Magazin Stoppelbearbeitung

Bodenbearbeitung :

Stroh mit der richtigen Strategie verteilen

Beim Sächsischen Tag der konservierenden Bodenbearbeitung ging es diesmal um die gleichmäßige Verteilung des Strohs in der oberen Bodenschicht. Der eilbote begleitete die Veranstaltung.

Bodenbearbeitung: Stroh mit der richtigen Strategie verteilen

Der Federzinkengrubber Super Maxx 60-7 Bio Edition ist nach Angabe von Güttler auch bei größeren Arbeitsbreiten (bis 12 m) leichtzügig. Der Hersteller sieht das Gerät beim Stoppelsturz nach der Kurzscheibenegge zur Bekämpfung der aufgelaufenen Pflanzen mit Arbeitsgeschwindigkeiten bis 14 km/h und dadurch hoher Schlagkraft.

Mit der Bodenbearbeitung nach dem Getreidedrusch wird der Grundstein für den Ernteerfolg der nächsten Kultur gelegt. Damit sich die Folgesaat störungsfrei etablieren kann, müssen zunächst Ausfallgetreide und Unkräuter zum Keimen gebracht werden, um sie im nachfolgenden Arbeitsgang beseitigen und das neue Saatbett bereiten zu können. „Der extrem trockene Sommer 2018 und die Wetterkapriolen der vergangenen Jahre zeigen aber auch, dass es dabei zugleich immer wichtiger wird, im Sinne des Verdunstungs- und Erosionschutzes ein Mindestmaß an Bodenbedeckung sicherzustellen“, sagt Heiko Gläser, Geschäftsführer des Vereins Konservierende Bodenbearbeitung/Direktsaat in Sachsen e.V. (KBD-Sachsen).

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Ziel: 30 Prozent Bodenbedeckung

Der Verein veranstaltete am 11. Juli in der Agrargenossenschaft „Heidefarm“ Sdier e.G. im Oberlausitzer Großdubrau zum neunten Mal einen Sächsischen Tag der konservierenden Bodenbearbeitung. Im Mittelpunkt stand diesmal die Stoppelbearbeitung, insbesondere der Einfluss des Strohs auf den Erfolg des ersten Bearbeitungsganges nach dem Drusch.

„Der Boden sollte nach Aussaat der Folgekultur noch zu mindestens 30 Prozent bedeckt sein“, nennt Gläser als Faustformel. Versuche, die unter anderem vom Arbeitskreis 10 des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) durchgeführt wurden, hätten gezeigt, dass der Stoppelsturz dabei eine herausragende Rolle spielt. Nicht selten sinke bereits bei diesem Arbeitsgang, trotz flacher Bodenbearbeitung der Bedeckungsgrad auf weit unter 30 Prozent, in der Maisstoppel teilweise auf unter 10 Prozent.

Hier stehe der Landwirt allerdings vor einem Dilemma. Denn eine intensive Bodenbearbeitung schaffe andererseits die Voraussetzungen für einen guten Aufgang der Pflanzen. Gläser empfiehlt daher ein differenziertes Vorgehen. Vor allem auf Flächenabschnitten, die aus der Erfahrung vergangener Jahre zu starker Verdunstung neigen oder besonders erosionsgefährdet sind, sollte die Entscheidung zu Gunsten einer höheren Bodenbedeckung ausfallen. Bei einem Betrieb, der Stroh verwertet, könnten beispielsweise diese Bereiche von der Beräumung ausgespart werden. Zwar hätte sich in Untersuchungen gezeigt, dass es möglich ist, trotz Beräumung einen Bedeckungsgrad von über 30 Prozent nach dem Stoppelsturz zu erreichen. Doch tendenziell sei die Wahrscheinlichkeit einer besseren Bedeckung höher, wenn das Stroh auf dem Feld bleibt.

