Magazin Forsttechnik

Drohnen :

Fliegende Helfer im Forst mit vielen Talenten

Spezialisten diskutieren über den Einsatz unbemannter Flugsysteme für eine smarte Forstwirtschaft. Die Technologie eröffnet neue Möglichkeiten, um die Produktivität in diesem Wirtschaftsbereich zu erhöhen, Schäden im Bestand vorzubeugen und die Arbeit bei der Holzgewinnung zu erleichtern.

Drohnen: Fliegende Helfer im Forst mit vielen Talenten

Ausgerüstet mit Multispektralkameras können Drohnen vom Borkenkäfer befallene Bäume identifizieren, mehrere Wochen bevor dies an der Verfärbung der Nadeln sichtbar wird.

Je nach Sensorbestückung können Fluggeräte, hier eine Drohne der CIS GmbH, in der Forstwirtschaft schnell und effizient Informationen für die Aufforstung und eine optimale Bestandspflege liefern.

Je nach Sensorbestückung können Fluggeräte, hier eine Drohne der CIS GmbH, in der Forstwirtschaft schnell und effizient Informationen für die Aufforstung und eine optimale Bestandspflege liefern.

Über unseren Köpfen startet gerade eine technologische Revolution. Drohnen sind im Aufwind und beflügeln die Phantasie von Nutzern und Herstellern. Dies wurde nicht nur bei der Sonderschau „Drohnen in der Forstwirtschaft“ während der KWF-Tagung in Roding im Juni augenscheinlich, sondern bereits zuvor auf Tagungen zum Thema, etwa an der Hochschule Harz in Wernigerode und in der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft in Jena.

Entwickler und Dienstleister in diesem Bereich sprechen allerdings statt von Drohnen lieber von UAV (unmanned aerial vehicle), also unbemannten Fluggeräten oder neuer von UAS (unmanned aerial systems), um sich zum einen von der militärischen Nutzung abzugrenzen, aber ebenso von Freizeitcoptern oder gar dem missbräuchlichen Einsatz als Paparazzikamera. Andererseits machte natürlich erst die Entwicklung und massenhafte Fertigung extrem kompakter Elektromotoren sowie von federleichten Minicomputern für deren Regelung diese Fluggeräte nicht nur für den Freizeitspaß erschwinglich, sondern auch für den Profieinsatz im Agrar- und Forstbereich wirtschaftlich interessant. Vom Hobbybereich unterscheiden sich professionelle UAS durch eine höhere Nutzlast, vor allem aber durch ihre Sensorbestückung, elektronische Ausstattung und die Software für die Steuerung und Datenauswertung. Neben Foto- und Videokameras für Digitalaufnahmen im Bereich des sichtbaren Lichts sind die fliegenden Plattformen mit verschiedenen Sensoren wie Multispektral- und Wärmebildkameras oder Laserscannern bestückt.

Bildergalerie zu diesem Artikel

Fliegende Helfer im Forst mit vielen Talenten

Zur Bilder-Galerie

Software „näht“ die Einzelbilder zusammen

UAS fliegen bis 100 m über dem Boden. Bei dieser Maximalhöhe beträgt die Bildauflösung der optischen Systeme ca. 5 cm. Bei einer Höhe von 10 m sind noch Bereiche unter 1 mm abbildbar. Zum Vergleich: Auf Satellitenfotos ist ein Auto gerade noch erkennbar. Mehr ist technisch möglich, aber teuer. Luftaufnahmen aus dem Flugzeug haben eine Auflösung von 50 cm. Im Gegensatz zu Flugzeug und Satellit können Drohnenflüge aber auch bei Bewölkung und sogar mäßigem Regen erfolgen. Die Fluggeräte sind zudem bei Bedarf schnell und mit geringen Kosten operativ einsetzbar.

Die beim Überflug aufgenommenen Einzelfotos werden anschließend mit spezieller Software entzerrt und Überlappungen durch die Suche nach identischen Punkten in benachbarten Bildern herausgerechnet. Schließlich erfolgt das Zusammenfügen des Bildmosaiks mittels Stitching (engl. nähen) zu einer maßstabsgetreuen Abbildung der Fläche, dem Orthofoto.

