Magazin Landwirtschaft

Bioenergie :

Mineralölwirtschaft will eigene Biokraftstofftechnik durchsetzen

Kabinett einigt sich auf 3-Prozent-Teilquote für hydriertes Pflanzenöl ab 2010 – BP-Plädoyer für „Technologieoffenheit“ – Gerät die Landwirtschaft ins Abseits?

Die Mineralölwirtschaft will sich vom  Biodiesel aus Raps unabhängiger machen.

Die Mineralölwirtschaft will sich vom Biodiesel aus Raps unabhängiger machen.

Die Biotreibstoffquote soll künftig nicht nur mit Biodiesel und Ethanol, sondern auch mit Pflanzenöl erfüllt werden dürfen, das in Großraffinerien verarbeitet wird. Wie aus den vom Bundeskabinett beschlossenen Eckpunkten für ein „Integriertes Klima- und Energieprogramm“ hervorgeht, soll im Rahmen der geplanten Quotenerhöhungen für Biokraftstoffe auch hydriertes Pflanzenöl mit beigemischt werden dürfen. Ab 2010 sollen demnach bei einer Aufstockung der biogenen Komponenten im Sprit auf mehr als 7 % bis zu 3 % der Quote mit hydrierten Pflanzenölen erfüllt werden dürfen. Voraussetzung ist die Zertifizierung der Öle. Ob mit der 7-Prozent-Quote nur Biodiesel oder eine Gesamtquote gemeint ist, geht aus den Eckpunkten nicht hervor. Die Bundesregierung gibt damit ein Stück weit dem Drängen der Automobil- und Mineralölindustrie nach. So hatte der Ölkonzern BP „Technologieoffenheit“ statt einer Fixierung auf Biodiesel und Ethanol verlangt. Pflanzenöle, die neben Rohöl direkt in den Raffinerieprozess eingeführt und zu einem gemeinsamen Kraftstoff hydriert würden, hätten den großen Vorteil, dass sie qualitativ und mengenmäßig das ambitionierte Ziel der Bundesregierung durchaus realistisch erscheinen ließen, im Jahr 2020 eine Biokraftstoffquote von 17 % zu erreichen, so der Vorstandschef der deutschen BP, Dr. Uwe Franke. Widerstand gegen das Hydrotreating gibt es aber im Bundestag. So hatte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ulrich Kelber, angekündigt, das Parlament werde die Position der Bundesregierung zum Hydrotreating „kritisch hinterfragen“. Die SPD-Fraktion hatte sich vor der Sommerpause in einem Beschluss für eine Auf-stockung der Biokraftstoffquoten, aber gegen das Hydro- treating zur Quotenanrechnung ausgesprochen. Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) hielt den Argumenten von BP entgegen, die Kritik an etablierten Biokraftstoffen entbehre jeder Grundlage. „Die bereits etablierten Biokraftstoffe haben ihre Leistungsfähigkeit in der Beimischung längst unter Beweis gestellt“, betonte die Stellvertretende VDB-Geschäftsführerin Dr. Karin Retzlaff.

Keine Technikpfade verbauen

Beim Hydrotreating von Pflanzenöl, das praktisch nur in Großraffinerien möglich ist, wird das Pflanzenöl unter Zugabe von Wasserstoff ohne die bei der Biodieselherstellung notwendige Umesterung so verändert, dass die Kraftstoffnormen offenbar eingehalten werden können. „Wir dürfen uns bei der Entwicklung neuer Biokraftstoffe keine Technikpfade verbauen“, forderte Franke vor Journalisten in Düsseldorf. Die Wirtschaft könne nur dann intelligente Lösungen für neue Kraftstoffe finden, die nicht die Grundnahrungsmittel verteuerten und nicht mit Monokulturen die Umwelt belasteten, wenn die Politik nicht einzelne Biokom-ponenten wie Ethanol oder Biodiesel gesetzlich vorschreibe. BP konzentriere sich auf das Hydrieren von Pflanzenölen, weil diese technisch anspruchsvolle Methode einen qualitativ sehr viel besseren Biokraftstoff hervorbringe als die heute üblichen Biodiesel. In Hydro- und Crackeranlagen würden die Moleküle des eingesetzten Pflanzenöls chemisch aufgebrochen und gezielt verändert, so dass der gewonnene Biokraftstoff neuen Motoren angepasst werden könne. „Die Bundesregierung scheint hier offen zu sein und will das neue Biokraftstoffquotengesetz für das Co-Processing öffnen“, hob Franke hervor. Er warnte „vor Protektionismus unter dem Deckmantel überzogener Nachhaltigkeitsstandards“. Am Import von Biokraftstoffen führe letztlich kein Weg vorbei, weil in Deutschland und Europa die vorhandene Anbaufläche bei weitem nicht ausreiche.


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