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Die Bioenergie leistet bereits heute „einen etablierten, systemdienlichen und unverzichtbaren Beitrag zum Erreichen der Energie- und Klimaziele sowie zur Versorgungssicherheit in Deutschland“. Das zumindest meint die CDU/CSU-Bundestagsfraktion. „Die Bioenergie ist als einzige erneuerbare Energie in der Lage, gesicherte und regelbare Leistung für Strom und Wärme bereitzustellen. Damit sind flexible Biogasanlagen eine elementare und unverzichtbare Flexibilitätsoption im Strommarkt der Zukunft“, stellt die Fraktion in einem Antrag fest, der kürzlich im Bundestag diskutiert wurde.
Kritik an der Bundesregierung
Mit dem Antrag will die Unionsfraktion die Bioenergie stärker fördern. „Deutschland ist heute in Europa führend in der Produktion und Anwendung von Biogas und Biomethan. Die Bundesregierung hingegen behandelt die Bioenergie stiefmütterlich, bremst diese künstlich aus und setzt die falschen Rahmenbedingungen“, heißt es in dem Antrag weiter.
Mit ihrer Einschätzung ist die Union nicht allein. Schon seit mehreren Jahren ist die Bioenergie – ob Biogas, Biokraftstoffe oder die Holzenergie – aufs Abstellgleis geraten.
Beispiele für negative Rahmenbedingungen gibt es viele:
- Als die Strompreise 2022/23 aufgrund der Gaskrise – ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine – anstiegen, verdienten auch Betreiber von flexiblen Biogasanlagen erstmals richtig Geld. Die Bundesregierung reagierte prompt und wollte mit einer „Erlösabschöpfung“ jegliche Marktkräfte aushebeln. Am Ende kam die Abschöpfung erheblich abgeschwächt. Aber allein die monatelange Diskussion hat die Branche stark verunsichert.
- Bei der Förderung von Nahwärmenetzen soll Bioenergie nur eine untergeordnete Rolle spielen.
- In ihrer „Kraftwerksstrategie“ setzt die Bundesregierung auf „hochflexible Kraftwerke“. Gemeint sind Gaskraftwerke, die zunächst mit Erdgas, irgendwann aber auch mit Wasserstoff betrieben werden sollen. Geplant sind 10 Gigawatt (GW) Leistung, die neu gebaut werden sollen.
- Das Bundesfinanzministerium will Biomasse aus der Definition für Strom aus Erneuerbaren Energieträgern streichen. Damit würden auch Steuerermäßigungen für den Strom wegfallen.
Zusätzlich zu den noch vielen weiteren Benachteiligungen kämpft die Biogasbranche heute schon mit überzogenen bürokratischen Auflagen. Dazu gehören Dokumentationspflichten oder Zertifizierungen zum Einhalten von technischen Standards oder den Nachhaltigkeitsverpflichtungen.

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In der Gasaufbereitungsanlage wird vor allem CO₂ vom Rohbiogas abgetrennt.
Betreiber sind frustriert
Das alles führt in der Branche zu wachsendem Frust. Mehr als ein Drittel (34 Prozent) der Betreiber sehen inzwischen für ihre Anlagen kein zukunftsträchtiges Vermarktungskonzept, sondern planen, die Anlage stillzulegen. Als Beweggrund dafür wurde fast ausschließlich die fehlende Wirtschaftlichkeit aufgeführt. Auch die Gesetzgebung und damit verbundene Hürden spielen aus Sicht der Teilnehmenden eine Rolle. Das ist das Ergebnis der Biogas-Konjunkturumfrage 2023, die das Centrale Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk (C.A.R.M.E.N. e.V.) seit 2012 unter Anlagenbetreibern in Bayern durchführt. Die Einschätzung der Lage des zurückliegenden als auch des kommenden Geschäftsjahres ist der schlechteste Wert seit Beginn der Konjunkturumfrage.