Für die speziellen Einsatzaufgaben gibt es unterschiedliche Drohnen-Typen:

  • Die Multicopter, deren meist vier, sechs oder acht Propeller eine exakte Navigation ermöglichen, dabei allerdings viel Energie verbrauchen.

  • Starrflügler, die mit ihren Tragflächen längere Wegstrecken im Schwebeflug zurücklegen können, aber eine Start- und Landebahn benötigen.

  • Oder die Hybridform aus Segler und Copter, der technisch aufwendige Kippflügler, der senkrecht starten und landen als auch in der Luft gleiten kann.

Muss eine Drohne wegen technischer Probleme oder leerer Batterie den Flugbetrieb unterbrechen, merkt sie sich automatisch die Abbruchposition und setzt dann dort die Arbeit fort, wenn ihre Funktionsfähigkeit wieder hergestellt ist. Zu den Sicherheitsfunktionen eines professionellen UAS gehören der Schutz vor unkontrolliertem Entfernen aus dem Funkbereich (virtueller Zaun) sowie die automatische Heimkehr und sichere Landung bei Signalabbruch oder unmittelbar vor entleerter Batterie.

Aus diesen Eigenschaften moderner autonomer Fluggeräte ergeben sich eine ganze Reihe möglicher Anwendungsfelder in der Forstwirtschaft.

Einzelbrüche nach Sturm aufgespürt

Eine Stärke der Drohnen liegt zum Beispiel in ihrer Fähigkeit, schwer zugängliche und unübersichtliche Geländebereiche aus der Luft zu erfassen. Dies machten sich – wie erst jetzt in breiterem Umfang bekannt wurde – Mitarbeiter des ThüringenForst bereits 2010 zu Nutze. In den Abendstunden des 28. Februar hatte das Sturmtief Xynthia im Westen Thüringens über eine Waldfläche von 3.500 ha verstreut unzählige Fichten-Einzelbrüche verursacht. „In dem hügeligen Gelände mit teilweise sehr dichter Bestockung bestand kaum eine Chance, diese Stellen alle durch Begehungen aufzuspüren, zumal die betroffenen Reviere personell unterbesetzt waren“, berichtete Herbert Sagischewski vom Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum (FFK) Gotha auf einer Fachtagung in Jena. Die umgeknickten und durchgefrorenen Bäume hätten jedoch ideale Brutbedingungen für den Borkenkäfer geboten. Um der Gefahr einer massenhaften Käferausbreitung entgegen zu wirken, mussten die Einzelbrüche zügig erfasst und beräumt werden.

