Über 12.000 kamen zum Treffen nach Bremen

Die 2.000 Mitglieder des Bundesverbandes Lohnunternehmen e.V. sind dabei, sich als moderne Dienstleister für Land- und Forstwirtschaft, Kommunen und Landschaftsbau, Landschaftspflege und für den ländlichen Raum zu profilieren – DeLuTa in Bremen

DeLuTa 2024: Über 12.000 kamen zum Treffen nach Bremen

BLU Präsident Rainer Strompen (Mitte) und die BLU Geschäftsführer Dr. Hartmut Matthes (links) und Dr. Martin Wesenberg.

Mit der am 4. und 5. Dezember stattgefundenen elften Auflage der Fachveranstaltung DeLuTa waren die Messehallen Bremen wieder der Treffpunkt für die Lohnunternehmerbranche. Das diesjährige Motto lautet „Gemeinsam zum Erfolg“: „Nicht die Maschinen, mit denen ein Lohnunternehmen beispielsweise bei Landwirten arbeitet, machen den Erfolg, sondern die Mitarbeitenden, die mit diesen Maschinen arbeiten“, stellt Rainer Strompen, Präsident des Bundesverbandes Lohnunternehmen e.V. (BLU) heraus. Deshalb stehen Mitarbeitende und Auszubildende bei der DeLuTa 2024 im Mittelpunkt – bei den Highlights des Programms in den Messehallen wie auch in den Vortragsforen.

Wirtschaftsfaktor Lohnunternehmen: 4,5 Mrd. Euro Umsatz – 1 Mrd. Euro Investitionen

Der BLU vertritt bundesweit 2.000 Mitgliedsunternehmen mit mehr als 30.000 Mitarbeitenden. Die Lohnunternehmerbranche, zu der sich insgesamt etwa 3.000 professionelle Betriebe zählen, erwirtschaftet einen Jahresumsatz von etwa 4,5 Mrd. Euro. Rund 20 bis 25 Prozent ihres Umsatzes investieren die Betriebe jährlich in neue Maschinen und in die Digitalisierung, in der Summe sind dies jährlich rund eine Milliarde Euro. BLU-Präsident Strompen zeigt sich überzeugt: „Für diese Investitionen stellt die DeLuTa eine wertvolle Informationsplattform dar. Denn hier wird die Technik gezeigt, mit der die Lohnunternehmen als Innovationstreiber die Transformation im ländlichen Raum gestalten wollen.“

Ersteinsatz neuester Landtechnik meist über Lohnunternehmen

Dr. Hartmut Matthes, einer der beiden Geschäftsführer des BLU, unterstreicht diese Aussage: „Die neueste Landtechnik findet ihren Ersteinsatz in der Landwirtschaft meist über die Lohnunternehmen – die Lohnunternehmer sehen sich als Schrittmacher der Modernisierung und Digitalisierung.“ Dieses Angebot richte sich dabei an alle Betriebsgrößen, so Matthes: „Insbesondere kleinere und mittlere Betriebe werden die nötigen Investitionen künftig allein nicht stemmen können. Unsere Mitglieder bieten ihren Kunden damit die Chance, gerade auch die digitale Transformation der Arbeitserledigung stemmen zu können.“

Personal und Kostenanstieg: große Engpässe für Kunden

Zwei große Engpässe sind im Kundenkreis zudem das Personal und der Kostenanstieg: „Lohnunternehmen sind für landwirtschaftliche Betriebe wie inzwischen auch für kommunale Bauhöfe bei knapperem Personal und steigenden Kosten der Schlüssel zur fach- und termingerechten Arbeitserledigung zu vertretbaren Kosten“, stellt der für betriebswirtschaftliche Fragen zuständige BLU-Geschäftsführer Dr. Martin Wesenberg fest. Dieser Trend werde durch die zunehmende Professionalität, verbunden mit einem deutlich steigenden Anspruch an die Arbeitsqualität und die digitale Dokumentation der Prozesse, gefördert.

Wesenberg zeigt die Kostenentwicklung konkret auf: „Der Preisanstieg für Neumaschinen sowie die gestiegenen Finanzierungs- und Betriebskosten können bei einem 200-PS-Schlepper selbst bei guter Auslastung im Vergleich zur Kostensituation von vor fünf Jahren zehn Euro und mehr pro Betriebsstunde ausmachen.“ Das erhöhe für alle Beteiligten den Druck auf die Auslastung der Maschinen.

DeLuTa 2024: Über 12.000 kamen zum Treffen nach Bremen

Blickfang: der Agrarheld von Agrarmonitor.

