Bremsen:

Stufenlos fahren, gestreckt bremsen

Das Abbremsen von Stufenlos-Traktor und Anhänger nur mittels Fahrhebel kann gefährlich werden. Eine Lösung hierfür sind Streckbremsen. Die BLT Wieselburg hat daher das Bremsverhalten stufenloser Traktoren mit Anhänger-Streckbremse untersucht.

Bremsen: Stufenlos fahren, gestreckt bremsen

Automatische Streckbremsen in Traktoren mit Stufenlos-Getriebe können Gefahrensituationen entschärfen bis verhindern.

Bremsen: Stufenlos fahren, gestreckt bremsen

Bei Stufenlos-Traktoren gibt es drei Möglichkeiten für Streckbremsen – die Hersteller setzen hier auf unterschiedliche Lösungen.

Wird die Fahrgeschwindigkeit eines Gespannes aus Traktor mit stufenlosem Getriebe und Anhänger mit dem Fahrhebel oder dem Fahrpedal verringert, so schiebt der Anhänger (beispielsweise Kipper, Ladewagen, Güllefass, Miststreuer, Ballenpresse) ungebremst auf den Traktor auf. Dabei besteht die Gefahr des Einknickens des Gespanns – Unfälle können die Folge sein. Wie stark der Anhänger aufschiebt, richtet sich nach der Getriebeverzögerung des Traktors. Die Verzögerung kann bei den meisten stufenlosen Traktoren vorgewählt werden. Bei einer starken Getriebeverzögerung des Traktors kann es je nach Anhängerlast, Fahrbahnuntergrund und Fahrmanöver zum Blockieren der Räder des Traktors und zum Einknicken des Gespanns kommen. Um dieses Problem zu vermeiden, werden von den Traktorherstellern verschiedene Lösungen von Streckbremsen angeboten.

Drei Arten von Streckbremsen

Ein Lösungsansatz, um das Traktor-Anhängergespann zu strecken, ist die automatische Reduktion der Getriebeverzögerung des Traktors, wenn der Anhänger auf den Traktor aufschiebt. Die Rückhaltewirkung des Traktors verringert sich und der Fahrer wird angehalten, bei schneller werdender Fahrgeschwindigkeit auf die Bremse zu steigen, um die Geschwindigkeit zu drosseln.

Eine weitere Möglichkeit, um eine Streckung des Gespanns zu bewirken, ist die Doppelbedienung von Bremspedal und Fahrpedal. Dabei muss der Fahrer die Geschwindigkeit mit dem Fahrpedal konstant halten oder leicht beschleunigen und gleichzeitig mit dem linken Fuß auf die Bremse steigen. Dabei versucht der Traktor – gegen die Bremsen des Anhängers – eine konstante Geschwindigkeit zu halten, wodurch das Gespann gestreckt wird. Das funktioniert nur dann, wenn der Fahrer entsprechend auf diese Funktion eingeschult wurde. Für unerfahrene oder nicht eingeschulte Fahrer ist dieses Bremsmanöver nicht oder nur schwer durchführbar. Die Reaktionszeit ist dabei lang, und das Dosieren der Bremskraft mit dem linken Fuß erfordert viel Übung.

Eine weitere Möglichkeit, um das Traktor-Anhänger-Gespann zu strecken, ist die automatische Streckbremse. Sie funktioniert unabhängig von der Betriebsbremse des Traktors und wirkt nur auf die Bremsanlage des Anhän- gers. Eine eigene Steuereinheit überwacht Motor-und Getriebesignale und erkennt, ob der Traktor vom Anhänger geschoben wird. Ist dies der Fall, schickt sie ein Signal an das Anhängerbremsventil des Traktors und der Anhänger wird eingebremst. Auf diese Weise wird das Gespann gestreckt, ein ungebremstes Auflaufen des Anhängers auf den Traktor wird vermieden und ein Einknicken von Traktor und Anhänger verhindert. Die automatische Streckbremse kann auch auf Traktoren mit verschiedenen Getriebevarianten verbaut werden, also je nach Herstellerlösung auch bei Schaltgetrieben.

Streckbremse nur automatisch

Die EU-Verordnung 167/2013 („Tractor Mother Regulation“, TMR) schreibt vor, dass eine Ansteuerung der Anhängerbremse unabhängig vom Traktor nur automatisch erfolgen darf. (2.2.1.19.1.: Abweichend von Nummer 2.2.1.19 ist eine automatische Betätigung der Bremsen des Anhängefahrzeugs von bis zu fünf Sekunden Dauer ohne Betätigung der Betriebs-, Hilfs- oder Feststellbremsanlage der Zugmaschine zulässig, um durch Änderung der Koppelkraft zwischen Zugmaschine und Anhängefahrzeug das Fahrverhalten der Fahrzeugkombination zu verbessern.)

Bremsen: Stufenlos fahren, gestreckt bremsen

Wie sich stufenlose Traktoren im Einsatz mit Streckbremsen verhalten, hat die BLT Wieselburg untersucht.

Mechanische Streckbremsen, die bisher üblich waren, sind in Zukunft verboten. Eine automatische Streckbremse ist bei folgenden Fahrsituationen sinnvoll: Bergabfahrten, Abbiegen an Kreuzungen, Einfahren in den Kreisverkehr, Fahren im Gelände von der Schichtenlinie in die Falllinie. Wird der Anhänger bei längeren Fahrten bergab durch die automatische Streckbremse ständig gebremst, kann es zum Überhitzen der Bremsen kommen und die Bremswirkung lässt nach. Dieses Problem wird von den Traktorherstellern entweder mit einem geringeren Bremsdruck oder mittels Intervallbremsung der Streckbremse entschärft. Das bedeutet, dass die Anhängerbremse in Intervallen von fünf Sekunden „Ein-Aus“ angesteuert wird. Man erreicht dadurch eine Verzögerung, aber keine Verhinderung des Überhitzens der Bremsen.

