Die Mitarbeiter des schwer angeschlagenen Agrarhandelskonzerns BayWa müssen sich auf einen Stellenabbau gefasst machen. Dieser einschneidende Schritt ist Teil des Transformationskonzepts, mit dem das Unternehmen vor dem Konkurs bewahrt werden soll. Laut dem am Mittwoch vergangener Woche vorgestellten Papier sollen bis zu 1.300 der aktuellen knapp 8.000 Vollzeitstellen gestrichen werden. Der Konzern geht davon aus, dass damit im Ergebnis etwa 6.700 Arbeitsplätze erhalten werden können.
Hart treffen wird es nach BayWa-Angaben insbesondere die zentralen Verwaltungseinheiten. Vorgesehen sei, dort bis Ende 2027 rund 40 Prozent der Stellen abzubauen. Zudem habe eine Analyse ergeben, dass weitere 26 der derzeit gut 400 Standorte auch langfristig nicht wirtschaftlich betrieben werden könnten; sie müssten ebenfalls bis Ende 2027 geschlossen werden. Dem Konzern zufolge haben die Gespräche mit dem Gesamtbetriebsrat zu den geplanten Personalmaßnahmen bereits begonnen. Eine Einigung wird bis Ende März 2025 angestrebt.
Verschlankung und Einsparmaßnahmen
Vorgesehen ist in dem Transformationskonzept auch die Veräußerung von wesentlichen internationalen Beteiligungen bei grundsätzlicher Fortführung der vier Kerngeschäftsbereiche Agrar, Baustoffe, Energie und Technik. Die durch die Unternehmensverkäufe frei werdenden Mittel sollen zur Stärkung der Liquidität des operativen Geschäftsbetriebs und zur Schuldentilgung verwendet werden. Daneben soll es eine organisatorische Verschlankung und zahlreiche operative Einsparmaßnahmen geben.
Der Fokus der Transformation liegt der BayWa zufolge auf der Stärkung der operativen Wettbewerbsfähigkeit in den vier Kerngeschäftsbereichen. Die starke Position in stabilen, gesellschaftlich relevanten Schlüsselmärkten und das Vertrauen der Finanzierungspartner ermöglichten eine selbstständige Sanierung. Im operativen und organisatorischen Bereich würden über alle Geschäftsfelder hinweg Kosten eingespart sowie die Liquiditätsbindung und Prozesse optimiert, so das Unternehmen. Dazu gehörten vorrangig die Verschlankung der Verwaltungsfunktionen und eine Transformation des IT-Bereichs.
Der BayWa-CRO und Vorstandsmitglied Michael Baur gab sich optimistisch: „Die BayWa des Jahres 2027 wird ein fokussiertes, zeitgemäßes Handelshaus mit den vier Kerngeschäftsbereichen Agrar, Baustoffe, Energie und Technik sein“. Dass sich die BayWa jetzt operativ wettbewerbsfähig aufstelle, sei die Voraussetzung dafür, dass sie wieder von ihrer führenden Marktposition in ihren Fokusmärkten profitieren könne.
Agrarkonzern ist sanierungsfähig
Das Transformationskonzept ist Basis für den kürzlich vorgelegten zweiten Entwurf des Sanierungsgutachtens. Die im Juli 2024 von der BayWa AG beauftragte Unternehmensberatung Roland Berger bestätigte mit der Vorlage des zweiten Entwurfs die Sanierungsfähigkeit des Agrarkonzerns. Die Gutachter gehen davon aus, dass das Unternehmen bis 2027 durch die Ergebnisverbesserungen bei gleichzeitigem Schuldenabbau wieder nachhaltige Finanzkennzahlen ausweisen kann.










