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Düngung :

Gülle in den stehenden Mais – Tabu oder Teil der Lösung?

Seit gut zehn Jahren praktiziert das Lohnunternehmen Kanjahn im niedersächsischen Cantrup / Neuenkirchen wie auch einige andere Lohnunternehmer für Kunden ein professionelles Güllemanagement im Mais. Das Konzept könnte zur Entspannung rund um die Gülle-Debatte beitragen. Was sind die Erfahrungen?

Düngung: Gülle in den stehenden Mais – Tabu oder Teil der Lösung?

Bei der Güllegabe in den Maisbestand müssen Witterung und Bodenzustand berücksich-tigt werden, damit die Gülle dort wirkt, wo es vorgesehen ist.

Die Grasuntersaat kann die Restfeuchte der Gülle zur Keimung nutzen und hat so unter trockenen Witterungsbedingungen einen besseren Start.

Die Grasuntersaat kann die Restfeuchte der Gülle zur Keimung nutzen und hat so unter trockenen Witterungsbedingungen einen besseren Start.

Für die einen sind Mais und Gülle die Pest und Cholera des Ackerbaus. Für die Anderen ist der Mais als Kulturpflanze und als Grund- und Kraftfutter nicht mehr wegzudenken. Schließlich können allein von einem Hektar Mais entweder 19.000 kg Milch, 2.000 kg Rindfleisch, 3.500 kg Schweinefleisch oder 81.000 Eier erzeugt werden. Nicht zuletzt spielt der Mais eine wesentliche Rolle in der Strom- und Wärmeerzeugung durch Biogasanlagen.

Gülle in den Mais

Professionelles Güllemanagement beschränkt sich nicht allein auf spezialisierte Ausbringtechnik und ausgeklügelte Logistik. Die exakte Erfassung der Inhaltsstoffe und die Steuerung der Ausbringungsmenge gehören inzwischen zum Standard – weitestgehend. Die gesetzlich begrenzten Zeitfenster zur Ausbringung der Gülle werden maßgeblich von weiteren Faktoren bestimmt. Dazu gehören die Witterungsbedingungen, die Befahrbarkeit der Böden und die Art der Feldfrucht, die den Spielraum, die Gülle effizient und wirksam auszubringen, reduzieren. Wenn alle Faktoren optimal sind, ist die Wirksamkeit der Gülle als Nährstofflieferant unbestritten und kann den Anteil des mineralischen Düngers reduzieren.

Der Maisanbau, von Aussaat bis Ernte, wird zum Großteil von qualifizierten Lohnunternehmen als Dienstleistung durchgeführt. Was für den Mais seit mehr als 40 Jahren gilt, zeichnet sich auch im Bereich des Güllemanagement ab. Die Investition in hochspezialisierte Ausbringtechnik ist für die meisten landwirtschaftlichen Betriebe ökonomisch nicht interessant. Zudem zeitlich kaum zu schaffen, da die wenigsten Landwirte über eine entsprechende Personaldecke verfügen.

Im niedersächsischen Cantrup bietet der Lohnunternehmer Henning Kanjahn neben Getreide- und Maisdrusch, Maisdrillen und Maishäckseln, auch ein umfassendes Güllemanagement. Der Service umfasst Transport und Ausbringung auf dem Stoppel mit direkter Einarbeitung und mit Schleppschlauch in Getreide- und Maisbestände. Alles mit exakter Erfassung der Inhaltstoffe der Gülle. Die exakte Erfassung der Nährstoffzusammensetzung läuft über den NIR-Sensor von Zunhammer.

Das qualifizierte Kanjahn-Team bringt jährlich ca. 150.000 Kubikmeter Gülle auf die Felder. Die Gülle stammt von Schweine- und Geflügelmastbetrieben, Sauenhaltern bzw. Ferkelerzeugern, Bullenmast- und Milchviehbetrieben und Biogasanlagen. Zum Teil lassen die Betriebe die Gülle auf den eigenen Flächen ausbringen, zum Teil nehmen Ackerbaubetriebe Gülle von den viehhaltenden Betrieben ab.