Der Umbau zu einer flexiblen Biogasanlage erscheint nur 31 Prozent der Biogasbetriebe als erfolgversprechend. Gemeint sind Anlagen, die mit großen Gasspeichern und BHKW nur noch dann Strom produzieren, wenn er besonders nachgefragt ist. Viele Umfrageteilnehmer begründeten die Zurückhaltung damit, dass sie die Wärme lukrativ vermarkten können. Wenn sie nur noch an wenigen Stunden am Tag Strom produzieren und das Blockheizkraftwerk stillsteht, wird auch keine Wärme produziert. Um zum Beispiel ein vorhandenes Wärmenetz zu versorgen, wäre also ein sehr großer Pufferspeicher nötig, um die Stillstandszeiten im Winter zu überbrücken. Diese Investition scheuen viele Betreiber mangels Vertrauen in die Politik.

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Biomethan muss nicht unbedingt ins Gasnetz eingespeist werden. Über eine Hoftankstelle lässt es sich auch als Kraftstoff in Traktoren nutzen.
Fehlende Perspektive
Der Anstieg der geplanten Stilllegungen lässt sich auch damit begründen, dass vielen Betreibern die Perspektive fehlt. Denn ab 2024 erreichen erstmals mehrere Hundert Anlagen das Ende der 20-jährigen Laufzeit im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Das bedeutet: Nach 20 Jahren fällt die gesetzlich festgelegte Einspeisevergütung weg. Wer noch zehn Jahre weitermachen will, muss zwei Bedingungen erfüllen:
- Er muss die Anlage flexibilisieren, also technisch zur bedarfsgerechten Stromproduktion umrüsten. Das kostet unter Umständen 1 bis 2 Mio. Euro.
- Er muss an einer Ausschreibung teilnehmen und einen Zuschlag erhalten. Das Problem dabei: Die Ausschreibungsmenge und die Vergütungshöhe, auf die man bieten kann, sind gesetzlich begrenzt und nur die günstigsten Gebote erhalten einen Zuschlag.
Einen ersten Eindruck davon, wie stark diese Mengenbegrenzung die Zukunft der Branche einschränkt, hat die letzte Ausschreibung 2023 gezeigt. Noch nie hat es bei einer Ausschreibungsrunde für Biomasseanlagen so viele Gebotseingänge gegeben: Auf das ausgeschriebene Volumen von 288 Megawatt (MW) installierter Leistung wurden Gebote im Umfang von 910 MW eingereicht. „Dass die zweite reguläre Biomasseausschreibung in 2023 überzeichnet sein wird, war abzusehen und wurde von uns im Verlauf des Jahres mehrfach prognostiziert. Doch eine derartige, mehr als dreifache Überzeichnung war dann doch ein echter Schock und sollte als klares Signal der Branche an die Politik verstanden werden“, kommentiert Sandra Rostek, Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie, das Ergebnis. Das Hauptstadtbüro vertritt unter anderem den Fachverband Biogas.
Die aktuellen Rahmenbedingungen für Biomasse im EEG 2023 setzen laut Fachverband Biogas Milliarden Kilowattstunden Strom und Wärme aus Biomasse sowie die Zukunft hunderter Biogasanlagen leichtfertig aufs Spiel. Nicht nur angesichts der offenen Zukunft der Kraftwerkstrategie des Bundes ist es laut Rostek dringend erforderlich, die Rahmenbedingungen für Bioenergieanlagen so zu gestalten, dass diese weiterhin Versorgungssicherheit in den Sektoren Strom und Wärme gewährleisten. Es sei nicht vermittelbar, dass Versorgungssicherheit vornehmlich fossil erfolgen soll, zumal Bioenergieanlagen Strom bedarfsgerecht produzieren können.
Schon länger appelliert die Bioenergiebranche, dass bestehende Biogasanlagen zu wesentlich günstigeren Kosten Strom produzieren könnten als die Gaskraftwerke. Die Bioenergie könne durch Leistungssteigerung kurzfristig bis 2030 12 GW und bis 2045 sogar 24 GW an steuerbarer Leistung zur Verfügung stellen und das zu deutlich geringeren Kosten, argumentiert der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE).
Biomethan als Option
Wie die Konjunkturumfrage in Bayern zeigt, sehen 8 Prozent der Betreiber ihre Zukunft in der Biomethanproduktion. Die Nachfrage nach der Umrüstung auf Gaseinspeisung hat auch außerhalb von Bayern deutlich zugenommen. Heute gibt es in Deutschland rund 220 Biomethananlagen. Laut Fachverband Biogas laufen derzeit rund 500 Anfragen für die Einspeisung ins Gasnetz. Selbst wenn davon nicht alle realisiert werden, ist der Trend deutlich zu spüren. Ein Teil der Anlagen könnte sogar neu gebaut werden.
