
Quads stehen hierzulande vor allem für Spaß und Freizeitsport. Doch auch ihre kraftvolleren, allradgetriebenen Geschwister, die ATVs und UTVs, gewinnen im deutschsprachigen Raum zunehmend an Beliebtheit. Als robuste Arbeitstiere sind sie immer häufiger in Land- und Forstwirtschaft sowie im gewerblichen Bereich anzutreffen. Diese dynamische Entwicklung hat die bema Maschinenfabrik erkannt und mit der QuadLine das Produktportfolio entsprechend erweitert. Die neue Produktlinie, die speziell für den professionellen Einsatz der kompakten Allradmaschinen entwickelt wurde, wird bema erstmals auf der GaLaBau im September präsentieren. Dazu gehören im ersten Schritt eine neu entwickelte Sweezy Anbaukehrmaschine mit Elektromotor, ein Schneeschild und ein Schiebebesen. Über eine eigens für Quads konzipierte Anbaukonsole mit einheitlicher Schnittstelle können die neuen QuadLine Modelle schnell und einfach angebaut werden.
Der eilbote und dessen Social Media Sparte agriversum hatten schon vor der offiziellen Premiere auf der Nürnberger Fachmesse die exklusive Gelegenheit, die neuen Arbeitswerkzeuge für die vierrädrigen Allradler direkt beim Hersteller im niedersächsischen Voltlage-Weese, Landkreis Osnabrück, im Arbeitseinsatz zu sehen.
Idee reifte auf Agritechnica
Impulsgeber für den Einstieg in die Klasse für kompakte Anbauwerkzeuge war die Agritechnica im vergangenen Jahr, berichtet die geschäftsführende Inhaberin Sonja Koopmann beim Ortstermin. bema hatte in Hannover speziell für E-Hoflader und andere elektrisch angetriebene Fahrzeuge die radgetriebene Sweezy 25 Dual WD sowie die elektrische Kehrmaschine Sweezy 580 Dual E vorgestellt. Dabei sei schnell die Frage nach einer passenden Adaption für ATVs und andere Arbeitsquads aufgekommen.
Daher machten sich die bema-Ingenieure im Nachgang der internationalen Fachmesse auf die Suche nach einem geeigneten Entwicklungspartner. Zu ihrer Überraschung wurden sie quasi in der Nachbarschaft fündig: Keine 20 Kilometer entfernt, in Mettingen, bietet das Unternehmen Quadfarm eine breite Auswahl von Quads und ATVs sowie passendem Zubehör an. Das Sortiment umfasst unter anderem Anbaugeräte wie Kehrbesen, Schneeschilder und Geräte für die Reitplatz- und Grünlandpflege sowie Heck- und Frontkoffer. In der betriebseigenen Werkstatt werden auch Sonderanfertigungen realisiert, sodass unter anderem Johanniter Rettungsdienste und Feuerwehren aus dem ganzen Bundesgebiet zu den Kunden zählen.
Die Inhaber, Dirk Neuhaus und sein Sohn Jannik, haben ihre Wurzeln in der Landtechnikbranche. Seit vielen Jahren bietet ihr Fachbetrieb „Landmaschinen Neuhaus“ Grünland- und Bodenbearbeitungstechnik, Holz- und Kartoffeltechnik sowie Kleintraktoren und Winterdiensttechnik an. Neben dem Vertrieb stellt das Unternehmen Reitplatzplaner und Stalleinrichtungen für Pferde her.
Die beiden Quad-Experten bestätigen den anhaltenden Trend zu den wendigen Allradmaschinen, die nicht mehr nur allein zum Spaß gefahren werden: Ladefläche, Anhängerkupplung und Seilwinde machen ATVs und UTV-Zweisitzer zu vielseitigen Helfern in der Landwirtschaft, im Forst und bei der Jagd. Auch im Facilitymanagement und Winterdienst steige die Nachfrage seit Jahren. Jannik Neuhaus: „Längst haben auch Polizei, Feuerwehren, Katastrophenschutz, Bundeswehr und Grenzschutz Quads im Einsatz.“
Allerdings haben diese geländegängigen Vierradfahrzeuge ein Manko: Sie können zwar Maschinen ankoppeln, aber keine Energie für diese bereitstellen, da ihnen Hydraulikanlage und Zapfwelle fehlen. „Anbaugeräte mit Antriebsbedarf benötigen daher eigene Aufbaumotoren“, erklärt Neuhaus. Und diese sind meist benzingetrieben. Für die Firma bema Grund genug, hier anzusetzen. Schließlich hat sie mit der Sweezy Kehrmaschinengeneration bereits eine autarke E-Technologie eingeführt, die man nun mit der Sweezy 450 Dual E QuadLine an neue Kundengruppen weitertragen will.

