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Magazin NaWaRo & Logistik

DLG-PraxisMonitor „Ladetechnik“ :

Der Frontlader bleibt die Nummer Eins

Wenn es ums Be- und Entladen, Heben und Verräumen geht, kommt man in der Landwirtschaft am Frontlader nicht vorbei, auch, wenn andere Ladetechnik im Kommen ist. Wir stellen die Ergebnisse des aktuellen DLG-PraxisMonitors vor, der sich mit den unterschiedlichen Aspekten der Ladetechnik auf den landwirtschaftlichen Betrieben befasst hat.

DLG-PraxisMonitor „Ladetechnik“: Der Frontlader bleibt die Nummer Eins

Der Frontlader: Schweizer Taschenmesser auf landwirtschaftlichen Betrieben.

Einlagern, Auslagern, Stapeln, Auf- und Abladen und Transportieren: Wenn auch viele mit dem Begriff „Landwirtschaft“ Tierhaltung und Ackerbau verbinden, so ist die Agrarwirtschaft doch über weite Strecken ein Paradebeispiel für eine Güterumschlags-Branche. Jahr für Jahr werden zig Millionen Kubikmeter beziehungsweise Tonnen Material transportiert und umgeschlagen. Dabei sind schon die Anforderungen an die Transporttechnik extrem breit gefächert: Mit einer Bandbreite von losen Schüttgütern wie Getreide über palettierte Stückgüter, Säcke und Kisten bis hin zu Tank- und Silofahrzeugen für Milch beziehungsweise Futterpellets werden quasi fast alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

Doch wie sieht es eigentlich mit der Ladetechnik aus? Ist der Frontlader weiterhin das allgegenwärtige Universalwerkzeug, wenn es ums Be- und Entladen geht? Oder laufen ihm die zunehmenden Angebote alternativer Ladetechnik langsam aber sicher den Rang ab? In unserem DLG-PraxisMonitor, einer Online-Umfrage unter Spitzenlandwirten, sind wir dieser Frage nachgegangen.

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Teleskoplader sind vielfältig im Warenumschlag
einzusetzen.

Teleskoplader sind vielfältig im Warenumschlag einzusetzen.

Hohe Resonanz

An unserer Umfrage haben über 400 Landwirte teilgenommen, 216 haben die Umfrage bis zum Ende ausgefüllt. Die Betriebe bewirtschaften mit im Durchschnitt 3,5 Vollzeit-AK gut 200 ha LN, davon 161 ha Ackerland und 44 ha Grünland. Ohne langes Nachdenken lässt sich sagen, dass der Frontlader auf den Betrieben eines der Standardwerkzeuge ist und bleibt: Rund 83 % der Umfrageteilnehmer gaben an, einen Frontlader zu besitzen (Abb. 1). Interessant wird es aber bereits bei den anderen Lade- und Flurförderfahrzeugen: Rund 22 % besitzen einen Hof-, Stall oder Kompakt-Radlader, mit 22,5 % beziehungsweise 20,8 % liegen Teleskoplader und Gabelstapler im ähnlichen Bereich, gefolgt von einem Anteil von rund 15 % Radladern auf den Betrieben. Einzig die Teleskopradlader, als relativ neue, hybride Bauform zwischen Rad- und Teleskop- ladern angesiedelt, sind mit nur 6,5 % relativ gering vertreten. Im Folgenden gehen wir auf die wichtigsten Geräte näher ein.

Frontlader

Doch bereits, wenn es an die tatsächliche Nutzung der vorhandenen Ladetechnik geht, stellt man fest, dass die Praktiker inzwischen durchaus ein Faible für die Spezialtechnik entwickelt haben. Denn, gefragt nach der am häufigsten eingesetzten Ladetechnik, in Verbindung damit, dass keine Mehrfachauswahl mehr möglich war, fällt der Frontladeranteil auf nur noch knapp 50 % zurück (Abb. 2). Insbesondere die Teleskoplader sind hier mit einem gegenüber Hofladern und Gabelstaplern deutlich höheren Anteil im Kommen. Betrachtet man die Einsatzzeiten des Frontladers (Abb. 3), kann man hier nachvollziehen, weshalb das so ist: Mit Ballenhandling und Futtervorbereitung stehen hier zwei Tätigkeiten unter den Top Drei, die zu den typischen Einsatzgebieten auch von Teleskopladern gehören.

Einer der Teilnehmer machte dies auch in seinem Kommentar im Freitextfeld deutlich: „Der Frontlader ist inzwischen nur noch Reservelader, falls der Teleskoplader ausfällt oder bei großen Hofentfernungen.“

Bei den verwendeten Marken werden die beiden Hersteller Stoll und Alö (mit den Marken Quicke beziehungsweise Trima) am häufigsten eingesetzt. Insgesamt bevorzugen rund zwei Drittel der Praktiker Frontlader eigenständiger Marken, während rund ein Drittel auf Lader des Traktorenherstellers setzt.

