Magazin Landtechnik

Bodenbearbeitung :

Comeback mit neuem Pflug-Konzept

Der Pflug ist noch immer das Symbol in der Landwirtschaft. Selbst wenn die Diskussionen über dessen Einsatz in den zurückliegenden Jahren fast das Niveau von Glaubenskriegen erreichten. Inzwischen sehen das die beiden Fraktionen, die „Umpflüger“ und die „Direktsäer“, viel gelassener. Der Pflug ist wohl nicht die ideale Lösung, wenn man die Bodenstruktur erhalten will, aber eine durchaus probate, wenn es um die Kraut- und Mausbestände geht.

Bodenbearbeitung: Comeback mit neuem Pflug-Konzept

Mit ca. 13 km/h zieht der 110 PS Traktor den Prototypen des von der Heide Vierscharpflugs mit Packerwalze.

Hans von der Heide.

Hans von der Heide.

Die technische Entwicklung der Pflüge erlebt erhebliche Aufrüstungen. Um jedem Bodentyp, jedem Aufwuchs oder Pflanzenrückstand, von Auflaufgetreide über Zwischenfrucht, von Häckselstroh bis Maisstroh gerecht zu werden, haben sich die Entwicklungs-Teams der namhaften Pflughersteller viel einfallen lassen. Spezielle Scharformen und Werkzeuge, individuelle Anbau- und Zusatzausstattungen bis zur Steuerung aus der Kabine, machen aus dem Pflug ein spezialisiertes Bodenbearbeitungsgerät, das zentime-tergenau justiert werden kann. Betrachtet man die aktuellen Modelle der Pflugtechnik, kann sich kein Laie vorstellen, dass es mal mit einem Holzhaken begann.

Trotz der rasanten Weiterentwicklung bleibt das Pflügen zeit- und kraftintensiv. Der Ansatz „Zeitersparnis durch Arbeitsbreite“ verlangt entsprechende Motorleistung am Traktor. Und der wird nicht schneller, wenn der Pflug länger ist. Im schlimmsten Fall steckt der Pflug im Boden und nach einigen Versuchen auch der Traktor. Große Arbeitsbreiten bedeuten in der Regel auch mehr Gewicht am Heck des Schleppers. Damit der nicht die Bodenhaftung verliert, leistet man sich den Luxus Betonwürfel spazieren zu fahren – auch wenn dabei die zulässigen Gesamtgewichte und Achslasten arg strapaziert werden. Die Toleranz der Traktorenhersteller, Bruchschäden an Gehäusen und Bolzen zu übernehmen, nimmt ab.

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Leicht gemacht

Eine Möglichkeit, das Gewicht der Pflüge zu reduzieren, sind stählerne Streifen-Schare oder Rabalon-Schare, ein sehr belastbarer Kunststoff. Wobei auch Streifenschare manchmal leichter aussehen als sie sind, besonders dann, wenn der Stahl stärker ist oder sogar zusätzliche Stützen notwendig sind. Der verschleißfeste Kunststoff Rabalon hat sich inzwischen bewährt, auch wenn die Fan-Gemeinde noch überschaubar ist. Neben der Gewichtsreduzierung von gut 200 kg bei einem Vier-Schar-Pflug geht die Möglichkeit des „Boden-Anbackens“ an den Scharen gegen Null. Die Bundesanstalt für Landtechnik (BLT) Wieselburg/Österreich wies in verschiedenen Versuchen nach, dass nach einem Austausch der Pflugschare von Stahl zu Rabalon bei einem Vier-Schar-Pflug 13 % mehr Zugkraft bei gleichzeitig 14 % Treibstoffersparnis möglich sind. Mit dem Rabalonschar ließe sich auch der Schlupf reduzieren, somit kein Verschmieren am Furchengrund, keine Pflugsohlenbildung, und Zeitersparnis von knapp 10 Minuten pro Hektar.

Neu gemacht

Im niedersächsischen Laggenbeck bei Ibbenbüren hat die Frage nach dem geeigneten Pflug auch Hans von der Heide beschäftigt. Hans von der Heide ist in der Landtechnik-Branche kein unbekannter. 1968 entwickelte er den ersten Siloblockschneider. Kaum zwölf Jahre später das erste Silage- und Kraftfutter-Verteilfahrzeug. 1998 erhielt er für den Mix-Boy die Neuheiten-Goldmedaille der DLG.