In dieser Situation besannen sich die Thüringer Forstleute auf das Fluggerät Carolo P200, das für das Verbundforschungsprojekt „Andromeda“ entwickelt worden war. Der Starrflügler mit einer Spannweite von 2 m kann 0,8 kg Nutzlast aufnehmen. Bei einer Fluggeschwindigkeit von 70 km/h reicht eine Akkuladung etwa für eine Stunde. Nach Festlegung und Einprogrammierung des Befliegungsplanes startete die mit einer Kamera ausgerüstete Drohne und fotografierte pro Tag die komplette Fläche eines Reviers. Zu einem geschlossenen Luftbild zusammengefügt ermöglichte dies, die umgestürzten Bäume am Bildschirm visuell zu erkennen und deren Geokoordinaten durch das Setzen von Punkten zu ermitteln. Die so erfassten Schadbäume übertrugen die FFK-Mitarbeiter auf Arbeitskarten im Maßstab 1:3000 und übergaben diese umgehend an die Waldarbeiter in den Revieren, verbunden mit der Bitte, alle richtig erfassten Schadstellen zu markieren und nicht erkannte zu ergänzen. Im Ergebnis wurde mit diesem innerhalb von nur 30 Arbeitsstunden erstellten Hilfsmittel das Erkunden von 5.223 umgeknickten Bäumen in einem unübersichtlichen Waldgebiet von über 2.550 ha wesentlich erleichtert. Nur in sehr dichten Beständen wurden einige Würfe nicht erkannt. „Bei Nestbrüchen mit übereinander liegenden Stämmen haben wir zudem die Zahl der Bäume häufig unterschätzt. Dieser Fehler ist jedoch zu vernachlässigen, da diese Schadbereiche generell komplett aufgearbeitet werden“, sagt Sagischewski. Insgesamt habe man eine Genauigkeit von über 95 Prozent erreicht. Die Kosten für den Einsatz der Drohne und der Bildauswertung seien mit einer klassischen Aufnahme der Sturmschäden vergleichbar. Allerdings wurde die Aufgabe in einem Bruchteil der sonst aufzuwendenden Zeit erledigt. Die klassische Begehung hätte nach den Berechnungen der Forstwissenschaftler insgesamt 283 Arbeitsstunden in Anspruch genommen. Mit dieser Methode hätten die Forstmitarbeiter außerdem bei dem vorliegenden Geländeprofil erfahrungsgemäß 10 % der Schadbäume – in diesem Fall also 522 Stämme – nicht entdeckt. „Geht man davon aus, dass ein Sturmbaum bei nicht rechtzeitiger Räumung 20 Käferbäume mit einem durchschnittlichen Holzvorrat von einem Festmeter verursacht, gingen durch den schnellen Einsatz der Drohne 10.440 Festmeter Holz weniger verloren. Bei einem Preis von 15 Euro/fm ist das ein Wert von 156.600 Euro“, rechnet Sagischewski vor.

Dass diese Aktion trotz des Erfolgs nicht an die große Glocke gehängt und erst jetzt in einer Konferenz darüber berichtet wurde, mag an dem gesetzlichen Graubereich liegen, in dem sich der Überflug bewegte. Am Rande der Jenaer Tagung war zu erfahren, dass eine Sondergenehmigung für den Überflug der Waldgebiete erteilt werden musste. Um den geforderten Sichtkontakt zum unbemannten Fluggerät zu gewährleisten, wurden Mitarbeiter in dem Waldgebiet postiert. Ob sie die Drohne wirklich jederzeit im Blick hatten, will vermutlich gar keiner so genau wissen. Hier zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, dass bald sichere und praktikable Rahmenbedingungen für den professionellen Einsatz von Drohnen geschaffen werden (siehe Kasten „Rechtsunsicherheit bremst Drohnentechnologie“).

Borkenkäfer im Frühstadium entdecken

Auch in Österreich ist die als Brotbaum geltende Fichte, bedingt durch den Klimawandel, zunehmend vom Borkenkäfer bedroht. „Durch die hohen Sommertemperaturen konnten sich dort im vergangenen Jahr zwei bis drei Käfergenerationen entwickeln und befielen 2,4 Mio. Festmeter. Das entspricht einem unmittelbaren Wertverlust von 60 Mio. Euro“, informiert Bernd Cresnar von der Firma Festmeter. Das im österreichischen Leoben angesiedelte Start-up-Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, gefährdete Bäume bereits im sogenannten „grünen“ Befallsstadium zu identifizieren, also bevor sich die Nadeln sichtbar verfärben. „So könnten die Stämme noch vor der Rotstreifigkeit des Holzes geschlagen werden und der Wert somit vollständig erhalten bleiben. Zugleich wird eine Ausbreitung des Schädlings wirksam verhindert“, nennt Cresnar als Vorteile. Um dies zu erreichen, nutzen die Newcomer Drohnen mit Multispektralkameras. Diese Kameras zeichnen parallel das von den Fichtennadeln reflektierte Sonnenlicht im sichtbaren roten und im für das menschliche Auge nicht sichtbaren nahinfraroten Spektralbereich auf. Aus dem Vergleich lässt sich der Vegetationsindex (NDVI) und damit der Stresszustand des Baumes errechnen. Vitale Pflanzen mit aktiver Fotosynthese reflektieren nämlich weniger sichtbares Licht, dafür mehr im Infrarotbereich und umgekehrt.

