatzmärkte für schlachtreife Partien ins Stocken, wenn Europas größter Schlachthof seine Tore zu Quarantänezwecken für 14 Tage schließt. Insgesamt konnte das Angebot aber bislang von ungenutzten Schlachtkapazitäten recht gut aufgefangen werden.

Worüber sich die Schweinebranche aber vermehrt Gedanken machen sollte, sind die langfristigen Effekte dieses Skandals. Die Zahl der Verbraucher steigt, denen der Appetit auf Schweinefleisch vergeht. Man muss kein veganer Ideologe sein, um dies zu erkennen. Zugegeben, als Agrarier weiß man, dass regelmäßig „neue Säue durch‘s Dorf getrieben werden“, mit denen Landwirtschaft skandalisiert wird – und die letztlich einfach verpuffen. Wahrscheinlich werden Forderungen nach Schlachthofschließungen oder einem Verbot von „Billig-Fleisch“ diesen Weg gehen.

Dennoch: ein Blick auf die letzte Viehzählung zeigt, dass die Zahl der in Deutschland gehaltenen Schweine von November 2019 auf Mai 2020 um 2,6% geschrumpft ist. Diese Entwicklung könnte sich fortsetzen. Fortsetzen könnte sich auch das Verhalten von Verbrauchern, ihre Hauptmahlzeiten wieder selbst zuzubereiten. Während der Schließung von Kantinen sowie beim Arbeiten „von zu Hause aus“ waren Verbraucher vermehrt dazu gezwungen, sich selbst um den Einkauf und die Zubereitung ihrer Mahlzeiten zu kümmern. Einige Aktienanalysten empfehlen z.Zt., in Aktien aus der Nahrungsmittelbranche zu investieren. Es ist fraglich, ob Schweinefleisch „mit zweifelhafter Vergangenheit“ in dieser Hinsicht im Trend liegt.

Deswegen befassen sich Schweinehalter, die auch in Zukunft ihr Geld mit Schweinen verdienen wollen, verstärkt mit ihren Märkten der Zukunft.