Rückgang bei den Traktoren-Neuzulassungen

Minus von gut acht Prozent im ersten Halbjahr – CEMA: Folge auch des Ukraine-Krieges – Allerdings „ungewöhnlich starke Zulassungen“ in der Vorjahresperiode – Abnahme daher zu erwarten gewesen – Neuzulassungszahl noch die zweithöchste seit mindestens acht Jahren - In Deutschland Rückgang von acht Prozent – Moderate Abschwächung in Frankreich

Europäische Union: Rückgang bei den Traktoren-Neuzulassungen

Die unteren Leistungsklassen hatten in der ersten Jahreshälfte 2021 stärker zugelegt – daher sind sie jetzt deutlicher im Minus.

Die Folgen des Ukraine-Krieges sind jetzt auch in der europäischen Landtechnikindustrie zu spüren. Im ersten Halbjahr 2022 sind die Neuzulassungen von Traktoren einschließlich als solche eingestufte weitere Maschinen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,1 % auf 108.800 zurückgegangen. Wie der EU-Dachverband der Landmaschinenhersteller (CEMA) dazu jetzt weiter feststellte, lag in jedem Monat die Zahl der Neuzulassungen unter dem jeweiligen Wert des Vorjahres, also auch schon im Januar.

Nichtsdestoweniger sei ein direkter Zusammenhang dieses Einbruchs mit dem Krieg in der Ukraine ableitbar. So wurde laut CEMA im Januar 2022 im Vergleich zum Vorjahresmonat noch ein moderates Minus von 2 % verzeichnet. Im Februar betrug dieses 5 %. Anschließend seien die Zulassungen im März um 7 % gegenüber dem Vorjahr gesunken, im April um 12 %, im Mai dann wieder schwächer um 5 %, im Juni jedoch um 15 %. Allerdings wies der CEMA auch darauf hin, dass im ersten Halbjahr 2021 „ungewöhnlich starke Zulassungen“ verzeichnet worden seien. Daher sei ein gewisser Rückgang zu erwarten gewesen. Zudem sei die Zahl der neuzugelassenen landwirtschaftlichen Zugmaschinen immer noch die zweithöchste seit mindestens acht Jahren.

Von den Neuzulassungen in der EU im ersten Halbjahr 2022 entfielen nach Angaben des Dachverbandes etwa 31.900 auf Maschinen mit einer Motorleistung von 37 kW beziehungsweise 50 PS und weniger. Rund 76.900 seien in die Leistungsklasse 38 kW und darüber gefallen. Laut CEMA ist davon auszugehen, dass es sich bei 81.800 der neuzugelassenen Traktoren tatsächlich um landwirtschaftliche Zugmaschinen handelt. Der Rest setze sich aus einer Vielzahl von Fahrzeugen zusammen, die unter Umständen auch als Traktoren eingestuft werden könnten. Als Beispiele werden Quads und Teleskoplader genannt.

Plus bei höheren Leistungsklassen

Mit Blick auf die einzelnen Mitgliedstaaten berichtete CEMA, dass die Traktorenzulassungen im ersten Halbjahr 2022 in Deutschland um gut 8 % auf 15.729 zurückgegangen seien. Allerdings wird auch für die Bundesrepublik betont, dass die erste Jahreshälfte 2021 durch ein besonders starkes Wachstum gekennzeichnet gewesen sei.

Die unteren Leistungsklassen hätten damals am stärksten zugelegt und seien daher im Berichtshalbjahr entsprechend deutlicher im Minus. Dagegen habe sich für die Leistungsklassen über 150 PS von Januar bis Juni 2022 unter dem Strich sogar ein Plus von 2 % bei den Neuzulassungen in Deutschland ergeben. Niedriger als im Bundesgebiet fiel das Gesamtminus bei den neu registrierten Traktoren in Frankreich aus. Dem CEMA zufolge nahm die Zahl der betreffenden Erstzulassungen dort im Halbjahresvergleich lediglich um 3 % auf 15.395 ab. Sie liege damit noch deutlich über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre, da 2021 in Bezug auf die Investitionen in landwirtschaftliche Maschinen auch in Frankreich „außergewöhnlich“ gewesen sei. Nach einem noch guten ersten Quartal seien die Neuzulassungen von Traktoren in Frankreich ab April gegenüber dem Vorjahr gesunken.

In Italien Lieferkettenprobleme

Der italienische Landmaschinenmarkt hat in der ersten Jahreshälfte laut CEMA ein „hohes Verkaufsvolumen“ verzeichnet, auch wenn dieses unter dem Rekordniveau von 2021 blieb.

Die Neuzulassungen von Traktoren gingen um 12 % auf 11.050 Einheiten zurück; das war jedoch noch mehr als der Durchschnitt der letzten vier ersten Halbjahre. CEMA stellte zudem fest, dass die Abnahme der Verkäufe in Italien nicht auf einen Rückgang der Nachfrage zurückzuführen sei; diese halte im Gegenteil weiterhin an. Vielmehr sei der Marktrückgang durch Probleme in der Lieferkette verursacht worden. Der Sektor sei aber grundsätzlich gut aufgestellt.

In Polen wurden in der ersten Hälfte dieses Jahres insgesamt 5.598 neue landwirtschaftliche Traktoren zugelassen; dies entsprach einem Rückgang von 14 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Dachverband hält diesen Rückgang für „keine große Überraschung“, da die beiden vorangegangenen Jahre in Polen für die Branche „sehr gut“ verlaufen seien. Im Gesamtjahr 2021 seien dort insgesamt mehr als 14 .000 neue Traktoren zugelassen worden. Daher sei eine Korrektur des Marktes zu erwarten gewesen.


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