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Paetow fordert Zeitenwende im Agrarbereich

Kein Widerspruch zwischen nachhaltigen Ernährungssystemen und Export

EuroTier: Paetow fordert Zeitenwende im Agrarbereich

DLG-Präsident Hubertus Paetow bei seiner EuroTier-Eröffnungsrede.

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Gegen eine politisch verordnete Bindung der Tierproduktion an die heimische Nachfrage hat sich der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Hubertus Paetow, gewandt. Dies sei nichts anderes als Protektionismus und Renationalisierung der Wirtschaft, sagte Paetow bei der Eröffnung der EuroTier 2024 in Hannover. Dem DLG-Präsidenten zufolge kann der wachsende globale Bedarf an tierischen Produkten nur dann erfüllt werden, wenn eine nachhaltige Tierproduktion in Europa einen Teil dieser Nachfrage bedient.

Für Paetow steht eine exportorientierte Veredelungswirtschaft nicht im Widerspruch zu einer nachhaltigen Ernährung der hiesigen Bevölkerung: „Was spricht dagegen, dass wir uns in Europa weniger klimaschädlich ernähren und trotzdem unseren Beitrag dazu leisten, dass in anderen Teilen der Welt die Konsumenten ihren Bedarf an nachhaltig erzeugten tierischen Produkten decken können?“

Im Inland erwartet der DLG-Präsident eine Stabilisierung der Nachfrage auf niedrigem Niveau. Beim Konsum tierischer Erzeugnisse sei offenbar ein Stand erreicht, der für viele einen vertretbaren Kompromiss zwischen Genuss und ökologischer Vernunft darstelle.

Klimawirkung messbar machen

Paetow plädierte dafür, den Einfluss der Tierhaltung auf den Klimawandel differenziert zu betrachten. Er verwies auf erhebliche Unterschiede zwischen den Tierarten bei den Emissionen, hob den positiven Beitrag des genutzten Grünlandes hervor und machte auf die Emissionen bei der Verarbeitung aufmerksam, die auch bei den pflanzlichen Lebensmitteln eine Rolle spielten: „Ein Hähnchen aus deutscher Stallhaltung kann eine genauso gute Treibhausgasbilanz aufweisen wie ein Ersatzprodukt aus importiertem Seitan.“

Eine verbesserte Klimawirkung der Ernährung gelinge nicht dadurch, dass man die heimische Erzeugung behindere, ist der DLG-Präsident überzeugt. Erforderlich sei vielmehr eine Ernährungspolitik, „die Klimawirkung messbar und transparent macht und darauf aufbauend wirksame Anreize auf der Verbraucherseite setzt“.

Falsches Signal

Als Alarmsignal wertet Paetow die Investitionszurückhaltung im Bereich der tierischen Erzeugung, und zwar sowohl in mehr Tierwohl als auch in Kapazitätserweiterung. Dies stehe im Widerspruch zur gegenwärtig guten Liquidität vieler Betriebe und ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Vor allem junge Menschen hätten Zweifel an der Zukunft des Geschäftsmodells Tierproduktion. Diese „toxische Stimmung“ zu überwinden, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Eine Mitschuld für die schlechte Stimmung sieht der DLG-Präsident bei der Politik. Die fehlende Bereitschaft, die Ergebnisse der Borchert-Kommission umzusetzen, und die Finanzierung des gesellschaftlich geforderten Umbaus der Tierhaltung auf den Weg zu bringen, sende ein falsches Signal: „So ernst ist es uns als Gesellschaft mit dem Umbau der Tierhaltung dann wohl doch nicht, als dass wir den Verbraucherinnen und Verbrauchern eine 2 bis 3 Prozent höhere Mehrwertsteuer auf tierische Produkte zumuten wollten.“ Gleichzeitig überbiete sich der Handel zwar bei den Ankündigungen, aber weniger bei den Einkaufspreisen für Tierwohlprodukte.

„Aus solch widersprüchlichen Signalen lassen sich keine betrieblichen Investitionsstrategien aufbauen“, stellte der DLG-Präsident fest. Stattdessen müssten sich Landwirtschaft und Politik wieder auf zuverlässige Entscheidungsgrundlagen unternehmerischen Handelns besinnen. Für Paetow sind das globale Nachfrage, technischer Fortschritt und Produktinnovation: „Wir brauchen eine Zeitenwende auch im Agrarbereich.“


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