Bayer:

Neue Werkzeuge ergänzen chemische Maßnahmen

Einführung neuer digitaler Geschäftsmodelle geplant – Mehr Forschung und Entwicklung im Agrarsektor notwendig – IVA-Hauptgeschäftsführer Gemmer: „Akzeptanz digitaler Lösungen wird steigen“.

Bayer: Neue Werkzeuge ergänzen chemische Maßnahmen

Die Einheit (rechts) beinhaltet eine hochauflösende Kamera für den Nahbereich, eine SIM-Karte für die Datenübersendung sowie ein Solarpanel und eine Batterie für die Energieversorgung. Letztere wird an der Gelbschale montiert.

Bayer: Neue Werkzeuge ergänzen chemische Maßnahmen

Die App MagicScout von Bayer CropScience kann Unkräuter und Schädlinge auch offline identifizieren.

Für eine breitere Debatte über die neuen Züchtungstechnologien hat sich der Geschäftsführer der Bayer CropScience GmbH, Peter R. Müller, ausgesprochen. Diese müsse auch über die Medien angestoßen werden, erklärte Müller am 28. Oktober bei der Vorstellung digitaler Innovationen seines Unternehmens in Monheim.

„Mit unserem innovativen Portfolio, bestehend aus dem chemischen und dem biologischen Pflanzenschutz, Saatgut und Digitalisierung haben wir die besten Werkzeuge, einen geringeren Fußabdruck mit Blick auf das Klima und die Umwelt zu hinterlassen und gleichzeitig die landwirtschaftliche Erzeugung auf hohem Niveau sicherzustellen“, betonte der Geschäftsführer.

Der Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes Agrar (IVA), Frank Gemmer, ergänzte, dass die Agrarbranche eine der digital- affinsten überhaupt sei. Die Akzeptanz digitaler Lösungen werde steigen, unter den Landwirten und in der Gesellschaft. Nach Ansicht von Gemmer hat die Diskussion um die Digitalisierung in der Landwirtschaft durch die Farm-to-Fork-Strategie der EU-Kommission neuen Auftrieb erfahren. Er geht davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren sehr viel in die Praxis umgesetzt wird.

Bayer: Neue Werkzeuge ergänzen chemische Maßnahmen

FieldView Drive (rechte Abb.) wird in der Fahrerkabine eingesteckt und verbindet sich mit dem CAN-Bus der Maschine. Über diese Verbindung kann das Gerät die Maschinen- und Schlagdaten auslesen. Gleichzeitig verbindet es die Maschine per Bluetooth mit dem Tablet, sodass Daten während der Fahrt auf dem Acker überwacht und abzulesen sind. Die große Abbildung zeigt FieldView Anwendungen.

Climate FieldView soll helfen, bessere pflanzenbauliche Entscheidungen zu treffen

Climate FieldView von The Climate Corporation, eine Bayer-Tochtergesellschaft, die durch die Monsanto-Übernahme zu Bayer kam, ist eine global führende Plattform. Mit FieldView werden Betriebe unterstützt, ein besseres Verständnis ihrer Felder über das ganze Jahr hinweg zu gewinnen und objektivere, datenbasierte Entscheidungen zu treffen, die sich unmittelbar auf den ackerbaulichen und wirtschaftlichen Ertrag auswirken.

Die Erwartungen an digitale Lösungen in der Landwirtschaft sind hoch und werden durch diverse Akteure immer weiter gesteigert. „Uns zeigt sich in der täglichen Arbeit jedoch, dass in der Fläche die technischen Voraussetzungen und Grundlagen mitunter fehlen. Dies sind Sensorik auf Erntemaschinen, Lizenzen auf den Schlepper-Displays, isobusfähige Rate Controller sowie neugierige und motivierte Mitarbeiter und Betriebsleiter“, sagte Müller.