Der passionierte Landtechnik-Tüftler hat die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte miterlebt und gestaltet. Eine Frage, die ihn aber noch in Bezug auf die Bodenbearbeitung umtrieb, lautet: Ist die Pflugleistung nur durch größere Arbeitsbreiten optimierbar oder durch höhere Arbeitsgeschwindigkeiten? Oder ließe sich der Pflug mit anderen Arbeitsgängen kombinieren?

Bei seinen Reisen ist seine Aufmerksamkeit immer auch auf die Landtechnik in der Feldflur gerichtet. So beobachtete er im vergangenen Jahr bei einem Besuch in Mecklenburg einen 12 Schar-Pflug bei der Arbeit. „Ein durch und durch gutes Gerät“, so der passionierte Landtechniker: „Aber was für ein großes Vorgewende.“ Vorgewende, die Manövrierfläche, auf der der Traktor mehrmals hin und her bewegt wird.

Die Entwicklungen in der Pflugtechnik hat Hans von der Heide genau beobachtet. Die Problematik der Arbeitsbreiten, Gewichte und Geschwindigkeiten ließe sich aus seiner Sicht nicht mit der bisherigen Ausrichtung des Pfluges wirklich lösen. Die selbstgestellte Arbeitsaufgabe: ein Pflug, der mit anderen Geräten kombinierbar ist – um so Arbeitsgänge und Zeit zu sparen. Eine andere Konstruktion, um das Gewicht des Pfluges so zu optimieren, dass der Traktor ohne zusätzliches „ungenutztes“ Gegengewicht auskommt. Voraussetzung, so der Landtechnik-Profi, ist der optimale Pflugschar: Einfach, robust, effizient.

In seiner in der Garage eingerichteten Werkstatt hat Hans von der Heide tagelang mit einem Stahlblech experimentiert, um die ideale Form des Schars herauszufinden.

Aus der Garage ins Feld

Für diesen besonderen Pflugkörper konzipierte er ein Träger-Modell, einen neuen Pflug, an dem die Schare angebracht werden sollten. Maße und Bohrungen auf einem Zettel notiert, ließ er sich die entsprechenden Bauteile fertigen. Anschließend hat er zusammen mit einem ehemaligen, inzwischen ebenfalls pensionierten und ebenso passionierten Mitarbeiter einige Wochen in der Garage gebaut. Jetzt steht der Prototyp bei Burdorf Landmaschinen in Wallenhorst. Der Prototyp ist ein OnLand Vier-Schar-Beetpflug mit gut 2,40 Arbeitsbreite: kompakte Bauweise, parallele Anordnung der Pflugschare an einem Pflugbalken.

Jeder der vier Pflugkörper ist ein einheitliches Bauteil, das in etwa dem eines halbierten Rohres mit abgeschrägten Kanten vorne und hinten entspricht. Die Pflugkörper sind oben direkt am Pflugbalken angebaut. Durch die besondere Form der Pflugkörper ist ein Grindel zur Befestigung überflüssig. Auf weitere Anlagen, sonst üblich bei den verschiedenen Pflugversionen, wie Vorschäler oder Einleger, kann ebenfalls verzichtet werden. Lediglich das Scheibensech ist geblieben. Der Zwischenraum zwischen den jeweiligen Pflugscharen ist völlig unverbaut und durchgängig frei. So seien mögliche Stauungen nahezu ausgeschlossen. „Das funktioniert“, so Hans von der Heide „durch die besondere Form und Abstände der Pflugkörper.“ Die Höhe von der Schneidkante bis zum oberen Längsrand des Pflugkörpers am Pflugbalken angebauten Bogen sollte größer sein als der Abstand zwischen den Scharen. Hier, beim Prototypen ist eine Arbeitsbreite von ca. 60 cm angelegt, die Pflugkörperhöhe ist in etwa 80 cm. Der in Arbeitsrichtung weisende Teil des Pflugkörpers ist als Pflugschar ausgeformt, somit entfallen auch hier mögliche Verstärkungen oder Stützen.

Der aufgepflügte Bodenbalken kann nicht, wie unter Umständen möglich, in die Furche des benachbarten Schares fallen. Er fällt gegen den benachbarten Pflugkörper und durchmischt dabei die Bodenschichten mit dem aufliegenden Pflanzenmaterial. So bleibt eine gut durchmischte Scholle zurück. Die vielleicht nicht ganz „sauber“ erscheint. Die Gefahr einer möglichen Mattenbildung oder Pflugsohle ist so nahezu ausgeschlossen.

Da die Pflugkörper schräg zur Arbeitsrichtung stehen, hat Hans von der Heide eine Gleitkuve am Rahmen des Pfluges angebracht, die, an der Pflugkante entlanggezogen, den Pflug in Spur hält.