Biomethan ist chemisch gleichwertig mit Erdgas. Hierzu wird beim Biogas in sogenannten Aufbereitungsanlagen vor allem CO2 abgetrennt, das sich inzwischen auch als Rohstoff an die chemische oder lebensmittelverarbeitende Industrie verkaufen lässt.

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Anlieferung von Hähnchenmist in einer Biogasanlage: Wirtschaftsdünger ist ein interessanter Rohstoff geworden.
Da sich eine Gasaufbereitung wegen der erheblichen Investitionskosten nur für größere Anlagen lohnt, gibt es inzwischen mehrere Projekte in Deutschland, bei denen sich bestehende, kleinere Biogasanlagen mit einer Rohgasleitung zusammenschließen und eine gemeinsame Aufbereitungsanlage bauen wollen.
Das Biomethan lässt sich als Erdgasersatz vielseitig einsetzen. Einige Betriebe streben unter anderem eine Vermarktung als Kraftstoff an. Hierbei können sie – neben dem Gasverkauf – auch eine Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) verkaufen, was den Erlös steigert. Besonders hoch ist die THG-Quote, wenn das Biogas aus Wirtschaftsdünger hergestellt wird. Das hat zwischenzeitlich die Nachfrage nach Gülle und Mist erheblich angekurbelt.
Neue technische Entwicklungen sorgen zudem dafür, dass Biomethan auch für die Landwirtschaft als Kraftstoff interessant wird: New Holland hat inzwischen zwei Traktoren mit Gasmotor und 180 beziehungsweise 270 PS im Programm. Und es gibt mittlerweile mehrere Anbieter von Hoftankstellen, die einen Teil des produzierten Biogases zu Biomethan aufbereiten und in Flaschen komprimiert speichern können. Allerdings rechnen sich selbst kleine Hoftankstellen nur, wenn neben Traktoren dort auch Lkw regelmäßig tanken.
Auch Länder schlagen Alarm
Die schlechte Lage in der Biogasbranche ist inzwischen auch bei den Regierungen der Bundesländer angekommen. So hat der Bundesrat eine Initiative aus Schleswig-Holstein angenommen. Die Kieler Landesregierung fordert die Bundesregierung auf, die Rahmenbedingungen von Biogas-Anlagen deutlich zu verbessern, um gefährdete Biogasanlagen und die daran angeschlossenen Wärmenetze zu erhalten. „Die Bioenergie braucht eine neue Zukunft: in der Wärmeversorgung und als flexible Speicherlösung im klimaneutralen Stromsystem und in industriellen Anwendungen. Es ist Aufgabe des Bundesgesetzgebers, die Potenziale der Bioenergie effizient zu nutzen und den Betrieben eine Perspektive zu geben“, sagt Energiewende-Minister Tobias Goldschmidt.
Für die Zeiten der sogenannten Dunkelflaute, sprich für die wenigen Tage im Jahr, an denen Wind und Sonne zu wenig Strom erzeugen, ist auch für den Landesverband Erneuerbare Energien in Nordrhein-Westfalen die Biogastechnik unerlässlich. „Es ist absolut ärgerlich, dass die Bundesregierung bei ihren bislang bekannten Plänen zur Kraftwerksstrategie den heimischen Energieträger Biogas mit keiner Silbe berücksichtigt“, kritisiert Verbandsvizevorsitzender Dr. Thomas Griese.
Die Diskussion zeigt: Die Biogastechnik könnte eine ernstzunehmende, heimische und krisensichere Ergänzung zu der rasant wachsenden Wind- und Solarenergie werden. Doch die Bundesregierung legt Betreibern, Herstellern und Dienstleistern immer wieder neue Steine in den Weg. Abzuwarten bleibt, ob die vielen Initiativen von Verbänden und Landesregierungen Abhilfe schaffen. Ohne Perspektive wird es ansonsten eine wachsende Zahl von Anlagenstilllegungen geben.














