branche

Service rund um das Rad ausgebaut

Bohnenkamp: Service rund um das Rad ausgebaut

Die vollautomatische Reifenmontageanlage montiert Reifen von 20 bis 54 Zoll und schafft pro Schicht 300 Einheiten.

Von Bernd Pawelzik

Aktualisiert am

Unter dem Motto „360° Radmontage“ stellt der Osnabrücker Reifengroßhändler sein erweitertes Serviceangebot vor

„Alles, was wir am Lager haben, können wir hier auch montieren“, so Gregor Rüth, Vorstandsvorsitzender der Bohnenkamp SE in Osnabrück, bei der Führung durch die elf Hektar umfassenden Lager- und Produktionshallen. Hier liegen Reifen und Felgen für rund 70 Millionen Euro auf Lager. In halb- und vollautomatischen Montagestationen montieren Mitarbeitende und Maschinen Räder von 4 bis 54 Zoll. Alle Reifen, die für Landwirtschaft, Galabau, Baustellen, Transport und die Industrie benötigt werden, bekommt man bei Bohnenkamp auf die passende Felge – just in time an das Fließband im Werk oder in die Werkstatt des Kunden.

Bei den Felgen kann der Kunde Einpresstiefe, Lochkreis, Farbe und Tragfähigkeit bestimmen oder sich bei der richtigen Wahl von den über 80 Bohnenkamp-Fachleuten beraten lassen. Soll ein Ventilschutz integriert oder später eine Reifendruckregelanlage installiert werden? Auch hierfür gibt es passende Lösungen, berichtet Vertriebsleiter Thomas Pott.

AS-Räder-Sonderanfertigungen, zum Beispiel Zwillingsreifen für Reihenkulturen, werden von Fachkräften an Montagemaschinen individuell montiert. Kleine Reifenserien montiert man halbautomatisch liegend. Der Luftdruck kann hier mit einer Pumpglocke sehr exakt eingestellt werden.

Vollautomatische Montage

Das Highlight in der Reifenmontage ist die vollautomatische Reifenmontagemaschine für Räder von 20 bis 54 Zoll, über die wir im eilbote bereits ausführlich berichteten. Diese sieben Millionen Euro teure eigene Entwicklung schafft 300 Räder pro Schicht. Die Montage von Felge und Rad läuft optimiert ab. Nach der Vermessung von Felge und Reifen beeindruckt besonders die riesige Pumpglocke, die sich bei der Montage auf das Rad absenkt und es innerhalb einer Sekunde über den Felgenrand mit Luft füllt. Dabei wird der Druck auf 0,01 bar exakt eingestellt. Ein Laser bringt am Ende der Montage den individuellen QR-Code auf die Reifenflanke. Über eine App sind damit nun alle Spezifikationen dieses Einzelrades einsehbar – ein toller Service für die Werkstatt.

Sehr schwere Reifen für den Industrie- und Baubereich erfordern die Montage auf drei- oder fünfteilige Felgen. Hierfür stehen spezielle Maschinen und Ausrüstung bereit. Vollgummireifen, wie sie zum Beispiel im Hafen zum Einsatz kommen, werden mit bis zu 300 Tonnen Druck auf die Stahlfelge gezwungen, erläutert der Leiter Logistik, Thomas Kettler, an der Maschine.

Bohnenkamp: Service rund um das Rad ausgebaut

Thomas Pott, Thomas Kettler und Gregor Rüth vor der vollautomatischen Reifenmontagemaschine.

Bohnenkamp: Service rund um das Rad ausgebaut

Der eingeschmolzene QR-Code erlaubt via App das Auslesen aller technischen Daten des Einzelrades. Selbst wenn nur noch zehn Prozent des QR-Codes lesbar sind, bleibt er für die App identifizierbar.

Pannenschutz durch Ausschäumen

Neu im Angebot für Räder in extremen Arbeitsbereichen ist das Ausschäumen für hundertprozentigen Pannenschutz. Als ein Beispiel schildert Kettler den Einsatz eines großen Radladers, der glühend heiße Schlacke transportieren muss. Für diese Anwendung entwickelten die Osnabrücker zusätzlich ein spezielles Reifendesign, das der Hitze standhält. Für einzelne Großkunden hat Bohnenkamp gemeinsam mit Alliance beziehungsweise BKT individuelle Profile für Maschinen entwickelt und diese sogar mit Markennamen auf der Reifenflanke gebrandet.

Bohnenkamp nimmt abgenutzte Reifen auch wieder zurück. Ab drei Tonnen Altmaterial organisieren die Reifenspezialisten die Abholung und fachgerechte Entsorgung. Der Reifenhersteller BKT unterstützt dabei mit einem Bonus.

Die Bohnenkamp-Gruppe ist in 32 Ländern mit 29 Standorten in ganz Europa – außer Frankreich und Spanien – unterwegs. Im Jahr 2024 erwirtschafteten 677 Mitarbeitende einen Umsatz von 535 Millionen Euro. Gegenüber 2023 ist das ein moderater Rückgang von rund fünf Prozent. „2024 hatten wir etwas Glück. Es war ein nasses Jahr. Das hilft uns im Ackerschlepperreifengeschäft immer zusätzlich. Wenn die Traktion fehlt, investieren Landwirte eher in einen neuen Reifen als in trockenen Jahren“, so Gregor Rüth.

Knapp zwei Drittel des Bohnenkamp-Umsatzes erzielt die Agrarsparte. Nach Kundengruppen gliedert sich der Umsatz zu je einem Drittel in OEM, Landmaschinenhandel und Reifenhandel auf. Die Osnabrücker liefern keine Reifen an Endkunden oder Handelsportale, betont Thomas Pott.

Aktuell investiert das Unternehmen im Süden Deutschlands, in Rottenburg an der Laaber, in einen neuen Standort mit Lager und Montage. Die Bohnenkamp-Gruppe will 2025 weiter wachsen – zum einen durch mehr Wertschöpfung in der Montage, zum anderen aber sieht man noch viel Potenzial in den Auslandsmärkten. In Frankreich, Italien und Spanien sind die Reifenspezialisten bisher noch nicht vertreten. Wenn sich eine passende Gelegenheit ergäbe, sei man aber Dank einer kommoden Eigenkapitalversorgung auch kurzfristig für Akquisitionen bereit, so Gregor Rüth.


Weitere Artikel zum Thema

weitere aktuelle Meldungen lesen