Im Rahmen einer Untersuchung an der HL- BFA Francisco Josephinum/BLT Wieselburg wurden zwei verschiedene Streckbremsen getestet. Eine automatische Streckbremse und der Prototyp einer automatischen Streckbremse, kombiniert mit zusätzlicher manueller Handbetätigung.

Manuelle Streckbremse sinnvoll?

Die manuelle Betätigung der Streckbremse ist zwar laut EU-Verordnung 167/2013 nicht erlaubt, dieser Hersteller hat aber für Versuchszwecke die manuelle mit der automatischen Betätigung der Streckbremse kombiniert. Der Vorteil der manuellen Betätigung liegt darin, dass der Fahrer intuitiv auf das jeweilige Fahrgeschehen reagieren kann und bereits vor dem Einfahren in den Kreisverkehr vor der beabsichtigten Kurvenfahrt oder vor dem Einbiegen von der Schichtenlinie in die Falllinie die Streckbremse betätigen kann, um das Gespann präventiv zu strecken. Die Richtungsänderung des Gespanns kann dabei kontrolliert und ohne Gefahr des Aufschiebens des Anhängers beziehungsweise des Einknickens des Gespanns gefahren werden.

Diese automatische Streckbremse mit zusätzlicher Handbetätigung ist derzeit nicht zugelassen, sie hat aber in den Versuchsfahrten gegenüber der reinen automatischen Streckbremse wesentliche sicherheitstechnische Vorteile gezeigt.

Bremsen: Stufenlos fahren, gestreckt bremsen

In diesem Test-Szenario ist die Streckbremse auf ebener Fahrbahn mittels Kippschalter manuell permanent eingeschaltet (Intervallbremsung).

In Abbildung 1 wurde die Streckbremse mit manueller Betätigung auf ebener Fahrbahn mittels Kippschalter permanent eingeschaltet. Nach zwölf Intervallbremsungen für jeweils fünf Sekunden wurde der Bremsvorgang automatisch abgebrochen.

Danach muss der Fahrer auf das Bremspedal steigen, um die Geschwindigkeit zu drosseln. Durch die Intervallbremsungen und das Abbrechen des Bremsvorganges nach einer bestimmten Anzahl von Bremsungen verringert sich die Gefahr des Überhitzens der Anhängerbremsen. In Abbildung 1 ist erkennbar, dass sich mit zunehmender Bremsdauer die Bremsen erhitzen, was sich durch eine sinkende Rückhaltekraft des Anhängers und eine zunehmende Fahrgeschwindigkeit bemerkbar macht. Würde der Anhänger permanent bremsen und nicht in Intervallen angesteuert werden, wären die Bremsen in kürzester Zeit überhitzt und die Bremswirkung würde stark nachlassen.

Die Stärke der Bremskraft des Anhängers richtet sich nach dem Bremsdruck in der Bremsanlage und nach der Beladung des Fahrzeugs. Die eingestellte Getriebeverzögerungsstufe des Traktors wird bei einem Fahrerwechsel vom nächsten Fahrer in den meisten Fällen nicht wahrgenommen. Die hohen Verzögerungsstufen haben bei manchen Traktoren den Effekt, dass sie bei Geschwindigkeiten unter circa 10 km/h eine besonders progressive Getriebeverzögerung und damit eine starke Bremswirkung aufweisen. Dies kann bei Geländefahrten am Hang, beim Fahren im Übergang von der Schichtenlinie in die Falllinie, zum Blockieren der Räder führen.

Unterschiede bei den Traktoren

Die Bremswirkung der automatischen Streckbremse ist vom Ansteuerungsdruck des Traktors zum Anhänger abhängig. Bei den Versuchstraktoren hatte der Traktor A einen Ansteuerungsdruck von 2,4 bar und der Traktor B 1,2 bar, beide mit eingestellter Getriebeverzögerungsstufe 3. Trotz gleicher Getriebeverzögerungsstufe muss die Verzögerungswirkung der Traktoren nicht identisch sein. Dies konnte in der Aufschubkraft des Anhängers auf den Traktor festgestellt werden (siehe Abb. 2). Traktor A (ohne Streckbremse) hatte von Beginn an eine konstant hohe und gleichmäßige Verzögerungswirkung. Traktor B (ohne Streckbremse) zeigte am Anfang eine schwache und gegen Ende des Bremsvorganges eine zunehmend stark progressive Verzögerung. Die automatische Streckbremse mit einem Ansteuerungsdruck von 2,4 bar (Traktor A) brachte eine wesentlich bessere Bremswirkung als jene mit 1,2 bar (Traktor B).

Bremsen: Stufenlos fahren, gestreckt bremsen

Die Auflaufkräfte des Anhängers bei Traktor A und B ohne und mit Streckbremse, bei der Verzögerung mittels Fahrhebels während der Kurvenfahrt.

Fazit

Automatische Streckbremsen sind eine gute Möglichkeit, um die ungewollten Aufschubkräfte des Anhängers bei stufenlosen Traktoren zu minimieren beziehungsweise das Einknicken des Gespanns zu verhindern. Laut den Ergebnissen der Versuche wäre eine manuelle Betätigung der Streckbremse eine sinnvolle Ergänzung, um die Sicherheit zu erhöhen, sie ist aber laut EU-Verordnung 167/2013 nicht erlaubt. Die Effizienz einer automatischen Streckbremse ist vom Bremsdruck des Anhängers und von der Getriebeverzögerung des Traktors abhängig.

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