Magazin Elektrik & Elektronik

Datenmanagement :

Gibt es Hilfe von oben?

Digitale Systeme intelligent vernetzen, fordert Prof. Dr. Patrick Ole Noack von der Hochschule Weihenstephan Triesdorf

„Weniger Arbeit wird es erst einmal sicher nicht“, sagt Prof. Dr. Patrick Ole Noack und erteilt dem Wunschdenken eine Absage: Den digitalen Pflanzenbau, einschließlich Instrumenten wie Satelliten und Drohnen samt Sensorik, nennt der Wissenschaftler „Hinweis-Systeme“. Landwirte wüssten genauer, wo sie nachschauen müssten auf ihren Flächen. Digitale Methoden seien geeignet, um (In-) Homogenitäten, also (Un-) Gleichheiten, anzuzeigen. „Rausgehen und nachschauen sollte der Landwirt mindestens so oft wie früher oder vermutlich sogar noch häufiger, aber dafür zeitlich und räumlich gezielt“, ist Noack überzeugt. Später – wenn Erfahrung und Messwerte abgeglichen sind – ist auch mit einer Arbeitserleichterung zu rechnen.

Die Grundsatzfrage, ob die Digitalisierung die Landwirtschaft nach vorne bringt oder fesselt, kontert der Wissenschaftler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf mit dem digitalen Grundprinzip: „Das lässt sich nicht mit null oder eins beantworten.“ Er lässt sich aber auf differenziertere Antworten ein. So seien die per GPS gesteuerten Lenksysteme für Landmaschinen dreifach sinnvoll. Die Lenksysteme sparten Aufwand, entlasteten den Fahrer „und machen einfach Spaß“, gesteht Noack ein.

Praxismängel erkennen und beheben

Kritischer beurteilt er die teilflächenspezifischen Verfahren des Precision Farmings. „Wir sind in der freien Natur“, so Noack, „und nicht in der Fabrik.“ Böden und Wetter seien hochvariabel und nicht alles, was sich in der Cloud ausrechnen lasse, bestehe in der Praxis. Mit seinem Team an der Hochschule möchte er das ändern. Die Wissenschaftler arbeiten in einem Projekt mit Landwirten zusammen und wollen herausfinden, wo es in der Praxis mangelt. So sei eine bessere Kalibrierung der Sensoren ein wichtiges Ziel, unter anderem, wenn Nahin-frarotspektroskopie und Satellitendaten zum Einsatz kommen. Es müsse möglich sein, den Sensoren zurück zu spiegeln, „was wirklich auf dem Feld passiert“.

Den Landwirten würde damit ein kompletter „digitaler Werkzeugkasten“ und sehr detailliertes Wissen über ihre Flächen zur Verfügung stehen. Pflanzenbauer könnten, digital gesteuert, ihren Anbau umfassend und gleichzeitig spezifisch für Einzelflächen planen. Und das von der Aussaat über Pflegemaßnahmen und Düngung bis hin zu Ernte. Die Devise lautet „weg von Einzelmaßnahmen hin zum Ganzheitlichen“.

Neue Technologie für mehr Effizienz und Qualität im internationalen Pflanzenbau gibt es zahlreiche. Bedeutender als die Anzahl ist aber, diese zu verknüpfen. Wechselnde natürliche Bedingungen gehören in dieses Netz ebenso wie Aufwand und Ertrag in den landwirtschaftlichen Kulturen. Im Projekt „AgriFusion“ untersucht Noack wie dadurch mehr Nutzwert für die Landwirtschaft möglich sein könnte. Entsprechend des Projektnamens entstehen Ertragspotenzialkarten aus der Fusion von Ertragskartierungen, per Satellit ermittelten Fernerkundungsdaten, digitaler Reliefauswertung und den landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsdaten. Die Hochschule Weihstephan Triesdorf wird auch auf der Agritechnica 2019 vertreten sein (Halle 21, Stand B15e und A14).


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