Mehrjährige Datenaufzeichnung zeigt unmittelbar Effekte von Bewirtschaftung und bildet die Grundlage für die Evaluation von Fruchtfolge und Betriebsmitteln sowie den Einstieg in eine teilflächenspezifische Bewirtschaftung. Climate FieldView stellt dazu aufbereitete Vegetationsdaten für die Felder des Landwirts zur Verfügung. Und das bis ins Jahr 2017 zurück. Es wird deutlich, dass das Wichtigste einer digital unterstützten Landwirtschaft die Datengrundlage ist, auf Basis derer Entscheidungen und Anpassungen in der Teilfläche getroffen werden.

Climate FieldView soll den landwirtschaftlichen Betrieb dabei unterstützen, nachhaltige Entscheidungen zu treffen und Neues auszuprobieren. Bayer fokussiert sich dabei auf drei Kernthemen.

■ Zentrale und herstellerunabhängige Datenerfassung

■ Wertvolle Einblicke in die Felder – Vegetationsdaten und teilflächenspezifische Ertragsanalyse

■ Teilflächenspezifische Applikationskarten für Aussaat und Pflege

Bayer: Neue Werkzeuge ergänzen chemische Maßnahmen

Im Einsatz: Die MagicTrap, die intelligente Gelbschale für das Monitoring des Schädlingszuflugs, im Rapsbestand.

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Die Drohnenaufnahmen erfassen die Unkrautnester mit hochauflösenden Kameras. Die Spritze nutzt die Geokoordinaten für eine gezielte Behandlung nach Schadschwellen.

MagicScout und MagicTrap machen Schaddiagnosen genau

Je früher ein Schadorganismus – egal ob Unkraut, Pilz oder Schadinsekt – im Feld erkannt wird, umso schneller kann zielgerecht reagiert werden. Landwirte verbringen daher viel Zeit im Feld mit dem Bonitieren ihrer Bestände, wenn es richtig gemacht wird. Bayer entwickelt hierzu zwei neue Anwendungen, um Feldbonituren genauer und effizienter zu machen: „MagicScout“ ist eine Smartphone App, die mit Live-Bilderkennung Probleme schnell erkennt und dokumentiert. Daneben entwickelt Bayer mit „MagicTrap“ eine smarte Gelbfangschale, die den Schädlingsbefall verstreut liegender Schläge überwachen kann, ohne dass der Landwirt regelmäßig seine Felder abfahren muss.

MagicScout

MagicScout nutzt die moderne Technik heutiger Smartphones und ermöglicht die sekundenschnelle Identifizierung von Unkräutern, Pflanzenkrankheiten und Schädlingen durch Bilderkennung. Das besondere an den Bilderkennungsmodellen von MagicScout ist, dass diese sich auch nutzen lassen, wenn im Feld keine Internetverbindung besteht. Mit der MagicScout App lassen sich aktuell mehr als 140 Unkrautarten und Krankheiten, aber auch bereits einige Insektenarten bestimmen. Die Bild- erkennung basiert auf maschinellem Lernen (Deep Learning). Dabei werden Algorithmen trainiert, Muster in den Bildern zu erkennen. Da täglich neue Bilder hinzukommen, wird die Erkennung laut Bayer immer besser. Das System lernt, ständig neue Unkräuter, Pflanzenkrankheiten und Schädlinge zu identifizieren.

MagicTrap

Sobald die Saat aufgelaufen ist, sind die Schädlinge meist nicht weit. Das ist gerade im Raps mit dem Wegfall der insektiziden Beizen für viele Landwirte zum Problem geworden. Ein nicht gleich bemerkter Befall jenseits der wirtschaftlichen Schadschwelle kann schnell zu hohen Ertragsverlusten bis hin zum Totalausfall führen. MagicTrap ist eine digitale Lösung, die hilft, den Schädlingsbefall auf den Feldern kontrollieren zu können, ohne selbst regelmäßig im Feld sein zu müssen.

