Magazin on track – das Magazin 2019/2020

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Ein Signal für alle Maschinen

Jungunternehmer Nicolai Pukowski brachte eine interessante Anwendung aus seinem Praktikum in Kanada nach Europa

: Ein Signal für alle Maschinen

Da stutzt der Fachmann: Das StarFire von John Deere steuert den 1000er Fendt.

Nicolai Pukowski: „Mit der Bridge kann das StarFire Signal und AutoTrac auf jeder Maschine genutzt werden.“

Nicolai Pukowski: „Mit der Bridge kann das StarFire Signal und AutoTrac auf jeder Maschine genutzt werden.“

Das junge Unternehmen Agra-GPS Ltd., vertreten durch Nicolai Pukowski, ist seit gut drei Jahren in Deutschland aktiv. Agrar-GPS vertreibt eine selbstentwickelte und hergestellte Lösung, um das John Deere Lenksystem auf Fremdfabrikaten integriert zu nutzen. Eine kleine schwarze Box, die sogenannte Bridge, übersetzt die John Deere Sig- nale. So können auf jeder Maschine mit einer Lenksystemvorbereitung in Verbindung mit dem John Deere Display und StarFire Empfänger das AutoTrac Sytem mit StarFire Signal genutzt werden.

Wie das funktioniert, erklärt Nicolai Pukowski: „Wir lesen die CAN BUS Befehle der Maschine. Diese übersetzen wir in John Deere Befehle und schicken sie an das JD System. Andersherum empfangen wir Positionsdaten und Befehle vom JD System/StarFire und erstellen daraus Lenkbefehle für die jeweilige Maschine. Das schleppereigene Terminal hat dann nichts mehr mit dem Lenksystem zu tun. Aber z.B. der Aktivierungsschalter des Schleppers wird weiterhin genutzt. Genauso wie alle Sicherheitsfunktionen des Schleppers und des JD Systems.“ Die Bridge hat die EU Typengenehmigung (E13) für den Einbau in landwirtschaftliche Maschinen.

Diese vier Teile werden gebraucht: John Deere Terminal, StarFire Empfänger, die Bridge-Box sowie das passende Adapterkabel für den zu steuernden Traktor bzw. die Maschine.

Diese vier Teile werden gebraucht: John Deere Terminal, StarFire Empfänger, die Bridge-Box sowie das passende Adapterkabel für den zu steuernden Traktor bzw. die Maschine.

Unkompliziert installiert

In weniger als zwei Stunden kann die Bridge eingebaut werden. Pukowski: „Das geht direkt vor Ort oder in der Service-Werkstatt des Landtechnik-Partners. Viele Händler deutschlandweit haben inzwischen gute Erfahrungen mit der Installation gemacht. Wer technisch nicht völlig unbedarft ist, kann es auch selbst vornehmen. Und der Preis bewegt sich im absolut grünen Bereich.“ Einige Voraussetzungen müssen gegeben sein: eine Lenksystemvorbereitung (Autosteer Ready) muss in der Maschine bereits verbaut sein. Dies beinhaltet Lenkventile, Lenkwinkelsensoren und gegebenenfalls ein Autopilotmodul, das Befehle weiterverarbeitet und diese an Ventil und Sensoren schickt. Sind auf der jeweiligen Maschine der StarFire Receiver, John Deere Display und die Bridge installiert, lässt sich das Lenksystem herstellerübergreifend nutzen, ohne andere Funktionen zu beeinträchtigen. Die Aktivierungsschalter, wie z.B. am Joystick, Straßenfahrtschalter usw. werden weiter genutzt. Inzwischen laufen weit mehr als 500 dieser Systeme in ganz Europa, davon beinahe ein Drittel in Deutschland. Waren es im Jahr 2018 ca.150 installierte Systeme, sind im ersten Halbjahr 2019 bereits über 160 verkauft. Inzwischen lassen sich Claas, Fendt, Massey Ferguson, Challenger, Valtra, JCB, Horsch Leeb, Agrifac, Versatile, Krone, Case IH und New Holland, Steyr, Deutz-Fahr und Kubota mit dem John Deere StarFire via Agra-GPS-Bridge steuern. Seit kurzem laufen auch die ersten Pantera Selbstfahrspritzen von Amazone via Bridge gesteuert über Feld und Flur.

Wachstum schafft Arbeitsplätze

Durch die Messeauftritte auf Sima und Agritechnica, auch in diesem Jahr, und mehr noch durch die Mund-zu-Mund Propaganda der Kunden, ist es dem engagierten Ein-Mann-Unternehmer Pukowski gelungen, den Kundenstamm erheblich auszubauen. „Zurzeit bin ich Geschäftsführer, Kundenbetreuer, Techniker und Produzent“, erklärt Nicolai Pukowski lachend. Er sucht Unterstützung: „Seit kurzem habe ich zum Glück eine Aushilfe, aber für die Zukunft wird das nicht ausreichen. Ziel ist es, in den nächsten Monaten auch noch einen Festangestellten zu finden. Optimal wäre natürlich jemand, der die Belange der Landwirtschaft versteht. Und mit der modernen Landtechnik ebenso vertraut ist wie mit Elektronik.“

Startup-Atmosphäre nach dem Umzug auf dem neu erworbenen landwirtschaftlichen Betrieb.

Startup-Atmosphäre nach dem Umzug auf dem neu erworbenen landwirtschaftlichen Betrieb.

Neuer Standort mit Perspektive

Mit dem neuen Standort, einem Resthof in Boitzum bei Eldagsen im Raum Hannover, sind optimale Voraussetzungen für die Zukunft geschaffen. „Mitten auf dem Land, viel Platz, viel Ruhe, die Kunden vor der Tür.“ Auf dem gut 2.000 Quadratmeter großen Grundstück mit Wohnhaus und ehemaligen Ställen und der Scheune ist ausreichend Platz zur weiteren Expansion. Die ersten 80 Quadratmeter sind so gut wie fertig. Nicolai Pukowski: „Auch das war ein Glücksfall, das praktisch im Nachbarort ein passendes Objekt zur Verfügung stand. Wichtige Voraussetzung: Hier ist Glasfaserkabel verlegt, 100 Mbit/s sind also kein Problem, und das Mobilnetz ist hier am neuen Standort optimal und in jedem Winkel verfügbar und stabil.“


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