Wie zu erwarten war, sind alte Lader mit Klinkmechanik mit zusammen 15 % zwar noch im Markt, aber Auslaufmodelle. Insofern ist auch nicht verwunderlich, dass auch bezüglich der Anbaunorm für Anbaugeräte neben Euronorm und Euro-/Typ-3-Kombinationsschnellwechselrahmen mit zusammen über 85 % sich kaum noch nennenswerte andere Anteile finden. Bei der Frontladernutzung steht das Thema „Sicht“ an vorderster Stelle. Während die Praktiker – von der Schmierstellenzugänglichkeit abgesehen – mit vielen technischen Details zufrieden oder sehr zufrieden sind, fallen die Bewertungen bei der Sicht auf das Anbaugerät, sowohl beim An- und Abkuppeln als auch bei der Arbeit sowie die Übersicht bei angebautem Frontlader deutlich schlechter aus. Dies deckt sich auch mit den kaufentscheidenden Kriterien: Nach der Stablilität des Laders kommt hier die Übersicht direkt an zweiter Stelle, gefolgt vom Komfort bei An- und Abbau und weit vor allen anderen Kriterien. Die positiven Erfahrungen mit genormten Anbaugerätekonsolen übertragen die Landwirte im Übrigen auch auf den Gesamtlader: Für über 85 % wäre eine Normung von Konsole beziehungsweise Schwingenaufnahme wünschenswert, sodass man jede beliebige Schwinge an jedem beliebigen Traktor nutzen könnte.

Hof- und Stalllader

Bei den Hof- und Stallladern gibt es eine noch deutlichere Markenpräferenz. Hier ist die Firma Weidemann bei dieser nicht repräsentativen Stichprobe bei der Stückzahl führend, vor Schäffer. Eingesetzt werden diese natürlich vor allem rund um den Stall. Mit über 200 Stunden pro Jahr für Entmistung und Futtervorlage sowie rund 100 Stunden zur Siloentnahme decken diese beiden Tätigkeiten zusammen mehr Zeit ab als alle anderen Tätigkeiten zusammen. Nennenswert sind hier höchstens noch das Ballenhandling sowie das Laden von Mist mit jeweils rund 40 Stunden pro Jahr. Hier ist das Thema „Sicht“ offensichtlich wesentlich besser gelöst, denn wie beim Frontlader sind zwar Stabilität und Übersicht die kaufentscheidenden Kriterien, aber über 90 % der Befragten bewerten die Übersicht mit „gut“ oder „sehr gut“. Jedoch ist die Schwingungstilgung bei den kleinen Ladern ein Thema, mit dem sich einige Landwirte nicht zufrieden zeigen.

Beim Teleskoplader profitiert der Fahrer von der Übersichtlichkeit.

Beim Teleskoplader profitiert der Fahrer von der Übersichtlichkeit.

Gabelstapler

Wer Paletten und/oder Kisten bewegen will, und das Einsatzprofil ist hier eindeutig, kommt um die dafür klassischerweise entwickelte Ladetechnik des Gabelstaplers kaum herum. Alle anderen Tätigkeiten finden im Vergleich dazu kaum statt. Auffällig ist die Gleichmäßigkeit der insgesamt guten bis sehr guten Bewertungen bezüglich nahezu aller Eigenschaften und Ausstattungsmerkmale. Nur in einem Punkt haben die Gabelstapler – erwartbar – Defizite, und das ist die Geländegängigkeit – sonst wären diese sicherlich auch noch an anderen Stellen im Einsatz.

Teleskoplader

Schaut man sich die Einsatzzeiten der Teleskoplader an, so stellt man fest, dass diese ähnlich universell genutzt werden wie die Frontlader am Traktor. Mit weitem Abstand vorne liegt die Siloentnahme beziehungsweise das Befüllen des Futtermischwagens, gefolgt vom Ballenhandling. Fasst man das Laden von Schüttgütern wie Getreide zu Transportzwecken oder auch beim Befüllen von Sämaschine, Düngerstreuer usw. zusammen, können diese das Ballenhandling sogar noch übertreffen. In Einzelfällen wurden aber – in Abhängigkeit vom Betriebsschwerpunkt – auch große Stundenzahlen pro Jahr zum Entleeren von Kartoffelkisten oder dem Umschlag von Holzhackschnitzeln genannt. Merlo ist bei den Teleskopladern in der DLG Stichprobe die vorherrschende Marke, gefolgt von Claas und Manitou. Die Praktiker sind mit ihren Ladern durchweg zufrieden, lediglich Arbeitsgeschwindigkeit und -genauigkeit beim Heben und Senken des Armes haben sichtbares Verbesserungspotenzial. Bei den kaufentscheidenden Kriterien wird im Falle eines Selbstfahrers neben Stabilität und Übersicht auch die Nähe zum Händler und Servicepartner wichtig. Beeindruckend sind bei diesen Maschinen natürlich die technischen Daten: Im Schnitt über 21 m maximale Hubhöhe bei 2,5 Tonnen Hubkraft im Werkzeugdrehpunkt auf Bodenhöhe sind ein Vielfaches dessen, was ein Frontlader zu leisten vermag.

Fazit

Die Landwirtschaft ist nicht nur Transportbranche wider Willen, Güterumschlag und Warenhandling haben einen zunehmenden Stellenwert auf den Betrieben. Vor diesem Hintergrund und den hohen zu bewegenden Gewichten kommt der Ladetechnik ein großer Stellenwert zu. Der Frontlader ist und bleibt zwar die Nummer 1, jedoch machen andere Maschinen Boden gut. Als Ersatz für den Frontlader dienen vielfach die Teleskoplader, während andere Maschinen eher für spezielle Anwendungen auf der Hofstelle genutzt werden. Beim Frontlader hat sich eine überwältigende Mehrheit der Praktiker für einheitliche, genormte Konsolen beziehungsweise Schwingenaufnahmen ausgesprochen.

 


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