Magazin Landwirtschaft

Brief aus Usbekistan :

Salem Aleikum liebe Leserinnen und Leser

Brief aus Usbekistan: Salem Aleikum liebe Leserinnen und Leser

Der größte Markt in Taschkent beeindruckte mich sehr. In dieser Halle gibt es Fleisch, Milchprodukte, Nudeln und Trockenfrüchte zu kaufen. Die Preise sind „Verhandlungssache“.

Elena Turaeva zeichnet mit ein paar Kugelschreiberstrichen den Entwurf des neuen Promzona-Centers auf ein DIN A4 Papier. Im Zentrum steht das Verwaltungsgebäude, davor die frei zugängliche Ausstellungsfläche für Maschinen, daneben eine geschlossene Ausstellungshalle und ein Schulungszentrum. Wenn das Landtechnikgeschäft des eigenen Angaben nach in Usbekistan größten privaten Landmaschinenhändlers Promozona so positiv weitergeht, soll dieses Zentrum in ein bis zwei Jahren fertig sein. Aktuell erweitert man drei Filialen mit insgesamt 25 Mitarbeitern auf fünf Standorte. Frau Turaeva berichtet mir auf dem Freigelände der Messe AgroExpo Uzbekistan/Agrotech Expo in Taschkent von den Plänen ihres Unternehmens. Auf Einladung der Messegesellschaft IFW expo, Heidelberg, reiste ich in die Hauptstadt Usbekistans, um einen eigenen Eindruck von der Ausstellung und dem Landtechnikgeschäft in diesem Land zu gewinnen. Bei meiner Ankunft nachts am 28. Mai regnete es stark. Das ist hier sehr ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Diese Niederschläge sorgten aber für eine angenehme Abkühlung der sonst tagsüber 30 °C heißen Luft auf für Norddeutsche angenehme 23 °C. Das Klima in Zentralasien ist kontinental. Im Sommer sehr heiß, im Winter ist es um Taschkent herum ungemütlich schmuddelig, ohne viel Schnee, teilweise sind aber starke Fröste möglich.

Die Maschinen warten auf die Getreideernte.

Die Maschinen warten auf die Getreideernte.

Landwirtschaft überhaupt ist nur mit Bewässerung möglich, Wasser ist zumindest in zwei Dritteln des Landes der begrenzende Faktor. In Taschkent, es liegt im Osten des Landes, herrscht offensichtlich kein Wassermangel. Alle großen Straßen, teilweise mit drei Spuren pro Fahrtrichtung, sind von großen Bäumen beschattet. Diese breiten Alleen haben meist keine aufgezeichneten Spuren und werden gern vierspurig und sehr dynamisch befahren. Meinem Fahrer kostete das bei unserem Farmbesuch den rechten Außenspiegel.

Man fährt vorbei an vielen Parks, alle Grünflächen sind gesprengt und sehr gepflegt. Ein Netz von 50 cm breiten Kanälen durchzieht die Stadt und mäßigt die heißen Sommertage, die jetzt beginnen. Seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion regierte Präsident Kamirov in Usbekistan 25 Jahre. Seit seinem Tod vor zwei Jahren öffnete sich das islamische Land für die Wirtschaft. Jeder Dritte der 32 Mio. Einwohner arbeitet in der Landwirtschaft. Sie trägt ein Drittel zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Die Messehallen der AgroExpo Uzbekistan/Agrotech Expo sind modern, hell und gut klimatisiert.

Die Messehallen der AgroExpo Uzbekistan/Agrotech Expo sind modern, hell und gut klimatisiert.

Taschkent bietet viele gepflegte und schattige Parks.

Taschkent bietet viele gepflegte und schattige Parks.

Die Steigerung der Erträge durch Mechanisierung ist das Ziel der usbekischen Regierung. Dafür hat man die Importschranken von Landtechnik aufgehoben und große Kreditprogramme für den Kauf von Traktoren und Co. sowie die Bewässerungstechnik aufgelegt. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der usbekische Landmaschinenabsatz verdreifacht. 2018 werden rund 10.000 Traktoren verkauft. Im ersten Halbjahr rollten bereits 600 neue Mähdrescher zu den Kunden, die in diesen Tagen mit der Ernte beginnen. Dementsprechend zuversichtlich war die Stimmung auf der Agrarmesse. Viele der 130 Aussteller widmen sich der Obst- und Gemüseaufbereitung und -lagerung.

Einer der Hauptkulturen in Usbekistan ist das „Weiße Gold“: Die Baumwolle. Das Land ist einer der größten Exporteure. Die hier geerntete Baumwolle ist bekannt für ihre hohe Reinheit und langen Fasern. In der Erntetechnik hat man hier sehr interessante Maschinen entwickelt, die auch in den Nachbarländern lebhaften Absatz finden. Neben Weizen und Mais sind Obst und Gemüse beliebte Kulturen. Noch fehlen Lager- und Verarbeitungskapazitäten, aber aktuell investiert man massiv. Auch die Milchproduktion wächst: Investoren bauen Herden mit 500 bis 2.000 Holstein-Frisian-Kühen und eigener Milchverarbeitung auf!

Eine Baumwollpflückmaschine. Usbekistan ist einer der größten Exporteure weltweit für Baumwolle.

Eine Baumwollpflückmaschine. Usbekistan ist einer der größten Exporteure weltweit für Baumwolle.

Chancen für Technikanbieter gibt es also viele, die Bewohner sind jung, ein Drittel ist unter 18 Jahren! Gerade die jungen Menschen sind bereit für die neuen Chancen nach der Öffnung des Landes. Es empfiehlt sich mit seiner Lage an der alten Seidenstraße zwischen China und Europa als Ausgangspunkt für Geschäfte in Zentralasien. In den nächsten eilbote Ausgaben lesen Sie mehr über die Messe, die Landwirtschaft und den Landtechnikvertrieb in diesem spannenden Land.

Bis dahin,

Ihr Bernd Pawelzik


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