Gülle in Maisbestand

Gut 20.000 Kubikmeter Gülle bringt das Team um Henning Kanjahn in die stehenden Maisbestände aus. „Bis zu einer Pflanzenhöhe von ca. 1,20 m können wir die Gülle in den Bestand ausbringen“, so Henning Kanjahn. Das ist gegen Ende Mai bis in den Juni hinein, dann ist der Boden schon ausreichend erwärmt und aktiv, die Pflanzenwurzeln sind gut ausgebildet. Der Mais ist in der Lage Nährstoffe verstärkt aufzunehmen und umzusetzen. In der Regel ist es zu diesem Zeitpunkt nicht zu heiß und auch noch nicht zu trocken.

Die Gülleausbringung läuft am besten bei einem herkömmlichen Reihenabstand von 75 cm. Die Gespanne sind mit schmalen Reifen (520 mm Breite) ausgerüstet. Reifendruckregelanlage ist auch bei Kanjahn Standard. „GPS-Steuerung ist nicht notwendig“, so Kanjahn. Nur wenn der Mais auch vom Kanjahn-Team gelegt ist, die Reihen via Trimble erfasst sind und die Bodenbedingungen absolut optimal sind, wird das Güllegespann via Satellit gesteuert. „Das ist dann fast gespenstisch im Mais“, meint der Lohnunternehmer lachend. Das Fingerspitzengefühl des Fahrers ist für den Erfolg der Ausbringung entscheidend. Er muss ein Gefühl dafür haben, wie sich das Fass zwischen den Reihen bei unterschiedlichen Bodenbedingungen führen lässt. Ebenso wichtig ist eine exakte elektro-hydraulische Lenkung der Fass-Achsen (mit hydraulischem Radantrieb und hydraulischer Federung).

Auch dem erfahrenen Praktiker ist bewusst, selbst wenn sich die Ammoniakverluste gegenüber dem „alten“ Prallteller mit Schleppschlauch oder Schleppschuh auf ca. 30 % bis 50 % verringern lassen, ist das noch immer fern von den 90 % Verlustminderung bei der direkten Einarbeitung.

Die Schlitztechnik ist in den Getreidebeständen noch möglich, bedarf aber einer exakten Steuerung des Gespanns durch den Bestand. Im Maisbestand ist die Gefahr der Schädigung der Wurzeln zu groß. „Strip Till, sogar als Unterfußdüngung“, so Kanjahn, „kann auf bestimmten Böden eine gute Alternative sein, wenn die Böden nicht zu schwer sind.“ Um eine optimale Wirkung der in den Bestand ausgebrachten Gülle zu erreichen, müssen die Faktoren wie Bodenart und Bodenzustand, -feuchte, Aufnahmefähigkeit und Befahrbarkeit berücksichtig sein. „Um die Verluste bei der Ausbringung in den Maisbestand möglichst gering zu halten, fahren wir nicht nur nach Kalender-Termin, die Witterung muss ebenso passen“, so Henning Kanjahn. Die Aufnahmefähigkeit der Böden spielt eine wesentliche Rolle für die effiziente Ausbringung.

Gut 20.000 Kubikmeter Gülle bringt das Kanjahn-Team pro Saison in die stehenden Maisbestände aus.

Gut 20.000 Kubikmeter Gülle bringt das Kanjahn-Team pro Saison in die stehenden Maisbestände aus.

Nachhaltiger Service

Untersaat ist im Mais bei vielen Kanjahn-Kunden inzwischen Standard. Gras-Saatgut wird direkt mit der Gülle in den Mais ausgebracht. So sind die Grassamen dort, wo sie auch keimen können, direkt am Boden. Bei trockener Witterung reicht unter Umständen schon die Restfeuchte der Gülle, um die Keimung zu beschleunigen. Die Gras-Saat verweht nicht und wird nicht schon als Samen gefressen. Neben der besseren Befahrbarkeit der Flächen ist das N-Haltevermögen der winterharten Gräser von gut 40 kg/ha zu bedenken.