Steuervermeidungsinvestitionen in Maschinen werden kritisch gesehen

Überrascht und besorgt zeigen sich der BLU-Präsident und die beiden Geschäftsführer deshalb über sehr hohe Maschineninvestitionen, die gerade erfolgreiche landwirtschaftliche Betriebe angesichts sehr guter Jahresabschlüsse in den letzten Wirtschaftsjahren zur Reduzierung ihrer Steuerlast getätigt haben. „Diese Steuervermeidungsinvestitionen sind oft aus dem Bauch heraus getätigt worden. Die deshalb gekauften Maschinen können dann aber auf dem eigenen Betrieb oft nicht ausgelastet werden und belasten in der Folge jahrelang die Abschlüsse dieser Betriebe“, warnt Dr. Matthes.

„Die Bauern investieren wieder selbst und wir bekommen dann unsere Maschinen nicht mehr ausgelastet“, zeigt BLU-Präsident Strompen einen weiteren kritischen Aspekt dieser Entwicklung auf.

Ergebnisorientierte Förderpolitik angemahnt

Problematisch sei dabei in den letzten Jahren immer wieder gewesen, dass derart überzogene Investitionen auch noch durch Förderprogramme angetrieben worden seien. „Programme wie die Bauernmilliarde sind in ihrer Konzeption oft nur auf die Investition in Maschinen ausgerichtet worden, nicht aber auf das eigentlich gewünschte Ziel wie beispielsweise die Optimierung der Nährstoffausbringung.“ Hieraus entwickelt der Präsident die klare Forderung an die Politik: „Wir wünschen uns eine Maßnahmen- und ergebnisorientierte Förderpolitik, die wirklich das jeweilige Ziel im Visier hat und nicht nur zu Investitionen verleitet“, so Rainer Strompen.

Die drei BLU-Vertreter zeigen weitere besondere Herausforderungen für ihre Mitgliedsbetriebe auf. Neben dem Strukturwandel in den landwirtschaftlichen Betrieben, der perspektivisch zu einer deutlichen Reduzierung der Anzahl der Kunden führen werde, sei der Trend zur Reduzierung der Tierhaltung in Deutschland eine wesentliche Herausforderung. Dies könne in manchen Regionen bei den Lohnunternehmen durchaus zu erheblichen Nachfragerückgängen führen.

Besonders gravierend könnte sich auch das Auslaufen der Förderung für viele der rund 10.000 Biogasanlagen in Deutschland auswirken. „Sollten wie derzeit erwartet in den kommenden Jahren 70 Prozent der Anlagenleistung aus der Produktion fallen, dann ist für die Lohnunternehmerbranche mit einem Umsatzverlust von rund 400 Mio. Euro jährlich sowie einem Abbau von rund 3.000 bisherigen festen Arbeitsplätzen zu rechnen“, macht BLU-Präsident Rainer Strompen deutlich.

DeLuTa 2024: Über 12.000 kamen zum Treffen nach Bremen

Lohnunternehmen investieren jährlich gut eine Milliarde Euro in Landtechnik.

Qualifizierte und motivierte Mitarbeitende als Dreh- und Angelpunkt

In beinahe allen Geschäftssegmenten der Lohnunternehmen spüren die Auftraggeber wie auch die Auftragnehmer den Fachkräftemangel immer deutlicher. BLU-Geschäftsführer Dr. Martin Wesenberg bringt es auf den Punkt: „Wir gestalten mit unseren Mitgliedern die Zukunft im ländlichen Raum – aber dafür brauchen wir auch qualifizierte und motivierte Mitarbeitende in den Lohnunternehmen. Die Mitarbeitenden sind der Dreh- und Angelpunkt.“ Dies unterstreicht Dr. Hartmut Matthes: „Dienstleistungen werden nicht durch Maschinen erbracht, sondern durch die Menschen, die diese Technik steuern.“

Der BLU setzt deshalb mit der Ausbildung zur „Fachkraft Agrarservice“ bereits seit zwei Jahrzehnten auf eine eigene Ausbildungsstrategie. Dr. Martin Wesenberg kann hierzu positive Nachrichten melden: „Die Ausbildungszahlen haben in diesem Ausbildungsjahr einen Höchststand erreicht.“

Fachkraft Agrarservice bewährt sich als erfolgreiche Ausbildungsstrategie

Insgesamt durchlaufen derzeit 821 Auszubildende den Ausbildungsgang, knapp die Hälfte davon allein in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, aber auch knapp 100 in Schleswig-Holstein. Auch die Aufstiegsfortbildung zum Agrarservicemeister hat sich bewährt. Seit 2011 konnten bereits über 500 Nachwuchsführungskräfte die anspruchsvolle Meisterprüfung erfolgreich absolvieren. Jährlich kommen derzeit rund 30 Absolventen hinzu.“


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