Magazin Gülletechnik

BioGarant/Stassen :

1996 mit professioneller Logistik im Gülle-Management gestartet

Holländer haben ihren Güllefluss längst komplett durchorganisiert – Ideologisch geführte Debatten um Grundwasserbelastung und Geruchsbelästigung versachlicht

BioGarant/Stassen: 1996 mit professioneller Logistik im Gülle-Management gestartet

Während in den Niederlanden auch in den stehenden Beständen die Gülle mit Schlitztechnik ausgebracht wird, bevorzugen die deutschen Landwirte den Schleppschlauch bzw. Schleppschuh.

Arthur Stassen managt 300.000 Kubikmeter Gülle jährlich.

Arthur Stassen managt 300.000 Kubikmeter Gülle jährlich.

Die Vorgaben der Gülleverordnung haben in den zurückliegenden Jahren in der Gülletechnik ein regelrechtes Entwicklungsfeuerwerk entfacht. Das gilt besonders für die Technik der Ausbringung. Aber auch rund um die Logistik und Dokumentation von Mengen und Inhaltsstoffen ist alles in Bewegung. Der eilbote besuchte den niederländischen Betrieb der Familie Stassen. Sie hat sich mit einem eindrucksvollen Fuhrpark auf die schlagkräftige Güllelogistik spezialisiert.

Während in Deutschland noch medienwirksam diskutiert wird, haben die Niederländer durch gesetzlichen Druck ihren Güllefluss längst komplett durchorganisiert. Hier hat man die bei uns oft ideologisch geführte Debatte um Geruchsbelästigung, Grundwasserbelastung durch die Gülle und zu großer Viehdichte in den Regionen zu einem organisierten Güllemanagement versachlicht.

Mit rigiden Gesetzen rund um die Art der Gülleausbringung, der Mengen und insbesondere der Inhaltsstoffe wurde schon Ende der neunziger Jahre auf die umfassende Einarbeitung der Gülle gesetzt, das heißt, Schlitztechnik hat den absoluten Vorrang. Die Einarbeitung der Gülle direkt bei der Ausbringung mit Grubber auf Stoppelflächen ist ebenso Standard, wie die Schlitztechnik auf Grünland und in stehenden Getreide- oder Maisbestände.

Gleichzeitig müssen die Mengen und Inhaltsstoffe der Gülle erfasst, dokumentiert und archiviert sein. Auf allgemeine „Faustzahlen“ wollten sich weder die zuständigen Behörden noch die Abnehmer der Gülle verlassen. Der Stickstoff und Phosphatgehalt der Gülle aus Sauen- oder Schweinemastbetrieben mit Nass- oder Trockenfütterung variiert ebenso, wie die Gülle aus Rinder-, Kälbermast oder Milchviehhaltung. Die Beprobung jedes Gülletransports, Erfassung der Daten, wie Gülleart, Gülleinhaltsstoffe, abgebender Betrieb, aufnehmender Betrieb, die Flächen, alles wird dokumentiert und archiviert.

Überregionales Güllemanagement fordert Logistik

Das Unternehmen BioGarant-Dünger & Energie in Selfkant-Millen bzw. Sittard, Standort Born, ist vor mehr als 40 Jahren als Betriebszweig aus einem landwirtschaftlichen Betrieb hervorgegangen. Damals begann Ghislain Stassen die Verteilung der Gülle aus den viehstarken Regionen der Niederlande in die Ackerbauregionen zu organisieren. In unserem Nachbarland verfügten die meisten viehstarken Betriebe bereits damals schon kaum über ausreichende Flächen, um die anfallende Gülle dort sinnvoll einzusetzen. Gleichzeitig suchten die Ackerbaubetriebe nach kostengünstigem Dünger.