© Schulze Ising
Sonja Koopmann führt die bema Maschinenfabrik bereits in dritter Generation.
Elektrischer Antrieb
Der Elektromotor für den direkten Antrieb der Hauptkehrwalze ist zweifellos ein Alleinstellungsmerkmal der neuen Kehrmaschine. Das bestätigen auch Jannik und Dirk Neuhaus. Vor allem begeistert sie aber, dass bema einen einheitlichen und robusten Anbaurahmen mit einer universellen Schnittstelle geschaffen hat, so- dass verschiedene Anbaugeräte schnell und einfach mit wenigen Handgriffen gewechselt werden können. Die elektrische Aushubfunktion erfolgt über die fahrzeugseitige Seilwinde.
„Bis dato gibt es keinen Standard für die Schnittstelle zwischen Quads und Anbaugerät“, sagt Dirk Neuhaus. Stattdessen muss für jedes Gerät eine eigene Anbaukonsole unter dem Quad befestigt werden, was den Gerätewechsel mühsam und zeitaufwendig macht. „Stellen Sie sich den Hausmeister vor, der bei eisiger Kälte und Dunkelheit unter sein Quad kriechen muss, um die Anbauplatte zu lösen, nur weil er von der Kehrmaschine auf das Schneeschild wechseln will...“, verdeutlicht Neuhaus die Problematik. bema hat mit der neuen Anbaukonsole für die eigenen Werkzeuge auf dieses Kompatibilitätsproblem reagiert. Aber das gehöre schließlich zum Geschäft, findet Sonja Koopmann. „Als Kehrmaschinenhersteller müssen wir uns immer wieder mit Schnittstellen auseinandersetzen. Allein in der Baumaschinenbranche gibt es unzählige Möglichkeiten, aber keinen Standard – und das oft nicht einmal unternehmensintern.“

© Schulze Ising
bema hat eine Anbaukonsole mit praktischer Dreipunktaufnahme für die Geräte konstruiert.
Schneller Wechsel
Wilfried Barlage, Konstruktionsleiter bei bema, erklärt die praktische Anbaukonsole, die in enger Zusammenarbeit mit den Experten von Quadfarm entwickelt wurde: „Sie kann mit Bügelschrauben an verschiedene Quad-Modelle montiert werden. Der Unterzug ist so hinter der Achse platziert, dass die Frontlast verringert wird.“ Da der Anbau der Kehrmaschine zugunsten eines besseren Schwerpunktes und der Traktion möglichst dicht am Fahrzeug erfolgen soll, war der Platz für die Konstruktion begrenzt. „Daher mussten wir sehr viel Kinematik auf engstem Raum unterbringen“, sagt Barlage und zeigt auf das Dreipunkt-System mit kurzem Oberlenker, das dem eines Traktors ähnelt. Dessen Einstellbarkeit ist entscheidend: „Beim Freikehren muss die Kehrmaschine parallel zur Fahrbahn stehen, um eine effiziente Reinigung bei minimalem Bürstenverschleiß zu gewährleisten.“ Eine präzise Ausrichtung sei auch notwendig, um die Funktion der optional erhältlichen Sammelwanne sicherzustellen, die ohne das sonst übliche vordere Stützrad auskommt.

© bema
Kehrbesen, Kehrmaschine und Schneeschild wurden speziell für Arbeitsquads entwickelt.

© Schulze Ising
Für bessere Übersicht stattet bema den Schiebebesen MultiClean QuadLine mit Fahnenhaltern aus.
Strom aus Akku oder Dose
Die Sweezy 450 Dual E QuadLine benötigt keine Antriebsenergie vom Trägerfahrzeug. Denn diese wird standardmäßig von einem EGO Power E-Motor bereitgestellt, der mit einem oder zwei leistungsstarken 56V-ARC-Lithium-Akkus betrieben wird und direkt vom Fahrzeug aus gestartet und gestoppt werden kann. Bei einer Kehrgeschwindigkeit von 4 km/h können laut bema pro Akkuladung rund 7.000 Quadratmeter Fläche gereinigt werden.
Wie Frank Blömer, bei bema zuständig für Business Development, erklärt, wird im Vergleich zu herkömmlichen Kehrmaschinen bis zu 70 Prozent weniger Antriebsenergie benötigt, da keine Umwandlung von elektrischer in hydraulische Energie erforderlich ist. Dies ermögliche eine fast viermal längere Laufzeit eines E-Trägerfahrzeugs. Kollege Wilfried Barlage betont zudem die kontinuierliche Einsatzfähigkeit der kompakten E-Kehrmaschine. „Mit einem Akku kann bis zu einer Stunde ununterbrochen gearbeitet werden, mit zwei Akkus verdoppelt sich die Betriebszeit auf zwei Stunden. Dank der schnellen Ladezeiten, die nahezu identisch mit den Laufzeiten sind, kann ein Akku geladen werden, während der andere im Einsatz ist. Dies ermöglicht einen ununterbrochenen Arbeitsbetrieb.“ Aus Sicht von bema ist die kompakte Kehrmaschine der ideale Werkzeugpartner für elektrisch betriebene ATV. Solch ein Arbeitsduo ist schließlich nicht nur besonders leise, sondern stößt auch keine Abgase im Einsatz aus. Aufgrund der engen Zusammenarbeit mit EGO, einem Spezialisten für Akku-Technologie, kann die exklusive Gerätelösung von bema zudem nicht nur mit Akkus, sondern wahlweise auch direkt über eine 48-Volt-Stromversorgung vom Trägerfahrzeug betrieben werden.
Der Kehrmaschinenspezialist baut die Sweezy 450 Dual E QuadLine mit Arbeitsbreiten von 1.250, 1.400 und 1.550 mm. Die Maschine wiegt maximal 150 Kilogramm und hat einen Kehrwalzendurchmesser von 450 mm. Mit ihren Polypropylen-Spiralsegmenten kann sie sowohl Schmutz als auch Schnee bewältigen. Für universelle Einsätze sind optional und in Abhängigkeit der zulässigen Achslast auch Seitenkehrbesen, eine Wassersprüheinrichtung und eine Schmutzsammelwanne erhältlich.
Sonja Koopmann betont: „bema positioniert sich mit dem Sweezy 450 Dual E QuadLine im Profibereich. Die kompakte Maschine eignet sich ideal für den professionellen Hausmeisterservice und andere Dienstleister. Außerdem arbeitet sie nachhaltig und mit geringem Verschleiß.“