Bei der digitalen Gelbschale MagicTrap kommt Technik zum Einsatz, die sich bereits in Smartphones bewährt hat. So besitzt die MagicTrap unter anderem eine hochauflösende Kamera, die gestochen scharfe Bilder im Nahbereich aufnehmen kann. Ein integriertes Mobilfunkmodul übermittelt die aufgenommenen Bilder. Sie werden mit Hilfe lernfähiger Bilderkennungsalgorithmen umgehend ausgewertet. So werden Anbauer automatisch über den Zuflug von Schädlingen informiert.

Die Inbetriebnahme der digitalen Gelbschale MagicTrap ist laut Bayer selbsterklärend und bedarf nur weniger Schritte. Einmal aufgestellt, arbeitet sie weitgehend autonom. Die MagicTrap deckt ihren Energiebedarf über ein Solarpanel, das zugleich eine Batterie für die bewölkten beziehungsweise regnerischen Tage lädt. Die MagicTrap besitzt ein spezielles Reservoir, das die Schale vor Austrocknung schützt. Bei Verdunstung kann Wasser entsprechend nachlaufen.

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Diese Drohne im Bayer-Versuch kann 90 Minuten bis zu 55 Meter hoch fliegen. Ihr Preis beträgt 30.000 Euro.

Drohnen überwachen den Unkrautdruck

Digitalisierung und speziell automatisierte Bildererkennung bieten gerade für die Unkrautkontrolle ein großes Innovationspotenzial. Die Digitalisierung liefert dabei die technischen Möglichkeiten, Unkrautbonituren kostengünstig nicht mehr nur auf Feldbasis, sondern für jeden Quadratzentimeter durchzuführen.

Der Einsatz von Drohnen zur Erfassung hochaufgelöster, georeferenzierter Feldbilder ist dabei eine Möglichkeit. Bayer arbeitet an digitalen Lösungen, die Landwirten eine schnellere, objektivere und dokumentierbare Erfassung des Pflanzen- und Unkrautbestands mit Drohnen ermöglicht. Die nachgelagerte Auswertung der Bilder mittels künstlicher Intelligenz erfolgt dann auf einer ähnlichen technischen Basis wie bei MagicScout.

Abhängig von der agronomischen Situation und den eingesetzten Erkennungsalgorithmen können die Drohnenbilder zur Bestimmung der Unkrautverteilung und -dichte auf unbestellten Felder verwendet werden („green vs. brown“).

Anspruchsvoller, aber ebenfalls in Entwicklung, sind Lösungen zur Detektion von Unkräutern zwischen den Kulturpflanzen während der Saison („green vs. green“). Um Herbizid-Programme maßgeschneidert auf die Kulturpflanze (zum Beispiel Mais, Zuckerrübe, Kartoffel) zu entwickeln, ist hierbei – neben der Unkrautverteilung – zukünftig auch die Bestimmung der Unkrautklasse (mono oder dikotyl) und in einigen Fällen auch der Unkrautart wichtig.

Die Verwendung dieser hochaufgelösten, feldspezifischen Informationen wird es, so die Bayer Prognose, erlauben, zukünftig digitale Produktempfehlungen maßgeschneidert für ein Feld zu geben. Dabei können auch Informationen zur Vorjahreskultur, den verwendeten Herbiziden und zu verfügbaren historischen Unkrautkarten verwendet werden, um eine maßgeschneiderte Empfehlung für die aktuelle Saison zu geben. Bestmögliche Unkrautkontrolle bei gleichzeitig maximalem Resistenzmanagement sind dabei von zentraler Bedeutung.

Die Übersetzung der in Zentimeterpräzision bestimmten Position der Unkräuter in Applikationskarten ist ein besonders wichtiger Schritt. Moderne RTK-GPS gesteuerte Feldspritzen ermöglichen dabei eine deutlich präzisere und ressourcensparendere Art der Anwendung der empfohlenen Herbizide.

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