branche

„Der Betrieb läuft stabil weiter“

Maschinenfabrik Bermatingen: „Der Betrieb läuft stabil weiter“

In der Maschinenfabrik Bermatingen entstehen die Mulchgeräte der Eigenmarke humus komplett in Eigenfertigung.

Aktualisiert am

Maschinenfabrik Bermatingen: Insolvenz in Eigenverwaltung als strategischer Schritt – Sanierung bleibt Kernziel – Keine Veränderungen für Händler

Die Maschinenfabrik Bermatingen ist bekannt für ihre Mulchgeräte der Marke humus, die in Obst- und Weinbau, Kommunaltechnik und Forstwirtschaft eingesetzt werden. Ein weiteres Standbein ist ein modernes Laserzentrum für Metallbearbeitung.

Im Januar 2025 meldete das Familienunternehmen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an. Was bedeutet das für Kunden und Lieferanten? Wie geht es weiter? Geschäftsführer Roderich Gotterbarm und Florian Götz, der als Generalbevollmächtigter das Verfahren begleitet, geben Einblicke in die aktuelle Lage und die Perspektiven.

Sie haben eine Eigenverwaltung angemeldet. Wie ist die aktuelle Lage?

Roderich Gotterbarm: Der Betrieb läuft stabil weiter. Wir produzieren und liefern in gewohnter Qualität, unser Service ist sichergestellt. Unsere wichtigsten Partner stehen hinter uns – es gibt weder Lieferstopps noch Produktionsunterbrechungen. Die Auftragsbücher für März und April sind gut gefüllt, sodass wir sogar über Neueinstellungen nachdenken. Entscheidend ist, dass die Kunden weiter bestellen. Besonders stolz bin ich auf unsere 89 Mitarbeiter: Es gab keine insolvenzbedingten Kündigungen, die Belegschaft hält zusammen.

Was führte zur wirtschaftlichen Schieflage?

Gotterbarm: Wir haben gute Aufträge und können produzieren, aber das Volumen reicht nicht aus, um kostendeckend zu arbeiten. Hinzu kommen steigende Energie- und Lohnkosten. Zudem verunsichern strukturelle Probleme unsere Kunden.

Bis Anfang 2023 hatte die Maschinenfabrik Bermatingen zwei Geschäftsbereiche?

Florian Götz: Ja. Neben der Marke humus, die seit 70 Jahren erfolgreich am Markt ist, stellte das Unternehmen unter „Dixie“ Verpackungspressen für den Einzelhandel her. Doch steigende Materialpreise und sinkende Bestellungen setzten diese Sparte unter Druck. Deshalb hat sich das Unternehmen 2023 von diesem Geschäftsbereich getrennt und auf humus konzentriert. Die Planung sah vor, mit humus moderat zu wachsen, doch 2024 war ein schwieriges Jahr für den Maschinenbau. Ohne Gegenmaßnahmen hätte Ende 2025 oder Anfang 2026 die Zahlungsunfähigkeit gedroht. Deshalb haben wir frühzeitig entschieden, das Eigenverwaltungsverfahren einzuleiten – als strategisch geplante, bewusste Entscheidung.

Sanierung mit klarem Ziel

Wie sieht die finanzielle Situation aus?

Götz: Wir sind nicht zahlungsunfähig, sondern wirtschaften geordnet weiter. Der Verkauf der Verpackungspressensparte hat Liquiditätsreserven geschaffen, die es ermöglichen, den Restrukturierungsprozess bewusst und strategisch zu steuern. Allerdings bleibt die Marktentwicklung ungewiss.

Welche Chancen bietet die Eigenverwaltung?

Götz: Wir haben jetzt die Zeit, um in Ruhe einen Investorenprozess durchzuführen und einen strategischen Partner zu finden, der das Unternehmen langfristig weiterentwickelt. Die Produktionsmöglichkeiten in Bermatingen sind auf modernstem Stand – für Metall- und Blechverarbeitung gibt es in der Region kaum vergleichbare Kapazitäten. Auch das macht uns für potenzielle Partner interessant. Erste Gespräche laufen bereits, und das Feedback ist positiv. Parallel prüfen wir, ob eine eigenständige Fortführung wirtschaftlich tragfähig wäre.

Entwicklung läuft weiter

Hat das Verfahren Auswirkungen auf Ihr Produktportfolio?

Gotterbarm: Unsere Produktentwicklung läuft unverändert weiter. Neue Modelle wie der Zaunmulcher WZM oder der Schlegelmulcher PML für mittlere Traktoren sind erfolgreich am Markt. Gefragt sind auch unsere hydraulischen Mulchköpfe für Bagger und Baumaschinen.

Wie sieht der weitere Zeitplan aus?

Götz: Bis Ende März läuft das vorläufige Verfahren, anschließend wird das Eigenverwaltungsverfahren eröffnet. Parallel sichten wir Investorenangebote und wollen bis Mai eine tragfähige Lösung finden – mit dem klaren Ziel, Standort, Arbeitsplätze und die Maschinenfabrik Bermatingen zu erhalten.

Die Fragen stellte Annette Schulze Ising


Weitere Artikel zum Thema

weitere aktuelle Meldungen lesen