Fazit

Es ist technisch inzwischen kein Problem, in Getreidebeständen Gülle auszubringen, das funktioniert auch in Maisbeständen. Damit lässt sich das Zeitfenster zur Gülleausbringung erweitern. Der Mais kann die Nährstoffe zügig aufnehmen und verwerten. Zu bedenken ist die verzögerte Wirkung der Gülle. Henning Kanjahn: „Natürlich kann man nicht pauschal sagen, Gülle in den Maisbestand ist die Lösung der Gülle-Debatte. Der richtige Zeitpunkt, das heißt optimale klimatische Bedingungen und gute Aufnahmefähigkeit des Bodens müssen bei der Ausbringung berücksichtig sein. Sonst verdampft bares Geld zwischen den Maispflanzen.“ Ob GPS-gesteuerte Gespanne im Mais zuverlässiger sind als manuell gesteuerte? Der erfahrene Lohnunternehmer Henning Kanjahn: „Der Fahrer muss ein Gespür für die Bodenbedingungen haben und einschätzen können, wie sich das Fass verhält.

Strip Till-Verfahren

Die Gülle kann im Strip Till-Verfahren als Unterfußdüngung den Mineraldünger ersetzen.

In den Jahren 2013 bis 2015 hat die Fachhochschule Osnabrück Versuchsfelder angelegt, um die Unterfußdüngung im Mais durch Gülle mit der Mineraldünger-Variante zu vergleichen.

Wenn auch die Jugendentwicklung der Pflanzen verzögert erschien, wurde das im Laufe der Vegetationsphase voll kompensiert. Grundsätzlich ist mit der Gülle Unterfußdüngung im Mais möglich und wirksam. Die Wissenschaftler weisen aber darauf hin, dass die Bodenart bzw. der Bodenzustand bei der Ausbringung der Gülle für den Ablauf und Erfolg der Maßnahme einen wesentlichen Einfluss hat. So lässt sich die Gülle auf den leichteren Standorten im Strip-Till eben leichter ausbringen als auf schweren Böden.

Mais- und die Gülle-Düngung

Mais ist mehr als andere Kulturpflanzen in der Lage, Nährstoffe aus organischen Verbindungen effektiv zu nutzen. Der aus der organischen Düngung freigesetzte Stickstoff wird effizient genutzt. Ab dem 6. bis 9. Blatt beginnt der Wachstumsschub und der Bedarf an Nährstoffen steigt. Gleichzeitig ist die Wurzel soweit ausgebildet, Nährstoffe intensiv aufzunehmen und umzusetzen. Unter optimalen Bedingungen treffen der Zeitpunkt des Hauptnährstoffbedarfs und der Hauptmineralisation zeitlich aufeinander.

Die positive Wirkung der organischen Düngung auf die Nährstoffverfügbarkeit ist bekannt. Sie fördert die biologische Aktivität und damit die Mineralisierung organischer Phosphate und bewirkt einen gewissen Schutz des verfügbaren Phosphors vor der Festlegung in schwerlösliche P-Verbindungen.

Der Nährstoffbedarf des Mais

Die Zeit des höchsten Nährstoffentzugs reicht von etwa 10 bis 15 Tagen vor der Blüte bis 25 bis 30 Tage nach der Blüte. In diesem Zeitraum werden 85 % des gesamten Stickstoffbedarfs, 73 % des Phosphats und 96 % des Kaliumbedarfs aufgenommen. Stickstoff und Phosphat werden in größeren Mengen (13 % bzw. 26 %) auch noch während der Kolbenabreife entzogen. Die Kaliumaufnahme ist bis dahin abgeschlossen. Der N-Hauptbedarf setzt mit Beginn der intensiven Trockenmassebildung, etwa drei Wochen vor dem Rispenschieben, ein. In diesem Zeitraum kommt temperaturbedingt neben dem Dünger-N auch der bis dahin organisch gebundene Boden-N über die Mineralisierung zur Wirkung. Unter günstigen Bedingungen und bei ausreichender Wasserversorgung kann die tägliche N-Aufnahme eines Maisbestandes in dieser Phase bis zu 5 kg/ha betragen. Auch im Verlauf der Blüte ist der N-Bedarf noch hoch.


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