Magazin Landwirtschaft

Brief aus Kanada :

Hello liebe Leserinnen und Leser

Brief aus Kanada: Hello liebe Leserinnen und Leser

In über 90 Prozent der Feuer ist Blitzschlag der Auslöser. Die Brände in British Columbia sind über den Landweg oft kaum erreichbar.

Die Sonne schafft es nur schwach durch die Rauchwolken hindurch zu scheinen. Den ganzen Tag wird es nicht richtig hell, die Sicht ist wie bei einem leichten Nebel. In der Luft liegt Brandgeruch. Nach mehreren Stunden bemerkt man in den Augen ein leichtes Brennen. Bis zu 16 Zigaretten entspräche die tägliche Aufnahme von Brandrauch, der hier in Nelson, im Süden des kanadischen Bundesstaates British-Columbia (BC), aus vielen Waldbränden zusammentrifft und das Leben der Bewohner beeinträchtigt. Die offizielle Internet-Seite von BC Wildfires listet rund 500 Waldbrände auf. Teilweise sind diese aus mehreren Feuern zusammengelaufen – das größte misst 120.000 Hektar, eine Fläche von 24 x 50 km!

„Die Feuer haben sich dieses Jahr rasend schnell ausgebreitet. Von 50 ha auf bis zu 5.000 ha an einem Tag“, berichtet mir in Nelson der Förster Brent Petrick. Nach 2016 und 2017 ist das jetzt die dritte heftige Waldbrandsaison mit wochenlangem Smog hintereinander. Ursache für die Feuer ist in 95 Prozent der Fälle ein Blitzschlag in das trockene Gras. Oft sind diese Feuer in unerschlossenem Gelände gar nicht zu bekämpfen. Wenn Siedlungen, Straßen, Strom- oder Gasleitungen bedroht sind, dann kommen professionelle Firefighter zum Einsatz. Oft sind es Männer, die im Frühjahr als Pflanzer im Forst unterwegs sind und im Sommer die Feuer bekämpfen. Dabei arbeiten sie nie direkt in der Front des Feuers. In sicherer Entfernung versuchen sie, mit gefällten Schneisen und Gegenfeuern den Brand einzudämmen. Die personellen Ressourcen sind überschaubar – für ein 12.000 Hektar Feuer listet die BC-Wildlife Seite z.B. einen Helikopter, einen Bagger und lediglich zwölf Firefighter auf. In den Wäldern hier um den Kootenay-See in BC wachsen überwiegend Nadelbäume, wie Lebensbaum, Kiefern und Fichten. Das langsame Wachstum hier in Nordamerika lässt aus ihnen wertvolles Bauholz mit engen Jahresringen heranreifen, das in Sägereien vor Ort aufbereitet wird.

Schuld für die hohe Zahl der Waldbrände gibt Förster Brent Petrick auch dem Klimawandel. Heute zählt man doppelt so viele heiße Tage wie noch vor 20 Jahren. Eine weitere Ursache für die schnelle Ausbreitung der Feuer ist der Kiefern-Käferbefall. Er lässt viele Kiefern absterben, die jetzt als Brandlast am Boden liegen.
Eine Forstwirtschaft mit Mehrfachdurchforstung wie in Mitteleuropa üblich, ist hier in British Columbia nur eingeschränkt möglich. Viele Flächen sind auf dem Landweg kaum zu erreichen.

Die Karte zeigt die aktiven Waldbrände im kanadischen British Columbia.

Die Karte zeigt die aktiven Waldbrände im kanadischen British Columbia.

Mit Schneisen und Gegenfeuern versuchen Firefighter die Brände einzudämmen.

Mit Schneisen und Gegenfeuern versuchen Firefighter die Brände einzudämmen.

Über 90 Prozent der sehr bergigen Forstflächen sind in Staatsbesitz, sogenanntes „Crown Land“. Der Staat vergibt dann Lizenzen für den Einschlag. Die Erschließung für die Forstlogistik ist die größte Investition bei der Holzwerbung. Dann gibt es in der Regel den „Clear Cut“, d.h. alle Bäume auf einer Fläche fallen der Motorsäge oder dem Harvester zum Opfer. Ein Skidder transportiert die Bäume dann, meist mit Krone, auf das Transportation-Deck. Hier entastet und sortiert ein Greifer das angelieferte Holz und verlädt es auf die Trucks. Retarder bremsen die schwere Last auf dem Weg ins Tal.

Die komplett geräumten Flächen forstet man teilweise wieder auf. Eine Aufforstung ist abhängig vom Status der Flächen: Wenn man bereit ist, höhere Steuern zu zahlen, kann das gerodete Land als „unmanaged land“ ohne eine weitere Bearbeitung an dem Staat zurückgegeben werden. Forstet man die Flächen wieder auf, braucht man geringere Steuern zu entrichten.

Am dritten Tag unseres Besuchs dämmte Regen die Brände etwas ein. Ein leichter Wind begann den Rauch zu vertreiben, die Menschen freuten sich nach mehreren Wochen über die Kraft der Sonnenstrahlen, die blauen Stellen am Himmel und atmeten sprichwörtlich auf und durch. Das Wetter für unsere weiteren Farmbesuche im Osten Kanadas besserte sich ab dann von Tag zu Tag.

In den kommenden Ausgaben lesen sie mehr über unseren Besuch im Westen Nordamerikas, bis dahin „Good bye“.

Ihr Bernd Pawlezik

Förster Brent Petrick zeigt auf die am Boden liegenden Stämme von Käfer- und Sturmholz.

Förster Brent Petrick zeigt auf die am Boden liegenden Stämme von Käfer- und Sturmholz.

Brandrauch vernebelte die Sicht am Kootenay Lake.

Brandrauch vernebelte die Sicht am Kootenay Lake.

Retarder bremsen die schweren Trucks auf ihrer Fahrt ins Tal.

Retarder bremsen die schweren Trucks auf ihrer Fahrt ins Tal.


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