Die Copter überfliegen die ausgewählten Reviere nach einer vorher einprogrammierten Flugroute auf der Grundlage vorhandener GPS-Daten. Je nach Wetterlage und Gelände lassen sich mit einer Akkuladung bei einer Flugzeit von 20 bis 25 Min. etwa 50 ha Waldfläche erfassen. In Österreich ist zwar ohne Sondergenehmigung eine Flughöhe von 150 m gestattet (in Deutschland sind es 100 m), der Gesetzgeber verlangt jedoch ebenfalls, dass der Sichtkontakt zur Drohne stets gewährleistet ist. „Dies lässt sich in den Bergen des Steirischen Walds, wo wir unsere Drohnen einsetzen, aber leicht gewährleisten. Da findet sich immer ein Punkt, von dem man ein weites Gebiet überblicken kann“, sagt Cresnar. Zugleich sei aber der Schattenwurf in den Tälern eine besondere Herausforderung für die Multispektralkamera, an der das Team noch arbeite.

Die Auswertung der aus den Einzelaufnahmen zusammengesetzten Luftbilder erfolgt halbautomatisch mit dem dafür von der Firma Festmeter entwickelten Programm „Waldfee“. Damit können nach Aussage des Unternehmens vom Borkenkäfer befallene Bäume vier Wochen vor einer sichtbaren Nadelverfärbung erkannt und zum Auffinden in einer Karte verzeichnet werden.

Nach Unwettern wie dem Orkan „Kyrill“ 2007 müssen oft gewaltige Schadholzmengen zwischengelagert werden.

Große Holzpolter exakt und schnell vermessen

Die Polter auf den zeitweiligen Großlagerplätzen sind durch einen intensiven Zugang aus dem Wald und Abgang durch Verkauf gekennzeichnet. „Die Frage ist dann: Wie viel Holz steht im Moment für den Verkauf zur Verfügung? Das erfordert einen hohen Aufwand in der Lagerverwaltung und ist mit zum Teil erheblichen Ungenauigkeiten verbunden, weil sich die riesigen Polter nur sehr schwer vermessen lassen“, weiß Sergej Chmara, Leiter Referat Digitale Waldinformationssysteme beim ThüringenForst.

Die Behörde entwickelte daher ein Verfahren, mit dem sich große Holzpolter ohne Leiter und Zollstock sicher vermessen lassen. Dabei kommt ein unbemanntes Fluggerät mit einer Kamera an Bord zum Einsatz. Aus den Aufnahmen entsteht ein Stereobild, mit dem sich ein 3D-Oberflächenmodell erstellen und daraus das Volumen bestimmen lässt. Solche 3D-Bilder können auch teure Laserscanner erzeugen oder Stereokameras, die – analog zum Augenpaar für das räumlichen Sehen – mit zwei nebeneinander liegenden Linsen ausgestattet sind. Die Entwickler entschieden sich jedoch für eine kostengünstigere Lösung mit einem speziellen Programm. Die Software nutzt die geringfügige Veränderung des Blickwinkels von jeweils zwei Aufnahmen auf der Flugroute, die kurz hintereinander entstanden.

Die Genauigkeit des Messverfahrens wurde zunächst an sechs kleineren Poltern getestet, deren Volumen bereits mit der klassischen Methode, dem sogenannten Sektionalverfahren, ermittelt worden war. Der Vergleich zeigte eine maximale Abweichung von 7 Prozent. „Da bei einer Flughöhe von 50 m genügend Daten vorliegen, um ein sehr engmaschiges 3D-Punktnetz zu berechnen und somit pro Quadratzentimeter auch ein Höhenwert vorliegt, konnten wir davon ausgehen, dass die Volumenbestimmung per Drohne die genauere ist“, so Chmara. Um diese These zu beweisen, beauftragte das Projektteam ein Vermessungsbüro mit der Volumenberechnung mehrerer klar strukturierter Gebäude. Anschließend wiederholten sie die Vermessung mit Drohne und 3D-Oberflächenmodell. Ergebnis: Die Abweichung zu den Referenzobjekten betrug weniger als ein Prozent.

