Landwirtschaft braucht Daten – aber nicht irgendwelche, sondern leicht zugängliche und gut vernetzte. „Damit das gelingt, müssen wir eine intelligente Plattform schaffen, die es Landwirten und Lohnunternehmern ermöglicht, alle relevanten Prozessdaten komfortabel abzurufen und einzugeben“, so Dr. Nicolas Hummel, Digitalexperte des Branchenverbandes VDMA Landtechnik. In einer Dialogrunde auf der Grünen Woche erörterten Fachleute aus Landwirtschaft, Landtechnik und Politik zukunftsweisende Strategien, um öffentliche Datenkorpora für die landwirtschaftliche Produktionspraxis effektiver nutzen zu können.
Effektiver Datenfluss
„Entscheidend für die Landwirte ist, dass der Datenaustausch automatisiert funktioniert, also ohne mühsame manuelle Zwischenschritte auskommt“, sagt Johann Meierhöfer, Fachbereichsleiter Pflanzliche Erzeugung beim Deutschen Bauernverband. Ein effektives Daten-Handling gilt mittlerweile als wichtiger Faktor für mehr Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit auf Höfen und Feldern. „Schließlich kann ein effektiver Datenfluss die Produktivität erheblich steigern“, betont der Agrarexperte.
Handlungsbedarf erkannt
Daten effektiv zu erheben, zusammenzuführen und zu verarbeiten, ist die Währung der digitalen Landwirtschaft. „Jetzt geht es darum, schnell Erfolge zu erzielen. Sogenannte digitale Zwillinge landwirtschaftlicher Infrastrukturen, beispielsweise eines landwirtschaftlichen Betriebs, seiner Flächen und Tierhaltungen, machen einen übergreifenden Datenaustausch für möglichst automatisierte Dokumentation, Beratung und Förderabwicklung praktisch erst möglich“, so Ministerialdirektor Hubert Bittlmayer, Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus in der Dialogrunde.
Ein weit verzweigtes Netz relevanter Daten prägt den modernen landwirtschaftlichen Produktionsprozess. Daten aus den verschiedensten Quellen womöglich noch manuell einzuspeisen, ist daher weder effizient noch State of the Art. „Die Länder haben längst erkannt, dass in der Datenfrage dringender Handlungsbedarf besteht. Das begrüßen wir mit Nachdruck. Woran wir jetzt sehr konkret arbeiten müssen, ist eine übergreifende Plattform, die Daten unterschiedlichster Herkunft übersetzt und ohne Medienbrüche zugänglich macht. Technisch ausgedrückt, benötigen wir einen Konverter, damit Daten übergreifend fließen können“, so die Forderung von Hummel.
ELSTER für die Landwirtschaft
Über eine Drehscheibe für Agrardaten sollen sich künftig Kataster- oder Wetterdaten, die für die Saat- oder Ernteplanung relevant sind, in das individuelle Farm-Managementsystem des Anwenders einspeisen lassen. „Damit bedienen wir uns eines Prozessprinzips, das aus dem Finanzwesen bekannt ist“, sagte Hummel. Denn auch das bundesweite Steuerverwaltungsprogramm ELSTER vereinheitlicht die unterschiedlichsten Datensätze und -formate der föderalen Finanzverwaltungen in einem System. „Wir brauchen insofern ein Agrar-ELSTER für öffentliche Daten“. Für den Anwender zählte dabei nicht zuletzt der Bedienkomfort. Daher ist von einem Single-Sign-on die Rede. „Einfach ausgedrückt heißt das: ein Benutzerkonto, ein Login, alle Daten auf einen Blick“, resümierte der Digitalexperte des VDMA Landtechnik.
Feld statt Schreibtisch
Johann Meierhöfer vom Deutschen Bauernverband sah das genauso: „Wir wollen endlich sichtbar vorankommen. Wenn wir Bürokratieabbau ernst nehmen, müssen wir mit dem bisherigen Klein-Klein aufräumen. Gleichzeitig gilt: Die Datensouveränität liegt unverrückbar beim Landwirt.“ Nur folgerichtig drängt der Berufsstand auf ein Mehr an produktiver Feld- und Hofarbeit. „Denn so viel ist klar: Die wirkliche Performance findet auf dem Acker und nicht am Schreibtisch statt“, so der Verbandsvertreter.












