Magazin Landwirtschaft

Deutschland :

Dürrefolgen belasten Einkommen der Landwirte

Bauernverband rechnet mit Ende der Aufwärtsentwicklung – Allen Betriebsformen drohen Einkommens- einbußen – Mindererträge und steigende Betriebsmittelpreise als wesentliche Faktoren – Rukwied fordert Unterstützung für Risikomanagement – Unternehmensergebnisse der Haupterwerbsbetriebe im Wirtschaftsjahr 2017/18 im Durchschnitt ein Fünftel über dem Vorjahr – Milcherzeuger mit kräftigem Einkommensplus

Deutschland: Dürrefolgen belasten Einkommen der Landwirte

Der seit 2016 zu beobachtende Anstieg der landwirtschaftlichen Einkommen hat sich im Wirtschaftsjahr 2017/18 fortgesetzt. Im laufenden Wirtschaftsjahr droht allerdings in nahezu allen Betriebsformen eine deutliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Wie aus dem Mitte Dezember in Berlin vorgestellten Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hervorgeht, haben sich die Unternehmensergebnisse der Haupterwerbsbetriebe 2017/18 im Durchschnitt um etwa ein Fünftel auf 65.200 Euro je Betrieb verbessert.

Insbesondere die Milchviehbetriebe verzeichneten eine positive Entwicklung. Sie erzielten mit 90.522 Euro den Spitzenwert aller Betriebsformen. Während die Ackerbauern und Winzer ihre Ergebnisse in etwa halten konnten, mussten jedoch die Schweinehalter Einbußen hinnehmen. DBV-Präsident Joachim Rukwied bezeichnete die aktuelle Situation als „schwierig und herausfordernd“, wenngleich es innerhalb des Bundesgebiets große Unterschiede gebe. Zwar seien die Erzeugerpreise in einigen Produktbereichen stabil. Die Mindererträge infolge der Dürre ließen sich dadurch jedoch oftmals nicht ausgleichen. Hinzu kämen steigende Kosten für Betriebsmittel und Dienstleistungen. Rukwied nannte das Bund-Länder-Dürreprogramm „absolut notwendig“, mahnte aber staatliche Unterstützung für längerfristige Maßnahmen zum besseren Risikomanagement an.

Tierhaltung unter Druck

Besorgt zeigte sich der Bauernpräsident über die Entwicklung der Tierhaltung in Deutschland. Während sich der Strukturwandel in den vergangenen zehn Jahren mit einer jährlichen Abnahmerate von durchschnittlich 1,7 % offenbar etwas verlangsamt habe, seien viehhaltende Betriebe deutlich stärker betroffen. Rukwied verwies auf den massiven Rückgang der Sauenhalter, von denen seit 2010 jeder zweite aufgegeben habe. Mit dem künftigen Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration sowie der geforderten Neuregelung der Haltung in Kastenständen kämen weitere Herausforderungen auf die Ferkelerzeuger zu.

Wie aus dem Situationsbericht hervorgeht, ist die Zahl der Betriebe, die viehlos wirtschaften, in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Lag deren Anteil 2010 erst bei knapp 28 %, war es zuletzt ein Drittel der Betriebe, in denen keine Tiere gehalten wurden. Weiter nach oben hat sich die Wachstumsschwelle verschoben, unterhalb derer die Zahl der Betriebe ab- und oberhalb derer sie zunimmt. Diese Schwelle liegt mittlerweile bei rund 100 ha. Der DBV weist darauf hin, dass die Flächenausstattung allein keine Aussage über die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit zulasse. Diese könne auch bei geringerer Flächenausstattung gegeben sein, etwa durch den Anbau von Sonderkulturen, besondere Vermarktungsformen oder eine intensive Tierhaltung.

Investitionstätigkeit verhalten

Dem Situationsbericht zufolge betrug das Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft im Durchschnitt der Haupterwerbsbetriebe im abgelaufenen Wirtschaftsjahr rund 45.700 Euro. Ganz oben rangieren die Milchviehbetriebe mit etwa 60.200 Euro je Familienarbeitskraft, gefolgt von den Veredlungsbetrieben mit knapp 41.700 Euro, den Weinbaubetrieben mit rund 40.000 Euro sowie den Ackerbau- und Rindermastbetrieben mit jeweils gut 36.000 Euro je Familienarbeitskraft. Deutlich zulegen konnten die Ökobetriebe. Ihr durchschnittliches Unternehmensergebnis stieg um 12 % auf 85.500 Euro. Das entspricht 57.000 Euro je Familienarbeitskraft.

Trotz der weiteren wirtschaftlichen Erholung hielten sich die Landwirte mit Investitionen zurück. Die Bruttoinvestitionen lagen mit durchschnittlich 51.300 Euro je Betrieb nur 3 % über dem Vorjahr. Unter Berücksichtigung der Abschreibungen ergaben sich Nettoinvestitionen von 6.900 Euro je Betrieb. Laut Situationsbericht investierten 36 % der Haupterwerbsbetriebe in den zurückliegenden drei Wirtschaftsjahren netto jeweils mehr als 5.000 Euro. Im Durchschnitt waren es 50.200 Euro. Demgegenüber hatten 45 % der Betriebe in diesem Zeitraum negative Nettoinvestitionen von jeweils mehr als 5.000 Euro. Kennzeichnend für diese Betriebe sind dem Situationsbericht zufolge neben niedrigen Unternehmensergebnissen der Abbau von Eigen- und Fremdkapital.

Großer Einkommenssprung in Schleswig-Holstein

Der Gewinnanstieg bei den Haupterwerbsbetrieben erfolgte 2017/18 im gesamten Bundesgebiet. Am besten schnitten die Haupterwerbsbetriebe in Niedersachsen mit gut 76.000 Euro je Unternehmen, Schleswig-Holstein mit knapp 74.000 sowie Rheinland-Pfalz und Saarland mit rund 71.000 Euro ab. Es folgen Bayern und die neuen Länder mit gut 65.000 beziehungsweise 66.000 Euro je Unternehmen. Den mit Abstand größten Zuwachs gab es mit einem Plus von mehr als 70 % in Schleswig-Holstein. In Bayern und Ostdeutschland konnten die Haupterwerbsbetriebe ihre Ergebnisse im Schnitt um jeweils rund einem Viertel verbessern. Die ostdeutschen Agrargenossenschaften erzielten einen Jahresüberschuss von 160.000 Euro, nach nur 8.000 Euro im vorhergehenden Wirtschaftsjahr. Gemessen an der Kennzahl „Unternehmensergebnis plus Personalaufwand“, die einen Vergleich mit anderen Rechtsformen ermöglicht, erzielten die Agrargenossenschaften 37.000 Euro je Arbeitskraft. Zulegen konnten auch die Nebenerwerbsbetriebe. Deren mittleres Unternehmensergebnis stieg bundesweit um rund 15 % auf 13.100 Euro je Unternehmen. Grundlage für die Einkommensberechnungen im Situationsbericht bilden 11.900 Buchführungsabschlüsse von Haupterwerbsbetrieben mit durchschnittlich 90 ha. Bei den ausgewerteten Nebenerwerbsbetrieben verzeichnet der Bauernverband einen starken Rückgang der Viehbestände und wertet dies als ein Indiz dafür, dass sich die Betriebsleiter stärker auf ihre außerlandwirtschaftliche Erwerbstätigkeit konzentrieren.


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