© Schulze Ising
Der Schiebebesen kann durch einfaches Umstecken nach rechts oder links geschwenkt werden.
Premiere in Nürnberg
Überdies hat bema speziell für die kompakten vierrädrigen Allradler zwei weitere QuadLine Anbaugeräte entwickelt, die dank der universellen Schnittstelle schnell und problemlos mit wenigen Handgriffen gewechselt werden können: das Schneeschild Serie 550 und der Schiebebesen MultiClean.
Das Schneeschild ist für den professionellen Wintereinsatz konzipiert. Der Aushub erfolgt einfach über die fahrzeugseitige Seilwinde. Mit Arbeitsbreiten von 1.300 und 1.550 mm sowie stufenlos höhenverstellbaren Schwerlastlaufrädern bietet es eine flexible Lösung für unterschiedliche Räumarbeiten. Der Schiebebesen lässt sich manuell nach rechts oder links schwenken und verfügt über sechs Besenreihen. Mit einer Arbeitsbreite von 1.500 mm eignet er sich für unterschiedlichste Reinigungs- und Schiebeaufgaben, wie das Schieben von Silage, Schnee, Schlamm, Schmutz und Splitt sowie das Einkehren von Kies oder Sand.
Daneben sehen die bema Ingenieure bereits jetzt weiteres Potenzial für innovative Techniklösungen für Arbeitsquads – insbesondere für den Einsatz im kommunalen Bereich.

© Schulze Ising
Wilfried Barlage, Nicole Pöttering, Frank Blömer von bema, Frederic Bröcker von agriversum, Dirk und Jannik Neuhaus sowie Sonja Koopmann bei der Vorführung der neuen elektrischen Kehrmaschine, die speziell für Quads entwickelt wurde (v.l.).

© Schulze Ising
Für spannende Facebook- und Instagram-Storys filmt Agrarblogger Frederic Bröcker vom Social-Media-Kanal agriversum die Quads per Drohne.
Flotte Helfer
Was unterscheidet Quad und ATV? Und was ist ein UTV? Wir bringen Licht ins Dunkel
Quad
Der Begriff Quad ist eine Kurzform des Wortes Quadricycle, was einfach Vierrad bedeutet. Ein Quad ist ein vierrädriges Fahrzeug mit Hinterradantrieb sowie langgezogenem Sattel und einer Lenkstange ähnlich wie bei einem Motorrad. Im deutschsprachigen Raum wird der Begriff Quad meistens für Sportquads verwendet, die für Freizeitaktivitäten und sportliche Fahrten konzipiert sind.
ATV
ATV ist die englische Abkürzung für All-Terrain Vehicle und bezeichnet ein Geländefahrzeug, das für den professionellen Einsatz entwickelt wurde. Im Vergleich zu den Sportquads haben ATVs meist Allradantrieb und eine Differenzialsperre. Die robusten ATVs sind oft mit Gepäckträgern oder Ablageflächen vorne und hinten ausgestattet. Auch Seilwinden, Anhängekupplungen, Scheinwerfer und große Geländereifen gehören mittlerweile zur Standardausrüstung.
UTV
UTV steht für Utility Task Vehicle und ist sozusagen die praktische Version eines ATVs. UTVs haben meistens zwei nebeneinander angeordnete Sitze, oft sogar mit einem Dach darüber, sowie ein Lenkrad und Pedale wie bei einem Auto. Sie sind speziell für die Erledigung von Arbeitsaufgaben gemacht und verfügen über kippbare Ladeflächen, Seilwinden und extra Stauraum.