Das Messverfahren zeigte außerdem bei Testmessungen auf dem Großlagerplatz eines Sägewerkes seine Praxistauglichkeit. „Gerade bei diesen bis zu zehn Meter hohen Poltern mit ihren vielen Unregelmäßigkeiten, die von außen gar nicht sichtbar sind, zeigt sich die Überlegenheit der drohnengestützten Volumenbestimmung“, so das Fazit des Forstexperten. Gegenüber der Handvermessung von Großpoltern habe es immense Abweichungen von bis zu 35 % gegeben. Und die vorangegangenen Untersuchungen hätten ja ergeben, dass die Fehlerquelle in diesen Fällen bei der manuellen Vermessung liegt.

Damit sind nach Ansicht von Chmara ganz neue effizientere Abläufe beim Holzbergen nach Großschadereignissen denkbar: „Statt erst ein Waldpolter anzulegen, nur um die Holzmenge für den Verkauf zu ermitteln, könnten die Stämme sofort ins Großlager gefahren werden. Dort misst dann die Drohne regelmäßig die Volumina der Zu- und Abgänge.“

Jedes Jahr kommen allein in Deutschland tausende Rehkitze während der ersten Mahd in die Mähwerke und verenden qualvoll. Die Jungtiere fliehen nicht vor den Maschinen, sondern ducken sich instinktiv ins Gras.

Rehkitze im Gras vor dem Mähwerk retten

Im Auftrag der örtlichen Jägerschaft setzt Thomas Kordes von der Firma Aerialis in Bremerhaven seit zwei Jahren Drohnen zur Rehkitzsuche ein. Dabei überfliegt ein mit Normal- und Wärmebildkamera ausgerüsteter Multikopter die Fläche in etwa 30 m Höhe nach einem vorgegebenen Flugplan. Aufnahmen mit Wärmebildkameras zeichnen ein Bild der Reflexion langwelliger Ferninfrarotstrahlung. Temperaturbereiche werden dabei durch unterschiedliche Farben dargestellt. So heben sich Kitze aufgrund der Körpertemperatur von ihrer Umgebung ab. Das erleichtert das Auffinden erheblich, da die Suchmannschaft nicht das ganze Gebiet ablaufen muss, sondern gezielt dorthin gehen kann, wo die Drohne ein Tier detektiert hat. „Die Suche sollte direkt nach Sonnenaufgang beginnen, damit sich die warmen Kitze vom noch kühlen Untergrund deutlich absetzen“, empfiehlt Kordes. Er arbeitet gegenwärtig an einer Software zur automatischen Auswertung der Aufzeichnung der Wärmebildkamera. Hotspots werde das System dann selbständig erkennen und die entsprechenden Auffindungspunkte in einer Karte auf dem Smartphone oder Laptop darstellen.

Ermittlung des Holzvorrates in Waldbeständen

Für die Planung und Realisierung forstlicher Maßnahmen ist es vorteilhaft, wenn möglichst genau Bestandsdaten zur Verfügung stehen. Die manuelle Ermittlung des stehenden Holzvorrates über Parameter wie Brusthöhendurchmesser (BHD) und Baumhöhe ist jedoch zeit- und kostenaufwendig. In dem von der EU geförderten Projekt „WoodScan“, liefert die Thüringer Firma Rucon Engineering in Zusammenarbeit mit Forschungspartnern einen neuartigen technischen Ansatz als Alternative zur herkömmlichen Methode der Waldinventur (Vollkluppung). Er basiert auf einer Kombination aus luftgestützter Erfassung mittels kamerabestückten Drohnen und einem terrestrischen System mit einem mobilen Laserscanner.

In einem ersten Schritt werden aus den Aufnahmen einer fliegenden RGB-Kamera zwei 3D-Modelle erstellt – eines vom Waldboden und eines von der Kronenoberfläche. Daraus lassen sich an jedem Punkt des überflogenen Bestands die Baumhöhen ableiten. Bei Laubwäldern kann dies zum Beispiel durch Überflüge im belaubten und unbelaubten Zustand erfolgen. Von dichten Nadelwäldern erstellt die Software aus der Befliegung nur ein Kronenmodell. Für die Baumhöhenberechnung wird dann auf 3D-Geländedaten von Landesbehörden zurück gegriffen.

