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Weltleitmesse als Impulsgeber

Bauma: Weltleitmesse als Impulsgeber

Über 61 Hektar umfasst die Bauma-Ausstellungsfläche in München.

Aktualisiert am

Mehr als 3.500 Aussteller aus 57 Ländern – 614.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche – Starkes Wachstum aus Asien

Der Countdown läuft: In wenigen Tagen startet in München die Bauma, die Weltleitmesse für Baumaschinen, Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen, Baufahrzeuge und Baugeräte. Vom 7. bis 13. April präsentieren hier mehr als 3.500 Aussteller aus 57 Ländern auf insgesamt 614.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ihre neuesten Maschinen und Technologien.

Die Nachfrage nach Ausstellungsfläche ist auch 2025 ungebrochen hoch und die Bauma erneut ausgebucht. Dabei hat die internationale Beteiligung vor allem aus Asien, speziell aus Indien, Japan, China, Taiwan und Korea spürbar zugenommen. Aber auch Europa bleibt mit einer starken Beteiligung präsent. Italien stellt nach Deutschland die zweitgrößte, die Türkei die viertgrößte Ausstellergruppe. Zudem verzeichnen die Schweiz, Belgien, die Niederlande und Portugal ebenfalls einen Ausstellerzuwachs. Erstmals dabei sein werden Unternehmen aus Argentinien und den Philippinen.

Länder, Kommunen und Unternehmen in aller Welt streben eine klimaneutrale Zukunft an. Vor diesem Hintergrund schwenkt die Branche zunehmend von klassischen Dieselmotoren auf umweltfreundlichere Antriebe um. Die Bauma zeichnet diesen Trend seit seinen Anfängen nach. Auch bei der kommenden Ausgabe zählt „Alternative Antriebe“ zu den Leitthemen.

Zahlreiche Hersteller wie auch Anwender von Baumaschinen haben sich bereits zur Dekarbonisierung verpflichtet. So kündigte beispielsweise die Volvo-Gruppe an, ab dem Jahr 2040 nur noch Fahrzeuge auszuliefern, die komplett ohne fossile Brennstoffe angetrieben werden. Im gleichen Jahr will die Strabag SE, eines der größten Bauunternehmen Europas, entlang seiner gesamten Wertschöpfungskette Klimaneutralität erreichen, was natürlich den Betrieb ihrer Baumaschinen einschließt.

E-Motoren etablieren sich

Als mittlerweile feste Größe beim klimafreundlichen Antrieb von Baufahrzeugen und -maschinen können Elektromotoren eingestuft werden. Ob Bagger, Radlader, Walzen, Dumper oder Vibrationsplatten – schon bei den letzten Ausgaben der Bauma präsentierten viele Aussteller neue Lösungen aus ihrem immer wachsenden E-Portfolio. Und die Entwicklung wird sich wohl fortsetzen: Laut einer Prognose des Analyse- und Beratungsunternehmens IDTechEx wird der weltweite Markt für elektrische Baumaschinen im Jahr 2042 einen Wert von 105 Milliarden Dollar haben.

„Nach wie vor bieten sich für batterieelektrische Systeme in erster Linie Kompaktmaschinen an. Deren täglicher Energie- und Leistungsbedarf kann von einem Elektromotor und einer Lithium-Ionen-Batterie moderater Größe in Verbindung mit einer wohl definierten Ladestrategie gedeckt werden“, sagt Timo Feuerbach, Technikexperte für Baumaschinen und Baustoffmaschinen beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). In diese Kategorie gehört als aktuelles und zukunftsweisendes Beispiel der Bobcat Konzeptlader RogueX2. Die vollelektrische Maschine arbeitet nicht nur lokal emissionsfrei, sondern nach Herstellerangaben auch vollständig autonom.

Herausforderungen und Grenzen

„Bei größeren und schwereren Baumaschinen stoßen E-Antriebe derzeit allerdings vielfach noch an technologische und – durch die Mehrkosten für die Elektrifizierung – auch wirtschaftliche Grenzen“, so Feuerbach. Hinzu kommen Herausforderungen bei der Stromversorgung und der Ladeinfrastruktur. So kann insbesondere bei Baustellen in ländlichen oder abgelegenen Gebieten die verfügbare Netzkapazität für den hohen Energiebedarf der E-Maschinen nicht ausreichen. Lange Ladephasen wiederum schränken die Betriebszeiten ein. „Die Branche sucht hier aktuell nach praktikablen und finanzierbaren Lösungen, beispielsweise durch den Einsatz von mobilen Ladeeinheiten und Schnellladestationen oder die Implementierung intelligenter Energiemanagement-Systeme“, beschreibt der VDMA-Experte. Es zeigt sich: Für möglichst klimaneutrale Antriebe über die gesamte Breite des Bauwesens hinweg ist Technologieoffenheit gefragt. So kam beispielsweise eine von der Liebherr-Firmengruppe in Auftrag gegebene Lebenszyklus-Analyse zu dem Ergebnis, dass bei Mobilkranen der Betrieb mit hydriertem Pflanzenöl (HVO) das größte Einsparpotenzial an Treibhausgasen verspricht. Weitere Kraftstoffalternativen, die zur Dekarbonisierung der Baustellen beitragen können, sind Biodiesel, Biogas und E-Fuels.

Bauma: Weltleitmesse als Impulsgeber

Die Arbeit der Maschine kann quasi aus dem Homeoffice gesteuert werden.

Bauma: Weltleitmesse als Impulsgeber

Noch nicht in Serie: Der elektrische Konzeptlader Bobcat RogueX2 arbeitet vollständig autonom.

Wasserstoffantriebe

Unternehmen und Forschungseinrichtungen widmen sich zudem der Entwicklung und Erprobung von wasserstoffbetriebenen Baumaschinen. So präsentierte das Liebherr Produktsegment Komponenten auf der Bauma 2022 Prototypen von zwei Wasserstoff-Verbrennungsmotoren; eine Serienproduktion wurde für 2025 angekündigt. Darüber hinaus lotet die Branche auch die Einsatzmöglichkeiten von Brennstoffzellen aus. Zum Beispiel arbeiten General Motors und der Baumaschinenhersteller Komatsu zusammen an einem Wasserstoff-Brennstoffzellen-Modul für einen elektrischen Muldenkipper. Außerdem hat Komatsu als Konzeptmaschine einen mittelgroßen Hydraulikbagger mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-System entwickelt.

Noch Fragen offen

„Bevor alternative Kraftstoffe in großem Stil zum Einsatz kommen können, müssen jedoch noch Fragen zu deren Herstellung und Verteilung geklärt werden“, unterstreicht Timo Feuerbach. Für einen wirklichen Umweltnutzen sollten nach seinen Worten zum Beispiel die Pflanzenöle möglichst nur aus Pflanzen- und Speiseabfällen produziert werden und weitgehend flächendeckend zur Verfügung stehen. Ähnlich sehe es bei Wasserstoff oder E- Fuels aus. Neben der Gewinnung in ausreichenden Mengen aus CO2-neutralen Quellen sei auch hier der Aufbau eines umfassenden Verteilnetzes eine Vorbedingung.


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