Zur Gewichtsentlastung des Traktors sind an dem ca. 1,7 t schweren Vier-Schar-Pflug seitlich Stützräder angebracht. Eines läuft auf dem Stoppel, das zweite in der Furche. Diese lassen sich durch einfache Spindel-Kurbeln in ihrer Höhe verstellen und so auch die Pflugtiefe variieren. Neben der Gewichtsentlastung unterstützt das in der Furche laufende Rad zusammen mit der gegenüber angesetzten Gleitkuve die Spurtreue.

Im Feldversuch

Als der Prototyp fertiggestellt war, tut Hans von der Heide das, was jeder gute Landtechnik-Kunde tut. Er geht zum Händler seines Vertrauens. Hans von der Heide ist seit über 50 Jahre Kunde bei Burdorf Landmaschinen. „Ich war ja schon bei Ritter senior Kunde“, berichtet Hans von der Heide lachend: „Für mich war klar, dass ich den Pflug erst einmal Wolfgang Ritter und Guido Schmitz vorstelle.“ Der erfahrene Konstrukteur schätzt deren technisches Verständnis. „Und vielleicht hätten die beiden ja auch noch eine Idee, das Gewicht des Pfluges zu reduzieren“, so Hans von der Heide: „Weil sie inzwischen viel Erfahrung mit Ersatz- und Bauteilen aus Rabalon-Kunststoff haben.“ Wolfgang Ritter und Guido Schmitz, Geschäftsleitung Burdorf Landmaschinen, sind lange genug im Landtechnikgeschäft und kennen die Pflugtechnik. Wolfgang Ritter: „Hans von der Heide hatte am Telefon den Pflug kurz beschrieben. Das hat uns neugierig gemacht.“ Nachdem sich Wolfgang Ritter und Guido Schmitz den Pflug angesehen hatten, stand fest: „Den müssen wir testen.“ Guido Schmitz: „Das Spannende sind die Pflugkörper und deren parallele Anordnung.“

Da alle vier Schare gleichzeitig in derselben Tiefe ansetzen und der Durchgang zwischen den Pflugkörpern völlig unverbaut ist, ist der 110 PS Traktor mit dem Vierscharpflug gut 13 km/h gefahren. Der Traktor pflügt „on-land“, bleibt also auf dem Stoppel. Im Test wurden Getreide- und Maisstoppel gepflügt. Das verlief störungsfrei und ergab ein entsprechend sauberes gut durchmischtes Pflugbild. Selbst bei Maisstroh, so ein Versuch, läuft der Pflug störungsfrei durch. Die Mais-Zünsler-Gefahr im Blick, erklärt von der Heide, sei es empfehlenswert und bei dieser Pflugkonstruktion auch möglich, einen Schlegelmulcher direkt vor den Pflug oder in die Fronthydraulik des Traktor zu setzen.

Bei dem Prototypen sind die Pflugkörper aus Stahl, der bodenstreichende Bereich ist aus Rabalon, ebenso robust und es bleibt kein Boden anhaften. Um das Gewicht des Pfluges weiter zu reduzieren, kann sich von der Heide auch vorstellen, die Pflugkörper komplett aus Rabalon zu formen.

Fazit

Im Versuch war direkt hinter dem Pflug die Packerwalze angebaut. Hans von der Heide: „Durch die kompakte Bauform, ließe sich auch eine Drill-Kombination anbauen.“

Bei der Konzeption des Pfluges stand für von der Heide fest, so einfach wie möglich. Der Beetpflug ist im Gegensatz zum Volldrehpflug technisch weniger aufwändig. Von der Heide: „Große Traktoren oder Geräteträger haben inzwischen drehbare Kabinen. Wenn also ein linksdrehender Beetpflug am Heck und ein rechtsdrehender in der Fronthydraulik arbeitet, drehe ich nur die Kabine und kann die Pflüge jeweils als Gegengewicht nutzen.“ Damit ließen sich Vorgewende einsparen und somit die entsprechenden Bodenverdichtungen. Nicht weniger spannend ist die Kombination mit Kreiselegge oder Drille – faktisch Direktsaat mit Pflug. Und noch spannender wird es, wenn sich autonom steuernde Zugmaschinen durchsetzen, die einen solchen Pflug in Front und Heck einfach über den Acker ziehen.

Hans von der Heide hat den Prototyen in seiner Garage entwickelt.

Hans von der Heide hat den Prototyen in seiner Garage entwickelt.


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