Magazin Landtechnik

Brief aus China :

Nihao liebe Leserinnen und Leser,

Brief aus China: Nihao liebe Leserinnen und Leser,

Blick vom Kranichtempel auf die 10 Mio.- Metropole Wuhan mit dem Fluss Jangtse.

Frau Wang steht mit ihrem mobilen Verkaufsstand mit Maiskolben an diesem sommerlichen Oktobersonntag am Eingang zum gelben Kranichtempel im chinesischen Wuhan. Das ist nichts Ungewöhnliches, hier gibt es viele dieser mobilen Verkäufer mit Obstsaft, Früchten oder anderen Leckereien für Zwischendurch. Auffallend sind die postkartengroßen Aufkleber mit einem aufgedruckten QR-Code, ein Quadrat, das vom Smartphone eingescannt, direkt zur Bankverbindung von Frau Wang weist. Die junge Käuferin tippt schnell den Betrag von 5 Yuan ein, zeigt den Bildschirm kurz Frau Wang, diese nickt, Bestätigung gedrückt und die 5 Yuan sind auf dem Konto der Maiskolbenverkäuferin. Bargeld ist hier in Wuhan fast schon die Ausnahme. Das Taxi, das Restaurant, fast alles bezahlt man hier, und nicht nur die jungen Menschen, via Wechat-App. Das Smartphone ist Alltag!

Auf Einladung des chinesischen Landmaschinenhandelsverbandes CAMDA reiste ich im Oktober nach Wuhan zu Chinas größter Landtechnikmesse CIAME. Wuhan liegt im Süden, strategisch günstig an der Schnellbahnlinie Peking – Hongkong. Der längste und mit größte Fluss Chinas, der Jangtse, fließt in mehr als einem Kilometer Breite durch die Millionenmetropole. 10,5 Mio. Menschen leben hier. Wäre diese Region ein eigener Staat, gehörte sie zu den 50 wirtschaftsstärksten der Welt! Die Metro ist modern und sehr sauber. Hochhäuser für Büros aber auch zum Wohnen prägen die Skyline. Neben Pkw gibt es nur Elektroroller, die, geräuschlos vom Antrieb, dafür aber um so mehr hupend, durch den Verkehr schweben.

Bezahlt wird mit QR-Code via App auf dem Smartphone.

Bezahlt wird mit QR-Code via App auf dem Smartphone.

In China gibt es über 200 Hersteller von Traktoren. Der Jahresmarkt beträgt gut 300.000 Traktoren. Auch autonome Fahrzeuge sind in der Entwicklung.

In China gibt es über 200 Hersteller von Traktoren. Der Jahresmarkt beträgt gut 300.000 Traktoren. Auch autonome Fahrzeuge sind in der Entwicklung.

Hier ist das Klima feucht-warm, die Landwirtschaft ist eher klein strukturiert. Die großen Farmen findet man in China eher im Nordosten sowie Nordwesten. Dort arbeiten die größeren Maschinen auf den Feldern. Die Landwirtschaft ist noch lange nicht zu hundert Prozent mechanisiert, das Potenzial ist in dem Land mit 135.000 Mio. Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche und über 1,38 Mrd. Menschen riesig. Die Landbevölkerung wird älter, die jungen Menschen streben in die Städte, um dort mehr zu verdienen als in der Provinz. So steigt der Druck zur Mechanisierung der Landarbeit.

Die chinesische Landtechnikbranche zeigte sich auf der CIAME von der aktuellen Geschäftsentwicklung etwas ernüchtert. Die Traktorenverkäufe sanken um 30 Prozent auf rund 300.000 Stück. Der Erntemaschinenabsatz ging um 25 Prozent zurück. Nach der „goldenen Dekade“ von 2004 bis 2014, in der die Landtechnikkäufe vom Staat mit bis zu 3 Mrd. Dollar pro Jahr gefördert wurden, ist der Markt vorerst gesättigt. Aber der freundliche CAMDA-Chef Ru Yi blickt zuversichtlich in die Zukunft: Der chinesische Landtechnikmarkt lebe ja nicht nur von Traktoren – angebaute Geräte wie z.B. Rundballenpressen hätten gute Zuwächse.

Die Landtechnikmesse CIAME im chinesischen Wuhan zählte über 1.920 Aussteller und 135.000 Besucher.

Die Landtechnikmesse CIAME im chinesischen Wuhan zählte über 1.920 Aussteller und 135.000 Besucher.

Ich besuchte viele europäische Aussteller auf der CIAME, teilweise sind sie in China, wie Claas und Maschio, bereits mit einem eigenen Werk oder einer Montage wie z.B. Lemken vertreten. Meine Gesprächspartner erschrecken die großen Ausschläge der chinesischen Landtechnikkonjunktur nicht mehr. Sie sehen ihr Engagement langfristig strategisch. Gerade westliche Technik dient vielen chinesischen Herstellern als Vorbild für Konstruktion und das Design ihrer Maschinen. Der Lemken-Chef Anthony van der Ley zählte bei seinem Messerundgang 27 Kopien von Lemken-Pflügen. Vom Meister lernen, heißt hier die chinesische Philosophie. Der Schutz des geistigen Eigentums ist in China eine ständige Herausforderung. Die Produktqualität der führenden chinesischen Hersteller steigt stetig, wie mir europäische Fachleute berichten. Chinesische Produzenten nutzen zum Teil westliche Werkzeugmaschinen und kaufen Achsen, Wellen, Hydraulik- und Getriebekomponenten bei westlichen Zulieferern wie ZF und SKF ein. Es gibt also keinen Grund, chinesische Technik zu belächeln. Chinas drei Landtechnik-Marktriesen Lovol, Yto und Zoomlion sind bereits in Europa unterwegs. Wenn ich die ausgestellten Maschinen mit denen bei meinem letzten Besuch in China von vor vier Jahren vergleiche, haben sie an Fertigungsqualität und vor allem an Größe und Leistung zugelegt.

Justin Wong ist Mitinhaber des Drohnenherstellers XAG. In China arbeiten über 40.000 Drohnen in der Landwirtschaft.

Justin Wong ist Mitinhaber des Drohnenherstellers XAG. In China arbeiten über 40.000 Drohnen in der Landwirtschaft.

In der Drohnentechnologie ist China weltweit führend. In Halle B4 traf ich den Gründer der Agrardrohnenfirma XAG, Justin Gong. Seinen Angaben nach ist XAG mit heute mehr als 1.400 Mitarbeitern und über 200 Mio. Dollar Jahresumsatz führend bei Agrardrohnen. Überwiegend in der kleinparzellierten Landwirtschaft bringen diese Pflanzenschutzmittel aus. Herr Gong beschäftigt zusätzlich 600 Drohnenpiloten, die als Drohnenlohnunternehmer auf den Feldern unterwegs sind.

Diese Dynamik und der Ehrgeiz vieler chinesischer Unternehmen sind ansteckend. Auf die über 10.000 Landmaschinenhändler in China, meist Multimarkenhändler, warten spannende Zeiten. Gutes Servicepersonal ist gesucht und die nächste Abgasstufe Tier 4 bei Traktoren steigert die Ansprüche an den Service. 

Wer sich für den Marktplatz China interessiert, der sollte die CIAME 2019, voraussichtlich in Qingdao, nicht verpassen. Über meine Gespräche mit Herrn Gong und anderen Ausstellern auf der Messe lesen Sie in einem der nächsten eilboten mehr. Bis dahin mit freundlichen Grüßen,

Bernd Friedhelm Pawelzik

Bernd Friedhelm Pawelzik


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