Vor fast 30 Jahren wurde aus dem ehemaligen Betriebszweig der Stassens ein eigenes Unternehmen. Der ursprüngliche Standort war zu klein und die Wohnbebauung war bereits nahe an den landwirtschaftlichen Betrieb herangerückt. Im Gewerbegebiet in Born fand sich dann ein geeignetes Grundstück, 25.000 Quadratmeter groß. Neben Stellplätzen für ca. 30 Transportzüge befinden sich hier heute auch Verwaltung, Werkstatt und Waschhalle sowie zwei Güllezwischenlager mit jeweils 6.000 Kubikmeter Lagerkapazität. Seit 1996 führen die Brüder Roger und Arthur Stassen das Unternehmen und erweiterten das Gülle- und Stallmist-Management um den Bereich der Spedition.

Fruchtfolge und Gülleart

Gut 300.000 Kubikmeter Gülle, davon 60  % aus der Schweine- und 30 % aus der Rinderhaltung sowie knapp 10 % Trockenkot aus der Hähnchen-, Puten-, Enten- und Kaninchen-Mast, werden in einem Radius von 100 Kilometern jährlich transportiert und ausgebracht. Um diese Menge im Sinne der guten landwirtschaftlichen Praxis zu verteilen, ist das Stassen-Team im engen Kontakt mit allen beteiligten Betrieben. Die abgebenden Betriebe geben nicht nur die Menge an Gülle an. Tierart, Haltungsform, Art der Fütterung und Fütterungskonzept spielen ebenfalls eine Rolle bei der Beurteilung der Gülle. Die aufnehmenden Betriebe nennen ihr Fruchtfolge-Konzept: Vorfrucht, Hauptfrucht und was nachfolgend geplant ist. Anhand dieser Angaben erstellt Stassen eine Stickstoff-Phosphor-Bilanz. Mit den erfassten Nährstoffwerten aus den eigenen Messungen der jeweiligen Gülle kalkuliert er die in Frage kommende Güllemenge, die der Betrieb bzw. die Fläche aufnehmen kann. Meldet also ein Landwirt eine gewisse Menge an Gülle, überschlägt Stassen die damit gebundene Menge an Stickstoff und Phosphor. Arthur Stassen weiß, welche Flächen bzw. Betriebe als Abnehmer der Gülle dann in Frage kommen.

Die logistische Herausforderung

Zur Organisation der Mengen und Inhaltstoffe kommt das logistische Management. Flurstücke und Anfahrwege werden mit den Landwirten ebenfalls abgesprochen. Inzwischen sind Landwirte und der Spediteur sich einig, dass die Route der Gülle-Ausbringung sich an der Feldflur orientiert, also im Sinne der sogenannten Gewannebewirtschaftung. Die einzelnen Flurstücke und Eigentümer werden zu „Planquadraten“ zusammengefasst, die nacheinander beliefert werden. „Das war schon ein Entwicklungsprozess für uns, aber auch für die Landwirte“, erklärt Stassen. So lassen sich die Kosten rund um die Logistik günstiger kalkulieren. Dabei hat der Spediteur auch die jeweiligen Feldfrüchte und deren Nährstoffbedarf im Hinterkopf: „Gülle ist ja ein komplexer Dünger.“ Auch die verzögerte Wirkung der Gülle-Nährstoffe ist bei der Planung zu beachten.

Imposante Fahrzeugflotte.

Imposante Fahrzeugflotte.