Als weitere Einflussfaktoren nennt Gläser das Arbeitsgerät, dessen Bauform und die Werkzeugwahl. Hier zeigten Scheibeneggen einen Vorteil gegenüber Grubbern, die für eine gleichmäßige Einarbeitung möglichst drei oder mehr Balken haben sollten. Bei den Scharformen erweise sich zumindest in puncto Bodenbedeckung das Gänsefußschar wegen der leichteren Einstellung günstiger als das Flügelschar. „Die Unterschiede sind jedoch gering“, bemerkt Gläser. Bedeutsamer sei vielmehr die Handhabung der Bodenbearbeitungsgeräte und deren Einstellung.

Stoppelbearbeitung oft zu intensiv

So zeige sich bei Untersuchungen und Gesprächen mit Landwirten im Rahmen des WRRL-Arbeitskreises, dass die Stoppelbearbeitung oft zu intensiv erfolge. Der Vorteil, den die Scheibenegge mit ihrer vergleichsweise einfachen Handhabung biete, relativiere sich, wenn das Gerät zu schnell gefahren werde und dadurch die Erde von der vorderen direkt in die dahinter liegende Scheibenreihe geworfen wird. Grubber seien im Prinzip ebenso gut für die Bodenbearbeitung nach dem Drusch geeignet und ermöglichten bei exakter Einstellung eine gleichmäßige Einmischung des Strohs in die oberen Bodenschichten sowie eine ausreichende Bodenbedeckung. Überhaupt gelte es, die Fahrer zu einer regelmäßigen Kontrolle der Arbeitstiefe anzuhalten. Mehr als 7 cm seien definitiv zu viel.

Grundlage einer erfolgreichen Stoppelbearbeitung im Sinne des Verdunstungs- und Erosionsschutzes ist eine gute Strohverteilung beim Mähdrusch. Der wirken aber eine ganze Reihe von Faktoren entgegen, etwa wechselnde Strohfeuchte, Wind, nachlassende Messerschärfe oder Hangneigung. Zudem erschweren steigende Arbeitsbreiten eine gleichmäßige Verteilung durch den Mähdrescher, für die es auch noch keine online wirkende Messeinrichtung gibt.

Maschinentest auf präparierten Flächen

Um zu demonstrieren, wie Bodenbearbeitungsgeräte mit unterschiedlichen Bedingungen auf dem Stoppelfeld zurecht kommen, hatte der KBD-Sachsen e. V. für den praktischen Teil des Feldtages in Großdubrau mit Unterstützung des gastgebenden Betriebes einen Parcours angelegt, der über verschiedene Bereiche führt: Einen, in dem das Stroh beräumt ist, einen wo es vom Mähdrescher bewusst schlecht verteilt wurde und einen Bereich mit guter Strohverteilung. Auf dem insgesamt knapp 17 ha großen Schlag „Grünbusch links“ mit 28 BP war am 20. Juni Wintergerste der Sorte Lomerit gedroschen worden. „Der Ertrag lag wegen eines Hagelschadens bei nur 38 dt pro Hektar“, informiert Pflanzenbauchef Philipp Schlachte.

Die Überfahrt der Maschinen von insgesamt acht Herstellern (siehe Fotos) führte quer zur Drillrichtung in einem Streifen über alle drei Bereiche mit der beschriebenen unterschiedlichen Strohauflage. Für die Beurteilung des Arbeitsergebnisses legten Mitarbeiter anschließend in jedem Bereich das Profil über die gesamte Arbeitsbreite frei. Zielvorgaben waren 5 bis 7 cm Arbeitstiefe, gleichmäßige Stroheinmischung, ganzflächiger Schnitt, mittelgrobe Bodenoberfläche, ebenes Profil und eine gute Bodenbedeckung. Der Bodenbedeckungsgrad wurde später mit der Mulchschnur ermittelt (siehe Kasten).