Für den zweiten Schritt verwendet Projektleiter Florian Schulz einen tragbaren Laserscanner zur Datenaufnahme. Laserscanner nutzen die Zeitdifferenz zwischen der Aussendung und dem Empfang der zurückgeworfenen Laserimpulse zum Abtasten vorgegebener Bereiche. Die mobile Ausführung mit integriertem GPS-Sensor hält er auf Brusthöhe, während er das Revier auf einer zuvor mit Hilfe des Luftbildes optimierten Beganglinie abläuft. Der Laser in dem Gerät bewegt sich in einem Radius von 270 Grad sehr schnell hin und her und spart so lediglich den Träger des Laserscanners aus. Außerdem schwingt der an Federn aufgehängte Laserkopf durch die Gehbewegung auf und ab. Der Messstreifen erfasst entlang der Beganglinie alle Baumstämme in Brusthöhe bis zu einer Entfernung von 25 m zunächst als sogenannte Punktwolke. Daraus wird später mit einer Software der BHD jedes Stammes errechnet. Da die Beganglinie in Mäandern mit Abständen von 15 bis 20 m durch den Wald führt, werden ausnahmslos alle Stämme vermessen. Doppelerfassungen sind durch die gleichzeitige Georeferenzierung jedes Baumstandortes nicht von Belang. Dies wird bei der Auswertung der Daten entsprechend berücksichtigt. Somit liegen die Höhe und der BHD jedes Baumes in dem für die Inventur ausgewählten Waldbereich vor. „Durch Verknüpfung der Ergebnisse aus der Befliegung mit Kamerasystemen und des mobilen Laserscannings lässt sich der stehende Holzvorrat in einem Waldgebiet recht genau ermitteln“, fasst Schulz die Ergebnisse des Projekts WoodScan zusammen. Die Abweichung zu einer im Projektgebiet testweise durchgeführten Vollkluppung habe 5 bis 10 % betragen. Bei der Waldinventur nach herkömmlicher Methode mit Unterstützung von Studenten der Forstwirtschaft habe allein die Datenaufnahme fünf Tage beansprucht. Beim drohnengestützten Verfahren lag das fertige Ergebnis nach vier Tagen vor.

Wildschäden mit Weitblick scannen

Landwirtschaftliche Kulturen sind nicht nur Wind und Wetter ausgesetzt, sondern können auch durch Wildtiere oder Schädlingsbefall in Mitleidenschaft gezogen werden. Im Fall des Falles ist es wichtig, den Umfang von Schäden quantitativ und qualitativ möglichst exakt zu bewerten, um den Folgen künftig gezielt entgegenwirken zu können und nicht zuletzt um Ansprüche gegenüber der Versicherung oder dem Verursacher geltend zu machen. Die Schadensbeurteilung durch Gutachter ist zeitaufwändig und – da sie auf Stichproben basiert – wegen Ungenauigkeiten anfechtbar.

In einem EU-geförderten Projekt hat die Firma Rucon Engineering ein softwarebasiertes Verfahren entwickelt, mit dem sich Schäden im Pflanzenbau anhand von Luftbildern analysieren lassen. Die Anwendung des Schadscan-Programms stellte Rucon-Softwareexperte Martin Faber auf der Tagung in Jena vor. So lässt sich bei Wildaufenthalten in der Kultur nicht nur das Ausmaß des Schadens flächendeckend ermitteln, sondern auch das Laufverhalten der Tiere nachvollziehen. „Zu erkennen, wo das Wild hinein geht und wo es das Feld verlässt, ist hilfreich, wenn der Schlag mehreren Jägern zugeteilt ist“, sagt Faber. In einem anderen Anwendungsbeispiel war auf der Luftaufnahme die Wirksamkeit verschiedener Mäusebekämpfungsmittel erkennbar.