Um die Verteilung der Gülle entsprechend des Bedarfs der Ackerkulturen zu gewährleisten und gleichzeitig aus logistischer Sicht effizient zu arbeiten, nutzt der versierte Dienstleister die Möglichkeiten des Internets. Anhand der Karten bzw. Satellitenaufnahmen legt Arthur Stassen die Route und die Reihenfolge der zur Ausbringung vorgesehenen Flurstücke fest. Diesen Plan hält dann jeder Fahrer vor Fahrtantritt in den Händen. Während der Arbeiten kann Stassen jedes Fahrzeug verfolgen. Auf seine Mitarbeiter kann er sich verlassen. „Wir sind zwar eine Spedition, aber die Lkw-Fahrer haben alle einen landwirtschaftlichen Hintergrund, wissen also worauf es bei dieser Art des Transportes ankommt.“ So kann unter Umständen schnell reagiert werden, wenn Straßen gesperrt sind oder sich als Anlieferstrecke nicht eignen. Eine akribische Vorbereitung ist ebenso wichtig wie eine schnelle Reaktion. „Die Kette darf nicht unterbrochen werden, denn Gesetzgeber, Wetter, Bodenzustand und Ackerfrüchte geben uns den Zeitrahmen und die möglichen Mengen vor. Dazu kommen Verkehr und Straßen, Zustand und Befahrbarkeit von Feldwegen“, erläutert Stassen. Wenn also der erste Fahrer der Kette durchgibt, dass der Weg zum Feld nicht geeignet ist oder das Ausbringfahrzeug an anderer Stelle einfacher zu betanken ist, wird die Transportkette ohne Unterbrechung umgeleitet. Diese Flexibilität ist einer der Gründe, dass selbst in der Hochsaison alle Fahrzeuge spätestens um 22.00 Uhr wieder auf dem Betrieb stehen. 

Die Transportfahrzeuge sind von der TrailerTec GmbH, Wilnsdorf ausgerüstet. Sofort fällt die vordere Liftachse der Tridemauflieger ins Auge. In den Niederlanden dürfen so bis zu 50 Tonnen Gesamtgewicht bewegt werden.

Rollende Waagen mit Stoffanalyse

Die Auflieger sind mit einer Wiege- und einer NIR-Gülleprobeentnahme-Vorrichtung versehen. Auf dem Chassis befinden sich acht Sensoren, so verteilt, dass das exakte Gewicht der Ladung zu erfassen ist. Das Ergebnis wird ausgedruckt und gleichzeitig elektronisch abgespeichert. Die Probeentnahme erfolgt bereits während der Befüllung des Fasses. Fünfmal zieht das Gerät Proben aus dem Güllefluss und bestimmt mit dem NIR-Verfahren die Inhaltsstoffe. Am Ende der Befüllung werden diese fünf analysierten Einzelproben zusammengefasst, in einem Beutel eingeschweißt, codiert und eingescannt. Damit sind Mengen und Inhaltsstoffe jedes einzelnen Fasses exakt erfasst und nachvollziehbar archiviert.

Jährlich werden ca. 300.000 Tonnen Gülle ausgebracht. Jede Ladung ist analysiert, dokumentiert und die Daten sind archiviert.

Jährlich werden ca. 300.000 Tonnen Gülle ausgebracht. Jede Ladung ist analysiert, dokumentiert und die Daten sind archiviert.

Der 30-Kubikmeter-Tankauflieger mit einem Eigengewicht von ca. 5,3 Tonnen ist mit dem NIR System ausgestattet.

Der 30-Kubikmeter-Tankauflieger mit einem Eigengewicht von ca. 5,3 Tonnen ist mit dem NIR System ausgestattet.

Fazit

Bei unseren an Fläche kleinerem Nachbarn Niederlande ist die „Problematik“ rund um die Gülle sehr viel schneller und früher relevant geworden. Straffe Gesetzgebung hat zu einem ebenso straff durchorganisierten Gülle-Management geführt. Die strikte Einarbeitung auf Stoppelflächen und das „alternativlose“ Schlitzen der Gülle – auch in die stehenden Bestände – hat nicht nur die Nasen entlastet, sondern auch die Gemüter beruhigt.

Um die Gülle raus aus den Schlagzeilen und effizient auf den Acker zu bringen, reicht die ausgeklügelte Ausbringungstechnik allein nicht aus. Dazu bedarf es ebenso der professionalisierten Logistik und eines flexibleren Lagermanagements.


Diesen Artikel bewerten

Diskutieren Sie mit

blog comments powered by Disqus