In der Auswertung erzielte der Cruiser von Horsch in puncto Bedeckungsgrad das beste Ergebnis. „Durch die ungleiche Arbeitstiefe –innen tief und außen deutlich flacher – gilt das aber nicht für das Gesamtergebnis“, schränkt Gläser ein. Durch das so nicht gewollte sehr flache Bearbeiten in den äußeren Abschnitten, sei natürlich viel Stroh an der Oberfläche verblieben. Weshalb der Bedeckungsgrad höher ausfiel als bei der Konkurrenz. Der Grubber von Güttler arbeitete etwas zu tief, wohl um sicher zu gehen, dass alles abgeschnitten wird. Das ging jedoch zu Lasten des Bedeckungsgrades. Ähnliches gilt für den Kerner-Grubber, dessen Flügelschar-Spitzen immer etwas tiefer laufen als die Flügel. Auch darunter litt der Bedeckungsgrad. „Bei der Scheibenegge Catros von Amazone, die ein gutes Arbeitsbild hinterließ, zeigte sich einmal mehr, wie wichtig eine exakte Geräteeinstellung ist“, betont Gläser. Die Kurzscheibeneggen von Saphir und Pöttinger überzeugten, nur war die Oberfläche, nach Ansicht von Gläser, zu fein aufgearbeitet.

Außerhalb der Konkurrenz, weil nicht direkt mit Grubber und Scheibenegge vergleichbar, liefen die Striegel von Bednar und Wallner. „Dass es am Vortage einige Millimeter geregnet hatte, erleichterte es zwar, aber ich war doch überrascht, dass die Striegel in dem leicht durchfeuchteten Boden die meisten Stoppeln herausgerissen haben“, so Gläser.

Insgesamt habe sich bei diesem Feldtag erneut bestätigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer ausreichenden Bodenbedeckung nach der Stoppelbearbeitung auf unberäumten Flächen höher ist als auf beräumten. Im Falle der entsprechenden Bereiche auf dem für die Maschinenvorführung präparierten Schlag in Großdubrau lag der Bedeckungsgrad auf den unberäumten Flächenabschnitten bei durchschnittlich 40 Prozent und bei denen mit Stroh- abfuhr bei unter 30 Prozent.

Hintergrund – Wie misst man den Bedeckungsgrad?

Mitarbeiter des KBD-Sachsen e. V. beim Auslegen der Mulchschnur zur Ermittlung des Bodenbedeckungsgrades.

Mitarbeiter des KBD-Sachsen e. V. beim Auslegen der Mulchschnur zur Ermittlung des Bodenbedeckungsgrades.

Zur Beantwortung dieser Frage gibt es zwei Methoden. Entweder man legt einen Schätzrahmen aufs Feld und vergleicht den eingerahmten Abschnitt mit Bildern verschiedener Bedeckungsgrade. Oder man spannt nach dem Verfahren von Winnige schräg zur Bearbeitungsrichtung eine 15 m lange Mulchschnur, die alle 15 cm, also insgesamt an 100 Punkten, markiert ist. Beim Abschreiten der Schnur werden die Punkte gezählt, unter denen organisches Material liegt. Ist das zum Beispiel unter 40 Punkten der Fall, beträgt der Bedeckungsgrad 40 %.

Steckbrief – Agrargenossenschaft „Heidefarm“ Sdier e.G.

Standort: Großdubrau (Oberlausitz), 150 m über NN

Pflanzenproduktion: 4.400 ha LN, davon 2.200 ha Getreide, 550 ha Winterraps, 40 ha Zuckerrüben, 35 ha Kartoffeln, 600 ha Silomais, 740 ha Grünland, Stillegungs- und Blühflächen

Tierproduktion: Milchviehanlage an zwei Standorten mit 850 melkenden Kühen und eigener Nachzucht

Erneuerbare Energien: Biogasanlage, 500 kWel, seit 2007

Weitere Bereiche: Kartoffellagerhaus, Großküche, Hofladen, Fahrzeug- und Landtechnikservice

Mitarbeiter: 95 Beschäftigte, davon 7 Lehrlinge

Beteiligungen: Anteilseigener an Schweinemastbetrieb mit 20.000 Mastplätzen, ein Teil der dort anfallenden Gülle wird abgenommen (Gesamtaufkommen 65.000 m³/a), Mit dem Kauf eines Vredo-Selbstfahrers wurde kürzlich in moderne Gülletechnik investiert.


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