Birgit Keller, Thüringer Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, zeigte sich in ihrem Grußwort auf der Tagung der Experten in Jena vom atemberaubenden Entwicklungstempo der Drohnentechnologie von den ersten Prototypen vor einigen Jahren bis zu den heute als Sonderangebot erhältlichen leistungsfähigen Fluggeräten beeindruckt. Insofern seien auch im professionellen Bereich schon bald flächendeckend praxistaugliche Anwendungen als schwebende Helfer in der Land- und Forstwirtschaft zu erwarten.

Die rechtlichen Voraussetzungen – Rechtsunsicherheit bremst Drohnentechnologie

Steuerer von unbemannten Fluggeräten im gewerblichen Einsatz benötigen nach dem Willen des Bundesverkehrsministeriums künftig einen Drohnenführerschein.

Steuerer von unbemannten Fluggeräten im gewerblichen Einsatz benötigen nach dem Willen des Bundesverkehrsministeriums künftig einen Drohnenführerschein.

Einen Knackpunkt für die Zukunft der Drohnentechnologie in der Land- und Forstwirtschaft sehen Experten zur Zeit in den rechtlichen Beschränkungen. So darf nach den geltenden Bestimmungen prinzipiell nur auf Sicht geflogen werden („Line of Sight“), obwohl neue Modelle navigatorisch so ausgestattet sind, dass sie Hindernisse selbstständig erkennen und Kollisionen vermeiden. Auch die Begrenzung der zulässigen Gesamtmasse der Fluggeräte auf 25 kg ist für den gewerblichen Einsatz ein Problem.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat eine Anpassung des Luftverkehrsrechts angekündigt. Seit dem 21. Januar liegt ein „Entwurf zur Regelung des Betriebs von Unbemannten Luftfahrzeugen“ vor. Sie zielt nach eigener Aussage auf die Beschränkung und Regulierung des privaten Gebrauchs im Interesse der öffentlichen Sicherheit und des Datenschutzes, soll aber zugleich den gewerblichen Einsatz zukunftsfähig machen. Demnach müssen Drohnen mit einem Gewicht über 0,5 kg künftig mit Name und Anschrift des Eigentümers gekennzeichnet und diese Angaben, ähnlich wie in den USA, in einer Datenbank gespeichert sein. Die Deutsche Flugsicherung empfiehlt dazu die Einführung einer speziellen Chipkarte für Drohnenpiloten. Ähnlich wie bei der SIM-Karte fürs Handy müsste sie vor dem Start aktiviert werden. Die Einführung solch eines Chip, der die Position der Drohne ins Handynetz sendet und über eine IP-Adresse identifiziert werden kann, plant auch die Schweizer Bundesregierung.

Private Drohnenbesitzer dürfen ihre Geräte nach dem Prinzip „Line of Sight“ maximal 100 m aufsteigen lassen. Drohnenflüge über „Industrieanlagen, Justizvollzugsanstalten, militärischen Anlagen, Menschenansammlungen, Unglücksorten oder Katastrophengebieten und Einsatzorten von Polizei oder anderen Sicherheitsbehörden oder -organisationen, Kraftwerken und Anlagen der Energieerzeugung und -verteilung sowie Bundesfernstraßen und Eisenbahnlinien“ sollen für diese Nutzergruppe grundsätzlich verboten werden. Bei Zuwiderhandlung drohen Bußgelder bis 50.000 Euro. Der Betrieb von gewerblichen Drohnen außerhalb der Sichtweite des Steuerers wäre nach der neuen Regelung möglich. Piloten müssen dafür jedoch einen Drohnenführerschein erwerben. Zudem bliebe es beim höchsten zulässigen Abfluggewicht von 25 kg, außer es liegt eine Sondergenehmigung der Landesluftfahrtbehörde vor.


Bildergalerie zu diesem Artikel

Fliegende Helfer im Forst mit vielen Talenten

Fliegende Helfer im Forst mit vielen Talenten Zur Bilder-Galerie

Diesen Artikel bewerten

Diskutieren Sie mit

blog comments powered by Disqus